Geladenes Teilchen

Heute schlafe ich schon etwas länger. Kein Wunder, denn die alte Frau ist letzte Nacht ja auch später ins Bett gekrabbelt, als das normalerweise üblich ist.  Naja, dass mein Besuch – zumindest 50 Prozent davon – siebeneinhalb Stunden Sitzfleisch aufbringt, hatte ich vorher so auch nicht einkalkuliert. Man wird so alt, wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Das habe ich gestern im Verlauf der Gespräche auch manches Mal gedacht. Ich merke für mich immer wieder, wie anders ich doch bin. Manchmal sitze ich bei solchen Gespräche da und denke: „Was bist Du alt!“ Manchmal denke ich auch: „Was bist Du normal!“ Vermutlich stimmt eben beides. Und ein gewisses Maß an Eitelkeit hätte ich mir durchaus auch attestiert. In dieser Runde hingegen – puh, da komme ich mir vor, wie „Bäuerin sucht Eierlikör“ oder so. 14-tägig meine Augenbrauen färben? Oder meine falschen Auffüllwimpern nicht nur alle vier Wochen auffüllen zu lassen, sondern sie spätestens jeden zweiten Tag mit einem Schaum zu reinigen und sie zu bürsten? Äääääh, nö, dazu fehlt mir die Muße…die Kohle auch…und ich finde es auch zu unecht. Jeder hat so seine Macken, keine Frage. Und die soll er/sie auch pflegen. Aber manches kann ich wohl nicht nachvollziehen und will es auch nicht. Unterhaltsam war es aber in jedem Fall. Und ich mag die beiden Hühner auch. Vielleicht liegt es in der Tat auch zum Teil an der Haarfarbe und dem Alter. Was weiß denn ich?

Der Tag zeigt sich von seiner sonnigen, wenn auch sehr kalten Seite. Milchkaffee schlürfend und mit meinem Buch bewaffnet, hocke ich mich mal wieder auf den Balkon. Ich genieße es einfach, von der Sonne gekitzelt zu werden. Wenn es so heiß ist, dass einem schon die Brühe runterläuft, wenn man nur still herumsitzt, dann mag ich das ja nicht. Aber mit so herrlich frischer Luft, während die Sonne einen regelrecht liebkost, finde ich schon wunderschön. Perfekt wäre jetzt das Meer dazu. Ja, das vermisse ich echt wahnsinnig. Meine Sis hat schon angeboten, um Ostern herum vielleicht einen Tagesausflug an die holländische Küste zu unternehmen. Das heißt schon was, weil sie dem Meer nicht so viel abgewinnen kann. Letztens stand der Spruch bei irgendwem im Status: „Wenn ich glücklich bin, habe ich meistens Sand unter den Füßen und Wind im Haar.“ Und sofort dachte ich mir: „Ooooooooooooooooooh, wie sehr stimmt das“, nur um gleich darauf zu denken: „Und wie unpassend für meine Sis.“ Sie hasst Wind und findet Sand an den Füßen ekelig. Und obwohl sie das eben so gar nicht genießen kann, bietet sie es mir an – wenn man das dann wieder dürfe, natürlich. Aber ich winke ab. Nee. Wenn das wieder erlaubt sein sollte, dann werden sie in Scharen dorthin pilgern. Darin sehe ich so gar keinen Sinn. Wenn wieder gelockert werden sollte, ist es mehr als kontraproduktiv, wenn wir uns in Massen begegnen – so verlockend das auch klingen mag. Trotzdem bin ich ihr dankbar, weil sie eben weiß, wie sehr ich das Meer vermisse. Aber das halte ich schon noch aus. Es gibt Schlimmeres, oder? Eben, finde ich auch.

Obwohl im Grunde alles ok ist, ist trotzdem so ein bisschen Katerstimmung heute. Mein Toaster, den ich gerade mal zwei Wochen in Gebrauch habe, hat heute seinen Geist aufgegeben. Wer mich kennt, weiß: Ein Leben ohne Toaster ist möglich, aber sinnlos. Ernsthaft: Ich esse Brot im Grunde nur getoastet. Ist so eine Angewohnheit seit ewigen Jahren. Jetzt habe ich mir schon einen neuen Toaster zugelegt, weil der alte den Geist aufgegeben hat, da macht der neue auch schon wieder schlapp? Da könnte ich ja locker aus der Hose springen. Bringt zwar nichts, ist mir aber nach. Und nun will ich bloggen, da spielt mein Internet verrückt. Hä? Die Anzeige zeigt keine Störung an. Trotzdem ist keine Verbindung möglich. Da frage ich mich doch, ob ich energetisch so aufgeladen bin, dass ich heute hier sämtliche Elektronik und dergleichen zerschieße? Ich bin aber auch ein geladenes Teilchen. 😋 Oder es liegt an den Blumen, die mir die jüngere der beiden Kolleginnen gestern mitgebracht hat. Das ist übrigens die, von der ich geträumt hatte, sie sei verstorben. Passend dazu bringt sie mir gestern einen kleinen Strauß mit Lilien mit. Klassische Beerdigungsblumen, die auch noch so riechen. Vielleicht denkt mein Hausstand deswegen, ich sei tot und fährt vorsorglich alles runter? Wer kann das schon mit Gewissheit sagen?

wer kennt schon ZB?

Eigentlich könnte ich ausschlafen. Uneigentlich ist mein Körper eingeschwungen. Dieser Schwung verlässt mich leider erst immer Montagmorgen. Dann könnte ich länger liegen bleiben. Naja. Ist ja auch wurscht. Dann stehe ich eben auf. Und das tu´ ich dann auch recht schwungvoll. Heute kommen zwei Kolleginnen zu Besuch, und ich habe Käsekuchen versprochen. Der will allerdings noch gebacken werden. Eigens hierfür habe ich – längst überfällig – Kaffeekapseln bestellt. Ich weiß, ich bin ein Umweltsünder. War mir zum Zeitpunkt des Maschinenkaufs vor einigen Jahren nicht bewusst. In letzter Zeit trinke ich auch immer meinen Filterkaffee, aber wenn ich schönen Cappuccino servieren möchte, braucht´s eben die Kapseln. Avisiert waren sie für Mittwoch. Dann wurde schon auf Donnerstag geschoben. Was wurde Donnerstag nicht geliefert? Richtig, mein Tchibo-Paket. Ich habe ewig nichts bestellt. Jetzt weiß ich wieder, warum. Die Paketdienste sind echt nicht zu beneiden. Es hilft alles nichts: Ich muss wohl doch nach eineinhalb Wochen noch mal einkaufen – nicht zuletzt, um Kaffeekapseln zu besorgen. Und so zuckel´ ich zum Einkauf los.

Im ersten Laden treffe ich sogar mal auf eine gut gelaunte Einkäuferin. Wir begegnen uns mehrfach im Laden und beömmeln uns, weil sich unsere Wege immer wieder kreuzen. Ich sage ihr sogar, wir könnten bald heiraten, wenn das so weitergehe. Sie bestätigt dies, wobei ich feststelle: Kein bayrischer Dialekt. Und auch noch Humor?! Dann könnte sie eine Rheinländerin sein. Als ich an der Kasse stehe, ruft sie mir im Vorbeigehen noch „Schönes Wochenende“ hinterher. Na, es gibt eben sie eben doch noch, die gut gelaunten Menschen. Ist doch auch mal schön.

Wen es leider auch noch gibt, sind manche Rentner. Ich bin ja daran gewöhnt, dass es diese Spezies nur noch im Doppeelpack gibt. Gut gelaunt, sehe ich sie hingegen selten. Und Zeit haben sie auch sehr selten im Gepäck. Dann sollten sie wohl besser nicht freitags einkaufen gehen. Was ich ja immer lustiger finde: Die Klamottenläden sind geschlossen (nein, ich vermisse sie noch nicht). Gut, sie sind nicht überlebenswichtig. Aber in den Supermärkten hält sich hier keine Sau an Abstand oder Ordnung. (Da verstehe ich so langsam den wachsenden Frust der Einzelhändler.) So auch die Omma, die sieht, dass etwas aus dem Regal fällt, was ich aufhebe, mir aber trotzdem laut und zickig zuschnauzt: „ENTSCHULDIGUNG!“ Sie will wohl anscheinend genau in dieser Sekunde an das Regal. Normalerweise spare ich mir dann ja Kommentare, aber ich drehe mich um und maule zurück: „Ich bin ja gleich weg, das wird wohl noch reichen!“ Also, haste Töne? Dann stehe ich an einer Kühlung und öffne die Türe, um Serrano Schinken rauszunehmen. Irgendein Oppa hängt sich komplett über meinen Wagen und stiert ins Regal, bis er seiner Erna dann zuruft: „Naaaa, is net do!“ Ich überlege kurz zu sagen: „Ich verstehe, dass Sie es eilig haben. Ist ja nicht mehr lange bis zu Ihrem Verfallsdatum“, doch das kneife ich mir einfach brav und grinse mir unter meiner Maske einen.
Die Leute sind bekloppt. Mannomann. Ich bin um 9:45 Uhr zurück und schaue in den Briefkasten: Nein, keine Paketbenachrichtung. Hätte mich auch gewundert. Die stellen hier nie vor 13 Uhr etwas zu.

Der Kuchen wird zusammengehauen. Irgendwie finde ich das läppsch. Nee, da fehlt kein „i“. Das gehört so, jawoll! Mir ist es irgendwie zu wenig, nur einen Käsekuchen zu kredenzen, denn ich bin mir sicher, die Schnecken bleiben länger. Also mache ich noch rasch Dattelcreme und meditterane Butter. Ok, und Eierlikör. Der andere ist schon alle. Heute Abend mache ich dann noch frisch Thunfischcreme. Dazu gibt es Datteln in Speckmantel, Käse, Rohkost und Baguette. Gottseidank war meine Eingebung richtig. Wir schlemmen über einige Stunden verteilt recht ordentlich.

Manchmal denke ich: Männer sollten bei solchen Gesprächen ruhig mal Mäuschen spielen. Da wir uns immer schnell über unseren Job unterhalten, was uns aber eigentlich nervt, habe ich – ganz Mädchen eben – auf pinke Post it´s Themen geschrieben, über die wir heute alternativ reden könnten. Die habe ich an die Wand und den Schrank geklebt, damit sie uns jederzeit ins Auge stechen. Ist natürlich ein Gag, aber es hilft uns tatsächlich, nicht zur Arbeit abzuschweifen. Und so nimmt das Phänomen „Frauen unter sich“ seinen Lauf. Wir schaffen es von Hochzeitsvorbereitungen über das erste Mal, rüber zu Physiotherapie-Erfahrungen, mit einem Schlenker über Affären hin zu gesundheitlichen Themen. Wir lachen viel, aber es fließen auch Tränen. Von mir gibt es regelmäßig auch ein Kopfschütteln, weil sich die beiden Tussen (sie wissen, dass ich sie so nenne) so ähneln. Und dann reden sie auch echt über Wimpernverdichtung, Maniküre, Haarverlängerung und so ´nen Kram. Da bin ich ja raus. Dagegen nehme ich mich wie eine alte Frau aus – die ich ja auch bin.
Aber wir haben auch Gemeinsamkeiten, da wir alle gerne beispielsweise essen (nur sieht man´s ihnen nicht an), vor allem aber auch gerne lachen. Zur Erheiterung schmeiße ich dann noch eine Gemeinsamkeit ein: „Wir haben auch alle Möpse.“ Jo, stimmt. Ich glaube, solche wüsten Gespräche, wie Frauen sie führen, können Männer nicht mal im Ansatz nachvollziehen. Sie sind eben anders gestrickt. So können wir Frauen einem reinen Männergespräch (so man dieses meist eher nonverbale Spektakel denn als solches bezeichnen kann) wohl auch nichts abgewinnen. Es ist einfach gut so, wie es ist, schätze ich.

Ach, und Tchibo teilt mir dann auch nachmittags mit, sie seien erfreut zu hören, dass DHL mein Paket brav zugestellt habe. Hä? In der Sendungsverfolgung lese ich dann auch ab, dass der Zusteller es beim Original-Empfänger abgegeben hätte und – ganz coronaregelkonform – von ihm zur Bestätigung unterschrieben wurde. Häääääää? Ich klingele bei zwei Nachbarinnen im Erdgeschoss, die normalerweise schon mal Pakete annehmen. Beide wissen von nichts. Dann rufe ich bei Tchibo an und erkläre den Sachverhalt. Der Mitarbeiter ist sehr nett…und seeeeeeeehr langsam. Ich denke wieder an Morla aus der „unendlichen Geschichte“. Ob mir die Initialen „ZB“ etwas sagen würden? Nein, ich wohne allein hier. Und außerdem sei doch angegeben, der Zusteller hätte unterschrieben. Wie die Zusteller von DHL hießen, entziehe sich meiner Kenntnis. Ah ja. Un nu? Ich könne DHL gerne mal kontaktieren? Aber er würde mir jetzt eine Gutschrift fertig machen und dieselbe Ware noch mal rausschicken. Ich weise ihn darauf hin, es sei wohl besser, erstmal DHL zu fragen, wo das Paket geblieben sei, oder? Ja, das würden sie auch machen. Und dann die Ware jetzt aber auch noch mal rausschicken. So was verstehe ich nicht. Ist zwar kulant, aber eigentlich auch unnütz, sollte das Paket doch irgendwo rumflaggen, oder? Heute Abend, als die Erste meine Wohnung gen Heimat verlässt, steht ein Paket vor der Tür. Woher es kommt? Ich weiß es nicht. Ob ein zweites unterwegs ist? Weiß ich auch nicht. Ob es ein schöner Tag war? Aber defintiv ja! Also ist doch alles paletti, oder?

manches wüsst´ ich besser nicht

Endlich schlafe ich durch. Das freut mich doch ungemein. Auch ist der Schädel heute wieder eher mein Freund. Was will ich denn mehr? Dazu dann heute Abend die Meeeeeeeeeedchen. Ach, ein Träumchen. Würde ich Prosecco trinken, tät´ ich dazu einen schlürfen. Allein – ich mag ihn immer noch nicht.

Der heutige Tag verläuft…eigenartig. Ja, das Wort schmeckt mir dazu gerade am besten. Zunächst einmal meldet sich Heinz krank. Als hätte ich es gewusst! Er ist am Limit. Mein Mitleid steigt immer weiter an. Das ist auch keine gute Haltung, das weiß ich, denn dadurch stelle ich mich ja über ihn. Trotzdem tut er mir gerade einfach nur leid. Noch. Ich habe ja auch nicht alle Details.
Bei einem Projekt haben wir einen Austausch. Wir sind in unterschiedlichen Centern unterwegs. Ich stelle entsetzt fest, wie dilettantisch es in dem Center läuft, in dem ich unterstütze. Es wurde so gefordert und vielfach beraten, diskutiert und dergleichen, aber der Chef beharrte darauf, es so umzusetzen. Wenn ich die Ergebnisse der anderen sehe, wird mir dennoch schlecht. Es wäre in etwa so: Während die munter den Himalaya erklimmen – ohne Sauerstoffgerät natürlich – sind wir dabei einen kleinen Erdhügel aufzuschütten, damit wir selbstbewusst drüberlaufen können. Wir unterhalten uns innerhalb unseres Teams, daher kann ich das so offen ansprechen. Sie verstehen es zunächst falsch und bestätigen mir, doch gute Arbeit zu leisten. Das war ja gar nicht mein Dilemma. Es ist nur, dass die eine Hälfte echte Ergebnisse zutagefördert, die andere aber nur punktuell im Kleinklein rumkramt. Jepp, das ist allen bewusst. Und es ist frustrierend. Es ist einerseits ok, ich werde schließlich auch dafür bezahlt. Nur wäre so viel mehr rauszuholen! Da zieht sich mir schon der Magen zusammen. Es ist sogar auf der Etage darüber bekannt und wird geduldet.
Manchmal frage ich mich, wie lächerlich manche Jungs der Managementebene doch sind. Kein Wunder, dass sie da Frauen fordern, die ihnen mal die Förmchen, Schäufelchen und Bagger wegnehmen und auf die Finger kloppen. Es ist ein einziges Geschacher wie zu besten Schulhofzeiten. Mir ist klar, dass Frauen das nicht besser machen werden, denn hier fühlen sich die richtigen Frauen (und Männer!) ja auch nicht angezogen. Was da für Kohle vergeudet wird, will mir nicht in den Kopf…

Ich führe divere Gespräche im Nachgang, feile am nächsten Team-Workshop und erfahre dann, wann wir meine Kollegin vertreten sollen, weil sie auf Junggesellinnenabschied fliegen wird. Immer noch nicht meine Welt, aber ich werde sofort aktiv, indem ich ihren Chef und die Team-Assistentin anmaile. Und der Chef ihres Teams meldet sich dann prompt per Skype. Ich mag ihn. Je länger ich ihn kenne, umso mehr. Er hat seine komischen Eigenarten, ist im Grunde seines Herzens aber ein richtig warmherziger, lieber Mensch. Wann ich mal wieder vor Ort sei, dass wir in Ruhe ratschen und eine Runde spazieren gehen könnten? Ich berichte ihm von meinen Herausforderungen mit meinem Chef und Heinz und auch, welches Mitleid ich mittlerweile verspüre. Und den Zahn zieht er mir, dass ich die Ohren anlege. Mitleid sei so was von gar nicht nötig. Heinz habe man schon mehrfach angeboten, seinen außertariflichen Status aufzugeben und anderen Platz zu machen. Na, wer verzichtet schon freiwillig auf Kohle? Das müsste er damit nicht einmal!!! Es würde ihm quasi nur der Titel aberkannt, er würde ins Tarifsegment zurückkehren und eine Ausgleichszahlung erhalten, um den finanziellen Verlust aufzufangen. Ich glaube, mein Schwein pfeift! Des Öfteren habe man ihn auf seine Unfähigkeit angesprochen, diesen Posten heute noch auszufüllen, doch er halte daran fest. Mit meinem Chef bräuchte ich auch kein Mitleid zu haben. Er könnte auch einen Schritt zurücktreten und diese Variante wählen. Mein Mund wird staubtrocken. So was weiß ich in meiner grenzenlosen Naivität natürlich nicht. Es geht also doch um Pöstchen und Titel. Da fehlt bei mir ja jegliches Verständnis. Um diese nicht aufgeben zu müssen, quälen sie sich und andere lieber weiter. So was will mir ja nicht ins Hirn rein. Hammer!
Und es zeigt sich einmal mehr: Jeder Jeck ist anders und auch noch anders jeck. Und es zeigt sich noch mehr: Überlege Dir genau, wer es verdient, dass Du ihn/sie bemitleidest. Trotzdem tun mir die beiden zum Teil noch leid, eben weil sie so unfähig sind, ihr Schicksal zu erkennen und zu verändern. Aber es ist ein anderes Mitleid als das, was ich gestern hatte. Ich weiß nur nicht, ob mir diese Info gut tut oder es eher so ist, wie mit dem „Lauscher an der Wand, hört seine eig´ne Schand.“ Manches sollte ich besser nicht wissen, schätze ich. Aber nun weiß ich das. Mal schauen, was das mit mir in der nächsten Zeit macht…

Rollenumkehr und andere Albträume

Die Nacht war ekelhaft. Bei Migräne suche ich mir immer die eine Position, wie ich liegen kann, ohne denken zu müssen, jetzt kann ich gleich losrennen und die Fische füttern. Oh man. Diese Position finde ich aber irgendwie nicht. Wenn ich dann immer nur für ein, zwei Stündchen penne, träume ich dabei immer viel. Ein Traum ist mir besonders in Erinnerung geblieben, denn in dem stirbt eine Kollegin von mir. Sie verblutet – naja, ein bisschen Splatter muss wohl sein, hm? Aber es ist alles andere als lustig. Ich habe immer mal wieder bekloppte Träume, über die ich mich dann amüsiere. Doch wenn ich einen regelrechten Albtraum habe, dann gehe ich wackelig durch den ganzen Tag. Das passt zu meinem Kopf in Watte, den ich noch als Überbleibsel von der Migräne habe. Nicht gut. Schauen wir mal, wie der Tag so weitergehen wird.

Mein Chef wählt zum Einstieg in den Workshop heute ein paar Worte. Puh, ich hatte ihm einen kurzen Text geschrieben und ihn gebeten, sich in dieser Art was zu überlegen – aber natürlich in freier Rede. Er ist einfach nur noch ein Häufchen Elend. Es ist regelrecht zum Verzweifeln, welche Figur er dabei macht. Schlimm. Meine Kollegin im Krankenstand ist auch dabei, weil ihr das Thema wichtig ist. Sie appt mich an, was dieses Gestammel solle? Und ja, anders kann man es leider nicht beschreiben. Er stottert und stammelt sich durch gerade mal fünf Minuten. Ich weiß wirklich nicht, was los ist. Für mich selbst verspüre ich so gar keine Anspannung. Das ist, wie Essen zu kochen für die Familie oder Freunde. Und er gräbt sich sein eigenes Grab, indem er – wie ein armer Sünder – von seinem Fehler spricht, letztes Jahr nicht schon aktiv geworden zu sein. Soweit ist das ja nicht schlimm. Im Gegenteil. Ein bisschen selbstkritisch zu sein, ist voll ok. Den Fehler einzuräumen, ist auch voll in Ordnung. Wenn der dabei nicht eine Geißel auspacken und sich selbst verdreschen würde. „Des woar a großa Fehla…i hob´ docht, des wär´ net weida schlimm. Oba jetz? Na, des is fei gonz schlimm.“ Und so dreht er sich munter weiter rein: „I muass des ei´gstehn: Des hob i völlig voakonnt.“ Naja, nach fünf Minuten übernehme ich und beschäftige die Jungs und Mädels. Es macht Spaß, auch wenn ich dabei selbst gerne Teilnehmer wäre und mitmachen würde. Dazu komme ich nur am Rande.
Mein Lieblingssatz des Tages: „Ich hab´ das Gefühl, ich steh´am Zaun und schmeiß´ Bananen rüber.“ So beschreibt ein Kollege das, was er mit unserem Kunden erlebt. Wir sind Berater innerhalb der Firma. Aber es zeichnet ein ganz ordentliches Bild, denn manchmal wirkt es echt so, als wären wir im Zoo. Interessant ist es, zu sehen, wie ehrlich bzw. eben so gar nicht manche Kollegen sind. Gefühlt lästert fast jeder über jeden, aber als wir über das Thema „Kollege“ sprechen, sind alle auf Kuschelkurs. Man sollte meinen, wir seien ein Haufen, der gerne miteinander unterwegs sei. Wir seien regelrecht Freunde! Ääääääh….nein. Heinz verhält sich heute ausgesprochen ruhig. Er, der sonst immer wieder seinen Senf zu allem abgeben muss, bleibt still. Ich frage ihn später und erfahre, er sei so „im Tunnel“ und „drüber“, dass er nicht mal die erste Aufgabe hätte bewältigen können. Da ging es darum, drei Stärken am Gegenüber (das ihm zugewiesen wurde) zu finden und drei Stärken von sich selbst zu überlegen. Keine Raketenwissenschaft, oder? Aber da sieht man, wie es in ihm drin aussieht. Und da tut er mir dann doch wieder leid – auch wenn er überbezahlt ist, anmaßend und oberlehrerhaft. Er ist mit sich selbst gestraft genug.
Die Ergebnisse finde ich gut. Das Feedback ist durchweg positiv. Der Beteiligungsgrad meines Chefs, der ja unbedingt Teilnehmer sein wollte, war nahezu Null. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Immerhin ruft mein Chef dann doch zwei Stunden später an und gibt mir eine Minute lang Feedback – ohne Beispiele zu nennen. Er kann es nicht und lernt es auch nie. Wie auch? Er findet ja einfach alles nur suuuuuuuupergut, toll und überhaupt – denn dann muss er ja nichts machen. Und diese Leichtigkeit und Souveränität! Ich sei ja Null angespannt gewesen. Na, warum denn auch? Das sind ja „nur“ meine Kollegen?! Ich frage ganz vorsichtig: „Und warum warst Du dann so angespannt?“ Er seufzt. Es sei ihm gerade alles zu viel. Und es sei ihm so wichtig, was die Mitarbeiter sagen würden – auch zwischen den Zeilen. Mmmh, er weiß nicht mal, wie man „zwischen den Zeilen“ schreibt, aber gut. Es geht die restlichen 42 Minuten nur um ihn. Und ich sage ihm auch, wie sehr sich unsere Rollen verschieben. Das empfinde ich als gar nicht gut. Ich weiß nicht, ob es nur an Corona liegt. Im Grunde war er schon vorher so. Wenn alles gut läuft, dann braucht man auch keine starken Führungskräfte. Wenn die Wellen aber höher schlagen, wenn der Druck steigt, dann zeigt sich, wer wirklich führen kann und wer nicht. Ich glaube, mein Chef stößt tagtäglich an seine Grenzen, aber merkt es nicht. Es ist, als würde er hin- und hergeworfen an Deck eines riesigen Schiffes, das völlig ins Schlingern geraten ist. Eigentlich sollte er am Steuer stehen…oder zumindest ein paar Kommandos brüllen. Doch ich habe das Gefühl, ich muss ihn auch noch an einem Mast festbinden, damit er nicht über Bord geht. Dabei ist es nicht meine Aufgabe. Ich fühle mich damit auch nicht wohl. Aber der Rest wurschtelt einfach auch nur vor sich hin. Das kann es für mich irgendwie nicht sein.
Wir werden sehen, wie es weitergeht. Es sollten zumindest die Inhalte sein, die er vorgibt, auch wenn ich dann alles Weitere ausarbeite. Aber nicht mal die gibt er mir mehr vor. Es ist, wie eine völlige Kapitulation. Ich weiß nur noch nicht, wie ich damit in Zukunft umgehen soll? Kommt Zeit, kommt Rat.

Mein Wattekopf ist müde. Dieses Gefühl von geschrumpftem Hirn, was unter der Schädeldecke hin- und herkullert, bleibt mir den ganzen Tag über erhalten. Der Albtraum steckt mir auch immer noch in den Knochen. Daher habe ich den Vorbereitungskurs heute Abend auch gecancelt und werde früh schlafen gehen. Heute träume ich einfach von Seifenblasen, Einhörnern und Käsekuchen. Na, das wär´s doch, oder? Soweit der Plan…die Umsetzung? Erfahrt Ihr morgen.

zu viel Bass im Hirn

Der Tag beginnt recht entspannt. Ich habe einiges an konzeptioneller Arbeit vor mir, was ich wenig motivierend finde, aber echte Termine? Da habe ich heute nur einen. Natürlich melden sich über Tag mehrere Kollegen, die was brauchen. Doch es ist nur ein Workshop vorgesehen. Allerdings ist der die Fortsetzung von gestern, also in englischer Sprache. Und auch, wenn sie gestern eher zurückhaltend und weniger aktiv waren, war es eine runde Sache. Heute hingegen? Puh!!! Sie verlieren sich im Kleinklein des Nerdverhaltens. IT-Spezialisten sind einfach eine Spezies für sich.
Meine Kollegin moderiert im Schwerpunkt, ich bin in erster Linie für den Einstieg da. Sie versucht, eine Struktur hineinzubringen, doch ist dies schier unmöglich. Die Jungs preschen voran – allen voran einer der beiden Auftraggeber. Den mag ich menschlich total gern, aber gerade ist er regelrecht in einem Rausch. Wenn er da drinsteckt, ist er das dominanteste Alpha-Tierchen schlechthin. Meine Kollegin versucht es mehrfach, auf die Struktur zu achten, Fragen zu stellen. Aber es ist, als würden diese ungehört verhallen. Kurzzeitig denke ich, sie habe ihr Mikro nicht eingeschaltet, was natürlich albern ist, denn dann könnte ich sie auch nicht hören. Zwischendurch schreibt sie mir im Chat, wie sehr sie das frustriere. Es ist das erste Team, das ich in dieser Methodik betreue. Sie ist quasi der „alte Hase“ auf dem Gebiet und schreibt mir – nicht zum ersten Mal – so etwas noch nie erlebt zu haben. Sie hat schon an die 40 Teams betreut, doch so was sei ihr völlig neu. Gut, das passt wiederum zu mir. Wenn alles easy läuft, wie geschnitten Brot, ist es auch keine Herausforderung. Nur heute überspannen sie eindeutig den Bogen. Irgendwann schalte ich mich wieder ein und frage, ob sie es mitbekommen hätten, welche Fragen ihnen gestellt worden seien? Ääääh…ja, schon. Aha, warum würden sie dann so gar nicht reagieren? Na, sie müssten fachlich zunächst erst noch was ausdiskutieren. Ok, verstehe ich. Aber einfach nur weiterzureden, als hätte nicht mal ´ne Mücke gepullert, ist doch nicht normal? Aber doch…im Nerd-Tunnel ist das wohl normal. Wir machen nichts von dem, was besprochen wurde. Meine Kollegin fragt zwischendurch noch mal, ob sie heute überhaupt noch benötigt würde? Bei den fachlichen Anforderungen haben wir nix verloren und verschwenden quasi nur unsere Zeit. Aber neiiiiiin, sie müsse bitte unbedingt bleiben. Und dann machen sie weiter, wie zuvor.
Mir dämmert´s: Meine Kollegin bleibt nur, um mich nicht hängen zu lassen. Doch den Zahn kann ich ihr ziehen. Nach weiteren zehn Minuten schreibt sie nur noch in den Chat, nun zu gehen, da sie keinen Input mehr liefern könne. Die Jungs machen weiter, ohne es zu bemerken. So langsam werde ich echt ungehalten. Irgendwann, ca. zehn Minuten vor Schluss, überlegen sie, wie sie weitermachen wollen und fragen mich, ob das so ok für mich sei und der Methodik entspräche? Ich hole tief Luft. Mein Dilemma: Ich mag sie. Und ich möchte, dass sie ihre Leidenschaft für das Thema beibehalten. Aber so geht das auf keinen Fall. Meine Rückmeldung ist dann entsprechend. Ich würde ihnen jetzt nicht mein Feedback vor die Füße knallen, aber wenn sie drüber nachdenken würden, müsste ihnen klar sein, welche Vögel sie heute abgeschossen hätten. Dann erkläre ich, was als Nächstes nötig sei und dass wir diesen heutigen Termin nachholen müssten. Ich sei nicht ihre Mutti und „hopefully not a pain in the ass“, aber für heute würde es echt reichen. Sie benehmen sich wie kleine Jungs, die was ausgefressen haben. Naja, da müssen wir wohl alle durch.
In der Rücksprache mit dem Hauptauftraggeber biete ich ihm in Ruhe an, es einfach auf ihre Weise durchzuziehen, aber eben ohne uns. Sie müssen die Methode ja nicht anwenden. Das sei kein Beinbruch. Doch das ist absolut nicht sein Wunsch. Sie müssten das jetzt lernen, auch wenn es anstrengend sei. Und ja, vor allem für meine Kollegin und mich. Ich bin gespannt.
Das alles zehrt echt ungemein an den Nerven und der Energie. Von außen mag das lustig anmuten, aber es ist ein zähes Ringen, das so wenig zutagefördert. Entsprechend zieht sich mein Kopf herrlich zu.

Später muss ich kurz meinen Chef kontaktieren, der mich dann nebenbei mal fragt: „Äh, dära Wöakshopp mogn…ääääh…braucht´s do no woas?“ Fällt ihm ja früh ein. Was sollte ich von ihm noch brauchen, denke ich bitter? Kennt Ihr das: Es gibt Menschen, die an sich keine Bösen sind. Nur kann man so gar nichts von ihnen erwarten. Sie enttäuschen einen permanent, weil sie einfach so gar nichts drauf haben. Wieviele Missstände habe ich schon angesprochen? Wieviele geht er aktiv an? Ooooooh, er hat nun einen wöchentlichen einstündigen Rücksprachetermin mit Heinz. Da will ich nicht mal Mäuschen spielen, weil ich mir sonst den Schädel wegpusten müsste. Er sieht täglich meine Stundenmeldungen, aber reagiert so gar nicht. Ich spreche ihn an, dass es so nicht mehr weiterlaufen könne. Das weiß er. Aber es kommt keine Resonanz. Er ist die personifizierte Inkompetenz. Und leider kann ich keine Achtung mehr aufbringen, was ich wirklich schlimm finde. Das ist eine denkbar schlechte Basis für eine gute Zusammenarbeit. Er verliert die letzten Krümelchen, die ich noch an Respekt hatte. Dabei ist es schlichtweg Unvermögen. Nur ist er leider einfach mal mein Chef. Eine Tatsache, die ich nicht so einfach übergehen kann. Ich wünschte mir ein Buch: „Wie kann ich mit meinem Chef umgehen, wenn er offenkundig ein Totalversager ist?“ Klingt hart…ist es auch. Vermutlich auch für ihn. Das stelle ich mir so vor, wie bei Dementen im Anfangs-Stadium, wenn sie merken, dass sie tüddelig werden. Viele von ihnen weinen dann ja, weil ihnen alles entgleitet. Ich schätze, mein Chef hat auch so Momente, wenn er merkt, er hat verdammt enge Grenzen und würde gerne – nur kann er eben nicht…
Meine Hoffnung ruht auf der geplanten Umstrukturierung, die vielen von uns auch Sorge bereitet. Nur wird es Zeit, Führungskräfte, die eben kein bisschen in die Führung gehen (können), endlich auszusortieren. Er darf ja gerne weiterarbeiten – wo auch immer. Nur sollte er keine Führungsaufgabe mehr übernehmen. Ich bin gerade müde…unwahrscheinlich müde. Und dazu wummert mein Kopf eine Melodie mit zu viel Bass. Es geht einfach gerade nicht, also sage ich mein Lernen am Abend ab und haue mich aufs Ohr. Meine Hände sind eiskalt, mein Schädel pocht, ich fröstel´. Danke, Körper, ich hab´s verstanden! Leider erst wieder nach anderthalb Stunden über der Soll-Zeit.

Amtszustellung für den Puls

Der Tag beginnt früh…seeeehr früh. Und gleich als erstes habe ich das Team, zu dem ich ursprünglich so ungern wollte. Wobei, so stimmt das ja auch nicht. Ich wollte nicht mit dem Chef des Teams arbeiten müssen. Doch beim letzten Mal haben sie mich ja positiv überrascht. Entsprechend gehe ich beschwingt in den Workshop – zusätzlich mit einem Kaffee ausgestattet. Ohne geht so früh dann doch mal gar nichts. Und siehe da: Die Jungs sind wieder recht zügig dabei. Zwischendurch muss ich sie ein bisschen reizen, aber sie revanchieren sich. Einer, der zu spät an der Skype-Sause teilnimmt, schreibt, er würde uns allen einen Kaffee ausgeben. Ich gebe natürlich direkt meine Bestellung auf, als ein anderer anmerkt: „Ey, die lädt Dich zu sich nach Hause ein, merkst Du was?!“ Ääääääh, neeeeee. Ein anderer, so ein richtig Knurriger sagt später, da könne er auch auf dem Tisch tanzen, das hätte genauso viel Einfluss auf das Ergebnis. Männer untereinander sind ja schon echt bekloppt. Aber wenn dann eine Frau hinzukommt, sind sie radarkastendoll. Wer ihm dann Scheinchen in den Schlüpper stecken würde und ob ich dann an diesem „Hebel“ arbeiten würde? Oooooh man. Was bin ich froh, hartgesotten zu sein. Wer im Vertrieb war, bekommt keine roten Ohren mehr von so was. Ich habe eine Kollegin, die würde denen den Hintern aufreißen für diese zotigen Bemerkungen. Allerdings würden sie bei ihr vermutlich nicht mal darauf kommen, sich so zu äußern. Ich lade mit meiner flotten Schnüss schon eher dazu ein. Und so macht es ja auch Spaß, denn das Ergebnis steht nicht erst nach zwei Stunden fest, sondern ist schon nach anderthalb eingetütet. Das finde ich mal richtig gut – und ungewohnt. Die Zeit, die anberaumt ist, wird normalerweise immer für tausend kleine Grundsatzdiskussionen benötigt. Aber hier ist alles paletti, sie bedanken sich, alles ist gut. Der Chef gibt mir noch mal kurz Feedback und wird mich immer dann aktivieren, wenn sie mich brauchen. So lobe ich mir das doch. Jetzt könnte ich ja eigentlich noch etwas verspätet an unserem Team-Meeting teilnehmen. Aber tu´ ich mir das an? Lasst mich einen Moment überlegen………nein. Ich habe genügend andere Themen und habe der Firma – wie ich vorhin am Stundenzettel sehe – ganze neun Stunden hergeschenkt. Und da sind nicht mal die durchgearbeiteten Mittagspausen eingerechnet. Ich muss also nicht zu jedem Scheiß hinhetzen. Ach, ist das ein schöner Montag!

Das denke ich aber auch nur solange, bis ich gegen Mittag zum Briefkasten schlendere und eine Zustellung vom Amt vorfinde. Ich habe meinen Kfz-Versicherer gewechselt. Fehler passieren, weshalb gleich zwei Gesellschaften meinen Beitrag hierfür im Januar abgebucht haben. Auf wiederholtes Schreiben meines Maklers (man, hört sich das wichtig an, ne?), kommt vom Vorversicherer ein Aktionsmus à la „still ruht der See“. Jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache, nachdem sich noch ein Maklerpool eingeschaltet hat. Der Vorversicherer schickt mir endlich die Kündigung, die zeitgleich mit dem Brief des Amtes bei mir eingeht. Ich genieße laut dem Amtsschreiben derzeit keinerlei Versicherungsschutz, weshalb sie mir den Wagen stilllegen würden, sollte ich nicht binnen drei Tagen reagieren. Der ganze Spaß kostet mich auch noch 43,09 €. Und das bei mir! Ich bleibe niemals Geld schuldig, zahle immer pünktlich. Alter, ich kriege Schnappatmung. Dabei dachte ich heute Morgen noch: Das Einzige, was heute meinen Blutdruck mal hochjagen wird, ist die Veranstaltung ab 14 Uhr, die ich auf Englisch moderieren darf. Aber Matsch am Paddel. Jetzt bubbert mein Herzchen ganz gewaltig. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Makler regelt alles, ich rufe zusätzlich die Dame vom Amt an, die – wider Erwarten – total freundlich und nett ist. Die 43,09 € erstattet mir sogar der Versicherer, der nicht ursächlich für den Fehler war. Der Vorversicherer hingegen…mmmh, der ist zuerst gar nicht in die Pötte gekommen, kann dann aber das Schreiben und die Abmeldung vornehmen, den Beitrag jedoch in der Zeit nicht erstatten. Junge, Junge, Junge, da soll mal einer schlau draus werden. Unterm Strich zählt für mich hingegen nur: Die Kuh ist vom Eis, der Adler ist gelandet, mein Auto darf weiterfahren. Bleibt nur noch die tolle Nachmittags-Veranstaltung. It will be a pleasure…or not – depends on. Belohnt werde ich so oder so, weil ich heute Abend noch Besuch von einer Freundin bekomme. Es läuft also.

Die Nachmittagssause verläuft total reibungslos. Mein Anspannungsgrad ist natürlich hoch. Als ich dann jedoch dem sächsischen Kollegen lausche, der sich echt stark mit der englischen Sprache abmüht, dass sogar die polnischen Kollegen meinen, er solle es ruhig auf Deutsch erklären, weicht etwas von der Anspannung. Da ich ja immer noch Dialekte liebe, schmeiße ich mich beim Report auf Sächsisch erst recht weg. Herrlich! Wieso sprechen nicht mehr Leute Dialekt? Es wirkt alles viel entspannter, nahbarer und umgänglicher, wenn jeder so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Danach switchen wir natürlich wieder ins Englische, so dass ich einen kleinen Knoten in meinen Synapsen verzeichnen kann. Ich bin froh, als der Arbeitstag endet und freue mich auf Burger und Wedges. Es bleibt also englisch…und lecker…und unterhaltsam. Der Montag war echt gelungen. So darf´s weitergehen.

Mutantenstadl

Wahnsinn, jetzt ist der Februar auch schon an „de Äd“. So sagt man das bei uns. Mir ist, als wäre ein Jahr quasi weg in meiner Zeitrechnung. Wir überspringen einfach mal das Jahr 2020. Es war relativ schnell klar, dass dieses doofe Virus nicht einfach ratzifatzi vorübergeht. Und ich habe schon letztes Jahr recht früh geunkt, dass Karneval dieses Jahr wohl auch nicht stattfinden würde. Mein großer Neffe wollte mir nicht glauben. Gut, er ist Karnevalist und voller Hoffnung gewesen, dieses Jahr wieder mit eigener Truppe und selbsgebautem Wagen mit von der Partie zu sein. Gerade hoffe ich einfach nur, nächstes Jahr wieder so was wie „alte Normalität“ wiederzugewinnen.
Allerdings kann ich das Wort „Mutanten“ nicht mehr hören. Es sind Mutationen. Mutanten nennt man veränderte Lebewesen. Ein Virus hingegen ist kein Lebewesen. Es mutiert, also es kommt zu Mutationen. Aber es ist, wie so häufig in der Medienlandschaft wahrzunehmen, etwas, das jeder munter übernimmt. Ich stelle mir dann immer so einen Glöckner von Notre Dame vor, der umherzieht, wenn sie wieder von den Mutanten sprechen. Oder Godzilla. Oder King Kong. Ich stelle mir gerade so einen Mutantenstadl vor mit Marianne und Michael…oder dem Silberfuß (ich weiß, dass er Silbereisen heißt!). Aber ich habe ja nun schon oft genug über die Medien geschimpft. Was mich allerdings doch stutzig macht: Wieso stellt sich eigentlich mal keiner von den Politikern hin und sagt: „Liebe Medienlandschaft, tut uns doch bitte einen Gefallen, und hört mit diesem Scheiß auf! Die ganzen Themen, die Ihr unnötig hochkocht, machen die ohnehin schon gebeutelten Menschen noch bekloppter. Zeigt meinetwegen Heimatfilme, auf einem anderen Kanal Action, auf einem Tierdokus usw. Aber lasst diesen Dreck mit `Sehen Sie Ihren Sommerurlaub auch schon schwinden?` oder `Die Engländer werden schneller geimpft und werden die originär für Sie bestimmten Liegen mit ihren eigenen belegen` oder ´Ein Sommerhorror am Ballermann – denn wir müssen Zuhause bleiben`. Das bringt uns nicht weiter, sondern ist verdammte Scheiße kontraproduktiv. Und wenn wir schon mal dabei sind: Liebe Journalisten, verhunzt bitte nicht unsere schöne Sprache, recherchiert in den wirklich wichtigen Belangen, und macht Euch auch mal bewusst auf die Suche nach positiven Nachrichten. Das wäre mal ein Beitrag zum Allgemeinwohl!“ So, habe fertig. Vielleicht schreibe ich mal einen von den oberen Politikern an und unterbreit ihm/ihr das? Wäre doch mal eine Idee.

Nachdem ich zwei Tage wirklich viel NICHTS getan habe, habe ich heute genügend Elan, endlich mal wieder zu bügeln, das Badezimmer zu putzen, die Bettbezüge zu wechseln, die Waschmaschine zu betätigen und so weiter und so fort. Dazu scheint die Sonne, die ich auch immer mal wieder kurz genossen habe. Es ist zwar merklich kühler geworden, aber in der Sonne brutzelt es sich dennoch recht angenehm. Dazu plärren die Kinder unten wieder umeinander…herrlich. Vorhin lausche ich kurz einem Jungen aus Rumänien (er hat den anderen Kindern erzählt, woher er käme). Und was sei sein Lieblingsauto? Ein Tesla. Ok, oder ein Lamborghini. Herrlich. Ich mag Bodenständigkeit. Würde man mir letzteren schenken, würde ich ihn sehr schnell zu Geld machen, um mir was Schönes davon kaufen zu können. Aber so gehen die Geschmäcker auseinander. Früher hätten Jungs wahrscheinlich geantwortet: „Porsche!“ Heute ist es eben ein anderer Luxusschlitten. Aber es ist schon interessant, welche wunderschöne Welt uns Social Media zeichnet. Früher wollten Schüler noch Polizist werden, manche auch Architekt…ein paar sogar ganz vermessene auch Arzt. Heute wollen sie Influencer oder Gamer werden. Verdammt, werde ich alt! Diese Welt sieht verlockend aus, aber das Beste: Man braucht dafür auch nichts auf der Rille zu haben. Ein guter Abschluss auf der Schule ist nicht wichtig, solange man viele Follower hat. Da denke ich ja wieder an Sting, der gemeint hat, sein Hit „Every breath you take“ sei eigentlich ein Stalkerlied. Bei Followern habe ich eine ähnliche Assoziation. Und ich weiß, auch hier bei WordPress gibt es das. Immerhin habe ich schon 72! Nicht, dass ich noch berühmt werde. Aber bei Follower denke ich immer an Verfolgung. Ich sag´ ja: Ich werde so was von alt. Und zum Glück gibt es auch noch die völlig „normalen“, bodenständigen Jugendlichen, die auch realistischer durch die Welt gehen. Auf den Großen meiner Sis bin ich so was von stolz, weil er eine Ausbildung zum Zimmermann macht. Er schafft was mit seinen Händen, was mir leider oft fehlt. Ich glaube, dass man so ganz viel Zufriedenheit erreichen kann, was ich jedem nur wünsche. Ob ein Gamer sich auch denkt: „Krass, ich habe ein Game abgeschlossen?!“ Ich höre mich echt schon an, wie die alten Leute früher. Wobei ich nie so abgefahrene Vorstellungen hatte. Außer letztens, als ich einen Steckbrief für einen Workshop ausfüllen sollte. Da habe ich bei: „Wenn ich noch mal auf die Welt komme, mache ich“ einfach geanwortet: „Einen auf Prinzessin“, weil ich das echt noch nie war. Selbst als Kind habe ich mich nie mit Krönchen ausstaffiert, sondern war immer am liebsten Zigeunerin. Ich hatte einen wunderschönen schwarzen Rock mit Farbstreifen am Ende. Wenn ich mich schnell gedreht habe, war er wie ein Teller. Erinnert mich gerade an Hula Hoop. Vermutlich kann ich mich auch nicht mehr so schnell drehen, wie ich das als Kind noch konnte. Gut, Purzelbäume würde ich heute auch nicht mehr machen wollen. Alles „aue Kroam“. Müsst Ihr nicht verstehen. Ist auch wieder Plattdeutsch. Ich pröttel´ noch was vor mich hin, erledige noch etwas Hausarbeit, bevor es dann morgen wieder rundgeht. Zum Glück kann ich an unserem Team-Meeting nicht teilnehmen. Manchmal bin ich echt ein Glückskeks. Ich hoffe, Ihr konntet übers Wochenende auch ein bisschen Sonne tanken? Followt mir ruhig weiter – auch wenn mich die Vorstellung ein wenig gruselt. Ich gewöhne mich schon noch an den neumodischen Schnickschnack. Haha!

Anders in dreifacher Hinsicht

Heute stelle ich mal wieder fest: Ich bin anders. Nicht besser, nicht schlechter, einfach anders. Das liegt an mehreren Dingen. Zum Beispiel empfinde ich es derzeit gar nicht mehr als schlimm, nichts zu tun. Letztes Jahr um diese Zeit wäre das noch der Horror schlechthin gewesen. Aber jetzt? Ich bleibe in meiner Bude, lese, schaue fern, aber gehe nicht raus. Ich gehe weder zu Einkaufen, noch treffe ich jemanden. Ich genieße vielmehr die Zeit für mich. Dabei bin ich an sich ein Rudeltier. Nur wird die Dosierung immer feiner für mich. Und es gibt einfach Zeiten, da genieße ich es vollkommen, nur für mich zu sein. Ostern fahre ich wohl wieder zu meiner Sis. Und da bin ich dann das genaue Gegenteil: Nur zum Schlafen allein. Ansonsten ist immer einer um mich herum. Und das genieße ich dann auch. Ob das am Älterwerden liegt? Ich weiß es nicht.

Ein weiterer Beweis dafür, dass ich anders bin: Ich werde per What´s App in eine Gruppe aufgenommen. Hä? Jo, habe ich auch gedacht. Darin fragt meine Kollegin an, ob es in Ordnung sei, wenn wir (die andere Person in der Gruppe erkenne ich anhand der Nummer nicht) sie vertreten würden, wenn es zu ihrem Junggesellinnenabschied käme. Nun muss man dazu sagen, dass dies diese Woche schon mal Thema (und Drama) war. Die Freunde hatten sich nämlich jeweils Kurztrips überlegt, wohin sie (per Flugzeug) mit ihr beziehungsweise ihrem Freund hinfliegen wollten, um ordentlich Party zu machen. Zwei Wochen vor der Hochzeit sollte der Termin sein. Daraufhin ist sie völlig ausgeflippt und habe festgelegt, dies sei aufgrund von Corona überhaupt nicht zu verantworten! Zwei Wochen vorher würde ja bedeuten, dass sie noch in Quarantäne müssten. Äääääh… Gut, da bin ich eh schon anders. Ein Junggesellenabschied hat für mich nichts mit Partyurlaub zu tun. Ich kenne das auch von anderen Menschen, bin dann aber immer befremdet. Es mutet zudem so amerikanisch an. Überhaupt kann ich Kurzurlaube nicht nachvollziehen, die zum Ziel haben, sich völlig abzuschießen. Mallorca-Trips sind da ja sehr beliebt. So was verstehe ich nicht. Und das hat nichts mit dem Alter zu tun. Ich mag diese angekündigten Ich-schieß-mir-das-Hirn-weg-Aktionen nicht. Was daran ist erstrebenswert? Aber gut, jeder, wie er mag (bzw. sie). Der Lebensgefährte meiner Kollegin war jedoch ziemlich bockig, weil er Bock auf Party gehabt hätte und ihre Zickereien nicht leiden könne. Mein Leben ist so was von Ponyhof!!!
Jetzt wird aber das nächste Kapitel aufgeschlagen: Die Trauzeugin plant mit den Ladies einen Trip, der irgendwann vorher stattfinden soll – nur eben nicht so knapp. Es soll aber eine Überraschung sein, weshalb eine andere Kollegin und ich von dieser ominösen Trauzeugin kontaktiert werden sollen. Ob wir uns wohl bereit erklärten, ihre Termine an den zwei Tagen zu übernehmen und den Urlaub an die Team-Assistentin zu melden? Äääääääääääääääääääääääh. Menschenskinder: Ich habe so was von gar keine Probleme mit meinem Leben. Es ist wunderschön, rosarot und herrlich normal. Ich willige ein, sage ihr aber auch in einem: „So was würde es bei mir nie geben!“ Und das meine ich vollkommen ernst. Wenn ich je geheiratet hätte, hätte ich einen Abend mit ein paar Mädels noch in Ordnung gefunden. Das ist ok, solange kein Typ für mich strippen würde und ich ihm Kohle in den Tanga schieben müsste. So was erschließt sich mir dann auch nicht wirklich. Aber einen Trip zu buchen, Party in irgendeinem Land zu machen, andere meine Aufgaben übernehmen zu lassen? Nö. Absolut gar nicht. Da bin ich auch zudem zu kontrollsüchtig, wenn man so sagen will. Ich finde, es artet irgendwie alles immer mehr aus. Dass ich das zu Coronazeiten noch mehr daneben und egoistisch finde, lassen wir mal einen Augenblick außen vor. Naja, ich werde sie natürlich vertreten. Sie würde mich auch unterstützen, daher ist es völlig fein für mich. Ich halte eben nur fest: Ich bin anders.

Mein drittes Anders: Ich möchte gerade eine liebe Freundin übers Knie legen. Jawoll. Ich hatte doch erwähnt, einen Hula Hoop Reifen zum Geburtstag bekommen zu haben. Na, heute hat er aus dem Originalkarton heraus geschrien: „Öffne mich, Du dumme Nuss!“ Ich habe diesem Ruf nachgegeben. Meine Ohren sind einfach zu empfindlich, als dass ich so was länger aushalten könnte. Ich stecke den Reifen brav ineinander und höre noch die Worte meiner Freundin: „Das klappt locker in Deiner Bude!“ Naja, wenn ich über ein Haus mit viel Platz verfüge, dann mag das stimmen. Bei 52 – zumal auch noch doof geschnittenen – Quadratmetern, ist das dann doch nicht so einfach. Es klappt letztlich nur, wenn ich mein Wohnzimmertischchen ganz beiseiteschiebe. Und selbst dann, fegt es mir alles weg, wenn der doofe Reifen fällt. Und der doofe Reifen fällt immer nahezu sofort. Ich bin frustriert und mir sicher: Ich bin anders. Denn, was bei anderen so leicht aussieht, will mir nicht gelingen. Als Kind ging das doch mal. Im Internet gibt es dann Videos von ätzend schlanken sporty Frauen, die das wie selbstverständlich und superleicht hinbekommen. Ihr Atem geht nicht mal keuchend. Es ist, als würden sie gerade eine Kochshow moderieren. Blöde Ziegen! Zum Glück stolpere ich auch über ein Video von einer Frau, die eben mehr auf den Rippen hat. Und sie lässt einen daran teilhaben, wie schwer ihr das zu Anfang gefallen sei. Sie schnauft währenddessen und nimmt sich selbst nicht so ernst, was ich ja immer gut finde. Ich weiß, es hilft nur eins: Üben, üben, üben. Ach nee, das sind ja schon drei! Ich mag so was nicht. Wenn manche dann doch der Ehrgeiz packt – bei mir hat es diese Wirkung nicht. Mal schauen, wann ich dem Ruf des Reifens noch mal nachgebe. Vielleicht hänge ich ihn einfach an ein Trampolinbein, damit die beiden miteinander plaudern können und mich dann auch in Ruhe lassen? Es gibt noch so viele ungelöste Rätsel auf der Welt…ich bin sicher, ich finde noch einige von ihnen. Bis dahin: Hullert oder hopst schön – mir ist das einerlei.

die Medien nerven mich immer mehr

Heute ist Freuuuutag, weil Freitag ist. Und weil ich überstundenfrei habe. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. Wenn überhaupt, dann nur, dass ich noch einige Stunden in diesem Monat herschenke. Ich bin schon eine dumme Nuss. Aber mei, es ist, wie es ist. Und ich darf ja noch eine Menge lernen.

Anders, als ursprünglich gemeldet, scheint heute hier noch die Sonne. Ich sitze im Top auf meinem Balkon. Wenn das nicht mal Luxus ist. Es soll ja ab morgen dann deutlich kälter werden, womit ich auch gut kann. Aber die Sonnenstrahlen lösen schon gute Laune bei mir aus. Das ist einfach herrlich. Gestern und vorgestern habe ich nämlich in der Tat nichts von diesem Traumwetterchen mitbekommen. Daher bummel´ ich meine Zeit unter anderem in der Sonne ab, telefoniere dazu und schalte über weite Strecken ab.

Heute nachmittag schießt mir dann ganz spontan durch den Kopf: Was wohl gerade im Kino läuft? Zwei Sekunden später realisiere ich dann: Nix. Krass. Ich habe es für einen Moment völlig verdrängt. Daran sieht man auch, wie wenig Nachrichten ich mir gerade reinpfeife. Die gehen mir nämlich immer mehr auf den Senkel. Manche Dinge, über die berichtet werden, machen mich einfach rasend. So einfach. Über die Nachrichten-App beim Handy (die ich derzeit fast immer nur ungelesen wegwische), bekomme ich dann aber schon mit, wie England sich gefreut hat, dass die BILD-Zeitung in Deutschland getitelt hätte, wir würden die Briten beneiden, da sie besser in der Impf-Strategie seien. Und natürlich fasst die britsche Presse das gerne auf und suhlt sich in Schadenfreude. Da frage ich mich wieder einmal, in was für einer Welt wir leben? Wenn wir nicht alle Länder mit Impfstoffen versorgen, hilft uns das Silodenken mal so gar nichts. Seit wann ist es wieder so in Mode gekommen, dass jedes Land nur an sich denkt? In Afrika sterben Menschen massenweise, weil auch noch Hungersnöte sie dahinraffen – abgesehen von den ohnehin unzähligen Krankheiten, die aufgrund der schlechten Versorgung leider häufig tödlich verlaufen. Wieso denken die meisten nur daran: „Wann werde ich denn geimpft?“ Was ändert sich denn dann? Gar nicht so viel. Und dann diese Diskussion über Sonderbehandlungen, wenn der digitale Impfausweis käme. Wie können die Medien so flächendeckend darüber berichten, wenn noch gar nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht? Das stachelt die Hysterie ja nur noch weiter an. Und ja, ich vermisse so viele Dinge auch. Wenn wir uns aber gerade mehr damit aufhalten, was unfair ist, was andere mehr haben, was alles schiefgelaufen ist, statt unsere Energie auf Lösungen, faires Miteinander und positives Umdenken zu lenken, dann…tja, dann wird die Welt immer bekloppter. Ich bin diese Diskussionen leid, wer bevorzugt wird. Ich bin es leid, zu hören, wer alles besser zu regieren wüsste. Sicherlich nerven mich einige von den Pappnasen da oben auch. Allen voran Spahn und Laschet. Aber nicht „die gesamte Regierung“ versagt. Diese Pauschalbehauptungen kann ich nicht mehr hören. Ich merke, wie müde mich das macht…und auch, wie ich mich immer mehr davon distanziere, wenn mich Menschen damit vollsülzen. Corona spaltet also munter weiter.

Ich bin gespannt, wie sich unsere Welt „danach“ verändern wird. Dass sie sich verändert, daran hege ich keinen Zweifel. Klar, wer kennt den Spruch nicht: „Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.“ Da hatte der alte Heraklit schon eine gute Vorstellung vom Leben. Nur so radikal, wie das derzeit von uns gefordert wird, geht es einem eben schon an die Substanz. Aber war das zu Kriegszeiten anders? Da waren die Leute auch über Jahre in Sorge, haben Angehörige verloren und um das eigene Leben gebangt. Das ist jetzt auch nicht anders – nur dass es einen unsichtbaren Feind gibt. Wir werden sehen, was sich ergibt. Der Mensch ist ein Wunder der Anpassung. Das hat die Evolution gezeigt. Nur wenn man mittendrin steckt, ist das gar nicht so wirklich vorstellbar. Ich bleibe gespannt.

bin doch ´n Kerzchen auffer Torte

Heute Morgen habe ich richtig Bock und freue mich auf den Tag. Es macht einfach Spaß, wenn es Spaß macht. Klingt komisch, is abba so. Natürlich checke ich früh morgens meine Mails, erledige Anrufe und Schnickischnacki, aber dann darf ich mich auch schon einwählen. Und ja, ich wähle bewusst das Wörtchen „darf“. Bei manchen Schulungen, Workshops oder ähnlichem, ist es durchaus bereichernd, daran teilnehmen zu dürfen. Das meine ich nicht nur in puncto „Konsum von Dialekten“, weil ich diese ja so liebe. Nö, es gibt einfach Themen, die sauspannend sind. Und Change Management gehört für mich eindeutig dazu.

Nachteile an den Online-Veranstaltungen sind ja aus meiner Sicht die hohe Ermüdbarkeit, fehlende Interaktion, reduziert zu sein auf bisweilen nur Ton und manches mehr. Ja, es wird immer auch ein Bild angezeigt, aber da sieht man häufig eine laufende Präsentation. In der Zeit nehme ich nicht den Referenten wahr, was mir schon auch immer sehr wichtig ist. Ich erlebe gerne, wie Leute etwas vortragen. Wenn man sich anschaut, was gute Schulungen ausmacht, ist die vermittelte Theorie häufig nur ein kleiner Prozentsatz. Es lebt vom Drumherum, aber vor allem auch an der Präsenz des Trainers. Ist er mir sympathisch, wird die Veranstaltung für mich eher ein Erfolg, als wenn ich denke: „Man, watt für´n Dööspaddel.“ Corona zeigt, dass wir manchmal nicht das bekommen, was wir wollen und trotzdem weitermachen müssen.
So zurückgeworfen auf das rein Auditive, denke ich darüber nach, was mich an dem einen Trainer so stört? Gestern auch schon. Inhaltlich ist er gut. Ich sehe ihn so gut wie nie, sondern starre nur auf ein paar gut ausgearbeitete Folien. Und der Überkritiker in mir, stellt äußerst glücklich fest: Es gibt nur einen Rechtschreibfehler in all den Unterlagen. Ist für mich wirklich wahnsinnig wichtig. Ich finde es nur wertschätzend, wenn sich jemand die Mühe macht, Unterlagen auch entsprechend aufzubereiten. Das also nervt mich nicht an dem älteren der beiden Referenten. Mein Hirn dreht Schleifen, bis ich drauf komme: Er spricht wie Bill Kaulitz. Nun ist mir das ehemals kreischende Kind von Tokio Hotel im Grunde einerlei. Mittlerweile finde ich ihn schon auch unterhaltsam und seine schrille, bunte Art auch voll ok. Nur nervt es mich, dass er die Zähne so schlecht auseinander bekommt. Er redet zwar, kriegt seinen Kiefer aber dennoch nicht so richtig entkrampft. Und genau das macht der Referent auch. Vermutlich wäre mir der Grund bei einer Präsenzveranstaltung verborgen geblieben, weil ich da mehr Sinne zur Verfügung gehabt hätte. Und ja, das ist in der Tat so was von Schisskojenno. Trotzdem finde ich es gut, wenn man analysieren kann, was einen da gerade so ankaast. Ich ertappe mich dabei, wie ich darauf hoffe, dass er gleich singt: „Renne durch den Monsun, hinter die Welt…“ Ich weiß, ich hab´ sie nicht mehr alle. Aber ehrlich jetzt? In meinem Kopp ist immer was los. Da ist selten keine Kirmes geboten. Und von diesem Herrn höre ich dann auch wieder, wie wichtig Humor gerade in der Veränderung sei. Na also, das muss ich zum Glück nicht mehr lernen. Das bringe ich seit frühstem Dasein mit…quasi fest in meiner DNA verwurzelt.
Der andere Referent ist mir irgendwie sympathischer. Das liegt daran, als er gestern zum Einstieg über die Kamera zu sehen war, in mir die Idee kam: „Mööönsch, der sieht ja aus wie mein Jugendfreund – nur in blond.“ Und ganz ehrlich? Es war nur eine kurze Episode in meinem Leben, aber der Junge war echt nett. Daher hat der Referent Pluspunkte. Aber auch die Art, wie er redet, wie er in den Austausch geht, ohne dabei aufgesetzt zu wirken, begeistert mich. Zwischendurch denke ich sogar darüber nach, wenn er mich abwerben würde, ob ich nicht in dieser Beraterfirma arbeiten wollte? Nur wird er mich das nicht fragen…und dann denke ich, das ist ja auch nicht so wirklich das, was ich will. Ich sag´ ja: Dauernd ist Kirmes in meinem Kopf.

Wichtigste Erkenntnis der anderthalb Tage: Ich habe doch eine Menge in meiner Firma gelernt. Da meckere und schimpfe ich ja oft, wie viel Verschwendung wir da in Teilen produzieren und glaube, nur meine private Fortbildung bringe mir neues Wissen…aber nö. Ich darf sogar Input zu einer Methode geben, der die Führungskräfte interessiert lauschen. Dabei verweise ich darauf, dass wir uns gerne vernetzen könnten, wenn sie noch Fragen hätten, was drei der Herren noch während des laufenden Abschnitts in die Tat umsetzen. Da bin ich dann doch ein bisschen stolz. Ist ja eigentlich nicht so meine Stärke, Stolz auf mich selbst zu empfinden. So was wird uns ja schon im Kindesalter abtrainiert. Aber hier kann ich das durchaus sagen: Zwischendurch finde ich heute schon, ich bin eine kompetente Person. Ich stehe also zu Recht auf der Torte und strahle auch einigermaßen hell. Ha. Mal schauen, wie lange dieser Zustand anhält. Solange genieße ich das mal.

Und um in der Kaulitz-Analogie zu bleiben, schaue ich mir heute Abend wieder Heidi und ihre Meeeeeeedchen an. Mal schauen, was sich Bills Schwägerin wieder für Schwachsinn ausgedacht hat. Es wird herrlicher Nonsens als Kontrastprogramm zu meinem Seminar sein. Und ich werde es genießen – so viel steht schon mal fest. Ich brauche eben beides: Blödsinn und Sinn – alles im ausgewogenen Maß.