Es ist wieder Sonntag. Jepp, so schnell verfliegt eine Woche. Und der liebe Wettergott meint es sehr gut mit uns, denn es ist wieder sonnig und warm. So macht das Wochenende gleich viel mehr Spaß.  Da ich in meiner Ferienwohnung keinen Balkon habe, bin ich einfach kurzerhand raus und habe mich auf eine Bank in der Ortsmitte gesetzt.

Gestern war dann aber richtig was los, weil alle auf den Beinen waren. In Pipinsried haben die 1860er Fußball gespielt. Entsprechend wimmelte es auf den Straßen. Busse fuhren im 5-Minuten-Takt mit grölenden Fans vorbei. Die 60er sind mir persönlich ja auch tausend Mal sympathischer als der FC Bayern München, aber leider spielen sie derzeit in der Kreisliga. Dass so eine Mannschaft mal hier ins Dörfische kommt, ist also eine echte Sensation. Von hier aus sind es nur ein paar Kilometer rüber nach Pipinsried. Allein den Namen finde ich schon putzig. Keine Ahnung, wie das Spiel gelaufen ist, aber die Stimmung dürfte perfekt gewesen sein.

Apropos Sensation: Ich habe heute die Dorfberühmtheit kennengelernt. Sie heißt „Hitler-Huber“. Ja, richtig gehört. Die Dorfjugend hat sie so getauft, weil die „Dame“ wohl recht ausfallend gegenüber Jugendlichen und Ausländern ist. Sie stand in der Bäckerei vor mir. Nein, nicht in DER Bäckerei, wo es den baggernden Bäckereifachverkäufer gibt, sondern die Bäckerei gegenüber meiner Ferienwohnung. Und da stand die Huberin also und schimpfte vor sich hin. Es ist wohl eine 13-Jährige von einer S-Bahn überfahren worden, weil sie mit Kopfhörern über die Gleise gegangen ist. Schrecklich… Das sei sooo typisch für die heutige Jugend. Hallo?! Und die Eltern würden ja auch nicht richtig erziehen. Und überhaupt sei ja alles für den Arsch. Ein paar ordetliche Fotz´n (damit sind Ohrfeigen gemeint – klingt befremdlich, ich weiß) bräuchten die alle. Was ich gut fand: Der Bäcker hielt dagegen. Er hat nicht, wie es wohl die meisten Verkäufer beigebracht bekommen, nett lächelnd genickt. Als die Jogginghosen-Trägerin im gehobenen Alter davonzockelte, entschuldigte er sich für diese Kundin. Da erfuhr ich dann auch den Namen.

Hm, was tut man in so einer Situation? Ich kenne es noch von meiner Außendienstzeit. Der Kunde ist König. Aber alles muss ich mir nicht reinpfeifen, oder? Diese rassistischen Sprüche habe ich auch häufiger gehört. Ich kann in solchen Situationen auch nicht meinen Mund halten. Aber schwer ist es schon, da „richtig“ zu reagieren. Heutzutage ist irgendwie alles ein Minenfeld, oder? Nichts zu sagen, geht nicht – ist meine Meinung. Aber kritisch was zu sagen, muss auch erlaubt sein, wird aber schnell politisch inkorrekt verurteilt. Puh…schwierig.

Aber es gab auch lustige Situationen diese Woche. Meine letzte Schulungsgruppe war sooo nett und humorvoll, dass es schon fast einem Spaziergang gleichkam. Und als Sahnehäubchen obendrauf, sind meine Kollegin und ich vorab schon mal zur Weihnachtsfeier im Dezember eingeladen. Allerdings mit der Auflage, dass wir auf keinen Fall mit dem Auto selber abreisen dürfen. Es heißt also, wir müssen mit ausnahmslos Kerlen (!) trinken. Meine arme Leber. So was heißt dann aber wohl „Integrationsprogramm“. Ich lass´ mich überraschen, freue mich aber über die Einladung. Vielleicht übe ich bis dahin noch ein bisschen? Wir werden sehen.

Und jetzt? Gehe ich mal wieder raus. Auch wenn keine 60er-Fans mehr draußen sind, wird es am Marktplatz wieder genug zu sehen geben. Und wenn ich die Huberin sehe, werde ich mal gespannt lauschen, welches Gift sie dann zu verspritzen haben wird. Ach, das Landleben ist schon schön. Da erkennt man die Pappenheimer schon von Weitem…

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