Herrlich, ich liebe es, Ämter aufsuchen zu müssen. Immer wieder stelle ich fest, wie unnütz dieser Zeitvertreib doch ist, aber was soll´s? Hoch lebe der Vorgang. Was aber immer wieder spannend ist, sind die Menschen, die man dort trifft. In der Tat sind es Menschen, die ich so kaum sonst treffen würde. Keine Ahnung, woran das liegt.

So jedenfalls lernte ich eine…wie umschreibe ich das freundlich….? Ich lernte eine außergewöhnliche Frau im Wartebereich kennen. Sie wurde in Deutschland geboren, aber ihre Eltern kamen aus der Türkei. Sie könne noch türkisch sprechen, ihre Kinder hingegen nicht mehr, was ich sehr schade finde. Je mehr Sprachen ich spreche, mit desto mehr Menschen kann ich mich austauschen, was meinen Horizont ja nur erweitern kann. Leichter lernen kann man nicht, als wenn man zweisprachig groß wird, oder?

Ich kann aber auch verstehen, wie so was einfach im Sande verläuft. Die Frau meinte, sie hätte sich einfach den Kindern angepasst, weil sie überall – im Kindergarten, in der Schule, mit Freunden – nur deutsch sprachen und somit auch Zuhause nur untereinader ausschließlich so quatschten. Ich fand den laufenden Meter neben mir wirklich sehr unterhaltsam, und sie hatte richtig Feuer im Hintern. So was mag ich ja. Sie würde voll gemobbt werden, dabei wäre sie doch soooo lieb! Ihr Chef wollte, dass sie krank feiern würde, wie alle anderen das auch täten. Hä? Ja, sie arbeite ausschließlich mit „halb Kaputten“. Den Ausspruch fand ich wieder amüsant. Nun habe sie die Kündigung erhalten. Ich fragte noch: „Und warum?“ Sie: „Weil…die sagen, ich bin eine Hexe! Musste Dir ma vorstellen, ich! Eine Hexe! Nur weil ich sage, ich bin nicht der Prinzessin sein Köter.“ Ich muss mich jetzt noch wegschmeißen, wenn ich daran denke, wie sie selber darüber lachen musste. Humor hatte sie, keine Frage.

Und dann kam der Klopper: Wir kamen kurz auf Erdogan zu sprechen, den ich zutiefst verabscheue. Sie jedoch meinte nur: „Erdogan und Merkel, sind doch beide Nazis.“ Hääää? Doch, da war sie sich absolut sicher. Aaaaaber, die haben ja doch nichts zu sagen. Das Regiment führe nämlich „Papa Staat“. Ich muss wohl ziemlich verdutzt geschaut haben. Dann habe ich nachgefragt: „Äääh, und wer ist ´Papa Staat´?“ Sie zuckte nur mit den Schultern und meinte: „Na, `Papa Staat` eben.“ Logisch, oder? Ich konnte es dennoch nicht lassen: „Hm, aber das ist ja keine Maschine. Das sind ja Menschen, oder? Also: Welche Menschen sind das denn?“ Da nickte sie weise und meinte: „Das ist eine gute Frage. Aber davon bin ich fest überzeugt.“ Es scheint, wir sind da gestern auf ein großes Rätsel gestoßen.

Als mir dann ca. 20 Minuten nach dem vereinbarten Termin endlich eine Audienz gewährt wurde, erfuhr ich dann, dass ich vergebens vor Ort war. Die Sachbearbeiterin hatte sich tags zuvor noch mal meine Unterlagen gründlich durchgelesen. Damit war die Nachreichung der heute mitgebrachten Dokumente überflüssig. Ich habe einmal durchgeatmet und wirklich sehr freundlich nachgefragt, wieso sie mich denn nicht angerufen hätte, um mir diesen Weg zu ersparen? „Ja, gestern war ja kein Publikumsverkehr.“ Häääääää? Da finde ich „Papa Staat“ als Antwort fast noch aufschlussreicher.

Ich schätze, ich muss an meinem Verständnis arbeiten. Ich kapiere nämlich an Tagen wie gestern nicht wirklich, was man mir da sagen will. Wer weiß, wer wohl dahintersteckt? Ob es der ominöse „Papa Staat“ ist? Wenn einer eine Idee hat: Ich bin da ganz offen, wenn es denn weiterhilft…?

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