Ich will zum Amt, genauer gesagt zum Amtsgericht. Keine Ahnung, wieso, aber irgendwie flößen mir diese Bauten Respekt ein. Hier in Aachen ist es ein riesiger Protzklotz, weil es in einem auch das Justizzentrum ist. Ich schlendere also hinein in den Innenhof, sehe einige Leute piefenderweise davorstehen und begebe mich hinein. Und da erstreckt sich schon die erste Schlange. Das ist mir neu. Ich war schon mal hier. Zuletzt musste ich eine Aussage zu einem Iraker machen, der seinerzeit die komplette technische Ausstattung des Internetradios zunichte gemacht hat, wo ich gearbeitet habe. Dabei fällt mir ein, wie lange das schon her ist! Ok, in acht bis neun Jahren dürfen sich die Abläufe hier auch mal ändern.

Ich schaue mich um, als sei ich beim Metzger oder beim Straßenverkehrsamt. Was ich suche? Die Rolle mit den Abrisszettelchen. Mehr als einmal habe ich es schon geschafft, mich irgendwo anzusetzen, dabei aber gar nicht registriert, dass man ein Märkchen ziehen muss. Ist herrlich, wenn einem das nach ca. einer Stunde erst auffällt und man die eh schon lange Wartezeit drastisch verlängert. Aber hier steht weit und breit kein Automat, wo man so was ziehen könnte. Es geht noch old school zu. Einfach ans Ende der Schlange stellen. Oooooh, ich hätte Jura studieren sollen. Die Juristen dürfen nämlich links durch eine Tür gehen und werden durchgewunken. Aber das hätte bedeutet, ich wäre einige Semester lang von Juristen umgeben gewesen. Ääääh, nein, das Opfer erscheint mir dann doch viel zu groß. Juristen sind ein eigenartiges Völkchen, aber das sage ich mal lieber nicht zu laut, weil ich sonst eine Klage am Hals habe.

Direkt hinter mich stellt sich ein Opi. Keine Ahnung, woran es liegt: Vielleicht dufte ich heute besonders gut? Oder er ist kurzsichtig? Oder er hat Kuschelbedarf? Oder ist es ganz schnöde Zeitdruck, der den Opi auf das schmale Brett setzt, mir auf die Pelle zu rücken. Das kann ich ja so gar nicht leiden. Na gut, wenn er jünger wäre, größer, Single… Nee, selbst dann vermutlich nicht so penetrant. Die Reihe schiebt sich langsam vorwärts, während Opi immer viel zu nah aufrückt, bis ich schließlich vor der Glastür stehe. Ein grünes Licht rechts neben der Tür signalisiert mir, wann ich eintreten darf. Noch steht alles auf rot. Was machen Farbenblinde in so einem Fall??? Vor mir kann ich beobachten, dass es wie am Flughafen zugeht. Draußen steht auf einer Tafel auch, man könne alles etwas beschleunigen, wenn man Gürtel und Uhr schon mal vorsorglich auszöge, bevor man durch den Detektor gehe. Ich trage keinen Gürtel, also fummel´ ich schon mal an meiner Uhr herum. Hier laufen bestimmt auch einige Straftäter herum, weshalb diese Kontrolle wohl gerechtfertigt ist.

Die grüne Lampe erstrahlt und ich gehe beschwingt mit einem fast schon geflöteten „Guten Morgen“ hinein. Die beiden männlichen Beamten nicken nur. Mmmh, ich lege meine Tasche in den Korb, packe meine Uhr dazu, lege meine Jacke und Schal hinzu, denn ich will ja hier nicht den Verkehr aufhalten. Alles zackig, zackig. Die Schlange draußen ist nämlich nicht unerheblich. Und dann gehe ich durch den Detektor. Und was? Na klar piept er! Ich drehe mich lächelnd um und sage zum Beamten: „Ich würde ja meinen Gürtel ausziehen, aber ich trage heute keinen.“ Daraufhin er: „Das ist schlecht für Sie.“ Ah ja. Ist das so? Diese doofe Hose hat vielleicht keine Schlaufen, also wo soll ich da bitteschön einen dämlichen Gürtel durchziehen? Aber das sage ich nicht. Nachher ist der noch schlecht drauf  und belehrt mich. Darauf habe ich keine Lust. Mir geht ein Licht auf, ich grinse und sage: „Jetzt weiß ich, was den Detektor ausgelöst hat, aber ich glaube nicht, dass Sie das erfreuen wird!“ Er schaut mich nur unbeeindruckt an: „Ich kann es mir auch denken, aber das ist egal. Wir müssen jetzt auf die Kollegin warten. Ich kann da gar nichts machen.“ Ich grinse breiter: „So so, das nenne ich mal eine nette Einstellung. Ich kooperiere hier, aber Sie verweigern sich.“ Nun schmunzelt sein glatzköpfiger, echt leckerer Kollege. Der andere (deutliche ältere) sagt: „Selbst, wenn Sie mich darum bitten würden, dürfte ich das nicht machen.“ Ich schau´ den leckeren Beamten wieder an und sage: „Und da wunder´ ich mich, dass ich Single bin. Haben die Kerle mal die Chance, sind sie zu feige, diese zu nutzen.“ Das lässt beide leicht kichern. Derweil wird die Schlange draußen länger. Der alte Kollege wieder (keine Ahnung, ob der ohne Haare auch ohne Stimme ist?): „Gehen Sie doch bitte noch mal durch den Detektor zurück.“ Ich: „Dadurch wird das Piepen nicht aufhören.“ Er: „Richtig, aber wir können weitermachen,  bis die Kollegin herkommt.“ Ach, das Leben ist schön. Ich gehe also wieder zurück, und es piept auch wieder. Kein Wunder, bei mir piept es ja regelmäßig.

Just in diesem Moment betritt die Kollegin den Raum. Ich muss also prompt wieder umdrehen. Ich lächel´ die Frau an und sage: „Ihre Kollegen sind unkooperativ. Die haben Angst vor einem Bügel-BH!“ Sie grinst zurück und sagt: „Typisch Männer. Die haben wahrscheinlich noch nicht mal gefrühstückt. Alles muss ich selber machen.“ Glatzkopf grinst und grinst, während die Frau mich abtastet. Und natürlich ist es der Bügel-BH. Da die Frau so nett ist, rede ich weiter mit ihr: „Was soll ich denn machen? Einfach alles hängen lassen, ist ja auch keine Alternative, oder? Da würde ich wahrscheinlich auch Ärger bekommen.“ Sie grinst sich einen ab: „Ich kenne das Problem. Da können die Kerle nicht mitreden. Sie sind sauber. Sie können gehen.“ Sauber? Es ging hier doch nie um meine Sauberkeit?! Nur um Metall! Ich bedanke mich bei der Dame, nicke den Männern zu und sage: „Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, aber dann bleibe ich eben Single.“ Woraufhin der Alte sagt: „Wenn ich das gemacht hätte, würde mein Mann mir Zuhause die Hölle heiß machen!“ Daraufhin müssen wir alle lachen, denn wenn eines sicher ist: Dieser Mann ist keinesfalls schwul.

Ich gehe breit grinsend raus, wohl wissend, dass ich den gesamten Verkehr lahmgelegt habe und von den Menschen in der Schlange vermutlich für eine Kriminelle gehalten werde. So ein Amt ist schon lustig, oder? Da meint man immer, da gäbe es nichts zu lachen, aber dann kommen so Dööspaddel wie ich daher und sorgen für Stimmung. Das sollte ich mal als Beruf anstreben: Behördenlahmlegung. Darin wäre ich bestimmt spitze. Irgendwas wird sich schon finden…ich muss nur lange genug suchen.

1 Kommentar

  1. Oh man, bei dem Titel dachte ich erst, dass da was ganz anderes folgen würde. UND dann sowas… Hat mich definitiv zum Schmunzeln gebracht 😉

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