Amiland, ich komme! Jo, Alaaaaaaaf, sag ich mal. Die S-Bahn ist nicht wirklich pünktlich, aber alles klappt. Ich fahre bei Sonnenschein los, also ist alles bong. Beim Gepäck Aufgeben kann ich durchmarschieren! Hammer! Und dann darf ich den Express-Shuttle ausprobieren. Was bin ich nur für ein Glücksschwein?! Aber ich will nichts beschreien.

Ich sitze ganz hinten, Reihe 64. Hab ich so ausgewählt, weil meist vorne besetzt wird und bei Nichtvollauslastung hinten eher die Chance auf freien Sitz nebenan ist. Ich hoffe bis zuletzt, aber dann kommt doch noch einer angeschlurft. Der will sich in die letzte Mittelreihe setzen, die komplett frei ist. Aber da hat er die Rechnung ohne die etwas pampige Stewardess gemacht. Die brauchen die kompletten vier Sitze für ihren Kram. Da frag ich mich dann schon, warum sie schon ein komplettes Fach mit ihrem Kram vollgestopft haben und im Fach über mir 2 Warnwesten liegen, die auf keinen Fall gestört werden dürfen? Mein Zeugs flaggt drei Fächer weiter vorn.

Der Flug ist ok, aber schlafen kann ich nicht. Meist geht das, heute nicht. Also schaue ich mir den Queen-Film an und verstehe, warum der Hauptdarsteller einen Oscar erhalten hat. Vor mir sitzt eine komische Familie. Der Mann macht mir Angst. Später trägt er eine Chicago Bulls Jacke, was zu ihm passt: ein stiernackiger Bulle. Er strahlt diese unterschwellige Aggressivität aus. Das zeigt sich dann auch später, als er seiner Frau die Handtasche wegreißt, weil sie nicht schnell genug die Pässe findet… oder als er der einen seiner beiden Töchter die Haare ruppig ausbürstet, weil sie zu zögerlich ist. Und dazu trinkt er Whiskey. Sympathisches Scheißerchen.

Und dann sehe ich, dass es kleine Baileysflaschen gibt und denke: Och, ist doch fast schon Karneval. Dann geht doch eins. Es schmeckt auch. Und so komme ich mir neben all den Wein trinkenden, Whiskey oder andere Shots schlürfende Mitfliegenden auch nicht so exotisch vor.

In Toronto schneit es, was dann auch die leichten Turbulenzen erklärt, als wir die Wolken durchfliegen. -11 Grad. Hossa. Und ich fliege anschließend ins heiße Florida. Puuh… die Welt macht schon Spaß.

So, und dann geht der Spaß erst richtig los. An der Sicherheitsschleuse müssen alle die Schuhe ausziehen. In Deutschland war alles chic, hier piepe ich. Die nette Dame tastet mich ab und kommt dann mit so einem Ding an, dass ich denke, ich bin beim Frauenarzt. Aber nein, sie will nichts einführen, sondern vermutlich auf Sprengstoff überprüfen. Dann darf ich passieren.

Und dann kommt der noch größere Spaß. Ich stehe an so einem doofen Gerät, wo ich den Pass einscannen muss. Dann sollen Fingerabdrücke genommen werden. Ja, versucht Ihr mal, alle fünf gleichzeitig richtig zu positionieren. Direkt danach folgt ein Foto. Häää? Jo, so gucke ich dann leider auch. Jetzt könnte ich noch einen oder zwei Baileys vertragen. Ausgespuckt wird ein Papier, das durchkreuzt ist. Nächster Automat, der mir mitteilt, ich muss in den Wartebereich. Dann erscheint mein Name, und ich darf weitergehen. Jetzt komme ich zur US-Kontrolle. Ich muss die Fingerscans wiederholen… erst die vier einer Hand, dann den Daumen. Ach so!!! Ich sag dem Bediensteten noch, ich sei zu dumm. Er schüttelt den Kopf, die Maschinen würden oft spinnen. „Trust me, I am too stupid but maybe because I’m sooooo tired.“ Er schenkt mir ein Lächeln. Und jetzt noch ein Foto – ohne Brille bitte. Genau so muss man mit mir reden. Dann verstehe ich das auch.

Und dann sage ich dem Mann am Schalter, dass er echt sehr nett sei. Er bedankt sich. Ich erkläre ihm noch, dass es immer heiße, die seien alle so ernst und würden immer grimmig schauen. Er lächelt und sagt: „Some do so, some don’t.“ „So, I’m just a lucky one?“ Er nickt. Ich hoffe, sein Pendant in Fort Myers wird so sein wie er.

Jetzt warte ich noch die Verspätung ab, bevor ich dann nachher nur noch tot ins Bett fallen werde. Also: Alles gut und immer noch Alaaf! Gut, ich durfte gerade dabei zuschauen, wie sich ein kleines Kind in Rage geschrien und dann einfach seinen Vater vollgekotzt hat, aber hey: Es hat ihn getroffen, nicht mich. Und das weckt Karnevalserinnerungen an so ziemlich jedes Jahr – nicht selbst durchlebt, sondern immer mal wieder Zeuge. Passt also irgendwie.

 

 

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