Heute hab ich endlich mal wieder meinen Hintern hochbekommen. Es nervt, fast schon lethargisch zu sein. Klar, ich hatte eine OP. Aber die ist über drei Wochen her. Meine Ungeduld ist manchmal selbst für mich nervig, aber zumindest unterhaltsam für die Menschen um mich herum.

Nun gut, ich bin dann heute doch von der Sonne herausgefordert worden. Ich bin zum Schloss mit seinem schönen Garten gewandert. Ihm scheint es wie mir zu gehen: Er wirkt wie im Winterschlaf. Alles ist kahl, aber ich glaube, er freut sich wie ich über die Sonne. Ich genieße diese angenehmen Strahlen, sehe ruhig einer Biene (Biene???? Was macht die denn im Winter hier???) zu, wie sie auf meinem MP3-Playerkabel herumkrabbelt.

Und da kommt dann irgenwann ein kleiner Junge in seinem roten Mercedes angefahren. Jawohl, GEFAHREN! Er ist vielleicht drei Jahre alt. Sein Vater geht voller Stolz hinter seinem Jungen her, der mit seinem kack Auto wirklich selber fährt, während es laute Motorengeräusche vorgaukelt. Ich bin jetzt kein bekloppter Mensch, der möchte, dass am Karussell das Auto, Flugzeug und generell motorisierte Fahrzeuge entfernt werden, um grüne Menschen zu entwickeln, aber wieso muss ein Kleinkind auf so einen Mist gedrillt werden? Verstehe ich nicht. Vorbei die Zeit, in der wir mit Murmeln und Ästen gespielt haben. Oh mein Gott, ich werde echt richtig alt, wie es scheint.

Aber dann kommt da die Mutter mit ihren drei Töchtern vorbeispaziert. Eine ist schon recht groß, schätze mal 14 oder 15. Die Mittlere ist vielleicht 6. Und die Kleine? Die ist vielleicht 3 oder 4? Keine Ahnung. Ich sehe sie an und erinnere mich bei ihrem Anblick an mich. Sie wird doch nicht…?! Doch, sie fixiert eine Pfütze. Ich muss breit grinsen. Ihre Mutter registriert es, aber da ist es auch schon zu spät. Die kleine Maus latscht genau durch die Pfütze. Gutes Kind! Dafür feiere ich sie klammheimlich.

Wo ist das hin? Ich laufe nicht mehr durch Pfützen. Warum? Weil ich die Schuhe anschließend selber saubermachen muss? Ich glaube nicht. Wohl eher, weil „es sich nicht gehört“. Da höre ich noch meine Oma: „Aus Dir wird nie ein feines Mädchen!“ Und dann sehe ich mich vor meinem geistigen Auge dastehen: Hände in die Hüften gestemmt (Gott, habe ich das oft getan), die Schultern hochziehend und voller Überzeugung sagend: „Na und?!“ Wo ist dieses „Na und?!“ heute nur hin? Ich weiß es nicht. Aber ich merke, wie es wieder in mir hochkrabbelt. Gut, nicht unbedingt heute und jetzt, weil ich Wildlederschuhe trage. Und es muss auch keine Pfütze sein. Eher dieses Draufpfeifen, was andere eventuell von mir wollen könnten.

Das klingt wie Musik in meinen Ohren. In diesem Sinne wünsche ich jedem von Euch solche „Na und?!“-Momente – aber natürlich nur, wer das möchte.

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