Am Sonntag war es herrlich. Schönes Wetter, alles chic. Aber dann? Kam ein Temperatursturz um 13, 14 Grad. Celsius natürlich! Was denn sonst?! Da gewöhnt man sich gerade wieder an die Sonne, bevor sie dann schwups wieder weg ist. Aber sie ist nicht nur weg, nein! Sie wird abgelöst von Schneeregen. Hallo?! An Weihnachten, wenn wir alle drauf zu warten stehen, da denkt Petrus sich, er scheißt uns lieber was. Aber jetzt, wo es „ka oide Sau net“ braucht, da kommt’s dann. Für mich hat der Schnee jetzt Pause bis Weihnachten, bitte!

Als Krönung obendrauf habe ich dann eine Schulung. Das Thema ist durchaus interessant. Nur der Trainer kekst mich. Er kommt von extern, da muss man ihn schon anbeten. Und das strahlt er dann auch aus. Er gehört der Kategorie an: „Betet mich an, denn ich bin soooo geil.“ Zugegeben, er hat viel Ahnung von der Thematik. Didaktisch ist er allerdings ein Vollpfosten. Und attraktiv ist er auch nicht. Es steht also 2:1 gegen ihn. Er hatte aber bei der letzten Schulung schon bei mir verschissen. Da muss ich dann einräumen, dass ich die Fehler feiere, die ich finde. Und seine Folienschlacht wimmelt davon. Groß- und Kleinschreibung erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Kommata scheinen gänzlich abgeschafft worden zu sein. Und die Rechtschreibung? Mei, ich will gar nicht erst anfangen. Nun steigert er dann aber alles noch. Es heißt zwar, dass wir die Leute emotional abholen sollen, weil das den deutlich größeren Teil ausmache, aber wir müssen doch wieder alles in Zahlen packen. Getreu dem Motto „Miss es oder vergiss es“ (richtig, er sagt natürlich: „Mess es oder vergess es“ – wahrscheinlich sagt er auch: „Pess an die Wand“), müssen wir auf einmal wild rechnen. Ich fühle mich lost. Welche Formel? Was für Zahlen? HILFEEE! Ich bin in meinem Albtraum gefangen.

Neben mir sitzen zwei Kollegen, die in ihrem Vorleben die Erst- und Zweitbesetzung von Graf Zahl aus der Sesamstraße waren. Ich habe keine Ahnung, was sie da munter rechnen und suhle mich mal wieder in meinem Mantra: „Watt machste eigentlich hier? Watt kannste eigentlich?“ Oder wie mein Neffe immer so treffend sagt: „Brot kann schimmeln, was kannst Du?“ Dann bin ich gedanklich dabei, was ich für meine USA-Reise noch brauche? Ich zwinge mich zur Konzentration und frage kleinlaut: „Ääääh… was genau rechnet Ihr denn da?“ Die Antwort lautet schlicht: „Ist doch nur angewandte Mathematik!“ Ok, das M-Wort ist ja mein persönliches Trauma. Als dann nachher noch einer reinschmeißt: „Das ist ja soooo simpel, wir müssen’s nur tun“, bin ich im Vollbockmodus. Das M-Wort wirkt auch 23 Jahre nach meinem Abi noch, um mich in Angststarre zu versetzen – obwohl ich meine Statistikscheine in Psychologie an der Uni irgendwie geschafft hab. (Bösem Verdacht zuvorkommend: Es war kein männlicher Prof!!!)

Ich überstehe den Tag ohne selbst- oder fremdverletzende Aktionen und weine dazu wie der Himmel… nur eben keine Schneeflocken, sondern Wuttränen. Am Dienstag sollen wir dann den vorangegangenen Tag reflektieren… unsere Erkenntnisse nennen. Alle ergehen sich in hochtrabenden Ergüssen. Ich teile nüchtern mit: „Meine Erkenntnis? Ist hasse Mathe immer noch.“ Alle lachen, nur mir ist es ernst. Gottseidank müssen wir heute aber auch nicht mehr rechnen. Der Himmel weint aber nach wie vor. Mein Kopf bockt aufgrund der Bockigkeit und pocht und pocht. Letztendlich überlebe ich jedoch.

Da die Fortbildung vorbei ist, ich nicht mehr rechnen muss und auch den Vollpfosten nicht mehr ertragen brauche, scheint zur Belohnung heute wieder die Sonne. Es lohnt sich also durchzuhalten, damit die Sonne wieder hervorkrabbeln kann. Und da die Sonne mir dieses deutliche Zeichen schickt, revanchiere ich mich damit, heute superfrüh den Pin reinzuhauen, um ins Schlosscafé zu gehen. Und um meinen Beitrag zum Inlandsprodukt zu leisten, erbarme ich mich auch eines Kuchenstücks mit einer Tasse Kaffee.

Ach, das Leben ist scho schee… Und die Zeiten, in denen ich alt genug bin, nur hin und wieder (quasi once a year) Matheformeln ertragen zu müssen, trösten mich über Schneeregentage hinweg. Ich genieße… Und wenn gerade mal nicht, genießen andere meine ausgelassene Bockigkeit. Auch gut. Ich leiste gerne meinen Beitrag.

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