Mein doofer Schuhschrank will am Wochenende nicht mehr so, wie ich das will – tut das im Moment eigentlich überhaupt irgendwer??? Menschen, die mich kennen, werden sich nun vermutlich fragen: Welcher der vier Schuhschränke? Einer aus dem Schlafzimmer – wobei das unerheblich ist. Nun meint dieser böse Schuhschrank also, einfach umkippen zu müssen. Der Boden in meiner Wohnung ist uneben, die Bausubstanz eher schlecht, weshalb also auch eine Verankerung in der Wand fraglich wäre…aber hinzu kommt noch ein Sockel, der überwunden werden müsste. Alles in allem ist also klar: Hier spielt sich ein arges Drama ab.

Nun bin ich aber in Eile, weshalb ich dem Schrank den Mittelfinger zeige und einfach ignorant lostrotte. Ich ignoriere das dumme Ding auch noch einen weiteren Tag – zumal sonntags auch die Wertstoffhöfe nicht geöffnet haben. Es ist ja klar, dass der Schrank weggeworfen werden muss, oder?! Nachts reift dann aber eine Idee (ich weiß, dass ich nachts schlafen soll): Ich könnte das dumme Ding wieder zusammenbauen! Gut, das obere Brett ist rausgebrochen, aber ich – Meisterin des Handwerks – könnte ja links und rechts einen Winkel anbringen. Frohgemut springe (oder krieche – hey, wer hat es da schon mit den Feinheiten?!) am Montagmorgen aus dem Bett, um zu OBI zu fahren. Bis dahin läuft es noch richtig Bombe. Da ich kein Mann bin, ist OBI für mich in etwa so, wie für die meisten Männer ein Schuhladen: Ein Ort des Grauens. Lauter fachmännisch wirkende Männer laufen hier herum. Wahrscheinlich sehe ich schon so aus, als könnte ich nix und hätte noch weniger Ahnung von allem. Bevor ich Schilder lese (tu´ ich auch beim Autofahren nur äußerst ungern), frage ich eine freundliche Frau im OBI-Dress. Und siehe da, die ist auch tatsächlich nett! Gut, hätte ich die Knöppe aufgemacht, hätte ich gesehen, dass direkt der nächste Gang auf der rechten Seite Schrauben, Winkel und so einen Kram aufweist, aber hätte, hätte….Fahrradkette. Ich fange schon an zu lachen und entschuldige mich bei der freundlichen Frau, die aber lächelnd abwinkt und meint: „Ach was, dafür bin ich doch da!“ Ich antworte nicht: „Naja, meine Augen eigentlich auch“, sondern strahle sie an und gehe meines Weges.

Ich sehe Schrauben, Schrauben und…äääh, Schrauben. Und dann erblicke ich endlich Winkel! Juchuuuuu! Welche nehme ich nur am besten? Da ich mich nicht entscheiden kann und mutmaße, so was könne man immer mal benötigen, nehme ich gleich verschiedene Ausfertigungen und ebenso Stückzahlen mit. Man, bin ich stolz auf mich! Da fällt mir ein, ich möchte ja auch versuchen, den doofen Schrank an der Wand zu verankern. Dazu brauche ich laaaaaaaange Schrauben. Warum? Na wegen der Sockel!!! Welche ich nehmen soll? Ich weiß es nicht. Ich nehme irgendwelche. Moooment, mein Vater nimmt ja immer noch Dübel hinzu. Gut, dann nehme ich davon auch noch ein Paket. Die Männer um mich herum scheinen genau zu wissen, was sie nehmen sollen. Mir ist es aber zu peinlich, sie um Rat zu fragen. Es ist so klischeehaft, wie nur irgend möglich. Nachher denken die noch, ich hätte in der Bunten gelesen, so könne man sich einen Mann angeln. Nee…

Da ich ja schon mal hier bin, kann ich ja auch gleich Nägel mitnehmen. Einen Hammer habe ich mittlerweile in meinem Sortiment (es könnte ja mal ein Einbrecher vorbeischneien). Allerdings fehlen mir dazu noch Nägel. Ich schlendere den Gang entlang, bis ich zu den Nägeln komme. Nee, die großen müssen es nicht sein. Ich nehme kleinere. Um nun nicht wieder an all den klugscheißend aussehenden Kerlen vorbei zu müssen, nehme ich den nächsten Gang, gehe diesen hinauf und steuere die Kasse an. Und da fällt mir dann ein, dass ich zwar laaaange Schrauben samt Dübel habe, aber womit zum Henker soll ich die Winkel eigentlich anbringen? Mit Spucke hält so was ja wohl nicht, oder? Ich lache, drehe mich um und gehe wieder in den Schrauben-Dübel-Winkel-Nägel-Gang, nur um auf die Männer von vorhin zu treffen. Ich muss wieder lachen, was mir einen sehr schrägen Blick von einem dieser Herren einbringt. Das wiederum lässt mich noch mehr glucksen. Ich schaffe es dann aber, kürzere Schrauben zu besorgen, bevor der Herr mich maßregeln oder das Sicherheitspersonal rufen kann.

Bestens ausgestattet, beginne ich meine Arbeit. Zum Glück ist der Akkuschrauber noch geladen. Danach hatte ich selbstverständlich im Vorfeld nicht geschaut. Aber hurra! Das Werkzeug ist auf meiner Seite. So, wie fange ich nun an??? Die unteren beiden Schütten sind noch im Rahmen, die drei oberen sind rausgefallen. Wenn ich also nun das Brett oben befestige, kann ich ja nicht mehr die Schütten reinquetschen. Ha, wenn das mal keine bestechende Logik ist! Ich lege den Rahmen hochkant auf die Seite und versuche, die Schütten einzufügen. Es klappt auch – nur halten sie nicht. Ich bringe sie provisorisch zum Halten und bin mir sicher, wenn ich das Abschlussbrett (OBEN!!!) nun anbringe, zieht sich das schon irgendwie fest. Keine Ahnung, wie viele Anläufe ich benötige, bis ich denke, den Schrauberkopf doch besser zu wechseln, aber mit dem nun passenden gelingt es mir tatsächlich, die Winkel zu befestigen. Zunächste habe ich sie ausschließlich am Brett angebracht und darauf geachtet, dass sie bündig mit der Kante abschließen. Da der Deckel aber bündig mit den anderen beiden Brettern abschließt, ist dies natürlich falsch. Mein Akkuschrauber hat auch die Rückwärtsfunktion. Was ein geiles Teil! Ich drehe die Schrauben also wieder raus. Mühsam, wirklich mühsam bringe ich dann aber doch den Deckel oben an, dass die Winkel auch halten. Ein Aufstellen des Schranks ist aber nicht möglich, weil dann immer wieder die Schütten rausdonnern. Da gebe ich mir hier echt alle Mühe, und die doofen Kühe spielen nicht mit. Ich lass´, wie meine Mama immer so hübsch sagt, das Messer im Schwein stecken. Ehrlich, wenn ich jetzt weitermache, bringe ich den Schrank nur noch um…mit dem kleinen Hammer, den ich ja immerhin besitze. Damit oder mit meinem Dickschädel, ich weiß es noch nicht genau. Fakt ist nur, ich muss das irgendwie zusammenbekommen, bevor mein Vermieter Mittwoch in meiner Bude aufschlägt. Aber für heute ist erstmal Schluss.

Nun kommt also einen Tag später die Fortsetzung. Wenn das nicht zackig funktioniert, fahre ich die sterblichen Überreste des Schranks doch noch zum Wertstoffhof. Ich versuche, die Schütten in die Einbuchtungen links und rechts zu stecken, muss aber aufgrund des Nichtgelingenwollens einsehen, dass es nichts wird. Hm… Meine liebe Oma hat früher beim Sticken (was ich auch schon nicht konnte) immer gesagt: „Langes Fädchen, faules Mädchen.“ Was soll ich sagen? Meine Fäden waren immer unendlich lang! Ich hatte doch keine Lust, alle-Furz-Nase-lang wieder einen neuen Faden einzufädeln. So ist es bei mir bis heute. Wenn man sich einen handwerklichen Arbeitsschritt sparen kann, bin ich immer dafür zu haben. So hatte ich gedacht, ich könnte die Frontbretter (was weiß ich, wie ich das anders ausdrücken soll?!?!?!) der Schütten dran lassen, was natürlich nicht ging. Durch den Rückwärtsdrehgang meines Akkuschraubers (immer noch nicht neu geladen und doch noch funktionstüchtig!) drehe ich also die jeweils sechs Schrauben heraus, was bei fünf Schütten immerhin 30 Schrauben bedeutet. Das ist endloses Einfädeln von 180 Fäden oder so. Danach lege ich den Schrankkranz wieder hin und kann so die Knöpfe wieder richtig in die Verankerungen reindrücken. Es gibt aber noch eine Querverstrebung, und der Macgyver in mir sagt: Da müssen links und rechts zur Verstärkung auch noch Winkel dran. Wozu habe ich denn so viele Winkel gekauft?! Richtig, damit sie verbaut werden können. Fachmännisch (und krumm) bringe ich die Winkel an und richte anschließend mein Werk auf. Von außen betrachtet vermutlich völlig krank, aber im Schweiße meines Angesichts (und tausender Flüche) schraube ich im Vorwärtsdrehgang dann die Bretter wieder an die Schütten. Es ist vollbracht.

Aaaaaber, es fehlen ja noch die Winkel ganz oben, mit denen ich den Rotz an der Wand montieren will. Gut, auch diese schraube ich noch fest. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit. Ich nehme die langen Schrauben zur Hand und schraube, was das Zeug hält. Hm, kann man machen, kann man aber auch lassen. Die Schrauben halten nicht. Die Dübel lassen sich auch nicht in die nun entstandenen Löcher kloppen. Es rieselt nur einfach die marode Bausubstanz gen Boden. Ich gehe auf die Suche, finde einen Glasuntersetzer aus dünnem Kork und einen Pappkarton. Beides stecke ich vorne unter den Schrank, so dass er sich leicht nach hinten neigt und nicht mehr nach vorne kippelt. ES GEHT!!!

Gut, es darf kein Erdbeben kommen, aber ganz ehrlich? Dann donnert noch mehr zu Boden. Was das handwerkliche Geschick betrifft, würde ich dies als Entwicklungsfeld angeben, sollte man nach meinen Stärken und Schwächen fragen. Klingt irgendwie besser als „absolute Talentfreiheit“, oder?

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