Das neue Jahr ist da. Und wie ich es begrüßt habe! Das Ende des Jahres habe ich ruhig eingeläutet – nein, keine Geburtstags-Depression. Aber nach klassischem Feiern war mir nicht zumute. Kurzfristig habe ich Jumanji geschaut, was wirklich ein Augenschmaus ist. Ich vermisse Robin Williams, aber mal ehrlich: Dwayne (the Rock) Johnson ist eine willkommene Ablenkung. Er ist nicht sonderlich tiefgründig, aber hey, dafür ein Fest für die Augen! Die Frau hinter mir empfand das wohl in einem noch stärkeren Maße. Hallelujah, war die drauf!

Als ich dann zeitig ins Bett krabbelte (ca. 23 Uhr) und dachte, dass ich nach kurzem Lesen noch vor dem Neujahr schlafen könnte, habe ich diese Rechnung ohne die anderen Menschen in Aachen gemacht. Im Innenhof ging die Knallerei ab 23:20 Uhr los. Da ich aber zur Straße hin schlafe, ist mir das wurscht. Ääääh, die auf der Straße meinten aber, wir müssten das neue Jahr mit dem ganzen Arsenal beschießen, was es auf dem legalen und ebenso vermutlich Schwarzmarkt zu kaufen gab. Da man(n) dafür mehr Zeit braucht, haben diese Knallköppe bis 4:10 Uhr benötigt, aber auch wirklich alles zu verpulvern. Es ist herrlich entspannend, wenn man das neue Jahr mit Mordgelüsten beginnt. Ich habe überlegt, was ich mir zum nächsten Geburtstag wünschen kann: Einen Baseballschläger. Hätte ich über diesen jetzt schon verfügt, wäre ich wohl rausgerauscht. Bis 4:10 Uhr hatte ich ausreichend Zeit, mir in allen Farben auszumalen, wie ich mit so einem Ding auf die Übeltäter einprügel. Jaja, Gewalt ist keine Lösung. Böllern bis 4:10 Uhr aber auch nicht. Überall wird Angst und Hass geschürt, was uns nicht alles weggenommen wird, weil die Flüchtlinge da sind. Uns bliebe gar nichts mehr. Und dann werden mal ebenso Millionen in die Luft geschossen. Ich liebe Feuerwerk, keine Frage, aber muss es so verdammt viel sein? Es liegt auch nicht nur an meinem Alter, sondern auch Fakten belegen es: Es wird von Jahr zu Jahr mehr. Wenn es uns doch sooo schlecht geht, frage ich mich, woher die Kohle berappt werden kann?

Das neue Jahr führt mir eine Frage deutlich vor Augen: Wie viel ist „zu viel“? Die Grenzen scheinen sich komplett verschoben zu haben. So auch in der Mayerschen Buchhandlung, wo ich am 2. Januar mit einer Freundin war. Ich höre ein Geräusch, blicke hoch und entdecke dabei auch den Erzeuger. Niemand scheint es zu registrieren, aber ich täusche mich. Meine Freundin fragt, ohne aufzublicken: „Ist es das, was ich denke?“ Ich muss die Perlen, die sich so langsam ihren Weg nach oben bahnen wollen, wieder versenken, damit ich nicht schallend loslache. Ja. Dieser Mann hat ohne jeden Zweifel mal richtig ordentlich einen abgerissen. Nicht leise oder kurz, sondern mit ordentlich Kawumm. Mitten in einer Buchhandlung. Und er scheint sich nicht mal zu schämen! Vielleicht ist das sein verspäteter Silvesterkracher?

Um ein deutliches „zu viel“ handelt es sich auch bei meiner nächsten Bahnfahrt. Durch den Sturm fallen einige Züge aus, weshalb alles übervoll ist. Ein Asiat sitzt in einem Vierer und versperrt mit seinem Koffer zwei Sitze, da dort niemand mehr seine Beine parken kann. Zugegeben, die Züge sind mittlerweile so dämlich konzipiert, dass die Kofferablage zu kurz für Koffer ist, aber das könnte man dennoch anders regeln. Ich quetsche mich dann aber auf den Sitz direkt am Fenster – ihm gegenüber. Es ist ein Fehler. Noch kann ich es nicht benennen, aber ich bin mir sicher. Und dann kommt mein „zu viel“. Er popelt und popelt, dass ich befürchte, er stößt auf Öl, wenn er so weitermacht. Er schaut, inspiziert, popelt weiter. Und dann? Streicht er den Finger an seinem Sitz ab! Ich bin sprachlos, angewidert und irgendwie auch fsaziniert. Wie jenseits muss man eigentlich sein, um sich so ungeniert aufführen zu können? Und dann geht die Reise seines Fingers wieder weiter. Wieder ins Nasenloch. Irgendwann fördert er ein Taschentuch zutage. Er hat ein ganzes Päckchen davon, der Doof! Warum streicht er es dann vorher noch am Sitz ab? Und wie soll ich mich verhalten? Soll ich sagen: „Herzchen, wenn Du nicht mit dem Taschentuch über den Sitz gehst, werde ich das gleich mit Deinem Gesicht erledigen!“? Und wenn er kein Deutsch spricht? Auf Englisch bekäme ich es eventuell noch hin, aber mein Spanisch reicht dafür nicht aus. Und wieso, bitte, habe ich Latein in der Schule genommen? Die Sprache ist ja ganz tot. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich an Ekelfaszination leide. Wenn ich was ganz Fieses sehe, wenn ich Fremdscham für andere empfinde, dann muss ich da immer wieder mal hinschielen. Bei Unfällen auf der Straße oder dergleichen habe ich das nie. Nur wenn ich unterwegs bin in Cafés, Veranstaltungen, im Zug… Zum Glück neige ich nicht zu Herpes. Aber mal ehrlich: Wie verhält man sich da korrekt?

Als ich schon zweifel´, dass nun wirklich die ganze Welt auf jegliche Etikette verzichtet, sehe ich beim Aussteigen einen jungen Mann, der eine Tasche und einen Rucksack trägt. In seinem Rucksack steckt ein Einhorn. Nein, das ist keine Tierquälerei, weil es ja ein Stofftier ist. Ein Einhorn! Und das bei einem Kerl?! Und so, wie der Rucksack aussieht, hätte er das Tier auch ganz darin verschwinden lassen können, aber nein, er will, dass sein Freund auch was von der Welt sieht. Ist das „zu viel“? Hm…das Einhorn produziert keine Exkremente, es verursacht keinen üblen Geruch und verhält sich still. Es bohrt auch in keiner Körperöffnung herum. Nur ein ziemlich zugepierctes Mädel mit türkisen Haaren quietscht: „EINHORN!!!!!“ Der Besitzer trägt Kopfhörer und bekommt davon nichts mit. Ok, das Quietschgeräusch war deutlich ein „zu viel“ für meine Ohren, aber trotzdem muss ich lachen. Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Ich für meinen Teil kann da nur kräftig nicken.

„Zu viel“ ist also per se nicht zwangsläufig schlecht, aber bitte, liebe Mitmenschen: Bläht bitte an der frischen Luft, wenn andere Menschen um Euch herum sind, popelt nicht so fies vor anderen in der Nase und streicht es ab…und böllert vielleicht ein bisschen weniger. Damit wäre mir schon ungemein gedient. In diesem Sinne: Frohes Neues!

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