Zuerst wollten wir zur Whitney Plantage, aber die war komplett ausgebucht. Pffff… gut, man hätte drauf kommen können, dass nach Mardi Gras Hochkonjunktur bei allen Ausflugszielen drumherum sein wird, aber hey, wir haben nicht darüber nachgedacht. Insgesamt wollen wir uns drei Plantagen anschauen. Kurzerhand finden wie dann die Evergreen Plantation und buchen diese auch noch am Abend vorab.

Diese Buchung erweist sich als Gold, denn wir sind die einzigen auf der ersten Tour. Hallo??? Das kostet normalerweise 200 $ extra. So erhalten wir eine Exklusivtour von Desiree. Irgenwie erinnert sie mich an Whoopi Goldberg auf Speed. Und dabei redet sie so schnell, dass ich zwischendurch komplett aussteige. Klaro höre ich hin, als sie fragt, ob wir „Django Unchained“ gesehen hätten, was ich begeistert bestätige. Teile davon wurden hier gedreht. Ich bin begeistert.

Die komplette Plantage ist noch sehr ursprünglich gehalten. Das Haus sieht wunderschön und groß aus. Dabei soll es nur groß wirken. Tatsächlich gibt es nur drei Räume nebeneinander. Drumherum verläuft eine Veranda. Wer auf dem Mississippi entlangschippert, vermutet ein riesiges Herrenhaus. Nur kostet das Unmengen an Steuern. Der Spruch „mehr Schein als Sein“ bekommt hier eine klare Bedeutung.

Die Besitzer sind Deutsche, die – entgegen unserer Annahme – wohl gute Besitzer waren. Sie hatten zwar Sklaven, aber sie waren sich darüber im Klaren, dass sie sie gut behandeln mussten. Immerhin, so ihre Devise, besaßen die Sklaven in der Küche Messer, schürten Feuer im Ofen, das sie leicht im Haus hätten legen können, und außerdem hüteten sie die Kinder. Einer der Besitzer lebte sogar mit einer Schwarzen zusammen, die er zur freien Sklavin ernannte. Ihre vier gemeinsamen Kinder waren ebenfalls frei. Natürlich gab es auch eine weiße Frau, aber beide Damen hatten ihre eigenen Räumlichkeiten. Es galt ihr eigenes Recht, da sie „ab vom Schuss“ lebten. Somit war die Devise klar: Wo kein Kläger, da kein Richter.

In alten Listen ist enthalten, wie viel die Sklaven wert waren. Auf der Evergreen Plantage standen nicht nur das Alter und der Wert der Sklaven, sondern auch ihre Fähigkeiten und ihr Grad der Vertrauenswürdigkeit. Das sagte einiges über die Beziehung aus. Eine weiße Tochter heiratete zum Beispiel auch einen Sklaven, ohne für einen Skandal zu sorgen.

Desiree wird nicht müde zu betonen, dass in den Filmen nur Schwarz-Weiß-Malerei betrieben würde, was zwar für gute Verkaufszahlen sorgen würde, aber selten die Realität widerspiegele. Ein bisschen überrascht sind wir schon. Es klingt etwas zu sehr nach Verharmlosung. Ausnahmen mag es gegeben haben, aber die Sklaverei wird alles andere als harmlos gewesen sein.

Desiree umarmt uns zum Schluss und sagt, wir gehörten nun zur Familie und könnten immer wieder herkommen, ohne erneut zahlen zu müssen. Irgendwie süß.

Danach besuchen wir Oak Alley, wo uns ein völlig anderes Bild erwartet. Hier ist alles anders und touristischer aufgezogen. Die Wege sind asphaltiert, alles wirkt akkurat und sauber. Und die Geschichte hier ist eine völlig andere. Die Sklaven wurden schlecht behandelt. Ein Arzt, der unter anderem für die Plantage zuständig war, war bekannt für seine Amputationen. Solange der Patient überlebte, war es erfolgreich. Eine Auflistung der Sklavennamen soll daran erinnern, wer für den eigentlichen Erfolg der Plantage verantwortlich war.

Das Anwesen ist pompöser und zugleich kälter. Die Familie war französisch. Drei der sechs Kinder starben vor dem 12. Lebensjahr – zwei an Gelbfieber, eins an Tuberkulose. Der Mann verstarb bald darauf, so dass die Witwe alles regeln musste – was sie jedoch nie gelernt hatte. Von seiner Verwandtschaft wollte sie keine Hilfe und schaffte es, innerhalb weniger Jahre alles herunterzuwirtschaften. Das riesige Anwesen wechselt einige Male die Besitzer, bis ein reiches texanisches Paar – sie durch Rinder, er durch Baumwolle – alles übernimmt und letztendlich eine Stiftung einrichtet, damit die Farm heute für alle zugänglich ist und die Geschichte nicht verloren gehen kann.

Die Anlage ist gut erhalten, aber es gruselt mich schon ein wenig dort. Ich glaube nicht an Feng Shui, aber Orte, wo Gräuel passiert sind, haben etwas Schweres an sich. Einzig die wunderschönen alten Eichen, die die Allee säumen, wirken beruhigend.

Als letzte Plantage steuern wir die Houmas Plantation an. Und schon erleben wir den nächsten Kontrast. Es ist alles sehr verspielt und verschnörkelt. Der heutige Besitzer ist leider der Sammelleidenschaft verfallen. Und so sieht es dann leider auch aus. Alte, schöne Statuen stehen hier zusammen mit modernem Kitsch in der riesigen Gartenanlage. Beeindruckend sind eine 500 und eine 600 Jahre alte Eiche. Oh man… wenn diese Bäume reden könnten!

Im Haus ist es auch überladen, allerdings mit vielen gut erhaltenen Stücken aus der alten Zeit.

Bette Davis hatte hier sogar ein eigenes Zimmer, als sie für einen Hitchcock Film dort drehte. Auch Olivia de Havilland, die als Melanie Hamilton aus „Vom Winde verweht“ bekannt ist, hat dort gedreht und ist mit einem Foto verewigt. Die Gute ist heute 102 Jahre alt und lebt in Frankreich. Die Houmas Plantage diente (und vermutlich immer noch) für viele Filme und Serien als Drehort, was nur zu verständlich ist.

Trotzdem war die erste Plantage durch ihre Ursprünglichkeit wohl die nachhaltigste. Komischerweise zählt sie nicht so sehr zu den großen Touristenattraktionen, was mir gerade so gut gefällt.

Die Gründungszeit von Louisiana klingt gar nicht düster. Hier lebten Deutsche, Franzosen, Briten und Westafrikaner friedlich miteinander und suchten ihr Glück. Später kamen dann die Spanier hinzu, die das ganze Gemenge dann zum Kippen brachten. Schon eigenartig, wie sich Geschichte immer zu wiederholen scheint. Hoffentlich nicht noch einmal…

 

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