Und trotzdem…

Es setzt sich so langsam. Aber echt nur sehr langsam. Noch bin ich gut beschäftigt. Und natürlich bin ich beim Einschlafen in der ersten Nacht nicht zur Ruhe gekommen und bin das Gespräch noch mehrfach durchgegangen. Es ist im Grunde wurscht. Und trotzdem. 🙂 Ja, genau…dieses „und trotzdem“ bezeichnet mich wohl am besten. Ich ärgere mich über mich selbst. Die Olle ist ja einerlei. Ich hätte es besser gekonnt. Und ja doch, ich weiß, dass das jetzt total egal ist. Und trotzdem geht es mir eben nicht aus dem Schädel raus. Letzte Nacht war es dann auch schon besser. Und trotzdem bin ich um kurz nach drei Uhr aufgewacht. Ich habe nicht an die Prüfung gedacht, habe dennoch über eine Stunde nicht einschlafen können. Sachen gibt´s…ich bin wohl einfach alt.

Heute Abend kommt eine Freundin mit ihrem Freund zu mir. Ich habe Sauerbraten gemacht. Und dazu gibt es natürlich auch einen Nachtisch. Mmmh, ich mag ja Nachtisch immer gerne. Die Zeit ist allerdings auch genau die richtige für so was. Denn so usselig und kalt es draußen gerade ist, so schön ist es drinnen. Ich mag diese Zeit, denn sie bringt mich innerlich runter. Heute Morgen war es ganz eigenartig. Ich dachte so: „Jetzt muss ich noch…ach nee, jetzt muss ich ja gerade mal gar nichts mehr! Wie geil ist das denn bitte schön?!“ An den Stellen merke ich dann, dass mein Gehirn hin und wieder dann doch mitkommt. Nur Untätigkeit ist mir nach wie vor ein Gräuel. (Hab noch mal nachgeschaut. Bis 1996 noch „Greuel“, danach dann Gräuel. Hihiii.) Also mache ich was? Richtig, ich haue nicht nur den Nachtisch für heute Abend zusammen, sondern backe noch Plätzchen. Und zwar Feenküsse. Lecker und gar nicht so schwer: Plätzchenteig als Unterlage, darauf ein Toffifee und obenauf eine Eischneekrone. Saulecker. 96 habe ich gemacht. Eins ist leider, leider verunglückt. Das musste ich dann schnell aufmampfen. Die anderen 95 nehme ich nächste Woche mit zu meiner Sis. Da hausen ja Keksmonster, die mir beim Essen garantiert ihre Hilfe anbieten.

Jo…und ansonsten weiß ich mich gerade nicht ganz zu lassen. Morgen bringe ich meine Bücher zu einer Bekannten, die im März Prüfung haben wird. Dann krame ich hier, um alles soweit klar zu bekommen, denn Montag kommen Handwerker ins Haus, die die Warmwasserzähler austauschen. Und wir müssen alle Zugänge dafür freimachen. Ja sicher, das mache ich doch gerne. Das heißt nur, das Spiegelschränkchen im Bad wieder mal komplett auszuräumen. Muss ich eh jeden Januar, weil sie den Zähler dann ablesen. Und da ich eine Frau bin, ist der Schrank natürlich auch voll. Ja, ich weiß, dass ich davon geschrieben habe, auch Sachen aussortiert zu haben. Aber wir Frauen sind ja Sammlerinnen. Entsprechend habe ich wieder gesammelt. Was soll ich sagen? Ich bin mir meiner Fehlleistung bewusst…und trotzdem bin ich eben eine Vollblutfrau.
Jetzt stellt sich nur die Frage, ob ich Montagabend noch gegen 17 Uhr losstarte gen Rheinland oder erst Dienstagmorgen. Ich bekomme dann ja immer Hummeln in de Futt, wenn ich heimdüsen kann. Aber dieses Mal werde ich es wohl wetterabhängig machen. Und irgendwie bin ich gar nicht so traurig, dass alles gerade wieder runtergefahren wird. Für die Gastro tut es mir sehr leid, klar. Für mich selber ist es allerdings eine gute Sache. So bin ich quasi gezwungen, ruhiger zu machen. Ich hoffe, meine Neffen haben sich innerlich schon drauf eingestellt, dass Tantchen akuten Kuschelbedarf hat. Dann werden wir Filmeabende/-nächte veranstalten, bei denen ich vermutlich einpenne, mich jedoch sauwohl fühle. Das kann Familie eben auch. Neben so Nettigkeiten, wie: „Du Sauaas“ zu sagen. Das war die Reaktion meiner Mutter auf meine bestandene Prüfung. Aber dieses Mal war es nicht böse gemeint, sondern schon auch stolz. Naja…Familie…nicht immer einfach, hm? Und trotzdem…Familie eben.

Vorbei ist vorbei…

Gott im Himmel, was ist mir schlecht. Eigentlich war mal der Plan, am Tag vorher nichts mehr zu lernen. Aber natürlich habe ich noch stundenlang gelernt. Schön blöd, ich weiß. Damit ist auch der Druck wieder gestiegen. An Schlaf war auch nicht wirklich zu denken. Ich habe gedanklich Prüfungsdialoge abgehalten. Und ja, das kann man durchaus pathologisch nennen. Trotzdem komme ich nicht dagegen an. Meine Tasche packe ich im Vorfeld und stelle sie an die Wohnungstür. Klamotten lege ich mir auch zurecht. Mein Bahnticket ist gebucht. Ich komme mir vor, wie eine Schwangere kurz vor der Geburt…

Und plötzlich ist er da, der Tag, auf den ich schon so lange warte. Ich bin so ein Mensch, der sich gerne häufig in die Zukunft beamen würde. Das hätte echt was. Nur würde ich auch jede Menge verpassen. Das ist eben das Leben… auch wenn mir gerade das Herz bis zum Hals hochschlägt. Das zeigt mir, dass ich lebe, dass ich noch was wage und noch was wissen will. Ist doch auch was Feines, oder?

Typisch für mich: Ich brauche viel zeitlichen Puffer, damit ich nicht in Panik verfalle. Die Bahn fährt mit nur zwei Minuten Verspätung. Und dann fahre ich erstmalig Tram… und komme so eineinviertel Stunde zu früh an. Das ist aber ok, denn so kann ich noch einen Kaffee trinken. Allerdings keinen Milchkaffee, weil der meinen Magen sofort rebellieren lassen würde. Gut, wenn man sich kennt, oder? Jetzt muss ich aber doch mal so langsam los. Zahlreiche Nachrichten und Mutmacher haben mich erreicht, was mir ungemein gut tut. Zur Verstärkung habe ich mir geistig meinen Opa eingeladen, der in der Prüfung hinter mir stehen wird.

Im Gebäude selbst, werde ich erstmal gefragt, ob ich die Prüferin sei? Kracher! Wäre ich gerne, denn dann müsste ich den Rotz nicht machen. Ich verneine grinsend. Dann warte ich im Flur darauf, dass die Prüfung beginnt. Die Prüfer*innen sind schon da. Ich habe alle möglichen Leute schon gesehen. Die Prüfungen des anderen Fachgebiets beginnt auch pünktlich. Und obwohl ich die Erste am Tag bin, lassen sie mich noch 18 Minuten warten. Naja. Die Ärztin ist eine ältere Zicke. Wirklich wahr. Rückblickend muss ich schon sagen, sie hat mich etwas gegrillt. Wäre ich jünger, weniger wortgewandt, dann hätte sie mich völlig aus dem Tritt gebracht. Die andere Dame war nett und sollte auch die Prüfung durchführen. Doch die Amtsärztin musste sich doch immer wieder mal einmischen und noch tiefer bohren – schließlich ist ja was Besseres. Ich weiß, wie das klingt. Aber es war echt so. Ich bestehe, auch wenn ich einen Aspekt völlig außer Acht gelassen habe. Dafür habe ich jede Menge Wissen mitgeteilt, was wohl gereicht hat. Die Ärztin muss mich aber noch mal darauf hinweisen, was ich noch beachten müsste. Trotzdem hat das letzte Wort die andere, die mich bestärkt, wieviel ich gewusst hätte, dass ich auf das wichtigste geachtet hätte: Die Abklärung der Suizidalität. Gratulation, Urkunde kommt irgendwann, und tschüss. Und da stehe ich dann also…draußen vor dem Gebäude. Ich verschicke Nachrichten und habe einen faden Beigeschmack im Mund. Nein, ich werde nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten (wie in dem Fall beschrieben). Und ja, ich kann gut mit Menschen umgehen und mich auch gut einfühlen. Aber diese Amtsärztin mit ihrem Getue, liegt mir im Magen. Bestanden ist bestanden, schon klar. Doch einmal mehr frage ich mich: Warum sind manche Menschen einfach solche Arschlöcher? Was ist ihr Zweck auf dieser Welt? Miese Laune und Depressionen zu verursachen? Ich bin erleichtert, ganz sicher. Aber ich freue mich nicht grenzenlos. Vor lauter Wut packe ich alles zusammen, was ich an Papieren finden kann und entsorge es im Altpapier. Das Kapitel liegt hinter mir – auch wenn ich innerlich noch nicht den Buchdeckel zugeklappt habe. Das dauert nach so vielen Monaten. Ich weiß nur eins: Ich werde alles dafür tun, Menschen zu bestärken – im Gegensatz zu dieser Mistkröte. Und das ist, was doch zählt, oder?

Ich danke Euch allen, die mich auf dieser Reise begleitet haben, meine Achterbahnfahrt einfach mit durchlebt und mir Mut gemacht haben. Wir können alles schaffen, wenn wir das nur wollen. Straucheln gehört dazu…Zweifeln auch. Aber Aufgeben? Niemals! Danke!

ein Blick hinter weibliche Kulissen

Ich bin wieder – zumindest vorübergehend – auf Normalmodus. Mal schauen, wie lange das anhält. Nachdem mir allerdings gestern der Chef vom Nachbarteam gesagt hat: „Wenn Du nicht alles fertig bekommst, dann wird eben nicht alles fertig. So einfach. Im nächsten Jahr dreht sich die Erde auch weiter.“ Jaja, mein gottverdammter eigener Anspruch. Da darf ich noch ein wenig dran schrauben. Er hat auch berichtet, wie viele derzeit gar nicht wüssten, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollten. Da müsste ich ja nicht für drei ackern.
Allerdings erschreckt es mich immer wieder, wenn andere Menschen meinen, ich hätte ja immer 150%ige Lösungen. Äääääh…absolut nicht. Ich bin ganz ehrlich echt nur der 80%-Typ. Und das reicht mir auch vollkommen. Bei dem Persönlichkeitstest, den wir im Nachgang zur Fortbildung mal durchspielen sollten, kam dann auch genau das raus. Da bin ich Aktivist. Die Übersetzung aus dem Amerikanischen gefällt mir nur nicht. Da passt eine andere besser: Krieger. 🙂 Und schwups, bin ich wieder an Bord. Wer ihn mal kostenlos durchführen möchte, findet ihn hier:

https://www.16personalities.com/de

Da steht dann auch, dass ich nicht dafür geschaffen bin, Aufgaben bis ins Letzte auszuarbeiten. Und Routinen verabscheue ich natürlich auch wie die Pest. Hey, was für eine Überraschung! Ja, es fasst hervorragend zusammen, wie ich ticke. Ein, zwei Kleinigkeiten passen nicht exakt, doch der Rest dann erschreckend gut. Spannend. Mich interessiert nicht, wer welches Auto hat, was er studiert hat, welchen Job er ausübt. Mich interessiert, welche Ideen er zur Welt hat. Ich möchte einfach unterschiedliche Blickwinkel einnehmen, Spannendes über Weltanschauungen austauschen und solche Gespräche führen. Oberflächliches Geplänkel kann ich auch. Allein, es bringt mir nichts und reizt mich auch nicht wirklich.

Etwas ganz anderes amüsiert mich gerade über die Maßen. Und da denke ich mal wieder, wie toll es ist, eine Frau zu sein. Nichts gegen Euch Männer. Und ich freue mich, wenn Ihr auch sehr gerne Männer seid. Es wäre rotzelangweilig ohne Euch und unsere mannigfachen Interpretationen kleinster Sätze, die Ihr so von Euch gebt. Ihr wärt überrascht, was wir Euch an komplizierten Gedankengängen so alles zutrauen. Da gibt es Hirnwindungen, von deren Existenz Ihr nicht einmal ahnt.
Ich möchte, falls es eine Wiedergeburt gibt, bitte allerdings wieder als Mädel zur Welt kommen. Wieso komme ich gerade jetzt darauf? Na, wir haben noch eine What´s App-Gruppe von unserer Fünfer-Frauen-Truppe für die Prüfungsvorbereitung. Die ersten beiden Hühner haben ja schon die mündliche Prüfung geschafft, die nächsten beiden schaffen es garantiert morgen, dann erst komme ja leider ich nächste Woche dran. Im Vorfeld haben wir überlegt, was zur Entspannung in diesen wirklich stressigen, angespannten Zeiten beitragen könnte. (Alkohol, Massagen, Sauna, Meditation, Yoga…) Ich habe da schon auch mal in den Raum geworfen, kein Problem damit zu haben, Single zu sein. In Zeiten, wie diesen, würde ich mich dann aber schon auch mal freuen, wenn da Zuhause einer auf mich warte, mich in den Arm nähme und sagte: „Alles gut, Du Hektik-Hummel. Das geht vorbei, und ich bin da. Wir schaffen das gemeinsam.“ Darauf hat die Elfe dann verkündet, im Moment würden ihr gar keine interessanten Männer auffallen. Überhaupt läge der letzte Sex zweieinhalb Jahre zurück. Nun gut, ich sprach von Umarmung und Geborgenheit, aber natürlich ist das auch ein Aspekt. Und dann schreibt sie jetzt – Tage später – nachts: „Ha, ich hatte Sex! Die Prüfung kann kommen, ich bin entspannt!“ Was habe ich mich da weggeschmissen. Herrlich!
In Frauengesprächen geht es ja nicht darum, wer den Größten oder wie viele Elsen man wie oft bedient habe. Es ist, glaube ich, ein völlig anderer Umgang mit dem Thema. Es geht nicht darum, sich zu beweisen, sondern eher darum, sich fallen zu lassen, zu genießen und vor allem zuzulassen. Das Loslassen vom ewigen Optimierungswahn oder sich verletzlich zu zeigen, weich zu sein und mal nicht das nächste To Do von der Liste abzuarbeiten. Es geht mehr ums Gefühl. Aber Achtung, nicht missverstehen: Damit meine ich nicht die Liebe – höchstens zu sich selbst. Ich lasse mein Gefühl zu, gestehe mir ein, was ich brauche. Das geht auch, wie im Fall der Elfe, mit einem Mann (oder auch Frau), der nicht mein Partner ist. Ich sehe schon das Augenrollen der Männer…und vielleicht das ein oder andere Lächeln und wissende Nicken der Frauen.
Trotzdem – so offen ich auch bin – hätte ich das nie so in diese Gruppe geschrieben, wie die Elfe es tut. Allerdings feier ich die Süße dafür total. Und natürlich konnte ich nicht widerstehen, sie zu fragen, ob es gut gewesen sei? Darauf sie: „Total. Es war sogar richtig gut…oder…naja, oder ich war einfach total ausgehungert. Kann auch sein.“ Und schon wieder habe ich mich schlappgelacht. Sie ist da vollkommen im Reinen mit sich.
Hinter den Kulissen von uns Frauen erstreckt sich eine Welt, die Männer vermutlich nicht verstehen können, weil sie so völlig anders sind. Wenn man als Frau mit einem Mann darüber spricht, geht das auch. Aber Männer in Gruppen und Frauen in Gruppen unterscheiden sich nun einmal grundlegend voneinander. Und genau das macht es ja auch aus, oder?

Ich werde mir niemanden zur „Entspannung“ bis nächsten Donnerstag suchen, weil es mich gerade eher zusätzlich stressen würde. Außerdem gilt bei uns zurzeit eine Home Office Pflicht. Ich werde also bis zur Prüfung quasi gar nicht mehr aus dem Haus gehen – höchstens, um kurz einzukaufen. Es bleibt also völlig ruhig an dieser Front. Es fehlte mir auch eine weitere Baustelle! Und nein, liebe Männer, ich sehe Euch nicht per se als eine Baustelle. Nur im Moment, in dem ich mal wieder mit zu vielen Bällen jongliere, wärt Ihr mir einer zu viel. 🙂 Ich habe Euch dennoch lieb, ganz ehrlich und Doppeschwör!

emotional am Rädchen drehend

Willkommen zu einer weiteren Achterbahnfahrt. Wer will, darf gerne einsteigen und sich mitverwirren lassen. Eintritt ist kostenlos – außer ein paar durchschossene Synapsen, befürchte ich.
Ach ja…eine weitere Woche in meinem Chaos ist vollbracht. Wenn ich so zurückschaue, wundere ich mich dann eigentlich auch nicht mehr, warum ich das Gefühl habe, abzudrehen. Wenn ich am Anfang einer solchen Woche stehe, denke ich darüber aber nicht mal eine Sekunde nach. Schon schräg, ich weiß.

Die Woche hat ja mit der zweitägigen Fortbildung gestartet. Die Aufreger habe ich ja schon alle mit Euch geteilt…wobei natürlich nicht alle. Das waren nur die Spitzen des Eisbergs, doch die allein hätten schon ausgereicht.
Mittwoch war ich dann in der Firma, wo nun 3G gilt. Ich kann es verstehen, absolut. Mich betrifft es ja auch nicht groß, weil ich meinen Impfstatus vorzeige und durchgelassen werde. Aber es betrifft die Ungeimpften. Ich verstehe, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen. Alternativen fallen mir ad hoc nicht ein. Und doch zweifele ich an der Durchführung. Menschen, die wie ich in den administrativen Bereich fallen, können gut von Zuhause aus arbeiten. Menschen, die hingegen Maschinen bedienen, Sichtprüfungen durchführen müssen oder ähnliche Tätigkeiten, können das blöderweise nicht. Sind diese ungeimpft, müssen sie an den Eingängen einen Selbsttest vor den Augen der anderen durchführen. Das hat für mich schon etwas Entwürdigendes. Ja, in der Apotheke oder im Testzentrum macht das sogar jemand bei einem. Aber am Tor, wo die Kollegen auf den ersten Blick erkennen: „Ah, das ist also einer von den Ungeimpften“, finde ich das nicht gut. Noch mal: Mir fällt auch gerade keine Alternative ein. Wird dann jemand positiv getestet, muss er nach Hause und erhält keinen Lohn. So ist es nun mal beschlossen worden. Und auch das verstehe ich zum Teil, dann aber auch wieder nicht. Menschen, die im Home Office arbeiten können, sind da klar im Vorteil. Der Arbeitgeber muss sich Regelungen überlegen, um arbeitsfähig zu bleiben. Ich verstehe das alles, doch es macht mir auch Sorge, wie weiter gespalten wird. Das ist für mich einfach nur traurig. Und leider fühle ich dann viel zu viel. Ich möchte niemanden ausschließen, abstempeln und ausgrenzen. Diese Dynamik macht krank…und zwar große Teile der Gesellschaft.
Ich gehe in mein Büro und lege beherzt los. Es sind nicht mehr viele Resttage, bis mein Urlaub beginnt. Dafür ist der Arbeitsberg riesig hoch. Und auch, wenn ich Abwechslung sehr gerne mag, ist mein armes Hirn mehr als ein bisschen gefordert: Zwei Tage völlig neue Themen. Dann tiefes Eintauchen in die Arbeitsthematik, bei der ich ja gerade konzeptionell arbeite. Das ist kein Abspulen von irgendwelchen Routinen, sondern wirklich viel Hirnschmalz. Und natürlich bleibe ich mal wieder länger, als ursprünglich geplant. Ich lerne einfach nichts dazu…

Donnerstag ist dann wiederum Fälletraining im Institut angesagt. Wieder eine ganz andere Materie. Zu Beginn denke ich mal wieder: „Hab ich alles noch niiiiiiie gehört.“ Allmählich komme ich jedoch wieder rein. Da ich die Leiterin aufgrund ihrer herabwürdigenden, arroganten Art nicht mag (ich habe echt ein massives Hierarchie-Problem), hoffe ich, sie nimmt mich nicht dran. Wenn sie es tun sollte und sich dann ähnlich gebärdet, wie bei den anderen, wird sie den Drachen in mir kennenlernen. Wir mögen uns gegenseitig nicht. Sie mag unterwürfige, ängstliche Menschen, bei denen sie sich überlegen fühlen kann. Das habe ich leider nicht in meinem Repertoire. Nachmittags trifft´s mich dann aber doch. Ich bin selbst überrascht, wie ruhig ich bleibe. Meine ganze Körperhaltung ist allerdings eindeutig: Ich bringe möglichst viel Distanz zwischen uns, wie mir meine Mitschülerin nachher grinsend bestätigt. Sie findet keinen Punkt, mich niederzumachen, also weckt sie meinben Drachen auch nicht. Am Abend raucht dennoch der Schädel, und ich wünsche zwei meiner Mitstreiterinnen viel Erfolg für den nächsten Prüfungstag. Sie werden bestehen, da bin ich sicher.

Und dann kommt der Freitag. Ich fahre wieder in die Arbeit und bin so richtig allein vor Ort. Passt mir gut. Ich habe schließlich genug zu tun. Allerdings haben wir einen fünfstündigen Team-Workshop. Nach anderthalb Monaten der Umstrukturierung sollen wir nun überlegen, was eigentlich unser Geschäftszweck sei? Da haut´s mir echt ´nen Schalter raus. Es gab neun Monate lang Meetings, Workshops und hassenichgesehn-Veranstaltungen ausgewählter Entscheider auf der grünen Wiese. Dann wurde alle Mitarbeiter aufgeteilt, wie bei einem Sklavenmarkt, ohne auch nur mal nachzufragen, was die Mitarbeiter denken, können oder gar wollen. Und jetzt kommen wir an den Punkt, an denen ich mir überlegen soll, was mein Geschäftszweck ist? Haben die den Knall nicht gehört?! Während ich auf Anschlag renne, um alles noch fertig zu bekommen, was am besten schon im September (als es uns in der Formation noch gar nicht gab) hätte starten sollen??? Hinzukommt, dass die Technik streikt. Alle, die Zuhause sitzen und zugeschaltet sind, haben eine Bombenleitung. Nur ich, die im Büro vor Ort ist, hat Schwierigkeiten und fliege dauernd raus. Das Problem ist seit Wochen bekannt, aber die IT-Abteilung wird nicht müde, jedem Anrufe zu erklären, sie hätten noch gar nichts von diesem Problem mitbekommen. Das kann es echt nicht sein. Dabei brennt´s mir unter den Nägeln, meine eigentliche Arbeit zu verrichten, zu der ich heute gar nicht komme. Ich arbeite in der Lean-Abteilung, wo es ja im Schwerpunkt darum geht, Verschwendung zu vermeiden. Das hier ist für mich mal Verschwendung in ihrer Urform. Und dazu dann meine vegan-militante Kollegin, die sich total freut, weil sie diese Struktur dringend benötigt. Wir werden nun vierzehntägig einen Team-Workshop anberaumen – immer freitags für vier bis fünf Stunden. Ääääääh??? Wir tagen, um zu tagen? Ich mache mir ernsthafte Sorgen um meine Halsschlagader… Irgendwann merkt man es mir dann auch an, dass ich keine Geduld mehr habe. Nach dem dritten Rauswurf durch die Technik sage ich genervt: „Ich glaube, ich fahre jetzt nach Hause – wahlweise mit vorher aus dem Fenster geschmissenen Laptop oder ohne.“ Ich bin frustriert und könnte echt einfach nur heulen. Gut, PMS ist auch mit an Bord, die blöde Kuh. Sofort nach Beendigung des unsäglichen Workshops ruft meine Chefin per Skype an, um zu fragen, wie es mir gehe. Das ist an sich sehr nett, aber wenn man kurz davor steht, einfach loszuflennen, würde ich lieber erstmal in Ruhe durchschnaufen. Ich beantworte ihr ehrlich, dass ich am Anschlag sei. Es blieben nun noch sieben Tage übrig, in denen ich den ganzen Berg bearbeiten sollte. Dann brauche ich keinen fünfstündigen Workshop, in dem ich erarbeiten soll, was mein Zweck sei, nur weil die Deppen vorher dazu nicht in der Lage waren. Weshalb habe man denn die Umstrukturierung geplant? Nur aus Langeweile? Meine Chefin ist voll korrekt und nicht schuld an dieser Lage. Sie wird auch nur verbrannt. Mein Limit ist aber gerade erreicht. Und da kann niemand dafür, dass ich auf verschiedenen Hochzeiten tanze. Aber die Arbeit allein würde mich schon vollends auslasten – ohne zusätzliche Fortbildung und anstehender Prüfung in einem anderen Bereich.

Innerlich schreit alles in mir, weg zu wollen. Weit weg. Wenn da Meer ist, umso besser. Die angespannte Coronalage tut ihr übriges dazu, die Gemüter aufzuwühlen. Ich hätte auch gerne Wellness gemacht, um mal runterzukommen, aber so, wie die Lage ist, hat das mit Entspannung gerade mal gar nichts zu tun. Ich vermisse es schmerzlich, einfach in den Arm genommen zu werden. Gefühlt driftet so vieles auseinander, und ich verkümmere emotional einfach. Das hört sich dramatischer an, als es wohl ist. Noch mal: PMS spielt auch eine entscheidende Rolle. Da hilft es auch nicht, dass beide Mitschülerinnen bestanden haben. Das freut mich riesig, sie haben es total verdient. Nur…ich auch. Die nächsten beiden sind nächsten Donnerstag fertig. Und ich darf dann noch eine Woche abwarten, bis ich dran bin. Eine Woche, sieben Tage – da mag sich der ein oder andere fragen: „Was soll daran schlimm sein?“ Nach Monaten der Anspannung, ist irgendwann die Luft raus. Ich will einfach nicht mehr. Die anderen haben sich zwischendurch einen gepichelt, was ich nicht kann und auch nicht mag. Wenn ich was unternommen habe, habe ich mir immer eingeredet: „Das ist voll ok, das darfst Du!“ Aber im Hinterkopf ist da immer dieses Stimmchen des schlechten Gewissens: „Ach, interessant…Du vergnügst Dich, dabei hättest Du die Zeit doch auch sinnvoller nutzen können, oder? Wenn Du meinst, dass Du Dir das erlauben kannst. Jammer nur nicht rum, wenn Du dann letztlich durchfällst!“ Und nein, ich höre keine Stimmen. 🙂 Es ist meine Erziehung, meine Genetik, meine Erfahrung, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Entsetzlicherweise passe ich wirklich vollkommen zu dem Typus Leistungsmensch. Alles, wofür ich nicht hart arbeiten musste, ist auch nichts wert. Und das ist der größte Bullshit, wie ich selber weiß. Nur: Mach mal was dran.

Ich bin mir sicher, wenn ich einen Monat weiter bin, wird die Welt anders aussehen. Dann wache ich nicht mehr morgens um fünf auf und denke an Diagnosekriterien oder an Aspekte, die ich in meine Schulung packen sollte. Ich bin einfach müde. Und das ist auch völlig normal, rational betrachtet. Da drinzustecken und das auszuhalten, ist aber wieder eine ganz andere Angelegenheit. Das fühlt sich ätzend an und gönne ich niemandem – nicht mal Heinz oder meiner doofen Kollegin.
Und jetzt packe ich mir wieder meine Bücher und lege los. Ein Ende ist ja in Sicht.

Kiegerin mit all ihren Schattenseiten

Wohooooo, heute war es… spannend. Oder sollte ich sagen spannungsgeladen? Herrlich. Gestern war es dem Trainer – laut eigener Aussage – zu harmonisch. Na dann… Und so startet die Einstiegsrunde wieder bei mir. Das ist ganz klar der Murks an dem Platz ganz vorne, an dessen Abwertung sich durch diese Automatismen auch nie was ändern wird. Die Leitfragen lauten: „Mit welchem Gefühl startest Du in den heutigen Schulungstag? Was hat von gestern nachgewirkt?“ Ich weiß, ich bin manchmal echt ein Arschloch, aber es kommt immer von Herzen. Ich sage: „Mein Gefühl ist genervt (wobei mir klar ist, dass das kein richtiges Gefühl ist). Was nachwirkt? (Ich spreche den zweiten Trainer direkt an:) Ich habe noch den ganzen Abend darüber gebrütet, dass ich nichts von Dir hören durfte und wünsche mir, auch von Dir lernen zu können.“ Uups, raus ist es. Alle anderen sind freundlicher, aber hey, wenn man um Reibung bittet, kann ich das gerne bedienen.

Ich gebe unumwunden zu: Wenn mich jemand so richtig anpisst, bin ich durchaus mit einem Körbchen unterwegs und lege da alles rein, was mir negativ auffällt. Klar, da bleibt Energie auf der Strecke, aber genau das bin ich. Zurückweichen gibt’s bei mir nicht. Ich kann mich sehr wohl zurücknehmen… sehr gut sogar. Vor allem bei Leuten, die wenig Raum einnehmen. Da ermutige und stärke ich auch sehr gerne mein Gegenüber. Doch ich springe in genau die gegengesetzte Richtung, wenn ich auf Narzissten und Egomanen treffe. Das ist schwer zu beschreiben, wie dann innerlich so ein archaischer Schlachtruf in mir erschallt. Irgendwann sollte ich mal so eine Rückführung machen, denn auch wenn das witzig klingt, frage ich mich ernsthaft, was ich in einem alten Leben für eine Rolle innehatte, die so in mir schreit. Und nein, ich bin immer noch nicht esoterisch. Und auch nicht schizophren. Da ist ein Anteil in mir, der innerhalb einer Millisekunde aktiviert ist. Vielleicht ist es auch der Feuerdrache? Wer weiß das schon so genau?

In einer Zweierübung erarbeiten wir dann Persönlichkeitmerkmale. Mein Mitschüler ist in so vielerlei Hinsicht völlig anders als ich. Er ist Zahlen, Daten, Fakten par excellence. Wir reden über Prinzipien… und auch über Prinzipienreiter. Und da oute ich mich: Ich bin manchmal einer. Er schaut mich verwirrt an und bittet um ein Beispiel. Ich hole tief Luft und sage: „Wenn mir jemand erzählt, er stehe für Gleichwertigkeit und Augenhöhe, empathisches Miteinander und bla, dann aber…“ Er nickt und schiebt rein: „Das von vorhin. Da ist mir aufgefallen: Das stimmt total. Vorher hatte ich das aber gar nicht auf dem Schirm. Das passte nicht zu dem, was er zum Einstieg gesagt hat.“ Und da kann ich dann Prinzipien rauf- und runterreiten. Mein Dilemma zeigt sich allerdings auch herrlich in genau dem Beispiel. Ich bin wenig bei mir und viel bei anderen. Am meisten tatsächlich bei denen, von denen ich denke, sie brauchen Unterstützung. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass das schon sozial, hilfsbereit und nett ist, aber auch, dass es durchaus auch eine Schattenseite hat. Also darf ich da noch einiges lernen.

Im Zweiergespräch gestehe ich auch, innerlich voll den Rebellen sitzen zu haben. Ich mag Harmonie, aber ich gehe auch gerne über Grenzen und sprenge sie. Zwischendurch sage ich: „Ich glaube, ich bin in erster Linie ein Hierarchierebell, weil ich Hierarchien völlig ablehne.“ Später geht es dann an die Präsentation der Ergebnisse. Eine Mitschülerin entscheidet sich bewusst gegen etwas und sagt: „Nee, da rebelliere ich.“ Ich drehe mich zu meinem Mitschüler um und lache. Oh… und da rebelliert der Trainer und mault mich richtig an: „Da musst Du Deine Schadenfreude gar nicht so krass zur Schau stellen!“ Hä? Ich stehe völlig auf dem Schlauch und frage: „Verstehe ich nicht. Was meinst Du?“ Und er raunzt mich an: „Du weißt genau, was ich meine!“ Nö. Ich weiß es echt nicht. Das hat so was von einem maßregelnden Vater… putzig. Und soll ich Euch was verraten? Es geht mir meilenweit am Heck vorbei. Ich schüttele kurz den Kopf und konzentriere mich auf die Präsentation. Da will ich gar keine Energie drauf ver(sch)wenden. Doof nur, dass andere das auch mitbekommen haben und ebenfalls nicht verstehen, was das sollte. Damit hat der Gute sich in seiner Professionalität nur selbst geschadet. Er tut nachher, als sei nichts gewesen, trägt dann aber ab Mittag seine schlechte Laune vor sich her, weil der Zeitplan nicht korrekt eingehalten wurde. Oh weia, fast bekomme ich Mitleid mit ihm, weil er gerade sehr verliert. Aber es bleibt bei „fast“. Komisch, ich bekomme zum Abschied kein Umarmungsangebot. So was aber auch!

Der Austausch unter uns Teilnehmern ist dafür umso wertschätzender. Gut, die eine Else steht sich selbst komplett im Weg. Dafür funktioniert es mit dem Rest umso besser. Wir schätzen uns für unsere Unterschiede, holen uns Tipps und stärken uns gegenseitig. Und daher gehe ich glücklich in den Feierabend. Es ist völlig ok, auch seine Schattenseiten zu kennen und sich mit ihnen auszusöhnen.

Absolutly a Griff in the Klo

Seit gestern nehme ich an meiner Fortbildung zum agilen Coach teil. Das wirklich Gute: Die Truppe. Da sind schon auch unterschiedliche Persönlichkeiten dabei. Doch bis auf eine ist keiner missionarisch. Die Herausforderung dieses Mal liegt woanders. Einer der Trainer ist mein Date vom Sommer, das ich ja als richtig unsouveräne Nullnummer seinerseits in Erinnerung habe. Entgegen meiner normalen Haltung, habe ich heute keine halbe Stunde Puffer eingeplant. Prompt ist die S- Bahn zu spät, weshalb ich nicht die eigentlich ausgesuchte U- Bahn erreiche. Alles in allem komme ich punktgenau an. Aber der Tünnemann überrascht mich total, was ja bei mir gar nicht so einfach ist. Er umarmt mich zur Begrüßung. Äääääh, ich hab mal im Kalender nachgeschaut, es war der 10.6.!!! Da haben wir uns getroffen. Dann haben wir noch höflich eine Nachricht ausgetauscht, das war’s. Leider bin ich zu perplex. Würde er das heute wiederholen, würde ich die Hände heben und sagen: „Nö, Dein Bedürfnis, nicht meins.“ Aber heute wird er das nicht mehr machen. Da bin ich sicher. Durch das späte Eintrudeln sitze ich direkt vorne, quasi neben ihm. Und das nutzt er geschickt, um mich so gar nicht zu integrieren. Auch ok, denn so kann ich ihn beobachten.

Es sind zwei Trainer. Und ja, ich liebe Übertreibungen, aber das ist keine: Der andere erhält nicht mal die Möglichkeit, sich vorzustellen. Über den Tag schafft er es nicht einmal, sechs Sätze zu äußern. Passend zu unseren Themen Mindset, Empathie und wertschätzende Haltung. 😂 Mein Spezi brilliert durchaus mit enormem Wissen, während er dann eine Buchempfehlung nach der anderen raushaut. Allein, es wirkt nicht stimmig. Er mag noch so belesen sein, scheitert dann aber ganz klar an der praktischen Anwendung, während er eine Teilnehmerin mal so richtig abkanzelt, als wären wir auf dem Kasernenhof. Geht gar nicht. Aber durch sein theoretisches Wissen mit rasanter Geschwindigkeit bleibt keine Zeit fürs Sackenlassen. Ob das Masche ist? Ich weiß es nicht. Die Unstimmigkeit zeigt sich aber an einer Stelle am meisten: Er nennt zunächst nur seinen Vornamen. Der Rest sei unwichtig, weil ja alle von uns auf Augenhöhe seien und bla. Im Laufe des Tages packt er dann alles raus, was ich ja schon weiß: 13 Jahre Bundeswehr, dass er zwei Diplome habe, systemischer Coach sei, im Handball 2. Bundesliga gespielt habe, seinen Abschluss übrigens mit 1,0 gemeistert habe, in welchen Projekten er sich so engagiere, was er unterstützend für ARD und ZDF mache… Innerlich schüttele ich den Kopf und reiche ihm eine Lolli, während ich sein Köpfchen tätschele und ihm zuraune: „Jaaa, Du bist ein ganz ein Großer! Mutti ist ganz, ganz stolz auf Dich!“ Ja, ich bin böse. Mich nerven diese Menschen, die sich so gebärden und offensichtlich an einem Gottkomplex leiden, massiv. Sie schüchtern durch ihre Dominanz ein, statt einladend Stärken zu stärken.

So auch gestern mit der dummen Nuss vom Institut geschehen. Eine aus unserer Lerngruppe, die wirklich sehr gut vorbereitet ist, hat eine Einzelstunde bei der Unfehlbaren gebucht. Am Freitag hat sie ihre Prüfung. Die Dame macht sie so klein, dass sie total niedergeschlagen ist. Sie hätte viel Wissen, wäre aber durchgefallen. Keine Hilfestellung, außer sie solle mehr Fragen stellen, was wir so auch nie vom Institut aus beigebracht bekommen haben. Beispiele, was sie fragen könnte, gibt’s nicht. Nur die Tatsache, dass sie so durchfallen würde. Beim letzten Üben in der Großgruppe hat sie auch eine bis zum Heulen getrieben. Wie kann ich so was tun??? Ich kann Leute motivieren und zu Höchstleistung beflügeln. Oder ich mache sie nieder, damit mir mein eigenes, armseliges Leben nicht so schlimm erscheint. Ich merke, wie die kriegerische Rebellin in mir erwacht. So eine Axt zu schwingen, ist bestimmt sehr kräftezehrend. Trotzdem will ich es mal ausprobieren, wenn ich diese emotional verkrüppelten Arschgeigen erlebe.

Ich verstehe es einfach nicht, wie Menschen so sein können??? Es gibt gefühlt so viel Hauen und Stechen. Und ja, ich schreibe auch von einer Axt. Die schwinge ich aber nicht wirklich. Ich würde mir wohl einfach wünschen, liebevoller miteinander umzugehen und Machtpositionen für Gutes zu nutzen – nicht zum Niedermachen. Da helfen auch bestätigende Anglizismen nicht, die mein heutiger Trainer wieder inflationär raushauen wird: „Absolutly!“ Ja, Du mich auch. Und ich hab noch nicht mal PMS. Was hat der doch für ein Glück. Ich bin es wohl einfach leid, von sozial kompetenten Vollidioten umgeben zu sein. Kennt Ihr dieses Phänomen auch? Habt Ihr ein paar Tipps für mich? Nicht nachweisbares Gift würde mir für den Anfang schon reichen. Ich nehme aber auch Streitäxte entgegen. Na dann mal los!!!

Dalsuppe mit toller Aussicht auf den Dezember

Es ist mal wieder Samstag, also Lern- und Elfenzeit. Dabei ist heute echt noch mal schönes Wetter. Die grauen letzten Tage wurden heute Morgen schon von der Sonne weggelächelt. Hilft aber alles nichts. Die Zwanghafte hat gerufen, also pilgern wir wieder zu der Elfe. 😂 Wenn mein Leben mal nicht aufregend ist! Dieses Mal werde ich auch kulinarisch was Neues lernen. Letztes Mal gab es vegetarische Spaghetti Bolognese mit Tofu. Wie sagte mein früherer Kollege immer so nett, wenn wir in schlechten Tagungshotels zusammensaßen? „Hmm, einfach, aber durchaus geschmacklos.“ Es schmeckte nicht schlecht, nur einfach nach nichts. Und nein, ich hab kein Corona mit damit einhergehender Geschmacklosigkeit.

Dieses Mal wollen wir allerdings nicht, dass die Elfe allein was macht, also bringt jede von uns was mit. Ich bediene brav das Vegetarische mit Dattelcreme und Möhrendip. Die Zwanghafte hingegen stellt eine Dalsuppe in Aussicht. Ääääh… Dalsuppe? Doch Fleisch? Also Suppe mit Dalmatiner-Einlage? Ich muss das echt googlen – die Menschen mit Hang zur ayurvedischen Ernährung und dergleichen mögen es mir bitte nachsehen. Irgendeine Linsensuppe soll es wohl sein. Na, mir soll’s recht sein. Wenn allerdings Curry drin sein wird (bei indischem Essen nicht so unwahrscheinlich), mache ich einen auf intolerant….seeeeeehr intolerant. Ihr seht: Es verspricht, durchaus interessant zu werden. I hold it in the head not out.

Wollt Ihr die Wahrheit wissen? Es hat geschmeckt. Ehrlich wahr. Ich bin selbst total überrascht. Dieses Mal ist es ohnehin alles anders. Die Mehrheit von uns ist entspannt. Auch das hat mal was. Wir steigen auch nicht direkt in Fälle ein, sondern machen eher ein intensives Wiederholen. Jede hat so ihre ganz eigenen Bereiche, die sie besser oder schlechter beherrscht. Mein größter Pluspunkt ist, dass ich reden kann – ich weiß, Wahnsinnsüberraschung. 🙈 Aber das unterschätzt man echt. Die Zwanghafte hat wahnsinnig viel Wissen, kann es nur einfach nicht so leicht in Worte packen. Gerade fühlt es sich mal vollkommen ok für mich an. Hoffen wir, dass ich dieses Gefühl noch ein bisschen länger erhalten kann.

Obwohl es echt gut läuft, bin ich platt. Das sind wir wohl alle. Und jede Einzelne freut sich auf das Freiheitsgefühl danach. So verabschieden wir uns voneinander und gehen unserer Wege. Trotz Müdigkeit will ich noch mal kurz in die Stadt, was ich jedoch bereue. Bei den Menschenmassen zweifle ich daran, ob allen die steigenden Neuinfektionen bewusst sind? Am Marienplatz steppt der Bär. Ich laufe eine Haltestelle weiter, bevor ich wieder in die S-Bahn steige. Mehr brauchte ich nicht… lediglich ein bisschen Bewegung. Die letzten drei Tage Home Office fordern wohl auch ihren Tribut. Die Sinnfrage stelle ich mir natürlich weiterhin. Doch heute nicht mehr, weil ich schlichtweg zu k.o. bin. In der Bahn erfahre ich dann noch, wie wenig begeistert Jürgen von der Lippe von der „Wetten, dass…“-Show heute Abend sei. Er bevorzuge da eindeutig „Das Supertalent“. Mei, wozu brauche ich diese Info nur? Mich interessieren beide Formate ’nen feuchten Furz. Im Kopf geht zwar gerade noch der Punk ab, aber mein altes Fleisch wird früh nach meinem Bettchen schreien.

Im Dezember werde ich dann alles nachholen, was ich gefühlt gerade alles verschlafe. Meine Neffen sind vorgewarnt. So ’ne Tante im Post-Lernstress wird bestimmt ein einschneidendes Erlebnis der ganz besonderen Art. Macht aber nix, denn so haben sie wenigstens Anekdoten für später. Ich verspreche jetzt schon, mich mindestens einmal zu betrinken und peinlich zu sein – wobei, dazu brauche ich ja erfahrungsgemäß keinen Alkohol. In diesem Sinne: Welterusten!

im falschen Wald

Herrlich. Gefühlt geht die Achterbahnfahrt doch noch weiter. Nicht ganz so arg, wie es zuvor der Fall war, aber doch noch ausreichend. Gestern hatte ich den ganzen Tag mündliches Fälletraining im Institut vor Ort. Es war anstrengend, aber durchaus gut und sinnvoll. Meine Überzeugung reichte von „ach was, das geht ganz locker“ über „uuups, die Frage würde ich lieber nicht beantworten wollen“ hin zu „wenn das kommt, schmeiß ich hin und renne weg“.
Erstmal war ich allerdings im falschen Raum. Der Aushang am Eingang war etwas missverständlich. Ich saß auch nicht allein im falschen Raum. Da waren durchaus noch andere blinde Hühner dabei. Doch das konnte schnell gelöst werden, weil ich mir einfach unsicher war und so lange rumgefragt habe, bis dann klar war: Wir sind im falschen Wald gelandet. Zunächst fing es harmlos an. Eine Mitschülerin, die ich nicht kannte, kam beim ersten Versuch schon sehr arg ins Straucheln. Dabei dachte ich noch: „Hossa, einfacher Fall, einfache Fragen…das läuft ja wie geschnitten Brot.“ Andere Beispiele waren dann schon haariger. Ich bin ziemlich sicher, die Dozentin hat den Anspannungsgrad sehr unterschiedlich gewählt. Bei den ohnehin schon Unsicheren war sie durchaus sanfter. Eine online zugeschaltete Teilnehmerin fand ich dann mal so richtig entzückend: „Och, die Diagnosekriterien habe ich noch gar nicht gelernt. Das schau ich mir eventuell mal an.“ Eventuell??? What??? Das ist die Grundlage! Hammer. Manche sind echt gechillt. Und das sind dann diejenigen, die es nachher locker bestehen, schätze ich mal.
Was mich hingegen ungemein beruhigt hat: Die absoluten Cracks in der Vorbereitung haben die mündliche auch mit mehreren Fehlern bestanden. Es gibt ja immer so Kandidaten, bei denen man in der Schule schon wusste: Die haben Tag und Nacht seit drei Jahren durchgelernt und wissen alles. Damals war ich noch so, dass ich nahezu gar nicht gelernt habe. Fürs Abi habe ich mal ein paar Stunden was in Bio nachgelesen, mehr aber auch nicht. Heute unvorstellbar, wie scheißegal mir das alles war. Und es hat gereicht. Jetzt habe ich schon deutlich mehr investiert. Aber die meisten anderen haben Teilzeitjobs oder machen sogar in Vollzeit diese Vorbereitung. Und die besten beiden haben in der Prüfung gerade mal drei Fehler weniger als ich. Das hat mich gestern dann doch ein wenig runtergepflückt und innerlich lächeln lassen. Ich kann also doch gar nicht so brummelhohl sein, wie ich mir das bisweilen selbst attestiere. Ist doch auch gut zu wissen, oder?

Heute darf ich hingegen wieder arbeiten. Die Luft ist schlichtweg raus für dieses Jahr. Noch dazu arbeite ich bis zum Ende ausschließlich konzeptionell. Ich gebe keine Schulung, keinen Workshop und nichts mehr. Nein, ich hocke da und konzipiere, was das Zeug hält. Das ist in etwa so sexy wie die Erstellung der Steuererklärung. Da denke ich auch immer: Das machst Du sofort im Januar des Folgejahres, dann hast Du es hinter Dir. Und dann kommt der Januar…plötzlich folgt der Februar…und das geht hübsch so weiter, bis ich dann doch denke: Jetzt muss ich das aber echt mal machen, sonst muss ich noch lernen. Also wähle ich das geringere Übel der unliebsamen Aufgaben und taste mich langsam an das Schlimmste heran. Und derzeit? Mache ich eben beide ganz arg unliebsamen Aufgaben zur selben Zeit: Beruflich konzeptionell arbeiten, privat lernen. Was bin ich doch für ein armes Kind!
Und damit nicht zu viel Langeweile aufkommt, habe ich mich vorhin für meinen EMDR-Kurs im nächsten Jahr angemeldet. Der beginnt allerdings nicht entspannt im März, sondern bereits im Januar. Stellt Euch mal vor, es könnte langweilig werden! Ach Du Schande, da wüsste ich ja nichts mit mir anzufangen. Könnt Ihr einfach mal nichts machen? Ich rede nicht vom stupiden Fernsehen oder Lesen. Nein, einfach davon, wirklich gar nichts zu machen. Wie war doch gleich die Frage von meinem großen Neffen: „Wie soll das denn gehen?!“ Richtig, weiß ich auch nicht. Dabei soll es so gesund sein und vor allem kreative Prozesse freisetzen. Ich bin in der Tat am kreativsten, wenn ich eine Deadline habe und der Druck so richtig ansteigt. Dann sprudel ich vor Ideen. Vorher ist das eher so ein von links nach rechts Schieben. Hände hoch, wem es ähnlich geht?
Wenn ich da an meine zwanghafte Kollegin denke, die für alles ihre Abarbeitungslisten pflegt…puh! Während man in meiner Bude immer ein paar Untermieter, wie beispielsweise Wollmäuse, findet, hat sie vermutlich einen Katalog für Staubkorngrößen entwickelt. Täglich legt sie sich bestimmt mit einer Lupe auf den Boden und überprüft, was sich am Küchenboden so alles tummelt. So habe ich dann natürlich auch wieder eine E-Mail von ihr im Postfach, in der sie darauf verweist, mal wieder mit unserer Chefin gesprochen zu haben. Sie hänge uns (meinem Kollegen und mir) eine Präsentation an und fordere uns auf, ob wir das von ihr für einen anderen Zusammenhang Erarbeitete nicht auch in unsere Planung miteinfließen lassen könnten. Am Arsch, die Waldfee! Aber so was von auf gar keinen Fall! Ich möchte, dass die Leute Spaß haben und nicht das Ritzen anfangen, weil sie sich diesen Mist reinpfeifen müssen. Bei Diskussionsbedarf dürften wir uns melden. Ich will nicht diskutieren. Ich mach´s einach nicht. Mir langt´s nämlich echt… Denn während ich nicht weiß, wie ich meinen Mist noch erledigt bekommen soll, schaukeln sich unsere Höchstverdiener die Eier. Und ja, ich kann das so sagen, weil sie laut eigener Aussage NICHTS zu tun haben. Außer Heinz. Der rettet natürlich wie immer die Welt. Ich warte ja immer darauf, dass er sich das Hemd aufreißt und darunter auf seiner Hühnerbrust ein fettes, tätowiertes „S“ zum Vorschein kommt. S für „Suuuuuupermann“. Oder vielleicht auch ein „H“? Für „Heinz the best man in the fucking company“? Oder…ach, lassen wir das.
Als Krönung gibt´s dann noch eine Einladung zur diesjährigen Weihnachtsfeier, die wir mit zwei anderen Teams gemeinsam abhalten wollen. Da bin ich Heinz, meinen Ex-Chef und manch andere Pupsnase durch die Umstrukturierung losgeworden, soll aber mit denen zur Weihnachtsfeier latschen? I glaub s hackt! Leider, leider kann ich da ohnehin nicht, weil ich schon Urlaub habe. Zu schade. Andernfalls hätte ich wohl sagen müssen: „Nö, weil wegen is nich!“

Ihr seht, ich könnte mittlerweile auch ein „S“ auf der Brust tragen. S für „Supersau“ oder „Spielverderber“ oder „SELBER!!!!!“. Es wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher, dass ich in dem Schuppen jemals glücklich werden kann. Es ist ok, um Geld zu verdienen…aber erfüllend ist was anderes. Bin ich zu anspruchsvoll? Wenn ich sehe, mit welcher Leidenschaft mein Neffe seinem Job nachgeht, dann muss ich ernüchtert feststellen: Das gab es bei mir noch nie. Es gab Jobs, die ich ganz ok fand und bei denen ich auch Spaß hatte. Leidenschaft hat der Job allerdings noch nie richtig in mir wecken können. Außer vielleicht, als ich mit den Knastis gearbeitet habe. Das fand ich sinnvoll. Was heißt das also? Ich bin auf der Suche nach dem Sinn im leider falschen Wald derzeit. Naja, wir werden sehen, ob die Bäume sich irgendwann lichten…oder ob Afrika mich doch noch locken wird. Wäre da nicht dieses verdammte Sicherheitsgefühl in mir. Perfekt wäre ein reicher Mann mit sozialem Engagement, der mich heiraten wollen würde. 🙂 Also wenn Ihr jemanden mit diesen Attributen kennt: Immer her mit den Zuschriften. Ich bin allerdings auch für andere Ideen offen. Irgendwie wäre eine Wahrsagerin keine schlechte Überlegung. Gehen wir nächstes Jahr an, Püppi (Du weißt, wen ich meine)! Und wehe, die sagt mir keine schillernde Zukunft voraus. Dann stelle ich sie Heinz und meiner bekloppten Kollegin vor, damit sie auch mal weiß, was ätzend ist. So. Man, mein Folterrepertoire wird immer größer. In diesem Sinne: Immer schön die Kollegen ärgern!

Prüfungsbedingungen, Faust und Kleider – wilde Mischung

Baaaaaaah, hieß es nicht, es sollte heute noch mal richtig schön werden? Leider merke ich davon so gar nichts. Gottseidank hab ich meine Winterjacke bereits an… und nicht die viel gerühmte und vom Mann immer noch nicht verstandene Übergangsjacke. Ich stehe nämlich an der S- Bahn, um den Übungs-Samstag einzuläuten. Was bin ich froh, dass sie mich gefragt haben, dazuzustoßen. Da ist eine dabei, die ich vor zwei Jahren kennengelernt habe… besser gesagt zwei. Eine mochte ich auf Anhieb, obwohl sie doch sehr esoterisch angehaucht ist. Aber sie ist nicht missionarisch unterwegs. Irgendwie hab ich sie Elfe getauft, was sie witzig findet. Die andere…mmmmh. Da sieht es schon anders aus. Sie ist distanziert und kühl, weiß gefühlt alles. Ich war ihr vor zwei Jahren zu laut, zu lustig, zu rheinisch. Und ausgerechnet sie hat mich zu der Runde eingeladen. Manchmal täuscht man sich… oder vielmehr ich mich. Macht aber auch nichts, solange es korrigierbar ist. Und das ist es bei mir fast immer.

Warum nur fast? Weil es Menschen gibt, auf die ich mich nicht mehr einlassen möchte. Da will ich mich einfach nicht mehr dran abarbeiten. So, wie meine zwanghafte Kollegin. Sie hat doch tatsächlich zu einem kurzen Skype-Termin eingeladen mit der Frage, ob ich auch ein Interesse daran hätte, wenn wir wieder zu einem anderen Miteinander finden würden? Ääääh…nö. In dem Fall nicht mehr. Erst kürzlich hat sie noch ihr Gift verspritzt und war wahnsinnig angepisst, weil ich nicht mit ihr darüber diskutieren wollte. Was soll ich denn diskutieren, wenn jemand einfach nur seine schlechte Laune an anderen abreagieren will? Zu dem Zeitpunkt hat sie allerdings noch fest damit gerechnet, nicht im selben Team wie ich zu landen. Schade, schade, dass Karma bisweilen eine miese Bitch ist. Ihr gehen gerade die Felle mal so richtig schwimmen, weil sie mit keinem in dem Team kann. Alle sind aus ihrer Sicht dumm, unfähig und unter ihrem Niveau. Da wird sie sich überlegt haben, wer das kleinste Übel sei. Leider hat sie mich zu lange gepestet, als dass ich mir das noch weiter antun wollen würde. Ich war richtig stolz auf mich, den Termin höflich, jedoch klar abgelehnt zu haben. Vor allem vor dem Hintergrund, mich voll auf die bevorstehende Prüfung konzentrieren zu können. Dieses Mal möchte ich echt ein bisschen schonender mit mir umgehen. Das ist ja quasi Diaspora in meinem Leben. Ich nehme es mir fest vor, da zukünftig besser drauf zu achten. Und eine Art, besser auf mich zu achten, ist es, toxische Menschen zu meiden.

Bei unserer heutigen Runde stelle ich einmal mehr fest, wie unterschiedlich jeck die Menschen so sind. Die Elfe schwebt noch in ihrem Hochgefühl, das sie erst Mitte der Woche von Ibiza rüberkonservieren konnte. Die Kühle, die sich selbst als zwanghaft bezeichnet, bildet den Kontrast hierzu. Wir drei restlichen Mädels siedeln uns irgendwo dazwischen an. Die Rigide (das sagt sie ebenfalls von sich selbst) pocht auf echte Prüfungsbedingungen. Wir sollen alle Maske tragen, drei mimen das Prüfungskomitee. Und der Prüfling wird mal so richtig in die Mangel genommen. Nach der ersten Runde, in der die Elfe geprüft wurde, will ich eigentlich fliehen. Wenn die Prüfer so wären, würde ich ihnen wohl den Mittelfinger zeigen… oder wahlweise den nackten Hintern präsentieren. Das hätte mal so richtig was. Irgendwie ist es schon auch gut so, wie wir das hier machen, denn wenn man das überlebt, ist man für die echte Prüfung gefeit. Auf solche Ideen käme ich allerdings nie. Die Elfe ist voll genervt, weil ihr die Haltung der Rigiden auf den Sack geht. Ich könnte mir vorstellen, dass sie die Bude gleich mit Salbei ausräuchern wird, wenn wir weg sind. Und ich? Mache mir nur im Nachgang Gedanken, ob sie bei mir schonender gewesen sind, als ich der Prüfling war. Herrlich, wie jede von uns so ihr Räppelchen pflegt, oder?

Es wird ein echt langer, fordernder Tag, der mir viel bringt. Trotzdem denke ich, ich habe mir eine Belohnung verdient. Herrlich, wie einfach ich mir manchmal meine Argumentation zurechtlege, gell? Im Moment ist mir so nach Kleidern. Hatte ich in der Tat schon Jahre nicht mehr, aber gerade fühle ich mich danach. Und so ströpe ich noch kurz durch einen Laden in München, in dem ich auch prompt fündig werde. Mal ehrlich: Wenn Frau auf der Jagd ist, kommt ihr immer was vor die Flinte. Ganz selten ist es mal anders. Die eher geringe Ausbeute in Holland, als ich zuletzt dort war, lag am Corona bedingten Leerstand. Das hatte mich kurzfristig etwas irritiert und aus der Bahn geworfen, aber in der Münchner Innenstadt herrscht noch nicht dieser Leerstand. Mit meinen neu erworbenen Schätzen begebe ich mich – Golum ähnlich (mein Schaaaaaaaatzzzzzzzzz) – in die heiligen Hallen von Mordor…oder einfach in meine 52 qm. Und wie Frau so mit neu geschossenen Jagdtrophäen ist, entferne ich als allererstes mal die Etiketten. Die Waschmaschine kann ich leider nicht mehr anwerfen, weil es bereits zu spät ist.
Beseelt von meiner Ausbeute, werde ich dann heute um 4 Uhr neuer Zeit wach. Nein, das liegt natürlich nicht an den Klamotten! Vielmehr schießen mir die gestrigen Nachfragen während des Lernens durch den Kopf. So viel zum Thema, ich mache mich nicht mehr verrückt. Es ist auch nicht so, als wäre ich total hibbelig. Nur ans Einschlafen ist nicht mehr zu denken. Das gute Betreuungsgesetz rast mir durch den Schädel. Dann denke ich noch an Benzos und welche Nebenwirkungen sie haben. Alter, in meinem Kopf ist gerade Kirmes. Und wie stoppt man so was am besten? Mit Sport. Richtig. Dazu müsste ich aber Bock auf Sport haben. Und die Waschmaschine kann ich immer noch nicht einschalten. Kurzerhand entschließe ich mich, mein Badezimmer und die Küche mit dem Dampfreiniger zu bearbeiten. Ist auch so was wie Sport. Man, danach fühle ich mich freier im Kopf. Und dazu ist die Uhr so weit vorgerückt, dass ich die Waschmaschine einfach anstelle. Ja, es ist Sonntag. Na und? In der Bude unter mir wohnt eine Komissarin, der ich mal im Vorbeigehen gesagt habe, sie könne sich jederzeit bei mir melden, wenn irgendwas zu laut sei. Sie hat nur abgewunken und gemeint, dass sie eh im Schichtdienst unterwegs sei. Wenn sie denn mal Zuhause sei, könnte kein Lärm der Welt sie davon abhalten, endlich mal zu pennen. Na denn… Jetzt hängt also alles brav zum Trocknen auf, damit ich die neue Woche mit meinen neuen Kleidern einläuten kann. Was will ich denn mehr? Ach, ich bin so gerne eine Frau! Juchuuuuuuuuu!

Ok, da fällt mir doch noch was ein, das zu meinem Glück fehlt: Der neue Film mit Christoph Maria Herbst. Und ja, keine Sorge, ich habe zwischendurch auch noch gelernt. Den Film gönne ich mir quasi als Belohnung. Und das ist er in der Tat. Herbst war bereits vorher mein Gott, und genau der bleibt er auch weiterhin. Im Kino sind nur eine dreiköpfige Familie – er schwarz, seine Frau weiß, das Kind eine gute Mischung. In der Reihe vor mir sitzen außerdem noch vier Jugendliche, die so richtig herrlich „Alda, laba nich“ reden. Ihre Vornamen, mit denen sie sich ansprechen, klingen auch nicht gerade nach den typisch bayrischen Namen, wie Toni, Vroni und dergleichen. In dem Film „Contra“ geht es dann auch genau um Rassismus, Vorurteile und auch Schwierigkeiten, wenn man einer „von denen“ ist und automatisch weniger Perspektiven hat. Ich weiß um die Thematik…und trotzdem rührt mich der Film. Einmal wische ich mir sogar verstohlen ein Tränchen weg. Christoph Maria Herbst glänzt natürlich als Arsch, der einen empört nach Luft schnappen lässt. Seine Schauspielkollegin Nilam Farooq brilliert an seiner Seite total. Und während er Goethes Faust zitiert, geht mir das Herz auf. Das habe ich dem großen Neffen mal im Bett vorgelesen, als er das in der Schule durchgenommen hat. Ich liiiiiiiiebe Goethe einfach. Sprache ist was Wunderbares – und Debattieren einmal mehr. Wir machen es nur zu selten so richtig. Und gerade das würde es derzeit so dringend brauchen. Kurzum: Ich kann den Film nur wärmstens empfehlen. Mein Wochenende läuft also. Und bei Euch so?

Elton hatte wohl recht…

Es stürmt so schön zur Wochenmitte. Wie ich das liiiiiiiebe. Was ich weniger liebe, sind die damit verbundenen Kopfschmerzen. Es kann natürlich auch an dieser abartigen Achterbahnfahrt liegen. Ich mag kein Drama. Ich bin das nicht. Und trotzdem sagt das Leben mir wohl zwischendurch gerade: „Mir doch egal, was Du bist oder willst. Du kriegst das jetzt auch mal.“ Ich fühle mich etwas gebeutelt…

Die erste gute Nachricht: Ich benötige (vorerst) keine OP. Mein Arzt scherzt noch, dass es ja halb so wild sei, wenn es denn nötig gewesen wäre. Äääääh, ich sehe das anders. Die letzte Bauchspiegelung bei ihm war schon ein Kracher. Sie liegt nun fast drei Jahre zurück, doch ich kann mich noch zu gut erinnern, weil ich ja so ein nettes Bauchfell habe, das es nun mal hasst, perforiert zu werden. Entsprechend war es eine elende Fummelei. Als sie dachten, sie hätten es endlich geschafft und Gas reingepumpt haben, wurde ihnen der Fehler bewusst: Uuuups, doch noch nicht an der richtigen Stelle. Die Prozedur ging von Neuem los. Er hat dann noch einen Kollegen zurategezogen. Stellt Euch das mal vor! Ich hätte da ehrlich überhaupt nicht gerne Mäuschen gespielt. Sein Chirurgen-Kollege sagte, er habe so was wie mich schon mal erlebt (na bravo). Es sei zwar selten, aber nicht völlig neu für ihn. Damals brauchte ich eine Narkoseverlängerung (so was lieben Anästhesisten ja ungemein) und dann noch die zweite Ladung Gas in meinen Bauchraum. Da ich ja lala in der Rübe bin und dachte, es sei eine Standard-OP gewesen, bin ich am nächsten Tag – wie vorab vereinbart – morgens aus dem Krankenhaus geschlurft, habe mein Auto bei minus sieben Grad freigekratzt und bin zu meiner Trauma-Fortbildung gefahren. Ja, ich hatte abartige Schmerzen, aber das zählt ja nicht. War ja nur ´ne Standard-OP. Sechs Tage drauf habe ich dann erst bei der Kontrolluntersuchung erfahren, was wirklich gelaufen ist. Meinem Arzt war klar, dass ich zu einem anderen niedergelassenen Arzt gegangen sein muss und mich habe krankschreiben lassen. Diese Woche eröffnet er mir dann schmunzelnd: „Wenn die OP nötig wäre, würden Sie das doch locker wegstecken. Denken Sie mal ans letzte Mal!“ Ja, Du Tünnemann, da denke ich ja gerade dran! Ich ziehe meine linke Augenbraue hoch und strafe ihn mit meinem Todesblick: „Ist ja schön, dass Sie Spaß hatten. Bei mir hielt sich das in Grenzen!“ Er grinst: „Ich erzähle die Geschichte immer wieder Kollegen, weil das keiner glauben kann.“ Na prima, ich trage ungemein gerne zu seiner privaten Unterhaltung bei. Aber im Grunde ist das die beste Art, mit mir umzugehen. Betüddeln oder bemitleiden kann man gerne jemand anderen. Wenn man dann lieb und nett zu mir wäre, würde ich vermutlich alles fluten. Dann lieber die Zähnchen zusammenbeißen und einen Witz reißen.
Entsprechend bin ich ungemein erleichtert, dass derzeit keine OP vonnöten ist. Ich werde bald 45. Da fangen die Wehwehchen vielleicht an, aber ich will das nicht. Überhaupt will ich vieles nicht…nur fragt mich keiner. Trotzdem bin ich bedient für dieses Jahr. Nächstes Jahr können gerne wieder neue Herausforderungen auf mich warten, aber für dieses Jahr halte ich es, wie Trappatoni: „Ich habe fertig!“

Gelöst fahre ich heim und checke den Briefkasten. Das Landratsamt könnte mir täglich die Rechnung für die versemmelte Prüfung schicken. Und siehe da! Da ist der Lump auch schon und hat sichs in meinem Briefkasten bequem gemacht. Ich seufze und bin gespannt, wie hoch die Rechnung denn sein wird. Den Fahrstuhl nehmend (ich bin einfach gerade platt), reiße ich den Umschlag auf und entdecke…das Datum für die mündliche Prüfung!!! Das kann nicht sein!!! Hääääääää? Ich bin doch durchgefallen?!?! Es war doch schon längst akzeptiert von mir. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Kennt Ihr noch diese Kackbratzen, die zu Schulzeiten nach Klausuren immer gesagt haben: „Aaaaaah, ich habe bestimmt eine fünf!“ Und dann hatten sie eine eins. Gott, was habe ich die verabscheut. So komme ich mir gerade vor…
Dabei habe ich doch bei der Instituts-Frau nachgefragt, ob sie sich 1.000%ig sicher sei, dass das Ergebnis das richtige sei? Sei sie. Daran sei nichts zu rütteln. Für dieses Gespräch habe ich sogar Zeugen! Und jetzt das??? Ich habe nichts mehr getan! Alle Unterlagen an den Rand des Tisches geschoben und ihnen den Stinkefinger gezeigt. Ääääh…ich steh im Wald. Eine Stunde später habe ich ja auch die letzte offizielle Vorbereitungsstunde, die ich für nächstes Jahr schon noch mitnehmen wollte, aber dass ich sie jetzt doch für dieses Jahr brauchen könnte, hätte ich mir nicht mehr träumen lassen. In meiner Euphorie frage ich nach, ob die auch schon mal versehentlich Einladungen rausschicken? Nee, nur wenn man echt schriftlich bestanden hätte. Ob ich die stornierten mündlichen Fälletrainings dann doch im November noch machen könnte? Klar. (Sicher, denn das sind noch mal 300 € mehr in ihre Kassen.) Und dann sage ich ganz vorsichtig: „Aber…dann ist in Eurem Lösungsschlüssel ja ein Fehler drin?!“ Und sie sagt locker: „Ja, die Frage mit den Metaboliten, gell? Die habe ich am Folgetag angepasst.“ Äääääh… Elton John schießt mir erst Stunden später durchs Hirn: „Sorry seems to be the hardest word.“ Sie entschuldigt sich nicht mal. Sie kann einen Fehler machen, kein Ding. Aber dann sage ich doch, dass mir das leid tut. Oder ich schreibe eine Mail an alle Kursteilnehmer und informiere: „Aufgepasst! Schaut noch mal nach, der Lösungsschlüssel wurde noch mal angepasst!“ Aber nichts! Kein Wort. Sie kann sich glücklich schätzen, dass ich noch so neben mir stehe. Diese Frau ist durch ihre mangelnde Empathie und Arroganz schon mehrfach bei einigen von uns aufgefallen. Wieso sind Menschen so? Wieso fällt es so schwer, sich zu entschuldigen? Ich habe mich erst heute entschuldigt bei einer Freundin – und da habe ich keinen Fehler in der Größenordnung gemacht. Das sollte doch drin sein und niemandem einen Zacken aus der Krone brechen?! Ich sehe mal wieder: Nicht von sich auf andere schließen! Das fördert nur Enttäuschung.
Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich. Allerdings muss ich jetzt ranklotzen in den nächsten viereinhalb Wochen. Die Durchfallquote (nicht aufs WC bezogen, Ihr Scherzkekse!) ist enorm. Aber mündlich bin ich stärker als schriftlich. Ich will das bestehen! Doch ich will mich nicht mehr so verrückt machen, wie das vor der schriftlichen Prüfung war. Daher war ich heute und gestern frühstücken. Das Leben findet hier und jetzt statt. Und dafür war die achttägige Achterbahnfahrt dann doch gut: Ich weiß, dass ich nicht zugrundegehe, wenn ich nicht bestehe. Und die Botschaft beim Arzt war mindestens genauso wichtig: Meine Gesundheit ist wichtiger als jeglicher Nachweis und jegliches Zertifikat. Es wird gelingen…oder eben nicht. Doch gerade bin ich zuversichtlich. Warum auch nicht? Ich habe keinen Tumor, ich habe wider Erwarten doch bestanden…und die Welt hat keinen Augenblick aufgehört, sich weiterzudrehen. Verrückte Welt, oder?
Mit anderen Worten: Wenn Ihr mich jetzt nicht gerade vollkommen bescheuert findet, dürft Ihr mir gerne weiterhin die Daumen drücken. Ich bin dankbar für all die guten Geister in meinem Leben, die mir treu zur Seite stehen und mich unterstützen, obwohl sie mich und meine Macken kennen. Auch diese Erkenntnis durfte ich wieder auffrischen, was mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Und der kleine Revoluzzer in mir denkt: „Bevor ich mir den Rotz mit dem Landratsamt und die anmaßende Überheblichkeit der Ollen aus dem Institut noch mal antu´, bestehe ich doch einfach mal die Prüfung, oder?“ Eben!