Das ist ein großes Wort, oder? Es ist ein Schlagwort, das so vieles in sich vereint. Und jeder legt es anders für sich aus. Freiheit ist auch eine Lebenseinstellung. Wer wirklich frei ist, der verrichtet locker lächelnd sein Geschäft auf der Meinung anderer. Genau das finde ich erstrebenswert.

Ein lustiges Beispiel hierfür ist eine Omi, die mir neulich aufgefallen ist. Leider hatte ich keine Kamera zur Hand, und mein Handy wollte ich auch nicht zücken. Besagte Omi saß auf ihrem AOK-Shopper, also diese Dinger, die häufig ältere Menschen zur Unterstützung bei der Fortbewegung nutzen. Die Omi schob sich jedoch gerade nicht vorwärts, sondern saß. Dazu genoss sie einen Zigarillo. Das an sich klingt jetzt nicht besonders frei oder gar besonders – wobei ich bei dem Zigarillo schon schmunzeln musste. Wann sieht man schon Menschen Zigarillo rauchen? Das scheint nicht mehr so in Mode zu sein. Bei der Omi schien es aber nach wie vor im Trend zu liegen. Doch das war es ja gar nicht, was ich so herrlich fand. Sie rauchte sitzenderweise ihren Zigarillo vor einem Orion-Shop. Nein, ich habe mich nicht ins Rotlichtmilieu verirrt. In Aachen liegt der Laden nun mal an einer großen Straße, die ich entlanglaufen muss, wenn ich in die Stadt gehen möchte. Und die Omi saß nicht wie zufällig vor einer großen Fensterscheibe, sondern direkt vorne am Eingang. Neben ihr prangte eine überdimensionale Werbung für einen Vibrator. Die Ausführung war lila. Das Bild sah einfach göttlich aus – dieser überdimensionierte Freudenspender mit der selig vor sich hinrauchenden Omi. Es hatte was von „die Zigarette (oder eben der Zigarillo) danach“. Ich dachte nur: Die meisten wären um die Ecke gefahren, aber sich nicht auf dem Präsentierteller niedergelassen. Aber diese Omi nicht. Sie pfiff einfach drauf, was irgendwer denken könnte. Ich hoffe, es war in der Tat „der Zigarillo danach“. Das würde ich ihr wünschen.

So wäre ich auch gerne. Also nein, nicht Zigarillo rauchend…und ich brauche auch keine Vibratorenwerbung neben meiner Sitzfläche. Ich meine vielmehr diese Nonchalance. Ich arbeite auch daran, so ist es nicht. Dennoch bin ich sehr normenbehaftet, was manchmal schon lächerliche Züge annimmt. Was „man“ nicht alles tut bzw. besser lassen sollte, davon könnte ich stundenlang berichten. Sich ordentlich zum Deppen machen, mal nicht so erwachsen sein, das würde ich mir wünschen. Und dabei dann am besten noch so cool wirken wie das Ömken. Hätte doch was, oder?

Auch wenn ich mir – wie bereits früher schon geschrieben – keine festen Vorsätze für ein neues Jahr vornehme, finde ich geplante Veränderung durchaus erstrebenswert. Es hat nur nichts mit einem bestimmten Jahr zu tun. Daher nehme ich mir vor, verrückter zu sein, auf mein Herz bzw. Bauchgefühl zu vertrauen und über missbilligendes Kopfschütteln herzlich zu lachen. Ich muss nicht völlig das gute Benehmen vergessen, aber einfach mal zu mir stehen.

2 Kommentare

  1. Witziges Bild, diese Oma mit Rillo und Vibratorwerbung. Ich denke auch, dass Freiheit heißen kann, dass man nicht darauf achtet, ob man jetzt ins Bild passt oder nicht. Aber das ist nur eine Facette der persönlichen Freiheit……

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