Kennt Ihr das? Ich laufe zu einer Verabredung. Wenn das Wetter es eben so zulässt, erledige ich gerne diese Wege zufuß. Das erspart mir all die Vollpfosten in den Autos um mich herum, ich bewege mich (immer noch viel zu wenig) und vergifte meine Lungen mit Sauerstoff. Das macht mir immer unendlich mehr Spaß und lässt mich im Stresspegel herunterfahren. Nur schießen mir auch hier bisweilen immer wieder verrückte Gedanken durch den Kopf. Wieso meine Eingebungen immer wieder völlig kreuz und quer Synapsen bilden, erschließt sich mir nicht. So auch heute Morgen wieder.

Ich gehe also eine Straße in meiner Nachbarschaft entlang und denke: „Ah, hier muss irgendwo der Klaus wohnen“. Selber kenne ich besagten Herrn nicht…oder vielleicht doch, aber das Kennenlernen muss dann so unspektakulär verlaufen sein, dass ich den Guten wieder verdrängt habe. Was ich hingegen nicht verdrängen konnte, ist die Geschichte zu Klaus. Sie liegt Jahre zurück. Er war mal kurzfristig die Begleiterscheinung einer Freundin. An sich schien er relativ normal zu sein – jaja, was ist schon „normal“?! Dieser Typ konnte jedenfalls reden und sich durchaus unter Menschen mischen, ohne dass er negativ aufgefallen wäre. Tja, mit der Zeit schraubt Frau ihre Ansprüche ganz schön zurück. Da ist Frau schon froh und dankbar, wenn er nicht negativ auffällt. Immer schön unterm Radar fliegen, heißt die Devise. Besser, als so einen jovialen, immer etwas zu lauten Banker oder Versicherungsfuzzie mitzuschleppen. Ich darf das sagen, denn ich bin ja selber (noch) bei der Versicherung. Und ja, ich weiß, auch hier gibt es solche und solche. Ich bin überaus froh, viele sehr nette und gar nicht aufdringliche Versicherungsmenschen zu kennen. Gemeint ist der Typ, der dem Proleten aus der damaligen Sparkassen-Werbung ähnelt: „Mein Haus, mein Auto, meine Frau…“ Und seien wir mal ehrlich: So einen kennt jeder von uns.

Besagter Klaus war gar nicht so. Er hatte aber auch so seine Eigenheiten. Abends, wenn es Richtung Bett ging, zog er sich immer hübsch aus und legte seine Schlafmontur an. Wir kennen alle noch den Einteiler von Nora Tschirner aus „Keinohrhasen“. Zum Piepen, aber es geht schlimmer. Klaus zog seinen Schlüpper aus und dafür ein T-Shirt an, weil – und hier zitiere ich: „Mama sagt, da muss Luft dran.“ Ääääh…und der Kleine soll sich auch frei entfalten können. Wir reden hier komischerweise nicht von einem 12-Jährigen, sondern von einem damals Mittvierziger. Nun kann und soll jeder sich zur Nacht betten, wie es ihm oder ihr behagt. Die Erklärung hingegen – und vor allem die Erwähnung seiner Mutter – vor seiner damaligen Lebensgefährtin, die…tja, die fand ich schon lustig. Dem aber noch nicht genug. Denn während Klaus erwachsen geworden war, hatte Mama wohl vergessen, ihn darauf aufmerksam zu machen, T-Shirts zu entsorgen, die zu kurz werden. Vielleicht hatte Klaus aber auch Angst, der T-Shirt-Saum könnte sein bestes Stück zu sehr belasten und trug daher ein eher als „bauchfrei“ zu bezeichnendes Shirt. Ich weiß es nicht. Und gerade finde ich es sehr schade, dass ich ihm die Frage nicht stellen kann, weil ich ihn ja nicht kenne.

Mal ehrlich: Wie komme ich bitteschön sonntagsmorgens auf diese Geschichte, während ich bei herbstlichen Temperaturen durch die Straßen laufe? Ich weiß es nicht. Aber ich muss kichern und ertappe mich, wie ich laut sage: „Jaja, der Klaus.“ Jetzt fange ich schon an, mit mir selbst zu reden?! Aber das hat ja keiner gemerkt. Und da sehe ich einen Mann, der in einem Treppenaufgang sitzt. Hat er mich gehört? Soll ich ihm vielleicht ein paar Daten liefern, damit er mit mir schmunzeln kann? Nee, nachher kennt der noch Klaus und erzählt es dem. Dann schmeißt der sein T-Shirt noch weg, was jede weitere potentielle Partnerin um dieses Erlebnis bringen würde. Das kann ich nicht bringen. Da bin ich großzügig und möchte diese Gut erhalten.

Jetzt denken vielleicht manche von Euch: Reden Frauen über so was? Die ehrliche Antwort? Natürlich! Da draußen laufen so viele komische Wesen herum, dass man mit den Erlebnissen entweder zu einem Psychiater laufen müsste oder eben mit seinen Freundinnen redet. Und ja, da kommt einiges auf den Tisch. Die meisten Geschichten kommen in der Tat eher nach dem Beziehungs-Aus auf den Tisch, aber Klaus Schlafgewohnheiten kannte ich tatsächlich schon vor Beendigung der Zweisamkeit. Und Männer, wenn Ihr mal ehrlich seid: Ihr seid doch noch viel größere Klatschmäuler. Da wird auch jede Menge erzählt, geprahlt und geprotzt…was sich letztlich oft als Auswuchs Eurer überbordenden Phantasie herausstellt. Da sind wir Mädels ehrlicher, ja, auch schonungsloser. Damit versüßt Ihr uns manche Frauenrunde. Aber unterm Strich haben wir Euch dann doch lieb: Ob mit oder ohne Bauchfrei-Shirt.

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