Manchmal ist das Leben schon eigenartig. Während man noch fleißig dabei ist, sich über Kleinigkeiten fürchterlich aufzuregen, passieren gleich nebenan wirkliche Dramen.

Der Mann einer Freundin stirbt. Was so schlicht klingt, ist es nicht und dann irgendwie doch. Es gehört zum Leben dazu, dass wir alle sterben müssen. Und doch leugnen wir dieses Thema. Ich kenne so viele, die nicht bereit sind, über das Thema zu reden oder darüber nachzudenken. Was will man damit erreichen? Leugnen hilft so gar nicht. Keiner kann sich verstecken.

Gerade komme ich aus dem Krankenhaus. Wir waren zu viert im Zimmer: Drei Frauen und der Sterbende. Und es war friedlich. Wann er stirbt, kann keiner genau sagen. Er ist stark mit Morphium sediert. Nach sechs Atemzügen folgt eine längere Pause. Wir zählen alle automatisch mit. Es waren Stunden zuvor noch acht Atemzüge, teilen mir die beiden anderen Frauen mit.

Und was fühle ich? Frieden. Die Stimmung ist vollkommen friedlich. Wir tauschen Erinnerungen aus und lachen sogar, während ständig zwei von uns seine Hände halten. Er stirbt nicht allein, was ich sehr gnädig finde. Es gibt einige, die sagen, sie könnten das nicht – diese Begleitung des letzten Weges. Letztlich muss das jeder selbst für sich entscheiden.

Und da sitze ich dann und frage mich, wer bei mir sitzen wird? Ich habe keine Angst vor dem Tag X, aber ich möchte nicht allein sein, schätze ich. Das macht mich mal wieder sehr dankbar all den Menschen gegenüber, die das tagtäglich beruflich tun. Ich bin so froh, mittlerweile eine Arbeit zu haben, bei der ich sehe, wie sich etwas entwickelt. Auf einer Palliativ-Station oder im Heim sieht man nur den Rückschritt. Das stelle ich mir enorm schwer vor…

Und doch gibt es mir etwas, diesen Frieden zu erleben. Da ist eine Ruhe, die sanft wirkt. Mir wird so deutlich, wie sehr das hier auch zum Leben dazugehört. Wird es noch hart werden? Ganz bestimmt. Und die schlimmen Zeiten stehen seiner Frau noch bevor – wenn sie richtig realisiert, dass dieser Schritt endgültig ist. Dann werden wir wieder unsere Erinnerungen hervorkramen, gemeinsam lachen und genau so manche Träne verdrücken. Und vor allem: Gemeinsam weiterleben.

 

 

 

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