Mmmmh, heute Morgen strahlt die Sonne so herrlich, dass ich raus muss. Ich will nach München rein, auch wenn es voll sein wird. Ganz egal. Ein köstlicher frischer Saft wartet am Viktualienmarkt auf mich.

Ich schlappe also in Sneaker (endlich keine Stiefel mehr nötig! Juchuuu!!!) zur S-Bahn. Sie kommt pünktlich, was ich ja schon fast den Brüller finde. Die Luft ist eisig, aber die Sonne lacht dazu. Und dann steige ich in die Bahn und denke: „Wooooooooow, what the fuck?????“ Es stinkt. Puh, es treibt mir fast die Tränen in die Augen. Dazu nehme ich eine schlafende, völlig in Schieflage auf dem Sitz hängende Frau wahr. Sie ist kein Partyüberbleibsel – gut, um 9:23 Uhr wäre das auch richtig krass. Nein, sie ist eher ein Überbleibsel einer komisch kalten Gesellschaft.

In Karlsfeld steigen dann zwei Frauen zu, die quasi hinter mir sitzen. Ich sehe sie nicht, aber dafür höre ich die eine umso lauter. Sie blökt durch die ganze Bahn, wie sehr es hier stinke, was ja wieder typisch sei. Wenn die Bahn aus Dachau käme, könnte man meinen, sie käme sofort aus dem Schweinestall. Die Bahn startet in Altomünster, aber da sieht man, wie klein ihr Horizont ist. Weiter hinaus zu denken, schafft sie nicht. Dann kommt ihr der rettende Gedanke: „Das ist dieser Stinkekäse, oder?“ Ich frage mich noch, wie man den Brückenschlag vom Schweinestall zu Stinkekäse hinbekommt und stelle mir vor, wie diese olle Trutsche versucht, Schweine zu melken. Ein Bild für die Götter.

Dann geht eine Frau mit Taschentuchpäckchen durch die Bahn und legt sie mit einem Zettel aus. Es ist das Übliche, sie will sie für ihre kranken Eltern/Kinder usw. verkaufen. Die andere Frau wagt es, den Zettel zu lesen und sagt dann: „Oh, hier steht: ‚Gott segne Sie!'“. Die Keifkuh kriegt Schnappatmung. „Leg das weg! Sofort! Guck aus dem Fenster! Ignorier das! LOS!“ Ob sie befürchtet, von dem Zettel Typhus zu bekommen??? Ich weiß es nicht. Sie wettert wieder los. Das sei wieder so typisch. Es stinke immer, dann würden diese Menschen auch noch durch die Bahn laufen. Ich bin wirklich entrüstet, dass ich keine Eilmeldung erhalten hab, dass die Königin von Saba heute in der S-Bahn zu reisen geruht. Sonst hätte ich natürlich und selbstverständlich nicht dieselbe Bahn ausgewählt – aus Ehrerbietung, natürlich!

Ich kann solche Menschen immer weniger verstehen und muss mich immer stärker zurücknehmen, sie nicht bloßzustellen.

Am Stachus steige ich aus und werde prompt angesprochen – erst auf Französisch, dann auf Englisch. Der junge Mann will kein Geld, sondern einen Kaffee von Mäckes. Ok. Die Sonne scheint. Aus Kaffee wird dann ein Kaffee und was zu essen. Ich schaue ihn an und er fragt: „Fifty-fifty?“ Watt Fifty? Shades of Grey oder was? Sein Fifty der 3,99 sind 20 Cent in Rotgeld. Zählen kann er wohl nicht. Der Mäckes-Mitarbeiter schaut mich verwirrt an. Ich lege vier Euro hin, sage noch, er solle ihm das Wechselgeld geben, bevor ich dann schnell verschwinde. Die Sonne scheint – wer weiß, was er mir sonst noch alles aus dem Kreuz leitert?

In den Läden lerne ich wieder mal alle Abstufungen der Höflichkeit kennen, was mich ein wenig desillusioniert. Den Gipfel erreiche ich auf dem Viktualienmarkt: Mein geliebter Holunderstandl existiert nicht mehr. Ich war wohl zu lange weg.

Die Saftbar gibt es Gottseidank noch, also fahre ich gestärkt heim. Die Bahn ist proppevoll… Und genau gegenüber sitzt die Jogginghose. Ach, so eine Jogginghose ist aber auch eine Arschkuh. Da hängt ja alles und liegt nie günstig, warum der Bursche sich dauernd vergewissern muss, ob sein kleiner Schnulli noch vorhanden ist. Das wäre aber auch ein Schock, wenn der sich einfach mal so verabschieden würde. Tut er aber nicht – alle 42 Mal in 25 Minuten. Ich bin froh, dass alles immer wieder am Platz ist.

Echt? Warum fahre ich auch samstags bei schönem Wetter nach München? Da haben irgendwie alle Freigang. Ich auch.

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