Tja, nun, wie könnte ich starten? Erklären, was mich so lange vom Schreiben abgehalten hat? Hm, nö. Es ist, wie es ist. Umzug & Co. haben ihres dazu beigetragen, aber ich war wohl schlichtweg zu faul oder zu beschäftigt oder zu genervt oder was auch immer. Ausreden habe ich immer genügend auf Lager.

Meine Wohnung ist leider noch nicht ganz das, was ich mir für diese Zeit erhofft hatte. Schon witzig, wie viel Lehrgeld man auch noch in meinem Alter zahlen darf. Andererseits: Ich lerne ja nie aus. Oder, wie hat es eine nette Kollegin vor Jahren mal gesagt: „Gib Dir doch einfach die Chance, noch ganz viel zu lernen.“ Naja, dann gebe ich mir mal die Chance.

Gerade zwitschern die Vögelchen, ich fläze mich auf meiner Hängeliege und lasse meine Gedanken kreisen. In den letzten Tagen hatte ich verdammt oft das Lied im Kopf: „What a difference a day makes…twentyfour little hours…“ Es ist erschreckend und schön, aber vor allem stimmig. Manchmal fliegt man hoch, hat Träume und denkt, alles läuft gerade schikko. Und dann – kawumm – platzt diese Blase. Und dann gibt es die Momente, wo es genau anders herum ist. Man sitzt so richtig schon am Bodensatz des Lebens und denkt sich: „Alles Scheiße, alles Mist, wennste nich besoffen bist…“, und im nächsten Moment strahlt die Sonne mit aller Macht durch die Wolken und erinnert einen daran, dass alles halb so wild ist. Bisweilen reicht die richtige Musik auf dem Hinweg zur Arbeit, um mich so richtig zum Strahlen zu bringen. Und wenn ich dann mit fettem Grinsen den Kollegen begegne, steckt die das immer an. Geht also, oder?

Trotzdem ist es erschreckend, wie schnell ein Ereignis uns abheben lässt oder aber auch auf den Boden zu schmettern vermag. Nun fehlt mir ja das Gen zum Drama, wofür ich sehr dankbar bin. Dennoch: Manches haut auch mich um.

Genau so gibt es aber auch diese lustigen Momente, in denen ich einfach nur laut über mich selbst lachen kann. So geschehen gestern. Ich habe seit ewigen Jahren wieder ein Fahrrad. Das Gleichgewicht (ja doch, natürlich im nüchternen Zustand!!!) ist nicht mein bester Freund, weshalb Fahrradfahren nicht gerade zu meinen liebsten Fortbewegungsarten zählt. Ich wage es dann aber doch noch und schwinge mich auf mein Radl. Und schon geht´s los zu Obi, wo mein Obimann auf mich wartet. Es ist wie früher in der Schule: Die Mathelehrer mochten mich immer am meisten, was ich schlichtweg nur auf meine Talentfreiheit schiebe. Und so ist es auch beim Obimann. Er mag mich wohl besonders, weil ich handwerklich so viel Geschick aufweise wie eine Taube beim Benehmen. Nein, ich sch*** nicht bei Obi in den Laden, aber ich schaffe es nicht einmal, ein sauberes, gerades Loch zu bohren, obwohl ich mittlerweile stolze Besitzerin eines Schlagbohrers und eines besseren Akkuschraubers bin. Besitz heißt aber nicht Können. Ganz wichtig. Ich besaß auch immer Mathebücher – allein, geholfen hat das nie.

So, nun fahre ich aber zum Obimann, die Sonne scheint, und ich spüre dieses pure Glück der inneren Freiheit. Ehrlich wahr, ich könnte einfach nur grinsen. An der letzten Ampel schalte ich dann in einen anderen Gang und schwups, ist die Kette ab. Nee, oder? Doch. Eigentlich müsste ich mich ärgern. Kann ich aber nicht. Ich lache nur – und zwar ziemlich laut. Zum Glück hat mich keiner in die Klapse gesteckt.

Der Obimann sieht mich schon grinsen und fragt bereits, während ich noch auf ihn zuschlendere: „Was hast Du jetzt schon wieder angestellt?“ Ich grinse noch breiter: „Jo, was soll ich sagen? Die Kette am Fahrrad ist ab. Kannst Du so was auch?“ Er schüttelt den Kopf: „Kann das sein, dass Du ein Händchen für so was hast?“ Hab´ ich das? Immerhin war es mein rechtes Händchen, das den Gang umgestellt hat…bzw. beim bloßen Versuch daran gescheitert ist. Ergeben geht er mit mir zum Rad und frickelt drauflos. Wir stellen es irgendwann sogar auf den Kopf, damit er das auch hübsch hinbekommt. „Wie hast Du denn geschaltet?“ Ich zucke mit den Schultern: „Na, da vorne eben.“ Selbst ich weiß, dass man einen Gang nicht mit dem Hammer reinkloppt. „Aber schon beim Fahren, oder?“ „Klaro!“ Und dann überlege ich. „Ääääh, also meistens schon. Zum Schluss aber im Stehen, weil die Ampel rot war.“ Der Blick, den ich kassiere, schwankt zwischen „das ist jetzt nicht Dein Ernst?!“ und „Samma, wie bekloppt muss man sein?!“. Ein zögerliches: „Falsch?“ von mir zeigt ihm, ich weiß es echt nicht. „Seit wann hast Du das Fahrrad?“ „Einen Monat.“ Er nickt: „Ok, für die nächsten Monate: Schalte nur, wenn Du fährst. NIEMALS im Stehen.“ Das darf man also echt nicht? Sieh mal einer an…

Als Dankeschön möchte er kein Eis von mir, sondern lediglich, dass ich ein wenig mit ihm plaudere, weil ihm die Kunden auf den Sack gehen. Einer kommt vorbei und sagt: „Das Fliegengitter hier…das kostet 95,- €.“ Oh, der Kerl kann Preise lesen. Ganz ein Großer! Pause. Keine Reaktion. „Bei Amazon gibt es das für 75.“ Der Typ stellt keine Frage, weshalb der Obimann auch noch keine Antwort gegeben hat. Also wieder Pause. Der Kunde starrt den Obimann an, der schaut sparsam zurück. Jetzt schnallt er es und fragt dann endlich: „Wie kann das sein?“ Der Obimann deutet um sich herum: „Amazon hat kein Lager, keine Beratung und all das, was Du hier siehst, auch nicht.“ Der Typ schaut sich um und fragt: „Also, kann man nix machen?“ Der Obimann nickt. Ich steh´ daneben und denke an Loriot. Es gibt so eine Situationskomik, die kann man nicht beschreiben. Ich könnte mich wegschmeißen. Der Typ zieht von Dannen. Der Obimann sieht mich genervt an: „Verstehst Du jetzt, warum ich Kunden, wie Dich mag?“ Ich nicke: „Ich stelle mich nicht nur blöd an, ich kaufe anschließend auch das, was Du mir rätst.“ Der Obimann ist ganz Gentleman: „Du stellst Dich nicht blöd an.“ Er sieht meinen Blick. „Gut, Deine Talente sind eben andere.“ Wenn der wüsste!!! „Aber ich hasse diese Arschlöcher, die sich alles lang und breit erklären lassen und dann bei Amazon kaufen.“ Und das kann ich – bei all dem Spaß drumherum – dann doch gut verstehen.

Daher habe ich auch kein Problem, weiterhin handwerklich im Entwicklungsbereich zu agieren (hübsch ausgedrückt, gell?). Wenn ich gut beraten werde, kaufe ich dort auch.

Und jetzt mache ich mal wieder Schluss für heute und bin mir sicher, ich schreibe nun wieder häufiger. Habt eine gute Zeit, schaltet während des Fahrens und habt den Mut, Euch auch mal blöd anzustellen. Damit gebt Ihr anderen die Chance, noch mal richtig zu lachen.

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