Veränderung durch Krankheit

Ich schlafe gut…und vor allem: Ich schlafe auch schnell ein. Nach so einer Fahrt habe ich manchmal schon etwas Zeit nötig, um runterzukommen. Da wir aber noch ein Weilchen zusammengehockt haben, hatte ich die nötige Zeit, abzuschalten. Entsprechend war die Nacht dann voll ok. Einen Traum kann ich auch nicht erinnern. Nicht weiter schlimm, weil ich die Prüfung nicht noch mal durchleben will. 🙂

Dafür schniefe ich wieder wie ein Elch. Nicht gut, denn das dauernde Niesen und Schniefen kostet mich Kraft. Da meine Neffen draußen aber sägen und mit Holz arbeiten, kann ich nicht differenzieren, ob es Allergie oder eine Erkältung ist. Ich weiß nur, dass ich wohl doch müder von der Arbeit war…und nun durch die Entspannung körperlich einiges zutage tritt, was in der Anspannung hübsch verdeckt war. Doch da hilft alles nichts, ich muss heute wieder in die Schule.

Woran man merkt, wie sehr ich neben der Spur laufe: Obwohl mein halber Hausstand eingepackt wurde, fehlt mein Ladekabel für den Laptop. HALLO?! Wie doof kann man sein?! Aber ich habe dieses Kabel wohl hübsch Zuhause liegen lassen. Und da liegt es dann nun einsam einen gesamten Monat lang. Hätte ja ruhig mal die Backen aufmachen können. Aber nein, vermutlich spielt es jetzt noch beleidigte Leberwurst, weil ich es vergessen habe. Das kann was erleben, wenn ich wieder heimkomme!
Entsprechend muss ich heute Morgen kurzfristig umdisponieren und auf den Rechner von meinem großen Neffen zurückgreifen. Doof nur, wenn man am eigenen Laptop Favoriten angelegt hat… Da kommt schon plötzlich ein bisschen Hektik auf. Aber es passt auch zum heutigen Thema „Neuropsychologie“. Naja, dieses Thema liegt mir natürlich besonders am Herzen, weil meine Mutter vor 21 Jahren einen Schlaganfall erlitten hat. Welche Einflüsse das aufs Hirn nimmt, kann man sich als Laie schon auch in manchen Teilen vorstellen, aber es dann mal so aufbereitet zu sehen, ist dann doch was anderes. Ich stelle der Dozentin einige Fragen und erkenne in manchen Beispiel-Erklärungen einiges wieder.

Viele Menschen denken: Wenn man doch weiß, dass jemand einen Schlaganfall hatte, dann darf man ihm/ihr auch nichts übelnehmen. In dem Fall sage ich gerne: „Weißt Du, was? Mach´ die Erfahrung mal mit einem Angehörigen über Jahre. Danach sprechen wir uns noch mal. Bis dahin: Laber´ eine Parkuhr voll!“ Wie häufig Menschen meinen, andere belehren zu dürfen, ist schon heftig. Und ja, jeder darf eine eigene Meinung haben. Aber wenn ich von etwas so gar keine Ahnung habe, sollte ich besser einfach mal schweigen.

In der Tat kann ich mir vorstellen, mit Angehörigen pflegebedürftiger Menschen zu arbeiten. Dieses Themengebiet ist vielfältig, weil es auch wieder so ein Bereich ist, der mit Schuld und Scham besetzt ist. „Er oder sie hat mich doch auch groß gezogen. Da muss ich doch die Pflege umgekehrt auch übernehmen.“ Und dann dieser Druck von außen, wenn man einen Elternteil „ins Heim gibt“. Meist heißt es ja nicht „abgeben“, sondern „abschieben“. Und da muss man auch nicht lange suchen, um jemanden zu finden, der einen verurteilt. Wer einmal über einen längeren Zeitraum gepflegt hat, weiß, wie erschöpfend das sein kann. Leider verändern sich viele Menschen auch im Laufe ihrer Krankheit…und selten zum Besseren. Meine Mutter war beispielsweise nie missgünstig, negativ oder böse. Heute erfüllt sie alle diese Bereiche hervorragend. Ich habe einmal gesagt, dass meine eine Mutter am 07.03.1999 gestorben ist. Nun lebt „nur noch“ meine andere Mutter. Ich kann mir vorstellen, dass mancher über diese Aussage schockiert sein mag. Glaubt mir: Das bin ich auch. Aber nur so ist es zu ertragen. Gewünscht hätte ich es mir (und ihr) auch anders. Wir reden in diesem Fall von zwei völlig unterschiedlichen Menschen. Meine alte Mama vermisse ich oft…sehr sogar.

Aber nun ist Feierabend für heute. Ich bin durch – müde und auch emotional gesehen. Jetzt geh´ ich zu meiner Familie, die mich schnell auf andere Gedanken bringen wird, was auch gut so ist. Das ist etwas, was mir in meiner Bude in Bayern fehlt. Da ist es zwar ruhig, ohne dass einer nervt. Aber da ist es auch nur ruhig…und keiner da, der mich ablenkt. Ach ja. Ich werde die nächsten Wochen genießen.

mit Sack und Pack im Rheinland

Ich bin echt früh ins Bett verschwunden, aber nicht sicher, ob das so gut war. Ich fühle mich zum Glück wieder fit heute, doch meine Träume! Puh! Onkel Hubert kommt drin vor. Wer das ist? Ein verlogener, fieser Drecksack und der Bruder meiner Mom. Gesehen habe ich ihn vor vielen Jahren das letzte Mal. Er ist der einzige Mensch, an dem ich – ohne mit der Wimper zu zucken – vorbeigehen würde, wenn er um Hilfe bitten würde. Richtig, sogar Heinz würde ich helfen. Und ja, ich weiß, wie hart das klingt – also das mit meinem Onkel, nicht mit Heinz. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Hubert jedoch überhaupt mal wiedersehe, ist gering. Sein Hilfegesuch noch unwahrscheinlicher. In meinem Traum war er jedenfalls schwerkrank, weshalb eine liebe Tante, die er immer gepiesackt hat, zu ihm geht und ihre Unterstützung anbietet. Wie ich auf so einen Schwachsinn komme? Keine Ahnung. Ich wohne ja nicht in meinem Kopf.

Der zweite Traum ist noch viel schlimmer. Ich bekomme das Angebot unterbreitet, die Prüfung noch mal zu machen. Es seien neue Erkenntnisse hinzugekommen. Neugierig, wie ich bin, schaue ich kurz rein, um dann festzustellen, dass die Zeit schon läuft und das Ergebnis des alten Tests leider auch verfällt. Von den Fragen kann ich keine einzige beantworten. Eine halbe Stunde vor dem Wecker werde ich völlig fertig wach. Man, man, man, was hallt dieses Ereignis noch in mir nach.

Um 4:39 Uhr ist es doch noch zu früh, aufzustehen, aber um 6: 14 Uhr bringt es auch nichts mehr, sich noch mal umzudrehen. Es zieht mich gen Rheinland. Von 9 bis 10 Uhr habe ich noch einen Termin, doch sofort im Anschluss düse ich auch schon los. Mein armes Auto ist komplett voll. Ich kann schon noch rausschauen. Doch wie sagt mein Schwager zu meiner Begrüßung an seine Frau gewandt: „Hilfe! Die will hier einziehen!!!“ Nö, nur vorübergehend. Die Fahrt verläuft völlig reibungslos – zumal für einen Freitag. Ich schaffe es in unter sechs Stunden und werde mit warmem Essen belohnt. Ich bin „Zuhaus“… also in einem Teil meines Zuhauses. Wo mein richtiges Zuhause ist, kann ich gar nicht sagen. Aber das macht auch nichts. Für den Moment bin ich glücklich. Und das zählt.

is mir usselig

Heute fühle ich mich echt malat. Keine Ahnung, woran das liegt? Ich niese etwas, fröstel ein wenig. Und nein, es ist kein Corona. Wohl einfach das Ergebnis nach dem Runterfahren. Es ist ganz gut, dass ich heute eine ruhige Kugel schiebe. Wobei…ruhig ist wohl das falsche Wort. Ich muss noch waschen, bügeln, packen, aufräumen, das Auto beladen, kochen usw. In solchen Momenten hätte ich schon gerne einen Butler. Was wäre das toll, sich aufs Sofa zu schmeißen und dabei zuzusehen, wie andere die Arbeit für einen erledigen. Ich sag´ ja: Eigentlich gehöre ich gekrönt. Oder glaubt Ihr, Queen Elisabeth würde ihre Plörren selbst packen? Nee? Ich auch nicht. Die weiß eben, wie es geht. Dabei könnte ich dann Kekse mümmeln, die Äuglein schonen oder was auch immer machen. Ein Träumchen…was wohl eines bleiben wird.

Ich komme nur langsam aus dem Pudding und bin verdammt dankbar, einen Aufzug im Haus zu haben. Damit kann ich alles locker runter zum Auto befördern. Mittlerweile sind die meisten Sachen schon gekramt. Nur die Wäsche will noch nicht so ganz trocken werden. Das passt schon alles. Den Müll habe ich auch brav entsorgt. Immerhin reden wir von einem Monat, den ich weg sein werde. Das ist ein Zwölftel vom Jahr. Ja, Ihr könnt mich ruhig Mathe-Genie taufen. Ich weiß, was ich kann…und was eben nicht.

Apropos Können: Hatte ich erwähnt, dass es doch von Vorteil war, sich durch die ätzende Prüfung zu quälen? Hätte ich die bei einem deutschen Institut gemacht, müsste ich sie alle zwei Jahre wiederholen. Krass. Mein Zertifikat verfällt hingegen nicht. Bei erster Hilfe kann ich das durchaus nachvollziehen, aber bei dieser Fortbildung? Da ist das doch echt freche Geldmacherei. Aber: Es gibt wohl genügend Leute, die dafür zahlen. Ich mag so einen Hype ja nicht. Nur machen sich manche Firmen damit so wichtig, dass das dann wiederum vielen imponiert. Wie so was funktioniert, erschließt sich mir nicht, klappt aber auch in etlichen anderen Bereichen. Wer kauft sich schon ein teures iPhone? Jede Menge. Da dreht sich in mir alles um.

Aber weil mir immer noch usslig (rheinischer Begriff) ist, mache ich mal Schluss und erhitze mir mein Traubenkernkissen. Schließlich will ich morgen fit und frisch die 650 km runterreißen. Also: Haltet Euch warm, bleibt gesund, und genießt die Ruhe.

the final countdown

Hoch die Hände – ääääh…zumindest fast Wochenende. Morgen mach´ ich absolut nix für die Arbeit. Und es ist auch abgestimmt. Also bin ich noch beruhigter. Entsprechend muss ich diesen einen Tag nur noch runterrocken. Das ist ja ein Träumchen. Was will ich mehr? Als ich aus der Tiefgarage hochfahre, bin ich einmal mehr dankbar, mein Auto nicht draußen stehen lassen zu müssen. Heute Morgen nehme ich nämlich echt einige arme Socken wahr, die bei minus sechs Grad ihre Scheiben freikratzen müssen. Das ist kein Spaß. Und wie ich da so fahre, denke ich noch: „Morgen um die Zeit kann ich mich noch mal im Bett umdrehen. Ooooooh, was bin ich doch ein Glückskeks.“ Ein bisschen schäme ich mich fast…aber dann doch nur fast. Ich habe schließlich noch 16 Urlaubstage. Andere haben ihren Urlaub eher im Sommer genommen. Ich wollte in diesem Jahr eben im Winter wegfliegen. Nun „fliege“ ich nur mit dem Auto in eine coole, abwechslungsreiche Zeit.

Im Parkhaus stelle ich mal wieder fest: Es können nicht so viele im Home Office sein. Und dabei ist gerade erst mal 6:50 Uhr. Aber juut, ist mir ja auch wurscht. Es sind nur noch ein paar Stunden hier. Und so pinsel´ ich die restlichen Flipcharts, schreibe meine Abwesenheitsnotiz (juchuuuuu) und ziehe dann meinen letzten Workshop für dieses Jahr durch. Da ist auch wieder mein Chef anwesend und glänzt – leider – wieder einmal mit seiner fehlenden Intelligenz. Auch von diesem Thema, was wir hier erarbeiten, ist Heinz betroffen. Und auch das wird er nicht anwenden können. Mein Chef erwartet aber, dass ich ihm auch das beibiege. Unter vier Augen sage ich ihm dann noch mal klipp und klar, dass dies nicht meine Aufgabe sei. „Jo, oba wos soll i moch´n? Du sogst imma, i konn´ den net imma schonen.“ Ich hole tief Luft: „Richtig, mein Schöner. Aber das ist eine Führungsaufgabe! Da musst Du handeln und es nicht auf andere abwälzen – in dem Fall komplett auf mich im nächsten Jahr.“ Er lacht wieder mal verlegen auf. Ich finde es nicht lustig. Welche Lösung ich denn vorschlagen würde? „Du bist die Führungskraft. Du findest die Lösung. Das ist nicht meine Aufgabe. Und ich lasse mir im nächsten Jahr nicht die Nerven von dem Affen schleifen.“ „Jo, des gilt´s einzumfong´n.“ Ich ziehe nur eine Augenbraue hoch: „Von wem?“ „Von uns zwoa.“ Ich bin es echt satt, gegen eine Mauer zu predigen. Ich werde im nächsten Jahr eine Leitung verlegen, die ich an meinen Chef und Heinz anschließe. Und immer, wenn der eine doof, arrogant, beratungsresistent ist und der andere wieder nicht reagiert, kriegen beide einen kleinen Stromschlag. Zeigt das keine Wirkung, wird die Stärke nach oben korrigiert. Ja, das ist ein Scherz. Ich habe doch leider keine Ahnung, woher ich so eine Leitung mit Fernbedienung beziehen könnte und wie man diese richtig verkabelt. 🙂

Irgendwann ruft mich ein ehemaliger Coachee dann noch an, der sich nächste Woche mit mir treffen wollte. Aber ich hätte da ja alles auf abwesend stehen! Ach! Ich hätte jetzt echt bis nächstes Jahr Urlaub??? Ja, so viel ist mal sicher. Hm… Was ich denn nun machen würde? Abschalten, mit meiner Familie abhängen, Kekse futtern, Gesellschaftsspiele spielen. Aha. Ob das denn Corona konform sei? Isses. Ja, er glaube da ja eh nicht so dran. Ich bremse ihn gleich ein: „Ich weiß. Und ich will nicht wieder darüber diskutieren.“ Jaaaaaa, aber die Merkel. Ich hasse es ja, wenn sie hier im Radio schon häufig nur „die Mutti“ genannt wird, was ich mittlerweile echt nur noch respektlos ohne Ende finde. Und dieses Gekotze über „die Merkel“ kann ich dann auch echt nicht mehr hören. Sie ist keine Heilige, sie hat auch Fehler gemacht, aber sie macht einen – aus meiner Sicht – verdammt guten Job. Ich frage ihn kurz nach einer Alternative. Ja, diese Herren (klar, muss ja unbedingt wieder einer mit ´nem Schniepel sein) hätte die Gute ja schon allesamt weggebissen. Ich kann mir eine triefend ironische Anmerkung nicht verkneifen: „Ach ja, diese kleine Frau hat ja all die armen Männer weggebissen. Ganz ehrlich? Wenn das solche Muschis sind, haben sie auch nichts auf der Position verloren. Aber glaubst Du echt, die kann alles ganz alleine wegbeißen?“ Er räumt schnell ein: „I woaß, Du siagst des onders.“ „Ja, ich habe kein Mitleid mit diesen kleinen Jungs, die laut schreien, nix leisten und immer ´Mimimimi´ jammern. Und ich glaube auch nicht an einen Alien-Einfluss auf Angela Merkel. Ich mag sie, ich bewundere sie für ihre Geduld und Diplomatie und würde tatsächlich für die Jungs im Bundestag die Prügelstrafe einführen.“ Da sagt er dann lieber nichts mehr. Besser ist das.
Ich mag dieses Gejammer und Gemecker nicht, zumal es uns im Verhältnis zu anderen Ländern noch verdammt gut geht. Aber manche fühlen sich im Meckermodus einfach sauwohl. Nur habe ich es dick, mir das immer anzuhören. Ach ja…so ein bisschen Aufregung hat ja auch mal was.

Der Tag geht ansonsten spektakulär langweilig vorüber. Jetzt höre ich noch mal was zum Thema Sucht, bevor ich dann früh pennen gehe und mir keinen Wecker für morgen stelle. Wenn das nicht mal Traumaussichten sind! Ich wünsche Euch anregende Träume…

zieht mal Heinz aus meinem Hintern!

Heute Morgen bin ich noch glücklicher, weil mein Workshop ausfällt. So kann ich von Zuhause aus arbeiten und gelassen nach draußen blicken, wo es schneit. Ich mag Schnee. Er hat was Beruhigendes, alles wird leiser. Nur wenn ich an Freitag denke, wenn ich 650 km brettern muss, weiß ich nicht, wie toll ich das finde. Doch: Was will ich machen? Wenn Heinz schon nicht auf mich hört, wieso sollte es dann Petrus tun? Von dem habe ich ja noch nicht mal ´ne Telefonnummer.

Ich bereite ein paar Sachen nach, ein paar Sachen vor. Dem Leiter, mit dessen Team ich heute meinen Workshop durchgeführt hätte, habe ich zugesagt, noch mit ihm zu skypen. Das tun wir dann auch, wobei er sich wortreich erneut entschuldigt. Er ist echt enttäuscht von seinen Mitarbeitern. Tja, das kann ich ihm nicht abnehmen. Aber wir schieben es ja nur auf und sagen es nicht gänzlich ab. Ich stelle ihm einfach mal alles genau vor, was wir dann nächstes Jahr tun werden. Und er ist wohl begeistert…und noch zerknirschter, weil er sieht, wieviel Arbeit das war. Oh man, dabei bin ich echt enspannt. Es war ja nicht umsonst. Daher passt das für mich. Ich genieße es richtig, alles noch in Ruhe regeln zu können, bevor ich dann frei habe. So hatte ich es mir ja auch gewünscht.

Nur nachmittags…da habe ich dann eine Skype-Konferenz mit meinem Chef und Heinz. Oh, wie ich so was ja immer liebe. Dieser Mensch triggert mich einfach, wo es nur möglich ist. Aber: Da krisste de Poort net tow – oder einfach die Tür nicht zu. Mein Chef fragt, wieviel Aufwand es denn sein würde, wenn wir im nächsten Jahr die Arbeit von einem externen Trainer in einem Center übernehmen würden. Hä? Ich merke an, dass als erstes eine saubere Auftragsklärung vorangehen müsste. Jaja, das schon, aber… Puh, keine Ahnung, warum wir das Pferd immer falsch herum aufzäumen müssen. Aber wenn wir denn nun die Schulungen machen würden. Ich frage mal anders herum: „Wer ist denn die Zielgruppe? Andere Coaches? Oder Führungskräfte auf unterster Ebene? Oder das mittlere Management?“ Ach so…ja, das seien ja echt Unterschiede. Und dann bin ich ganz ehrlich und sage: „Hm, es kommt ja darauf an, wer die Schulung hält. Heinz, für Dich sind die bestehenden Unterlagen ja ok. Da müsste nichts verändert werden, Du könntest bei den Coaches direkt starten. Wenn ich die Schulung machen soll, lehne ich diese Unterlagen aber ab. Ich habe immer gesagt, wie Grütze ich die finde – völlig am Adressaten vorbei.“ Da räumt Heinz ein, das würde er voll verstehen und wisse ja, wie hoch mein Anspruch sei und er sich auch mehr daran orientieren müsse. Er würde gerne von mir lernen und sei mehr als willens, diese Schulungen vernünftig aufzubereiten. Ich kippe fast hintenüber. Äh? Er schmiert mir Honig ums Maul, lobt meine Erfahrungen und Fähigkeiten…und ja, das klingt ja ganz nett. Was ich aber nicht will: Ich werde wieder vor den Karren gespannt, während Heinz sich anschließend damit schmückt. Aber die Rechnung macht er dann ohne mich. Wobei…mittlerweile bin ich mir fast sicher, dass er das auch weiß und eher vorsichtig ist. Heißt aber unterm Strich dann dennoch: Er verdient mehr als das Doppelte von mir und ist nicht in der Lage, ganz vieles, was ich selbstverständlich machen soll, zu leisten. Das ist echt nicht mehr normal. Und nein, ich bin nicht bescheuert: Wenn ich morgen das Unternehmen verlasse, dreht sich die Welt da munter weiter und wird mich nicht vermissen. Bisher tut es das alles ja auch mit sehr geringem Qualitätsstandard. Aber das ist eben nicht, wie ich arbeite. Mit anderen Worten bedeutet das dann aber trotzdem, dass ich im nächsten Jahr in gleich zwei Bereichen mit dem lieben Heinz zusammenarbeiten darf. Das wird eine Herausforderung – für uns beide. Denn ich kann nicht anders, als bei ihm klare Kante zu zeigen. Das wird ja ein Spaß werden…wem habe ich eigentlich ans Bein gepullert oder in die Suppe gerotzt? Kann mir das mal eine beantworten?
Ja, ich arbeite nächstes Jahr auch mit meinen lieben Kolleginnen zusammen, aber wenn mein Chef immer mehr Kapa von mir anders verplant, wird der Bereich immer kleiner. Er weiß auch, dass ich zu viel habe, aber dann kommt er mit dem Schubkarren an und häuft noch was auf. Ich vermute mal, das nächste Jahr steht bei mir unter dem Motto: Grenzen ziehen und NEIN sagen. Wird ja auch mal Zeit.
Aber ich will nicht jammern: Morgen fahre ich das letzte Mal in die Arbeit für dieses Jahr. Also wird alles gut.

Einhorn vs. Miststück

Es war Vollmond letzte Nacht. Wieso hat mich eigentlich keiner gewarnt? Ich habe nämlich nicht so geilo gepennt. Aber es hilft ja alles nix, ich muss trotzdem ranklotzen. Ich schiele im Auto auf die Anzeige und denke schon, jetzt ist mein Auto kaputt, weil es vier Grad anzeigt. Nie im Leben sind es vier Grad! Und dann schaue ich noch mal hin, um dann das Minus davor wahrzunehmen. Na, geht doch! Minus vier Grad!!! Oida, wenn des koa Winta net is!

Kurz vor unserem Meeting erfahre ich: Der Workshop für morgen ist gecancelt. Scha-watt bitte schön?! Der Leiter ist vollkommen zerknirscht, aber seine Leute hätten heute Morgen gesagt, es sei ihnen zu Corona-Zeiten jetzt doch zu heikel, den durchzuführen. Äääääh, das war doch genau das, was ich letztens abgefragt hatte, wo noch alle „Nööööö, wir wollen das unbedingt machen“ getrötet haben. Is klar, oder? Ich muss echt lachen und hau´ raus: „Wenn Du wüsstest, wie lange ich da gestern noch dran gebastelt habe.“ Er hat ein zentnerschweres schlechtes Gewissen: „Wie kann ich das bei Dir wiedergutmachen?“ Er kann ja nicht dafür. Aber kurz überlege ich, ob er mir einen großen, breitschultrigen Typen organisieren könnte, der mich auf Händen trägt, Humor hat, a bissl a Hian a… Aber ich will ihm keine unlösbaren Ideen kredenzen. Manchmal ist es, wie es ist. Eigenartigerweise füllt sich so ein Tag, der frisch abgesagt wird, dann furchtbar schnell mit furchtbar vielen anderen Terminen. Ein Hoch auf Heinz…

In unserem Meeting kreiert mein Chef dann das Wort „abzusondieren“. Mei, wenn es ja schon „fundamentiert“ und „propagandiert“ gibt, wieso nicht auch dieses Wort? Sind die anderen beiden nicht so allein. Er beginnt das Meeting aber mit den Worten, dass wir uns doch heute wirklich mal auf das Wesentliche konzentrieren und uns entsprechend kurzfassen sollen. Hoppla. Und siehe da: Es klappt! Wir schaffen es in 17 Minuten. Ich bin von den Socken. Ehrlich. Ist doch auch mal schön.
Bei den Erfolgen nenne ich dann tatsächlich meine bestandene Prüfung. Ich gebe auch zu, die erste mit 80 % versiebt zu haben. Was soll ich da lügen? Nach der Besprechung sucht mein Chef mich dann heim. Er wollte mir persönlich gratulieren. Hä? Ja, ihm sei durchaus bewusst, was ich leiste. Ah ja. Und er will natürlich noch etwas positive Energie saugen, weil er wieder mal in den Seilen hängt. Es tut mir wirklich leid, wie sehr er sich alles zu Herzen nimmt. Dabei hat er echt nichts mehr zu befürchten. Alle Schäfchen sind im Trockenen, er hat 45 Jahre Betriebszugehörigkeit. Aber sag´ das mal dem Gefühl. Ist wohl nicht so einfach für ihn. Naja. Er fragt mich dann aber nach über einem Jahr auch mal wieder was Privates: „Moanst denn, Du konnst obschaltn in Dei Ualaub?“ Warum denn nicht? Nur weil ich nicht wegfliegen kann? Quatschiquatsch. Ich sage ihm, dass ich heimdüse – also nicht zu meinen Eltern, aber zu meiner Sis mit Anhang. Meine Eltern…nun ja, die bleiben ein Kapitel für sich. Als wir uns verabschieden (dabei sehen wir uns Mittwoch noch mal), sagt er nur: „Mädchen, sorg´ für Di!“ Da staune ich aber mal ein bisschen. Aber es fühlt sich trotzdem gut an.

Nach Kleinkram und Gepöddel, gebe ich noch eine Schulung für drei Leute. Ich kenne alle schon – und sie mich. Es sind ausnahmslos Bayern, die sich immer über meinen Enthusiasmus beömmeln. Doch das dürfen sie auch. Immerhin verziehen sie so mal die Mundwinkel nach oben. Der Jüngste im Bunde ist 23. 23!!!!!!! Alter, der quietscht ja noch. Ok, auch der Spruch lässt ihn grinsen. Ich frage, ob es die vollkommene Störungsfreiheit geben könnte, die wir ja anstreben, was er mit einem Nicken bestätigt. Mit großen Augen schaue ich ihn an und frage trocken: „Samma, in welcher Welt lebst Du denn? Gibbet da auch Einhörner? Dann komm´ ich da auch mal vorbei.“ Er grinst: „Mach´ ruhig, is´ schön hier.“ Kurzerhand taufe ich ihn auf den Namen „Einhorn“. Es sind zu viele Menschen, mit denen ich immer zu tun habe. Da brauche ich manchmal einfach Spitznamen, weil ich sie mir so besser merken kann. Schicksalergeben nimmt er den Namen an. Als ich die drei später etwas frage, was sie eigentlich wissen sollten, sie aber mit Fragezeichen im Gesicht zurücklässt, sage ich: „Ich weiß, ich bin schon ein Miststück“, worauf der Kleine im Brustton der Überzeugung raushaut: „Stimmt.“ Ich schmeiß´ mich weg – die zwei anderen auch. Nur der Kleine reißt kurz die Hände hoch: „Nee, so war das nicht gemeint.“ Ich winke ab: „Passt schon, ich nenn´ Dich ja auch Einhorn. Da darfst Du auch Miststück sagen.“ Herrlich. Es sind durchweg junge Leute. Bei Älteren würde ich auch nicht so locker daherreden…wobei…meist scheiß´ ich mir da ja auch nix.

Der heutige Tag war entspannter, als gedacht – wenn auch voller Termine. Morgen mache ich nun Home Office, aber gemächlich. Die Hektik ist überraschend schnell gewichen. Jetzt muss ich nur noch mit meinem Kopf komplett nachkommen, damit ich dann ruhig in den Urlaub starten kann. Immerhin muss ich in Höchstform sein, denn meine Neffen sind nicht mehr die kleinen Jungs, die ich veräppeln kann. Da muss ich selbst höllisch aufpassen, dass sie mich nicht den lieben langen Tag auf die Schippe nehmen. In diesem Sinne..krabbel´ ich deswegen mal so langsam ins Bett. Morgen geht der Wecker allerdings nicht um 5:30 Uhr. Welch Luxus! Ich kann eine Stunde länger pennen…gehabt Euch also wohl für heute.

Geschafft

Gut, es muss keiner vermöbelt werden. Und ich muss auch nichts anderes kaputtschlagen. Ich habe meine Prüfung mit 92,5 Prozent bestanden. Holla die Waldfee, war ich angespannt! Normal finde ich es nach wie vor nicht. Es ist echt Geldmacherei. Die Initiatoren haben sich seinerzeit bestimmt was Tolles dabei gedacht, aber heute will man nur noch schauen, wie man sich dadurch bereichern kann. Sorry, aber wann hat man jemals gehört, dass man eine Prüfung mit 85 Prozent bestehen muss? Völlig lala. Und die Vorbereitung, die wir in dem zweitägigen Kurs hatten, hat nicht dazu beigetragen, die Prüfung souveräner abzulegen. Irgendwie ärgert mich das schon. Gut, ich musste das Geld hierfür nicht selbst berappen. Trotzdem gefällt mir diese Masche nicht. Hätte ich nochmals verkackt, hätte ich mir ja überlegt, die „leichtere“ Prüfung in einem anderen Institut abzulegen und die Kohle dafür aus eigener Tasche zu zahlen. Verrückt, ich weiß. Und unterm Strich sollte ich jetzt einfach mal runterkommen und meinen Puls in normale Gefilde bewegen. Wäre da nicht ein Aaaaaaaaaber. Denn ich bin ja so ein Gerechtigkeitsfanatiker. Diese Menschen, die nach dem Motto leben: „Nach mir die Sintflut“, können nicht mit mir verwandt sein. Ich habe nur leider noch so gar keine Ahnung, wie ich da was bewegen kann, damit sich die Menschen nach mir nicht auch so rumquälen müssen. Mal sehen, was mir noch so einfällt.

Nach der Prüfung ist ja bekanntlich vor dem Endspurt. Und auch, wenn ich jetzt gerne „Hoch die Tassen, Monegassen“ spielen würde, muss ich leider noch was arbeiten. Ja, ich weiß, es ist Sonntag. Hilft aber echt alles nichts. Und je eher mich da ransetze, desto eher habe ich Feierabend. Gesagt, getan…und dann ist 18:15 Uhr. Jetzt fahre ich aber endgültig meinen Laptop runter. Wenn ich schon sonntags neun Stunden mit der Arbeit beschäftigt bin, dann läuft da irgendwas so überhaupt nicht rund. Hätte ich mal als junger Mensch was Gescheites gelernt. Prinzessin oder so was. Ich bin schließlich immer noch nicht gekrönt worden. Jetzt habe ich ja wieder mehr Zeit, die Krönung voranzutreiben…wohoooooo.

Nach dem Arbeiten ist dann vor dem Telefonieren. Nach nur zwei Stunden Telefonat mit meiner Cousine, wo wir wieder unser Leben auseinanderpflücken und feiern, wie gut es ist, eigenständig denken und leben zu können, bin ich für heute echt erledigt. Ich bin durch. Wenn ich heute nicht wie ein Lämmchen schlafe, dann weiß ich es auch nicht. Der größte Brocken ist weg. Aber die nächsten Tage werden dann auch noch mal lang. Da brauche ich weniger meinen Schönheits-, als vielmehr meinen Erholungsschlaf. Wobei…Schönheit schadet auch nicht. Also dann, nehme ich einfach beides. Da kenn´ ich nix, da bin ich gierig.
Danke an alle, die die Daumen gedrückt haben…und nur heimlich hinter vorgehaltener Hand über mich gekichert haben, als ich dann doch langsam hysterisch wurde.

irgendeiner wird dran glauben müssen

Neuer Tag, neues Glück, gleiches suppiges Wetter wie gestern. Wisst Ihr, worauf ich an solchen Tagen am meisten Bock habe? Auf Kino. Nur hat gerade leider keins geöffnet. Und außerdem muss/darf ich ja lernen. Darauf habe ich so gar keinen Bock. Ich schaue zum Fenster hinaus in die trübe Natur, weil ich eine Bewegung wahrnehme. Ah, da ist ja auch mein Freund, das Eichhörnchen. Ich vermute mal, es hat heute den Turbo eingelegt, weil es echt freckskalt ist. Brrrr…wir haben hier noch Minusgrade am Morgen, was ich ja echt auch schön finde. Aber für das kleine Eichhörnchen tut es mir schon leid. Das friert sich ja locker die Nüsse ab, der arme kleine Schlumpf! Auf Dauer wird es diese Geschwindigkeit nämlich nicht beibehalten können. Armes Hascherl. Ich hoffe, es kann nachher in einen warmen, muckeligen Bau kriechen. Da würde ich auch gerne hin. Und den Winter verpennen. Nee, ich mag den ja nach wie vor, aber das Lernen zu verpennen, das wäre schon eine Traumvorstellung. Hilft aber alles nichts, ich muss jetzt mal ranklotzen.

Heute mache ich das wahr, was ich eigentlich im Restaurant ja mal ausprobieren wollte: Ich mache mir eine Süßspeise als Mittagessen. Mich nervt die Lernerei massiv – zumal ich auch noch einiges für den Workshop und die Schulung nächste Woche vorbereiten muss. Echt krank, wie es dann kurz vor dem Urlaub doch alles noch so eskalieren muss. Normal ist echt was anderes. Und so mampfe ich dann Pflaumenstreusel. Ja, ich verzichte auf den Boden und mache einfach eine Art Auflauf daraus. Das klappt erstaunlich gut…und schmeckt himmlich. So gestärkt kann ich dann auch noch weiterlernen.

Was soll ich sagen? Der Plan war eigentlich, heute noch die Prüfung abzulegen. Nun habe ich aber so viel noch an Erklär-Videos geschaut, das doofe Handbuch auf Deutsch und auf Englisch gelesen, weitere Blogbeiträge zu den Unterlagen gesichtet…und bin platt. Zum Glück ruft meine Sis an und lenkt mich ab. Ich wollte nämlich gerade (da war es schon 17:15 Uhr) mit der Prüfung loslegen. Die beste Zeit ist das ja nicht mehr, um noch eine gute Leistung hinzulegen. Also quatsche ich mir einfach ausgiebig meinen Frust von der Seele und teile mit, wie sehr ich mich freue, wenn ich mich Freitag auf den Weg zu ihnen mache. Danach bin ich eine gute Stunde älter, aber auch wieder mehr auf dem Boden. Da mache ich keine Prüfung mehr. Stattdessen widme ich mich meinem Workshop und der Schulung für nächste Woche. Am Donnerstag werde ich so was von gar nichts im Home Office machen und mir die volle Stundenzahl aufschreiben. Selbst dann kommt die Firma mehr als gut weg. Ich bin aber auch ein Depp! Immer wieder nehme ich mir vor, das besser zu handhaben. Nicht umsonst schimpfe ich immer, Home Office nicht zu mögen. Das verleitet nämlich zu solchen Aktionen. Da bleibt mir kaum was anderes übrig. Oh man…neues Jahr, neues Glück. Da werde ich es dann wirklich, wirklich mal nachhaltiger angehen. Ich bewundere echt die Leute, die wirklich nach sieben Stunden den Stift fallen lassen. Ich rate auch jedem dazu. Sonst meinen „die da oben“ nämlich nachher noch, es habe keine Auswirkungen, wenn wir „kleinen Leute“ in Kurzarbeit sind und alle Arbeit doch zur richtigen Zeit fertig wird. Tja, rational betrachtet, weiß ich das. Mein kleines Dienstleistungsherz hat das nur noch nicht verinnerlicht. Wenn man aus der Arbeiterklasse kommt mit Putzfrau und Hausmeister als Eltern, hat man diese Haltung wohl einfach vollkommen verinnerlicht. Aber ja, ich kann jederzeit daran arbeiten.

Und so klappe ich dann meinen Arbeits-Laptop doch immerhin um 20 Uhr zu. Ich meine, ich sitze ja auch erst seit 9 Uhr daran. Gut, ziehen wir mal die Vorbereitungszeit für den Streuselauflauf, das Telefonat mit meiner Sis und das Lulu-Machen ab, dann ist es nicht mehr ganz so krass – haha. Oh man, ich komme weder in die Hölle, noch in den Himmel, sondern schlichtweg in die Deppen-Abteilung. Da drücken sie mir vermutlich den Putzlappen und die Kaffeemaschine in die Hand, damit ich mich hübsch kümmern kann. Naja, es gibt wahrscheinlich Schlimmeres. Ich könnte mit dem Wendler und Trump in einer WG landen. Dann sag´ ich Euch, werde ich denen aber das Putzen beibringen…vermutlich nutze ich dazu ihre Gesichter…?
Ihr seht schon: Allzu langes Arbeiten und Lernen bekommt mir nicht. In diesem Sinne gehe ich nun offline und bald ins Bett. Ich muss ja ausgeschlafen sein für meine Prüfung morgen. Wenn ich da keine 85 % erreiche, muss ich jemanden umhauen…mindestens. Wünscht mir – und ihm (der die Schläge abbekommen würde) – einfach Glück, dann klappt das schon.

Wer lernt schon gern für Prüfungen?

Känger, ech bön mööch. Versteht keiner, hm? Macht nichts. Ich bin trotzdem müde. Heute ist mein freier Tag bzw. mein Kurzarbeitstag. Und was mache ich? Ich sitze stundenlang vor dem Handbuch, diversen Erklär-Videos, die sie einem freundlicherweise an die Hand geben, aber alle auf Englisch sind. Da sind Native Speaker dabei…puh, ich sag´s Euch! Wenn ich so ein Video in meiner Muttersprache drehen würde, würde ich dennoch auf meine Redegeschwindigkeit achten. Prinzipiell habe ich – gemäß meines Naturells – auch eine hohe Geschwindigkeit beim Reden. Aber wenn ich referiere, etwas schule und erkläre, dann passe ich meinen Redefluss an. Das machen wohl nicht alle Leute so. Schade. Und dann schaue ich ein Video von einem polnischen Herren, der Englisch spricht und denke mir, er könnte auch fast in seiner Muttersprache sprechen, den Unterschied würde ich dann auch nicht heraushören. Doch die Aussichten sind himmlisch: Ich habe nicht nur heute schon etliche Stunden investiert, ich darf das auch morgen noch machen. Und wenn es blöd läuft, muss ich sogar noch Sonntag ran. Hey, da schlägt mein kleines, verkohltes Herzchen doch fast schon wieder schneller.

Das Gute dabei: Draußen wird es heute nicht einmal richtig hell. Es liegt so eine Nebelsuppe über allem, dass es nicht mal verführerisch wirkt, mal rauszugehen. Nach Coronoa bin ich wahrscheinlich zu einem Gruftie mutiert. Home Office und diese Lernerei machen mich echt antriebsarm, was Bewegung betrifft. Nicht, dass ich sonst eine sportliche Ausgeburt bin – nee, nee. Aber ich habe mich einfach mehr bewegt. Mittlerweile ist der Gang durch die eigene Bude an manchen Tagen das Einzige, was ich an Bewegung vorzuweisen habe. Und wir reden hier von 52 m². Puh, wenn ich dann bei meiner Sis bin, wird die beim Spazieren wieder ein Tempo vorlegen, das mich alte Frau japsen lässt. Irgendwie verkehrte Welt, denn immerhin ist sie drei Jahre älter als ich. Gut, sie hat immer schon mehr Sport getrieben als ich, aber trotzdem. Das Alter macht sich echt bemerkbar. Mein Plan ist, im nächsten Jahr wieder aktiver zu werden. Ich habe es sogar mal geschafft, ein Dreivierteljahr über jeden zweiten Tag ins Fitness-Studio zu laufen. Da war ich dann deutlich fitter. Spaß hat es mir leider nie gemacht. Hatte ich erwähnt, dass mein kleines Trampolin echt gut in meine Bude passt? Ja, es lehnt platzsparend hochkant in meinem Wohn-Esszimmer. Hochkant bedeutet, dass man es erst kippen muss, bevor man darauf hüpfen kann, richtig. Aber immerhin habe ich es noch nicht rausgeschmissen. Oh man, was bewundere ich diese disziplinierten Menschen, die sogar behaupten, Sport würde ihnen Spaß machen. Oder meine eine Kollegin, die gerne in den Bergen wandern geht: „Weißt Du, diese erste Dreiviertelstunde bis Stunde frage ich mich immer, warum ich mir das überhaupt antue, aber dann habe ich mein Tempo gefunden und laufe gerne weiter.“ Mmmh, das klingt für mich so logisch, wie: „Die ersten vier Bier schmecken mir auch nicht, aber danach sind sie dann auf einmal lecker.“ Richtig, durch die ersten vier Bier quäle ich mich genausowenig, wie durch die erste Stunde beim Wandern in den Bergen. Außer am Strand, da kann ich kilometerweit laufen. Das geht ja auch barfuß, ist ebenerdig, und das Meer ist immer sichtbar. Hallo?! Das sind ja mal ganz andere Voraussetzungen.

Wenn ich so ans nächste Jahr denke, empfinde ich das gerade auch als Bergbesteigung…aber eher so nach der Art Mount Everst. Wie will ich da ohne Sauerstoffmaske durchkommen? Wenn ich jetzt schon bei dieser Prüfung für die Arbeit verkacke (ja doch, 80 % ist nicht wirkliches Verkacken), dann zitter´ ich so langsam doch etwas, wenn ich an die Prüfung sämtlicher psychischer Krankheitsbilder denke…und welche Verfahren man da anwenden kann und warum. Na, den Berg habe ich mir ja selbst ausgesucht, ich weiß. Nur, wenn ich – wie heute – stundenlang hier sitze und lerne/lese/schaue, dann finde ich solche Tage nicht so wirklich erhellend. Ich bin da eher der praktische Typ und möchte ausprobieren. Diese Therorien mögen ja alle ihre Daseinsberechtigungen haben, aber Bulimie-Lernen ist so was von out! Naja, ich nöle mal besser nicht weiter rum, sondern schaue mal nach, ob der Postbote da war und was er mir denn gebracht hat. Immerhin laufe ich dafür zwei Stockwerke runter und wieder rauf. Mehr ist heute nicht drin…außer noch ein bisschen Lernen.
Bald, bald beginnen meine Ferien. Mir tut meine Familie jetzt schon leid, weil ich im Ausgleich zu meiner angespannten Zeit ganz viel Gesellschaftsspiele spielen will, unendlich lange quatschen und dabei trillionen Fragen stellen werde sowie tausend Umarmungen nachholen muss. Naja, sie hatten ja monatelang Ruhe vor mir, gell? Ach, Corona hat doch auch sein Gutes: Wir müssen mehr Zuhause bleiben und können nicht vor dem Tantchen einfach so weglaufen. Juchuuuu! Das nenne ich mal ausgleichende Gerechtigkeit bei fehlender sportlicher Ausprägung.

Schokosoufflé macht glücklich – e basta

Als ich heute Morgen aufwache, nehme ich durchaus zufrieden wahr, durchgeschlafen zu haben. Das beflügelt mich ungemein. Und wie ich da so im Bettchen liege, denke ich mir: Was bin ich eigentlich bekloppt?! Doch, solche Gedanken kommen mir regelmäßig – und meist stimmen sie ja auch. Heute Nachmittag bekomme ich nämlich Besuch von meiner lieben Freundin (ich habe mittlerweile beschlossen, sie so zu bezeichnen, weil Kollegin zu wenig aussagt). Weil ich dachte, ich müsse nun hardcore lernen, habe ich gestern mit ihr ausgemacht, wir unterstützen die Gastronomie. Mit anderen Worten: Meine Küche bleibt kalt, und wir bestellen was. Heute Morgen denke ich mir so: Das geht ja mal so gar nicht! Ich koche gerne, es macht mir Spaß. Und nur, weil ich eine verkackte Prüfung mit „nur“ 80 % absolviert habe, muss ich mich jetzt kasteien? Nö. Und so plane ich um: Ich werde was kochen. Und vorher gehe ich noch einkaufen.

Also schwinge ich mich aus dem Bett und starte den Tag gemütlich. Denn mal ganz ehrlich: Mein Hirn braucht zwischendurch durchaus mal eine Pause. Ich malträtiere das Oberstübchen in den letzten Monaten schon arg. Das kann doch auch nicht wirklich gut sein, oder? Ich fahre gemächlich zu Rewe und nehme im Augenwinkel wahr: „Samstag ist Hexentag!“ Ja, juchuuuuu! Die feiern ein Fest zu meinen Ehren. Das finde ich durchaus verständlich. Ich frage mich nur, warum das an dem Metzgerstand steht? Bei genauerem Hinschauen entdecke ich meinen Fehler: Da steht Haxentag, nicht Hexentag. Sie feiern also doch nicht mir zu Ehren, wobei an meinen Haxen ganz schön was dran ist. Ich möchte mir hingegen nicht vorstellen, wie da irgendwer an denselbigen bis auf die Knochen alles runterknabbert. Ach ja, meine Welt ist anders, ich sag´s Euch.

Ich entscheide mich für einfache Küche: Es gibt Spaghetti Bolognese mit einem Salat dazu. Das allerwichtigste ist nämlich was anderes…der Nachtisch. Ich bin so froh, eine Schwester im Geiste gefunden zu haben, die auch so süchtig nach Süßem ist. Fröhlich vor mich hinsummend, mache ich die Schoko-Soufflés fertig und parke sie im Kühlschrank. So was mache ich mir ja irgendwie nie für mich allein…es sei denn, der Frust wird allzu arg. Aber normalerweise betreibe ich für mich nicht diesen Aufwand. Aber es ist, wie es sein soll: Wir essen zwar die Spaghetti, aber könnten beide auch auf den Hauptgang verzichten und dafür den doppelten Nachtisch mampfen. Das habe ich schon mehrfach in Restaurants überlegt: „Ich möchte als Hauptspeise bitte den Kaiserschmarrn, aber bitte ohne Rosinen, und als Nachtisch nehme ich das Schokosoufflé.“ Bisher habe ich mich das nie getraut. Aber mein klebrig-süßes Genießerherz würde das durchaus sehr gerne mal durchziehen. Ich bin ja kein Vegetarier, könnte aber auf Fleisch verzichten. Aber auf Schoki??? Welchen Sinn macht ein Leben ohne Schoki? Menschen, die sich das ernsthaft vorstellen können, sind mir ja suspekt. Die essen bestimmt auch kleine Kinder.
Als wir gestern beim Webinar das Thema Sucht auseinandergepflückt haben, war ich froh, dass nirgends was von Schoki stand. Da hätte ich mich dann eindeutig schuldig bekennen müssen. Und ja, ich weiß, es ist nicht gesund, aber tut sooooo gut für die Seele. Apropos Seele: Ich habe zum Schokosoufflé eine Vanillesoße gekocht, die zum Abkühlen draußen stand. Trotz Frischhaltefolie, hat sich obenauf eine Haut gebildet. Das Seelchen vor mir mag das total gerne. Krass. Ich finde es nicht richtig eklig, aber eben auch nicht gerade super. Ist doch perfekt, wenn es sich so einfach aufteilen lässt. Und am Ende sind alle glücklich.

Gerade in diesen Zeiten, die echt immer noch komisch sind, ist es für mich umso schöner, mich mit Menschen zu umgeben, die mir einfach gut tun, bei denen ich mich nicht verstellen oder anpassen muss und die dann auch noch so bekloppt sind, die Haut von der Vanillesoße zu mögen. Gibt es was Besseres? Mir fällt gerade nichts ein. Ein Hoch auf uns bekloppte Schoki-Hühner mit all unseren eigenartigern Marotten, die uns so einzigartig machen. Davon brauche ich mehr. 🙂 Kann schon sein, dass ich im Schoki-Rausch bin, aber es ist schön hier. Huiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii…schwingt Euch auf Eure Einhörner und besucht uns. Es ist genug Zucker für alle da.