Die Sonne ist draußen!!! Die Vögel zwitschern, ein Hauch von Frühling liegt in der Luft. Zu früh gefreut, ich weiß. Es bleibt natürlich nicht so, aber die Sonne genieße ich dann doch sehr. Sie hilft mir zwar auch nicht bei der Wohnungssuche in München, aber sie beflügelt zumindest ein bisschen beim Gedanken daran, was auf mich wartet. An dieser Stelle: Sollte einer eine Idee haben, wie ich an eine Bude am Rand von München kommen kann, ohne dafür Rockefelle heißen zu müssen, dann immer her mit den Vorschlägen.

Was mich bei diesem Wetter wundert: Wieso macht es die Leute nicht etwas schneller? Wie viele Schnarchnasen hatte ich nicht vorhin wieder im Auto vor mir? Sind sie bereits jetzt von der Sonne geblendet? Bei 35°C kann ich verstehen, wenn sie langsam werden, aber es ist was um die sechs Grad! Da kann man also noch frohgemut Gas geben.

Im Einkaufsladen waren die Leute dann auch wieder völlig verwirrt. Manche bleiben ja tausend Jahre stehen, gucken doof durch die Gegend und legen NIX in den Wagen. Ganz schlimm: Begleitmänner. Ja, nicht solche, die man für eine Nacht buchen kann. Nein, die Sorte: EHEMANN. Meist älteren Semesters, die es nicht hinbekommen, sich allein anzuziehen. Und so verhalten sie sich auch beim Einkaufen. Krampfhaft halten sie den Einkaufswagen umschlungen. Mütterken könnte sie ja sonst nachher nicht mehr finden. Vermutlich würde Mütterken sich darüber mal freuen. Und dann stehen diese Herren in ihrer verkrampften Haltung wirklich nahezu ausnahmslos im Weg herum. Aaaaaah! Da könnte ich dann verzweifeln. Und ja, auch da lebe ich meine Gewaltphantasien aus…immer nur theoretisch, klar. Einmal Anlauf nehmen und mit Vollkaracho in die Hacken fahren. Oder sie ins Gemüse oder gar in die Kühltheke schubsen. Hach, meine Vorstellung vom Himmel.

An der Kasse lasse ich dann einen Typen mit verwirrtem Welpenblick vor. Ich weiß, falsche Erziehung. Aber der Kerl hat nur ein Brötchen in der Hand. Wenn der nun hinter mir zappeln würde, ginge mir das noch mehr auf den Zeiger. Und dann kommt Ömken angezockelt. Da liegt meine Ware schon auf dem Band. Doof nur, ich komme nicht an das Trennstück heran und sie noch nicht ans Band, um aufzulegen. Kurzerhand packe ich mir ihre Waren aus dem AOK-Shopper und lege sie aufs Band. Gut erzogen, wie die Dame ist, bedankt sie sich lieb bei mir und sagt dann: „Da komme ich ja nisch so juut dran, auch wenn isch sonst noch fit bin, ne?“ Ich nicke. Das ist sie in der Tat. „Isch bin nämlich im Dezember 90 geworden.“ Ich halte inne. WIE BITTE???? Und wieso sieht die dann noch so fit aus? Sie grinst, als ich sie die Zahl wiederholen lasse. „Ja, isch hab´ misch immer beweecht. Datt is datt Rezept dafür. Zum Ausruhen hatten mer keine Zeit, wa?“ Hammer. Diese kleine, grinsende Omma ist echt schnuffig. „Un watt soll ich misch jetz beschweren? Hab´ ich kein Zeit für. Mein Mann is auch 90 jeworden. Aber der kühmt und kühmt. Datt wär´ misch zu lästisch! Immer: `Kannste misch ma hier pöngeln, kannste misch ma da pöngeln´?! Nee, datt wär´ et noch, wenn isch auch mit so watt anfangen tät.“

Ok, kurze Übersetzungshilfe für Nicht-Rheinländer: „Kühmen“ steht für „stöhnen, sich beschweren, jammern“. Und pöngeln? Tja, kann man das überhaupt übersetzen? Kleine Babys werden gepöngelt, wenn man sie auf den Arm nimmt und durch die Gegend trägt. Das macht Ömken natürlich nicht mit ihrem Mann…es geht eher um das Sich-Kümmern-Hegen-und-Pflegen.

Die Omi gefällt mir, also zwinker´ ich ihr ein Auge und frage: „Tun das nicht alle Männer?“ Da lacht sie und stimmt mir zu: „Meine Omma hat schon gesaacht, wennste alle Männer in nen Sack packst und drauf schläächst, triffste immer der Rischtije.“ Recht hat sie – grammatikalisch nicht so recht, aber inhaltlich eben schon. Und darauf kommt es doch wohl an.

Die Menschheit teilt sich wohl in die, die gepöngelt werden wollen/ müssen, und die, die gut allein zurechtkommen und sich einfach durchschlagen. Die Kassiererin und ich sind uns dann aber einig: Wir wollen wie die Omma mit 90 auch noch so rumpesen und über die Männer lästern. Dann sind wir nämlich noch fit geblieben.

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