Kennt das nicht jeder? Man setzt sich ins Auto und fährt los. Die Sonne scheint, man fragt sich, warum man eigentlich bei diesem Wetter beschlossen hat, den Einkauf zu erledigen? Und dann trifft man schon auf SIE! Die Rede ist von Bremsern, Schleichern und Asphaltterroristen. Ich weiß, die ganzen Raser sind schrecklich und verursachen unendlich viele Unfälle. Aber ich wette, auf das Konto der vorher genannten Schnecken gehen auch etliche Crashs. Nichts bringt mich so schnell von Null auf zweihundert wie diese Leute. Da würde jeder Maserati neidisch.

Letztens habe ich so eine Frau auf dem ALDI-Parkplatz gesehen. Sie ist mir schon im Laden aufgefallen, weil sie so wahnsinnig träge war. Und genau diese Schildkröte hatte ich dann direkt nach dem Ausparken vor mir. Herrlich witzig finde ich ja so minikleine Frauen, die am Steuer eines riiiiiesigen SUV’s sitzen und dahinter nicht auszumachen sind. Sieht immer aus wie ferngesteuert. So einen Wagen fuhr die Frau vor mir aber nicht. Es war irgendeine alte Knutschkugel, die sie mit ihren Möpsen lenken konnte – und nein, ich meine nicht die Hunderasse! Besagte Frau verfügte über einen ausladenden Busento. Jaja, wer im Glashaus sitzt, ich weiß. Aber da konnte ich nie und nimmer mithalten. Ich habe vorher noch gerätselt, ob das wirklich alles in Auto passt. Hätte ich mal lieber Gummi gegeben, um vor ihr rauszurauschen, als dort zu staunen, aber manchmal ist es einfach um mich geschehen. Da möchte ich einfach noch mal so richtig staunen. Nun fährt diese Kriechtuse also vor mir her. Laaaangsam ist gar kein Ausdruck. Rudolf Scharping hätte seine komplette Rede halten können, ehe die Olle endlich rausgezogen ist. Dabei reden wir von einer wenig befahrenen Seitenstraße! Gut, ich kann natürlich warten, wenn sich einer in Jerusalem ins Auto setzt und losfährt, weil er eventuell irgendwann hier vorbeifahren könnte. Kann ich, muss ich aber nicht. Und dann erblicke ich diesen phänomenalen Aufkleber an ihrer Heckklappe: „Komm mir nicht so nah, so gut kennen wir uns doch noch nicht!“ Werden wir auch nie, schießt es mir spontan durch den Kopf.

Von dieser Sorte Mensch sind heute jedenfalls mehr unterwegs. Keine Ahnung, welche Anstalt heute Ausgang hat, aber die befinden sich alle um mich herum auf der Straße. Es gibt solche Tage. Ich fahre auf den Parkplatz, und Blondchen vor mir bleibt einfach mal komplett stehen. Nein, da kommt kein Auto oder gar ein Mensch des Weges. Sie überlegt, ob sie links oder rechts herum fahren soll, um zu parken. Zugegeben, das könnte eine Frage mit biblischem Ausmaß für ihr späteres Leben sein. Sie fährt rechts herum, daher fahre ich natürlich – fast mit quietschenden Reifen – links herum.
Im Laden finde ich meinen Federweißen, was sich als echte Odyssee der letzten Tage herausgestellt hat, da es kaum noch guten Federweißen gibt. Im Handel kursiert nur noch der maschinell hergestellte, wie mich ein freundlicher Herr auf dem Markt aufgeklärt hat. Ich trinke selten und eher wenig, aber Federweißen finde ich lecker und habe die Saison letztes Jahr schon verstreichen lassen. Heute ist er fällig. Drei Flaschen erstehe ich. Wer weiß, wann ich noch mal in diese Hölle hier fahre? Und wenn er etwas länger im Kühlschrank steht, knallt der ja auch besser…obwohl der maschinell hergestellte nicht mehr mit Hefe versetzt sein soll. Egal, ich hoffe trotzdem auf ein gutes Ergebnis. An der Kasse läuft es natürlich so prächtig wie draußen: Ich erwische die Kasse mit dem Anfänger, wie er mir auch tatsächlich gesteht, als ich ganz vorne ankomme. Naja, wird schon. Wir schaffen das gemeinsam.

Ich finde, ich habe mir an einem solchen Tag ein paar Rosen verdient. Niemand schenkt mir Blumen, also kaufe ich sie mir einfach mal selber. Weiße und rote Rosen. Ich schaue kritisch, weil die weißen an den äußersten Blättern schon ein bisschen verschrumpelt aussehen. Die Floristin folgt meinem kritischen Blick und schaut mich fragend an. Ich sage: „Äääääh, ich bin ja keine Expertin….aber die sehen für mich schon so aus, als würden die nicht mehr lange machen? Wenn nicht, sagen Sie mir ruhig, ich bin eine pingelige, dumme Nuss.“ Die holt doch tatsächlich Luft, aber ich komme ihr zuvor: „Nee, sagen Sie das besser doch nicht. Aber…muss das so aussehen?“ Sie nickt: „Die sind ein bisschen gekräuselt. Mehr nicht.“ Puh, ich schätze, ich habe noch mal Schwein gehabt. Hätte ich nicht so schnell reagiert, hätte sie mich vermutlich „pingelige, dumme Nuss“ genannt. Ich schrieb ja letztens schon: Immer hübsch überlegen, was man sich wünscht…

Auch solche Tage gehen vorüber. Es sind die Tage, wo ich der Geisterfahrer auf der Autobahn bin und denke, alle anderen führen falsch. Im Nachhinein lache ich dann herzhaft über mich selbst und genieße es, langsamer zu fahren, drehe die Musik volle Lotte auf und gröle mit. Dann ist meine Welt wieder in Ordnung – ich hoffe, für alle anderen auch, Mopslenkerin oder Parkplatz-sucherin…im Grunde sind das ja auch nur Menschen, glaube ich zumindest.

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