Och jo, jetzt werden viele nicken und sagen: Den kenn´ ich auch. Aber wirklich darüber sprechen tut man eher wenig. Warum? Weil wir uns wohl alle schämen. Was ist denn eigentlich der „Schweinehund“? Interessant wird es, wenn man sich mal anschaut, woher das Wort an sich kommt. Gut, jeder kann Wikipedia bemühen. Aber es ist schon erstaunlich, dass es wieder mal ein typisch deutsches Wort ist, das nicht in andere Sprachen übersetzt ist. Genau so, wie unser nettes Wort „Rabenmutter“. Gibt es in keiner anderen Sprache – nur bei uns. Was sagt das aus? Wir schauen mit Freude auf alle Defizite, mögen es, zu bewerten und katalogisieren.

Im Grunde reden wir beim Schweinehund immer davon, etwas überwinden zu müssen. Meist klingt es so, als sei man zu faul für etwas. Ich gebe zu, beim Sport ist das tatsächlich bei mir der Fall. Ich kann es nicht ausstehen, mich körperlich zu quälen. Also kein „Shades of sports“ für mich. Nö. Ich leide aber nicht per se an Faulheit. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist es im sportlichen Sinne eher der Unmut, nicht sofort alles perfekt zu können. Viel besser fände ich es, wenn alles sofort schon glücken würde. Und ich verabscheue es, so richtig zu schwitzen. Ja klar, narzisstisch, verrückt, weltfremd…ich kann diese Liste beliebig fortführen. Ich denke jedoch, dass es von außen betrachtet immer leicht zu bewerten ist. Die Frage ist doch vielmehr, woher diese Denke kommt?

Nun ist Sport aber gar nicht mein Thema. Nehmen wir andere Dinge, bei denen ich den „Schweinehund“ überwinden zu müssen glaube. Mir geht es in der Tat weniger darum, eine etwaige Willensschwäche zu überwinden, denn das ist garantiert nicht meine Herausforderung. Ich bin so was von willensstark, was schon manche leidvoll erfahren durften. Es ist eher die Angst davor, zu vermessen zu sein, nach den Sternen zu greifen, arrogant zu wirken. „Was meinst Du eigentlich, wer Du bist?!“ Das ist mein „innerer Schweinehund“. Wieso muss eigentlich immer ein Stempel auf alles gedrückt werden? Wieso ist man automatisch faul, wenn man etwas Bestimmtes nicht tut?

Hinter den meisten Dingen, die wir nicht probieren, liegt wohl eher die Angst vor dem Scheitern. Und ist das so was Schlimmes? Für mich schon. Ich mache mich gerne bewusst zum Deppen. Das finde ich lustig und verfolge dabei das Ziel, andere zum Lachen zu bringen. Aber richtiges Scheitern??? Aua, darauf habe ich so was von gar keinen Bock. Dabei lerne ich aus solchen Begebenheiten immer am meisten. Trotzdem: Wer rammt sich schon gerne selber Nadeln in den Körper (jaja, ich weiß, auch diese Menschen gibt es!)? Ich tu´ mir nicht gerne vorsätzlich weh. Und wenn ich es nicht ausprobiere, dann kann auch nichts schief gehen und nichts weh tun. Nichts, außer dieser gähnenden Langeweile, dem Zweifeln und den „Was wäre wenn“-Spielchen…

Hm, scheint also, ich bin doch auch ein wenig masochistisch? Nein, kein „Shades of irgendwas“, darauf ziele ich so gar nicht ab. Die Angst, zu scheitern, die Angst, zu hoch hinaus zu wollen, die Angst davor, was andere denken könnten…die lähmt. Es ist weniger Faulheit, und ich denke, das gilt für die meisten. Ein bisschen gnädiger dürfen wir schon zu uns sein, oder? Das letzte Jahr und vor allem die Zeit in Peru sollten mich gelehrt haben, mich mehr zu trauen. Und dann bin ich doch wieder zu schnell im ewig gleichen Fahrwasser angekommen. Es wird wohl Zeit, das wieder zu verlassen. Es muss ja nicht immer das gegen-den-Strom-Schwimmen sein, aber abseits des Stroms ist auch schon mal ein Anfang, oder? Ich bin gespannt, was die Zeit bringen wird und wieviele Scheinehunde ich meinerseits zum Metzger bringen kann.

2 Kommentare

  1. Toller Beitrag, ich erkenne mich da im gewissen Maße auch wieder.
    Ich muss auch regelmäßig meinen inneren Schweinehund bekämpfen und denke auch nicht, dass es unbedingt mit Faulheit verbunden ist, eher viel mit der Angst vor dem Scheitern oder dem sich unabsichtlich „lächerlich“ machen. Das ist auch einer der Gründe, warum Telefone meine Erzfeinde sind. Ein Anruf ist immer eine Überwindung!
    Ich wünsche dir viel Glück dabei, deine Schweinehunde zu bekämpfen. 😉

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    1. Danke für die Wünsche. Ich kann Dir nur dasselbe wünschen. Und als Tipp fürs Telefonieren (eine meiner großen Leidenschaften): Immer lächeln. Aber wenn Dein Gegenüber doof ist, kannst Du mit den Augen rollen, die Zunge rausstrecken und vieles mehr, ohne dass dieser Depp das sehen kann. Kann man im persönlichen Gespräch auch, aber da kann der Schuss deutlich nach hinten losgehen. 🤣

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