Ich bin in Mexiko. Der ein oder andere hat es schon mitbekommen. Und es ist schön. Die Sonne strahlt vom Himmel, das karibische Meer ist angenehm warm, und die Cocktails und Shots schmecken sehr gut. Nur… ja ja, es gibt immer ein „Nur“ oder ein „Aber“. Wir Deutschen sind hier klar in der Minderheit. Wenn die Kellner das merken, werden sie sofort freundlicher. Krass…

Die Leute sind alle freundlich, grüßen, sind aufmerksam. Ihr Lächeln wird allerdings aufrichtiger, wenn sie merken, dass wir keine Amis sind. Zuerst dachte ich, das liegt an Trump. Tut es vielleicht auch zum Teil. Aber die Amis sind zum Teil so, wie die Spanier in Peru waren. Sie nehmen es als selbstverständlich, dass sie bedient werden, sind laut und überheblich.

So ein Fall ist Patrick. Er trägt eine Schwimmshorts mit amerikanischer Flagge. Als er uns anquatscht, spreche ich ihn darauf an und sage: „Würde ich das mit Deutschland-Flagge tragen, wäre ich ein Nazi.“ Er zuckt mit den Schultern und sagt, er würde damit kein Problem haben. Schließlich habe er blaue Augen und blonde Haare. Dann säuft er weiter und grölt ab Mittag an der Bar am Strand herum mit anderen besoffenen Amis. Sie sind nicht etwa 18, sondern Mitte 30 aufwärts. Abends spielen sie dann besoffen Nachlaufen – mit Hinfallen natürlich. So kann ich verstehen, dass sie nicht beliebt sind.

Doch dann gibt es die anderen. Gestern Abend hole ich mir meinen obligatorischen Tequila. Links von uns sitzen sieben Amis, die einen grünen Shots trinken. Ich bin neugierig und frage sie, was das ist. „Shit on the grass“. What the f***???? Ok, ich probiere es. Ganz klar, das wird mein neues Lieblings-Getränk. Der Mann neben mir ist John, seine Frau Lorelai. Er ist „jealous“, weil wir fließend Englisch sprechen und ein bisschen Spanisch. Er und seine Landsleute seien einfach arrogante Idioten. Oh… Und dann kommt sein Freund zu mir, ein kleiner Glatzkopf, nimmt meine Hand und entschuldigt sich für ihren saudämlichen Präsidenten. Ääääh. Gut. Dafür bekommt er ein Küsschen meinerseits auf die Glatze.

Spätestens jetzt sind wir Freunde, quatschen über Politik, trinken fleißig Shots und wünschen uns dann eine tolle Zeit. Ich hab leicht einen sitzen. Es war einfach schön.

Wir gehen essen, wobei ich kichern muss. Abimael, unser anfänglich schüchterner Kellner, hat sichtlich Spaß. Ich frage ihn nach seinem Alter. „36….and Single!“ Ok, da muss ich dann laut lachen. Er kommt immer mal wieder an, fragt, ob ich einen Mexikaner suchen würde und albert ein bisschen rum. So sind sie nicht zu den Amis. Da versteinert ihr Gesicht leicht.

Ich steige nicht ganz dahinter, warum sie hier so strikt gegen die Amis sind? Ich fühle mich selbst kaum besser. Es ist, wie so meist: Ich sehe die Angestellten, die hier sauber machen, unser Essen zubereiten und Drinks mixen und weiß, sie werden sich so was hier nie leisten können. Es beschämt mich, auch wenn ich dafür zahle, mich bedanke und freundlich bin. Da war es schon „ehrlicher“ im Dschungel von Peru, wo alle dasselbe Essen bekamen und wir mitgearbeitet haben.

Nein, ich habe keinen Moralischen. Und ja, ich genieße meinen Urlaub auch. Trotzdem ist es wohl sehr ungleich verteilt. So viel weiter sind wir wohl in der Zivilisation nicht gekommen….20181106_101335

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