Advent, Advent, das Stühlchen brennt…

Ich habe es satt. Was genau? Ich habe mir vor vier Jahren Stühle gekauft. Ein komplettes Ensemble vom dämlichen Bettenlager. Ja, die werden anders geschrieben. Mir doch egal. Nie wieder würde ich diese Kombi kaufen. Dennoch bin ich so erzogen, nichts wegzuschmeißen, was nicht defekt ist. Und die Stühle sind nicht defekt – nur sauunbequem. Und dazu knarzen sie in einer Tour. Dämlich. Nun werfe ich diesen Vorsatz aber über Bord, weil 4 Jahre ärgern nur zusätzliche Falten verursacht, was in meinem Alter kein Spaß mehr ist.

Jetzt gab es ja den Black Friday und all das Geschiss drumherum. Also habe ich mich aufgepackt und bin wieder zum dämlichen Bettenlager gefahren. Dort stand ein brauner Schwinger. (Damit meine ich einen Stuhl, Ihr Ferkel!) Um mich zu vergewissern, spreche ich also eine Verkäuferin an. Ich erkläre ihr: „Ich habe die Garnitur hier gekauft. Die Stühle sind aber so was von superscheiße, dass ich sie am liebsten anzünden würde!“ Die Reaktion überrascht dann selbst jemanden wie mich. Die Verkäuferin strahlt mich an und verkündet: „Streichhölzer haben wir im Sortiment.“ So viel Dreistigkeit finde ich schon echt interessant. Die Stühle, die ich mir ausgeschaut hatte, waren im Angebot. Ich wollte lediglich ihre fachfräuische Meinung. Sie sagt allerdings nur lapidar, dass das ja immer nur Geschmacksache sei. Na danke, warum hatte ich die dumme Nuss noch mal angesprochen? Und dann meine allerletzte Frage: „Werden die denn am Black Friday, mit dem Sie ja werben, noch mal günstiger?“ Nö. Sie entdeckt sogar, dass es noch das Angebot von letzter Woche sei, also wäre der reguläre Preis wieder der richtige. Wir haben Dienstag, wohlgemerkt. Ich schau´ sie lächelnd an, atme durch und sage ihr: „Dann verstehen Sie sicherlich, dass ich hier nichts kaufen werde.“ Sie nickt. Das isses.

Ich bestelle online. Ganz ehrlich? Ja, online zu kaufen, macht die kleinen Händler platt. Die können nicht mehr mithalten. Das mag ich nicht. Aber so eine Antwort erhalte ich im Internet nicht. Da weiß ich, dass kein Service dabei ist. Also bleibt es bei der Online-Bestellung, die gut funktioniert. So gut, dass die Ankündigung ist: Meine Stühle kommen zwischen dem 14. und 24. Dezember. Ok. Als ich dann samstags zu den Briefkästen schlurfe, denke ich noch darüber nach, wie Menschen im Hausflur einfach so zwei fette Kartons lagern können, entnehme meine Post aus dem Briefkasten und will wieder gehen. Irgendwas hält mich an und lässt mich nachschauen, ob was auf den Kartons steht, für wen sie sind. Sie sind für mich. Ich habe bis heute keine Nachricht über Amazon erhalten, wie es üblich ist. Da steht immer noch 14. – 24.12. drin. Auch die Post hat keinen Zettel hinterlassen. Gut, die Kartons sind so fett, dass man sie nicht übersehen kann.

Umständlich schleppe ich die Beute mit mir…nur um festzustellen, dass ich zu doof, schwach und Mädchen bin, die Stühle allein aufzubauen. Ich bekomme Hilfe, was mir ja schon schwerfällt. Nach dem Aufbau kommt aber der Abbau. Die knarzenden Drecksstühle müssen ja abgebaut werden, weil ich sie sonst in meinem kleinen Fökki nicht transportieren kann. Selbst dabei stelle ich mich so handwerklich geschickt an, dass ich mir eine Blutblase zulege. Wie sagte mein Obimann dazu: „Schatzi, warum hast Du mich nicht angerufen? Ich hätte das für Dich erledigt. Wie willst Du Deine Leute schulen und motivieren, wenn Deine Arme eingegipst sind?“ „Aber…aber…das muss ich doch können.“ Seine trockene Antwort: „Du hast andere Qualitäten. Lass so was Menschen machen, die was davon verstehen.“ Pffffff…geht gar nicht!

Jetzt dachte das naive Stück in mir, dass ich das zum Wertstoffhof bringe und kostenlos entsorgen kann. Ääääh, nö. Erstmal muss ich mir einen suchen, der mich da aufklären kann, denn bei Holzabfall ist ein Euro-Zeichen abgebildet. Es wimmelt von Männern, aber keiner sieht nach Wertstoffhofmann aus. Ich gehe zu einer Baracke und begehe den folgenschweren Fehler, einen Bayer bei seiner Pause zu stören. Ich frage zögerlich und höflich nach. Der gute Mann kaut noch, sagt, er käme gleich, aber er könne ja nicht vom Fleisch fallen, gell? Dabei reibt er sich seinen dicken Bauch. Ich mag ihn sofort. Menschen mit Humor sind immer ein Geschenk. Er schaut auf meinen Korb, wo die Streben drin sind, und sagt: „2,50 €.“ „Äääääh, da gehören noch die anderen Teile im Kofferraum dazu. Das sind 4 Stühle.“ Er schlurft mit mir zum Auto, schaut drauf und sagt: „Och, bast scho…2,50 €.“ Ich könnte ihn knutschen, aber dann….ääääh, nach einem weiteren Blick denke ich: ´Lieber doch nicht´, händige ihm das Geld aus und entsorge den Kram. Auf einmal kommt einer auf mich zu: „Ha, bestimmt noch nicht bezahlt, gä?“ Ich zücke meinen grünen Schein und sage: „Bin doch ein braves Mädchen.“ Immerhin schmunzelt er daraufhin, schaut dann aber und meint: „Nur 2,50 €? Das ist doch zu wenig!“ „Ääääh, ich mach´ hier nicht die Preise. Fragen Sie Ihren Kollegen.“ „Der war doch beim Essen.“ „Jepp.“ „Des mog er fei net.“ „Hat man am Preis nicht gemerkt. Schönes Wochenende noch.“ Und dann gehe ich. Was soll ich auch tun? Meine neue Freundschaft mit dem anderen riskieren? Nö. Schlimm genug, dass ich für diesen Scheiß hier sowieso was zur Entsorgung zahlen muss.

Mit weniger Ballast, neuen schönen Stühlen genieße ich die graue Adventssuppe da draußen und denk mir: Manchmal passt es einfach, oder?

Am laufenden Band

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Was könnte es Schöneres geben als eine Hochzeit am Meer? Ganz einfach: Viele Hochzeiten am Meer. Allein an unserem Strandabschnitt heiraten täglich zwei bis drei Paare. Wooooow, wie einzigartig, oder? Es hat fast schon was von Fließband.

Vor ein paar Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, in kleinstem Kreis in der Ferne zu heiraten. Ok, kleiner Kreis ist hier relativ. Die Amis und Kanadier heiraten hier schon mit einigen Gästen. Das wäre mir viel zu viel. Heute würde ich es anders gestalten – allein, mir fehlt der Mann dazu. Nur diese Massenabfertigung ist gar nicht nach meinem Geschmack.

Was hingegen nach meinem Geschmack ist, sind die Menschen abseits des Trubels. Ich hab mich heute tatsächlich nach Playa del Carmen aufgemacht. Es ist schon Abzocke. Der peruanische, sehnsuchtsvolle Teil in mir schreit laut nach dem Collectivo. Aber es ist heiß hier… entsprechend mieft es in den kleinen Bussen ohne Klimaanlage. Daher wähle ich den doppelten Preis von 80 Pesos, also ca. 4 € und nehme das Hotel-Büschen. Da muss man zwar durch einen Schmuckladen, aber da bin ich ja stoisch und kenne nix. Ich setze mich vorn zum Fahrer, der denkt, ich verstehe nix. Aber ich bekomme sehr wohl mit, dass er mehrere Kontakte aktiviert und die 14 Personen ankündigt, die er transportiert.

In Playa del Carmen laufe ich an Raul vorbei, bedanke mich artig, aber brauche keinen Schmuck. Ja, danke, hab ich gesehen, aber nein. Dann bin ich draußen und überquere die Straße. Hier fängt der Wahnsinn an. Hallo, where you from? Und das x Mal. Ich winke ab. Einer ist ganz putzig, weil er so klein ist, aber ich hab keine Lust auf den Mist. Ein anderer mault mich an, ich würde ihn ja gar nicht mehr erkennen! Er sei doch Kellner in meinem Hotel. Klar. Und ich bin der Omma ihr liebster Jung. Sie erkennen die Bänder in Sekundenschnelle.

Ich bewege mich rasch weg von der 5. Straße und gehe immer weiter. In der 30. gehen die Einheimischen einkaufen, also geh ich die suchen. Irgendwann spreche ich einen Mann an, der allerdings Kubaner ist. Als ich ihm sage, wie sehr ich sein Land liebe, strahlt er wie ein Kernkraftwerk. Er erklärt mir, wo ich hin muss. Krass, dass ich mit dem bisschen Spanisch immer weiterkomme.

Ich finde alles, was ich brauche, lass mich beraten und verstehe das meiste auch. Juchuuu! Und dann geh ich in den Walmart. Ich schau mich um, und schwups steht ein kleiner Mexikaner neben mir. Ob er mir helfen könne? Och, ich suche nach einem Einkaufswagen. Er winkt einem Typen, der einen holen soll.  Ääääh, nicht nötig. Doch, doch. Ok. Und dann beginnt er: Morgen hätte seine Tochter Geburtstag. Er würde ihr so gerne was kaufen, aber die Geschäfte würden so schlecht laufen. Die Touristen gäben ihm schon mal Trinkgeld. So 5 – 10 Dollar. Hallo??? Ich erkläre ihm, dass ich ja Single sei und kein Mann mich finanzieren würde. Dann wäre er doch ein Kandidat? Ääääh… Er ist doch verheiratet? Nein. Er ist alleinerziehend. Die Ex hat sich nicht gekümmert. Herrje, jetzt zieht er aber alle Register. Ich sage, ich würde beim Einkaufen darüber nachdenken. Blöder Zufall, dass ich ihn nicht mehr sehe… So was aber auch.

In einem Laden treffe ich hingegen einen sehr lieben älteren Mexikaner, der mit mir redet. Zum Schluss bedankt er sich für das Gespräch und wünscht mir eine gute Reise… und ich solle mein Leben genießen. Ein frommer Wunsch. Die können hier besser abschalten. Wenn ihnen der Job nicht gefällt, wechseln sie pronto. Sie hängen nicht an so vielem wie wir Deutsche. Sie reisen mit leichterem Gepäck durchs Leben. Auch wenn ich das bewundere, merke ich immer wieder, dass ich doch sehr deutsch bin. Und das ist auch ok so. Dann macht es ja umso mehr Spaß, andere Lebensphilosophien kennenzulernen.

Und jetzt? Geht es zurück nach Deutschland. Es soll schmuddelig sein, aber auch das ist ok. Ich mag es auch so. La vida eben…20181112_114531

Me gusta mucho

20181111_173438.jpgEs ist morgens… im Urlaub bereits um 7 Uhr startklar zu sein, ist schon abartig. Startklar heißt, gefrühstückt und geduscht zu sein. Aber es lohnt sich hoffentlich.
Unterwegs erfahren wir eine Grundregel: Solange ein Auto noch fährt, ist es zugelassen. So sehen die Autos auch aus. Der Führerschein kostet ca. 40-50 € für 5 – 10 Jahre. Mittlerweile mit Sichtprüfung, da in Argentinien ein Blinder einen Führerschein gemacht hat. Blinker setzen, rückwärts in Parklücke, 1 Stunde Theorieprüfung mit 30 Fragen, die in einem Film vorab gezeigt werden. Dann hat man den Lappen erworben.  Noch Fragen? Wäre der Führerschein so teuer wie bei uns, würden alle schwarz fahren.
Wir besuchen eine Stadt, die Valodolid heißt. Sie ist nett, aber wie die meisten Städte in Mittel- oder Südamerika. Ich probiere eine Frucht, die ich noch nie gegessen hab und deren Namen ich nicht kenne. Die Regel lautet eigentlich, jeden Tag etwas Neues zu probieren, aber bislang galt das eher für Alkohol in diesem Urlaub. Aber ich hab auch erstmalig Kaviar probiert. Ok, aber auch nicht mehr.
Ich schaue mir an, was ein kleiner Opi da vor der Kirche feilbietet. Er erklärt mir ein Geschicklichkeitsspiel. Ich erkläre ihm, mit wie wenig Geduld ich versehen wurde. Er lacht. Obwohl ich nichts kaufe, reckt er sich in die Höhe und gibt mir ein Küsschen, was ich süß finde.
Dann geht es zu Chichen Itza, was zu den sieben (neuen) Weltwundern gehört. Übersetzt heißt es so was wie Wasserpriester. Wasser ist eben der Ursprung allen Lebens.
Wir hören, dass dies alles nicht etwa durch Sklaven erbaut wurde. Es gab ein anderes Prinzip, das für alle galt:
3 Monate musste jeder unentgeltlich arbeiten. Klingt hart, aber wenn man es mit unserer Steuer vergleicht, kommen sie noch gut weg.
Immer wieder wird betont, dass die Maya kein primitives Volk waren/sind. Heute arbeiten viele in der Gastro und verdienen 70 – 80 Pesos pro Tag, also 3,5-4 €. Sie leben quasi vom Trinkgeld.
Mayas haben gemeinsame Wurzeln mit den Enuit und Mongolen und haben ab Geburt ein blaues Mongolenmal über den Pobacken, das im Alter zwischen 4 und 8 Jahren verschwindet.
Wie bei den Inkas schon, spielt Wasser die zentrale Rolle. Ohne Wasser kein Leben. Daher vermutet man, ist Chichen Itza auch auf einer unterirdischen Grotte gebaut. Bislang hat man noch keinen Tunnel dorthin entdeckt, ist davon aber überzeugt, dass es einen geben muss.
Es gab Ballspiele mit vielen Zuschauern – quasi der Vorläufer von Fußball? Und das bei der Hitze!!! Im Sommer werden es 50 Grad! Mir reichen die über 30, die wir gerade haben. Wenn nun kein Regen fiel, mussten Opfer dargebracht werden. Die Verlierer fallen einem da schnell ein. Gab es aber länger keinen Regen, hat man einen der Elite geopfert. Puh, da haben Messi, Ronaldo und Co. aber Glück, dass die Zeiten vorbei sind. Die deutsche Elf hätte hingegen entspannt zuschauen können. In diesem Hitzesommer hätten sie nur die wirklich Guten gebrauchen können.
Interessanterweise galt Selbstmord bei den Maya als ehrenvoll, was einen sofort ins Paradies beförderte. Völlig konträr zur Ansicht der katholischen Kirche. Wer zu alt  war und nicht mehr so konnte, hat gebetet und sich dann erhängt. Peng, aus die Maus. So einfach. Und dafür kam derjenige dann in den Himmel.
Ein anderer, großer Unterschied: Die Schlange steht für Fruchtbarkeit bei den Maya, in der katholischen Kirche jedoch als Sünde. Viele Kulturen Südamerikas haben den neuen und alten Glauben kombiniert. Für die Maya ist der christliche Gott lediglich ein weiterer ihrer zahlreichen Götter.
Alles in allem ist es eine interessante Ausgrabungsstätte, aber überall stehen kleine Tische, wo Nippes verkauft wird. Es ist verboten, aber die Aufseher werden bestochen. Ich rede hier von Hunderten Ständen! Hammer. Auf Anraten des Guides sollen wir nichts kaufen. Ein Verkäufer ist dann so sauer, dass er mir: „Be kind to the Maya!“ hinterherruft. Ich war nicht unkind, aber egal.
 Am nächsten Tag besuchen wir Uxmal (gesprochen Uschmaal). Es gehört zwar zum UNESCO Weltkulturerbe, jedoch nicht zu den Weltwundern. Übersetzt heißt es „3 Mal gebaut“. Ein Zauberer wird als Gründer dieser Stätte in Märchen überliefert. Ich wünsche mir meinen Germain aus Cusco herbei. Unser Guide erzählt so viel Unnützes, dass ich nicht mehr zuhören kann. Wir starten beim Wahrsagertempel, der beeindruckend ist, aber erst richtig majestätisch wirkt, wenn man ihn später vom Gouverneursgebäude aus betrachtet. Wahrhaft wunderschön. Etwas Mystisches umgibt ihn, das man nicht greifen kann. Ich bin beeindruckt. Und wieder erfasst mich diese Demut, das hier sehen zu dürfen. Touristisch ist wenig los, weshalb eine Pyramide tatsächlich noch begehbar ist. Die Sonne brennt erbarmungslos, es geht hoch hinauf, und kein Seil oder Geländer ist in Sicht. Rutscht man ab, war es das. Das überlebt keiner. Meine Muthöckerchen singen, also laufe ich los. Belohnt wird man mit einer schönen Aussicht, Schatten und einem leichten Lüftchen. Keine Frage, das war es wert. Schwieriger ist im Grunde der Abstieg. Es gibt Maya, die sofort gerufen werden, wenn sich – O-Ton – wieder mal dicke Amis hochgeschleppt haben, aber dann nicht mehr runterkommen. Leider erleben wir so ein Kunststück nicht. Dann laufen die Maya nämlich hoch und nehmen die Amis ans Händchen – immer mehrere für einen Ami.
Ich sollte mehr Respekt haben, aber ich fühle mich nur frei. Es ist toll, es ist berauschend… Ich liebe dieses Gefühl.
Izamal hätte ich mir gern gespart. Eine tolle Klosteranlage, die von hinten genial aussieht, ist vorne gelb-weiß gestrichen, weil seinerzeit Papst Johannes Paul vor Ort war. Gelb und weiß sind immerhin die Farben des Vatikan. Puh, wie unwichtig, oder?
Die Cenote (gesprochen: Tschenote) ist eine unterirdische Grotte, die Wasser gespeist ist. Nett, aber neben den Ausgrabungsstätten nicht so beeindruckend.
Todmüde nach zwei Tagen und ca. 900 km falle ich ins Bett. 
 

Ich liebe den Süden Amerikas, der für mich hier schon beginnt..Die Menschen sind offen, leben weniger hektisch und entschleunigen. Für einen Plausch ist immer Zeit. Me gusta mucho!

Mas o menos…

20181108_131246.jpg20181107_145119.jpgIch liege am Meer und genieße das Rauschen. In Deutschland soll es auch warm sein, obwohl ja November ist. Hier sind es ca. 30 Grad. Das Meer kühlt nur bei den ersten zwei Schritten. Dann fühlt es sich angenehm warm an. Trügerisch, denn die Sonne brennt dabei ganz schön.

Mein größeres Problem ist jedoch das Spazieren. Gestern habe ich nämlich eine kleine Wanderung ins Nirgendwo unternommen. Ich bin am Strand entlang und habe das Hotelgelände verlassen. Und da entdecke ich wahre Schätze. Gut, dadurch, dass dort kein Hotel ist, werden weder angeschwemmter Müll noch Algen entfernt. Der Geruch schreckt zunächst ab, was gut so ist. Ich hab nämlich lediglich vier Leute gesehen, die – wie ich – nicht umgedreht sind, als es zunächst müffelte. Ich sehe wunderschöne Vögel, die nicht durch Touris und deren Lautstärke gestört werden. Ein großer weißer Reiher residiert majestätisch auf einem Stein im Wasser, aber schon sehe ich Junior aus dem peruanischen Dschungel vor mir, der sich den Bauch reibt und „me gusta mucho“ von sich gibt – natürlich begleitet von Garys entsetztem Gesicht. Kleine Fische schwimmen in kleinen Aushöhlungen von Steinen, und kleine Echsen flitzten durch die Gegend. Es ist so unglaublich schön, dass ich die doofe Sonne vergesse, was mich….äääh…un poco rojo hat werden lassen. Trotzdem war es das wert.

Doof nur, dass man nach ausgiebigem Sonneneinfluss und tagsüber keinem Essen ganz schnell einen kleben hat. Wenn dann der Barkeeper nicht nur einen Shit on the grass nach dem obligatorischen Tequilla suave (mild) bringt, sondern meint, ich müsste unbedingt noch einen „Ronsito“ probieren, dann ist das ein heftiger Start in den Abend. Der Kellner im Restaurant meint es auch nur gut, als er mir das zweite Radler bringt. Ich trinke hier so viel Alkohol wie sonst in 5 Jahren zusammen. Puh… Der Vorteil: Ich rede einfach drauf los. Erick (so geschrieben ein sehr beliebter Name in Mexiko) von der Rezeption ist geduldig und lobt meine Sprachkenntnisse. Ha ha, dabei ist er komplett nüchtern. Wir reden über Peru, wo er nächstes Jahr hinfährt. Ich schwärme und sage ihm, dass ich ein Teil meines Herzens dort verloren hab. Wir philosophieren, ob die Mayas und Inkas wohl Verwandte gewesen sind, welche Kultur wohl älter ist und dass wir doch mehr oder weniger alle dieselben Wurzeln haben. Ich verstehe wieder, warum ich den Süden Amerikas und seine Bewohner so liebe. Sie sind herzlich, genießen „la vida“ und sind offen, wenn man ihnen gegenüber gleichberechtigt auftritt. Sie reagieren nur gereizt, wenn man sie von oben herab behandelt – verständlicherweise.

Wir lauschen den Karaoke-Sängern, und es juckt mich irgendwie. Doch ich überwinde mich nicht. Beim Händewaschen sage ich der Kanadierin neben mir, dass sie Vorteile hätten, weil sie Native Speaker seien. Da schaut sie mich entgeistert an und fragt, was ich denn sei??? Amis und Kanadier staunen immer, wenn einer mehr als einer Sprache mächtig ist. Das sagt schon eine Menge aus, hm?

Der einzige Wermutstropfen ist der Besuch der Disko. Verdammt, bin ich alt! Und puh, was trage ich viel Stoff am Leib. Man kommt mit 17, 18 mit einem Bikinioberteil und Hotpants, die diesen Namen nicht einmal mehr verdienen, gut aus. Hammer! Hätte ich Kinder…..ääääh, dann so nicht. Verdammt, ich bin dermaßen scheißalt!

Ein Ronsito und eine kaum geschlafene Nacht später, erlebe ich mal wieder Amis, die ihrem schlechten Ruf alle Ehre machen. Ein kleines, durchaus süßes Mädel darf allein essen. Sie ist weit davon entfernt, es tatsächlich zu können. Die Tischdecke sieht aus wie Sau, der Boden mit Rührei, Tomaten, Brot und Melonen übersät wie ein Schlachtfeld. Eltern und Großeltern finden das alles nur süß. Weg machen darf es das Fußvolk. Puh. Das geht so gar nicht. Da pullert sogar eine Ratte mitten in den Speisesaal und macht dann einen großen Bogen um die Sauerei der Kleinen. Nicht mal dieses Nagetier fühlt sich bemüßigt, den Unrat der Amis zu beseitigen. So weit sind wir schon. Aber zumindest schreit niemand beim Anblick der Ratte… dabei ist sie nicht gerade klein. Ich verstehe manches nicht, was aber voll ok ist. Daher genieße ich einfach mal die Zeit und lass den lieben Gott, Pacha Mama, die Maya-Gottheiten oder wen auch immer einen guten Mann oder eine gute Frau sein.

Schön und doch mit Geschmäckle…

Ich bin in Mexiko. Der ein oder andere hat es schon mitbekommen. Und es ist schön. Die Sonne strahlt vom Himmel, das karibische Meer ist angenehm warm, und die Cocktails und Shots schmecken sehr gut. Nur… ja ja, es gibt immer ein „Nur“ oder ein „Aber“. Wir Deutschen sind hier klar in der Minderheit. Wenn die Kellner das merken, werden sie sofort freundlicher. Krass…

Die Leute sind alle freundlich, grüßen, sind aufmerksam. Ihr Lächeln wird allerdings aufrichtiger, wenn sie merken, dass wir keine Amis sind. Zuerst dachte ich, das liegt an Trump. Tut es vielleicht auch zum Teil. Aber die Amis sind zum Teil so, wie die Spanier in Peru waren. Sie nehmen es als selbstverständlich, dass sie bedient werden, sind laut und überheblich.

So ein Fall ist Patrick. Er trägt eine Schwimmshorts mit amerikanischer Flagge. Als er uns anquatscht, spreche ich ihn darauf an und sage: „Würde ich das mit Deutschland-Flagge tragen, wäre ich ein Nazi.“ Er zuckt mit den Schultern und sagt, er würde damit kein Problem haben. Schließlich habe er blaue Augen und blonde Haare. Dann säuft er weiter und grölt ab Mittag an der Bar am Strand herum mit anderen besoffenen Amis. Sie sind nicht etwa 18, sondern Mitte 30 aufwärts. Abends spielen sie dann besoffen Nachlaufen – mit Hinfallen natürlich. So kann ich verstehen, dass sie nicht beliebt sind.

Doch dann gibt es die anderen. Gestern Abend hole ich mir meinen obligatorischen Tequila. Links von uns sitzen sieben Amis, die einen grünen Shots trinken. Ich bin neugierig und frage sie, was das ist. „Shit on the grass“. What the f***???? Ok, ich probiere es. Ganz klar, das wird mein neues Lieblings-Getränk. Der Mann neben mir ist John, seine Frau Lorelai. Er ist „jealous“, weil wir fließend Englisch sprechen und ein bisschen Spanisch. Er und seine Landsleute seien einfach arrogante Idioten. Oh… Und dann kommt sein Freund zu mir, ein kleiner Glatzkopf, nimmt meine Hand und entschuldigt sich für ihren saudämlichen Präsidenten. Ääääh. Gut. Dafür bekommt er ein Küsschen meinerseits auf die Glatze.

Spätestens jetzt sind wir Freunde, quatschen über Politik, trinken fleißig Shots und wünschen uns dann eine tolle Zeit. Ich hab leicht einen sitzen. Es war einfach schön.

Wir gehen essen, wobei ich kichern muss. Abimael, unser anfänglich schüchterner Kellner, hat sichtlich Spaß. Ich frage ihn nach seinem Alter. „36….and Single!“ Ok, da muss ich dann laut lachen. Er kommt immer mal wieder an, fragt, ob ich einen Mexikaner suchen würde und albert ein bisschen rum. So sind sie nicht zu den Amis. Da versteinert ihr Gesicht leicht.

Ich steige nicht ganz dahinter, warum sie hier so strikt gegen die Amis sind? Ich fühle mich selbst kaum besser. Es ist, wie so meist: Ich sehe die Angestellten, die hier sauber machen, unser Essen zubereiten und Drinks mixen und weiß, sie werden sich so was hier nie leisten können. Es beschämt mich, auch wenn ich dafür zahle, mich bedanke und freundlich bin. Da war es schon „ehrlicher“ im Dschungel von Peru, wo alle dasselbe Essen bekamen und wir mitgearbeitet haben.

Nein, ich habe keinen Moralischen. Und ja, ich genieße meinen Urlaub auch. Trotzdem ist es wohl sehr ungleich verteilt. So viel weiter sind wir wohl in der Zivilisation nicht gekommen….20181106_101335

Der Herbst ist da!

Endlich ist er da. Der Herbst! Nicht nur, dass ich Christoph Maria Herbst vergöttere. Nein, der Herbst ist auch meine Lieblings-Jahreszeit. Dieser ewige Sommer in diesem Jahr ist mir persönlich auf die Nerven gegangen. Jetzt ist das Wetter, bei dem es Spaß macht, auf der Couch rumzulümmeln und heiße Getränke zu schlürfen. Und derer gibt es ja viele: Kaffee, Milchkaffee, Latte Macchiato, Espresso, Cappuccino, Tee, heißer Holunder, heiße Zitrone, heißer Kakao – mit oder ohne Bums, Eierpunsch, heißer Apfel mit Zimt… Ich kann noch weitermachen. Da kenn ich ja nix.

Ja, ich weiß. Nicht jeder teilt meine Vorliebe. Als ich dem netten Herrn in der Druckerei erklärt hab, was meine Lieblings-Jahreszeit ist, hat der auch mit dem Kopf geschüttelt. Gut, er ist auch Westfale. Da muss man Verständnis haben. Er hat mir auch recht schnell auf den Kopf zugesagt, ich könne nur Rheinländer sein. Also clever ist er schon. Er mag diese Mentalität. Jo, was soll ich sagen? Ich auch. Und einer muss die Bayern ja schließlich unterwandern und Spaß unters Völkchen bringen. Da sehe ich meinen Beitrag zur Entwicklungshilfe.

Diese Woche war für mich als doch eher Frohnatur eher eine Herausforderung, aber ich hab mal wieder an meinen alten Chef gedacht, der mir damals sagte: „Wissen Sie, Neid muss man sich erarbeiten. Mitleid gibt’s umsonst. Insofern: Seien Sie stolz! Den Neid haben Sie sich hart erarbeitet.“ Klingt ja noch ganz nett, finde ich aber trotzdem Scheiße. Ich mag es harmonisch und kollegial lieber. Aber hey, ich mag ja auch Sturm, Regen und Gewitter. Vermutlich bin ich also nicht ganz barre.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen jetzt mal leckere Heißgetränke, kuschelige Partner auf der Couch und jede Menge harmonische Gemütlichkeit.

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Wie einfach war’s doch als Kind…

Ein kleiner Junge – vielleicht 7 oder 8 Jahre alt – geht schnurstracks auf ein kleines Mädel zu, das ich auf etwa 6 Jahre tippe. Klar und laut fragt er: „Und? Geht’s Ihr a auf d’Wiesn?“ Ein schüchternes: „Ja“ ist die Antwort. Er sagt noch zwei, drei Sätze, bis er sich umdreht und seiner Mutter laut zuruft: „Los Mama, trau di! Der Mo (Mann) is a nett.“ Gemeint ist der Vater der kleinen Maus. Dessen Frau und andere Tochter sitzen neben mir auf der Bank. Die Frau neben mir lacht. Der Mann grinst vor sich hin. Es ist ja auch ein Kompliment.

Und ich denke nur: Warum kann es nicht immer so unkompliziert und einfach laufen? Warum muss es immer komplizierter werden, je älter wir werden? Es scheint, als würden wir alle mit jedem weiteren Lebensjahr lernen, uns mehr zurückzunehmen. Oder geht es nur mir so? Ich fand den kleinen Jungen einfach genial.

Ich komme wieder aus dem Krankenhaus. Die Atemzüge sind mittlerweile auf zwei reduziert, bevor eine lange Pause entsteht. Es dauert also nicht mehr lange. Und doch schlägt das Herz noch… vielmehr ist es ein Flattern. Es wirkt, als hätte er sich schon verabschiedet, nur der Körper kämpft noch. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie so ein Körper noch seine allerletzten Reserven mobilisiert. Und die Welt dreht sich immer noch… so wie gestern noch und auch morgen wieder. Die S- Bahn ist auch wieder voll. So, als würde gerade nichts passieren.

Vor mir sitzen zwei kleine Lausbuben in Lederhosen… schätzungsweise 2 und 4 Jahre alt. Sie wissen noch nichts von der Welt. Sie strahlen, mampfen ihre Brezn und sind völlig unbeschwert… und ich wünsche ihnen, dass es möglich lange so bleiben wird.

… und die Welt dreht sich weiter…

Manchmal ist das Leben schon eigenartig. Während man noch fleißig dabei ist, sich über Kleinigkeiten fürchterlich aufzuregen, passieren gleich nebenan wirkliche Dramen.

Der Mann einer Freundin stirbt. Was so schlicht klingt, ist es nicht und dann irgendwie doch. Es gehört zum Leben dazu, dass wir alle sterben müssen. Und doch leugnen wir dieses Thema. Ich kenne so viele, die nicht bereit sind, über das Thema zu reden oder darüber nachzudenken. Was will man damit erreichen? Leugnen hilft so gar nicht. Keiner kann sich verstecken.

Gerade komme ich aus dem Krankenhaus. Wir waren zu viert im Zimmer: Drei Frauen und der Sterbende. Und es war friedlich. Wann er stirbt, kann keiner genau sagen. Er ist stark mit Morphium sediert. Nach sechs Atemzügen folgt eine längere Pause. Wir zählen alle automatisch mit. Es waren Stunden zuvor noch acht Atemzüge, teilen mir die beiden anderen Frauen mit.

Und was fühle ich? Frieden. Die Stimmung ist vollkommen friedlich. Wir tauschen Erinnerungen aus und lachen sogar, während ständig zwei von uns seine Hände halten. Er stirbt nicht allein, was ich sehr gnädig finde. Es gibt einige, die sagen, sie könnten das nicht – diese Begleitung des letzten Weges. Letztlich muss das jeder selbst für sich entscheiden.

Und da sitze ich dann und frage mich, wer bei mir sitzen wird? Ich habe keine Angst vor dem Tag X, aber ich möchte nicht allein sein, schätze ich. Das macht mich mal wieder sehr dankbar all den Menschen gegenüber, die das tagtäglich beruflich tun. Ich bin so froh, mittlerweile eine Arbeit zu haben, bei der ich sehe, wie sich etwas entwickelt. Auf einer Palliativ-Station oder im Heim sieht man nur den Rückschritt. Das stelle ich mir enorm schwer vor…

Und doch gibt es mir etwas, diesen Frieden zu erleben. Da ist eine Ruhe, die sanft wirkt. Mir wird so deutlich, wie sehr das hier auch zum Leben dazugehört. Wird es noch hart werden? Ganz bestimmt. Und die schlimmen Zeiten stehen seiner Frau noch bevor – wenn sie richtig realisiert, dass dieser Schritt endgültig ist. Dann werden wir wieder unsere Erinnerungen hervorkramen, gemeinsam lachen und genau so manche Träne verdrücken. Und vor allem: Gemeinsam weiterleben.

 

 

 

Pädagogisch für den Pöppes

Wisst Ihr, was mich nervt? Pädagogisch wertvolle Mütter. Solche, die ja ach so toll sind und noch tollere Kinder haben. Schon mal aufgefallen? Es gibt nur noch hochbegabte oder ADHS-Kinder. Wo sind die normal gestörten Kinder hin, wie ich eins war? Alle ausgestorben? Folgen der Klimaerwärmung?

Ich hatte eine „nette“ Unterhaltung mit einer Kollegin. Sie ist mir ohnehin schon nicht sympathisch. Und dann erzählt sie von ihren Kindern. Ihre Tochter sei hochbegabt. Und sehr sensibel. Aaaaah ja. Sie habe schon bei der Geburt der Tochter so viel Blut verloren, aber nach der Geburt ihres Sohnes sei es noch viel schlimmer geworden. Sie hätte heute noch (4 Jahre später) nicht die volle Literzahl Blut erreicht (wohl eher Hirnmasse). Äääh? Daher sagt sie auch jedem ungefragt, was er/ sie essen und trinken solle. Und dann labert sie mit stolz geschwellter Brust: „Meine Kinder dürfen ausschließlich französisch-sprachiges Fernsehen schauen.“ Hallo? Da würde ich auch ADHS bekommen. Das sei ja wohl das Mindeste. Wie kann man eine 8-Jährige und einen 4-Jährigen zu französischem Fernsehen zwingen und darauf hoffen, sie würden dann normal? Ein anderer Kollege musste da mithalten. Seine Kinder hätten dieses Jahr zum ersten Mal erfahren, dass das schwarze Ding auch Bilder zeigen kann – nämlich zur Fußball-WM. Die Kinder dürften 2 Mal pro Woche eine halbe Stunde fernsehen. Vergessen sie es, darf es nicht nachgeholt werden. Und das Beste: Sie dürfen nicht den Fernseher einschalten, sondern ausschließlich YouTube schauen. Logisch, oder? Für mich nicht. Und da darf Papa auch nicht schauen, was die Kinder auswählen. Die Entscheidung treffen die Kinder allein. Aaaaaah, wenn Ihr so ’ne Kacke macht, müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn Ihr Psychos großzieht.

Ich weiß, dass viel Müll im Fernsehen läuft. Ich finde es gut, wenn Eltern auf ihre Kinder achten…schauen, was sie tun, was sie sich angucken usw. Aber diese Eltern, die sich darüber definieren, welche Sprachen ihre Kinder schon mit 8 können, gehen mir auf den Sack. Und ihr mitleidiger Blick, weil man ja kinderlos ist, der ist schon schwer anmaßend. Wisst Ihr was? Ich bin froh, dass ich kein Kind habe, dass mit Euren Psycho-Kindern in eine Klasse gehen muss!

Da sind mir die „einfachen, normalen Menschen“ schlichtweg lieber. Ich gehe durchs Werk und lausche folgendem Dialog:

Wenn der kimmt, der wos g’soagt hat, dess er kimmt, dann soagst mia B’scheid. Denn bast des.“ „Wer kimmt?“ „Na, der wos g’soagt hat, dess er kimmt.“ „Aaaah… und wos bast dann?“ „Na DES!“ „Aaah.“ Klingt nicht französisch, sondern einfach herrlich bekloppt.

Das ist der normale Wahnsinn, ganz unpädagogisch. Da wird man auch nicht belehrt. Fein auch, wenn diese komische Kollegin mir das völlig asoziale Verhalten eines Kollegen als „der ist ja auch sooo intelligent…vermutlich auch hochbegabt“ verkaufen will, weil das da normal sei, wenn man dann keine Sozialkompetenz hätte. Is klar. Jeder, der sich also Scheiße aufführen möchte, ist einfach kurzerhand hochbegabt. Funktioniert ähnlich wie das Pippi-Langstrumpf-Prinzip, nur gefiel mir der Ansatz von Astrid Lindgren besser.

Also, liebe Mütter: Ich weiß, es gibt auch Euch Normale da draußen. Ich hoffe, Ihr erzieht Eure Kinder so, dass sie den vermeintlich Hochbegabten mal den Spaß am Leben zeigen – ob auf Französisch oder mit dem Hammer, das ist mir egal. Lasst Euch von den Helikopter-Trutschen nicht verunsichern. Ich zähl‘ auf Euch!

Zeeland

Ich bin am Meer…genau mein Element – auch wenn mir dieses Mal entschieden zu viele Menschen hier sind. Das Wetter war dieses Jahr so bombe, dass etliche den September gleich mitgebucht haben.

Gestern bin ich gemütlich hergefahren und habe meine Pension gefunden. Sie gehört den Betreibern eines Muschelrestaurants. Äääh, jo, so gar nicht mein Geschmack. Nun war die Bedienung etwas überfordert, obwohl ich zur vereinbarten Zeit hier war. Sie ging drei Schritte voraus, drehte sich dann noch mal um Richtung Theke, dann wieder Richtung Ausgang. Watt denn nu? Hin, zurück, Linden küssen. Mei, so kommen wir nicht weiter. Auf einmal kommt eine Omi des Weges und will zahlen. Das macht die Dame noch konfuser. Sie fragt verwirrt, ob ich kurz warten könnte? „Klar, kein Problem. Soll ich den Koffer schon mal aus dem Auto holen?“ Darauf fragt die alte Holländerin, die gerade bezahlen wollte: „Haben Sie keinen Urlaub?“ Hä??? „Doch. Ab heute“, sage ich noch freundlich, woraufhin sie nur sagt: „Warum dann die Hektik?“ Dreht sich um und lässt mich stehen. Ich gebe zu, es brennt mir auf der Zunge, ihr zu stecken, dass sie sich reingedrängelt hat…oder noch besser: „Sind Sie nicht Rentner?“ Und auf ein „doch“ ein „Warum machen Sie dann nicht von Ihrem sozialverträglichen Frühableben Gebrauch?“ Ich habe es gelassen. Reine Körperbeherrschung.

Aber ehrlich? Gerade regen mich die alten Menschen auf, die meinen, sie hätten alles Recht auf ihrer Seite. Dieses „Ich, ich, ich“ kann ich langsam nicht mehr ab. Den krassen Gegensatz dazu bieten die jungen Eltern, die ihre Kinder pausenlos quengeln lassen, weil „der Kevin das noch lernen muss, sich anders auszudrücken.“ Lern schneller, Kevin!

Genial fand ich vorhin aber einen deutschen Vater, der sein Kleinkind (noch kein Jahr alt) als Trottel beschimpft, weil es sich nicht gut genug beim Umkippen festgehalten hat. Und als sich die kleine Lütte hinzustellen versucht, blafft er nur: „Stell Dich gefälligst komplett auf die Füße und nicht auf die Zehenspitzen.“ Äääh, ich bin nicht für „Hutschi, täti, bumm trara“, aber mit dem Kind zu sprechen, als wären wir gerade an der Front, finde ich dann doch daneben.

Da lobe ich mir die eigentliche – von der Omma gestern mal abgesehen – holländische Entspanntheit. Ich hab mir nämlich heute ein „Fiets gehuurt“. Zu deutsch: Ein Fahrrad gemietet. Blöderweise hatte ich keinen Perso dabei. Macht nix, ich kann einfach 20 Euro Kaution hinterlegen. Äääh, es ist ein Gazelle-Rad. Die glauben einfach nicht an das Schlechte im Menschen. Einfach schöööön. Dazu dann heute der echt starke Wind, der mir die Haare in alle Richtungen weht, und ich bin glücklich. Das Meer rauscht, ich werde ruhig und weiß, dass ich hier immer eine Anlaufstelle habe.

Ist das Glück oder was? Ja, gut, Kibbeling gehört natürlich noch dazu, aber auch das hatte ich schon. Ich bin also ein Glückskeks…huiiiiiii.