Today I’m prepared. Beim ersten Mal war ich noch unsicher, zum Strand zu fahren. Heute läuft es dagegen routinierter ab. Ich schau vorher nach, ob der Bus pünktlich ist (ist er nicht) und gehe echt auf den letzten Drücker zur Haltestelle. Aber es funktioniert.
Den Bus nutzen echt nur ein paar Touristen oder ärmere Menschen. Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Ich muss auf dem Heimweg eine vierspurige Straße (ohne die Abbiegerspur mitzuzählen) überqueren. Weit und breit ist keine Ampel… und die Autos dürfen da heizen. Pfff, das ist schon nicht sooo lustig.

Auf Deutschland freue ich mich nur mäßig. Sturmböen, nachdem wir hier über 30 Grad haben, hören sich wenig einladend an. Andererseits freue ich mich auf guten Kaffee, Körnerbrot und mein Bett. Aber ich könnte es durchaus länger hier aushalten. Nur hierherziehen, würde ich nicht. Die Absicherung, das Gesundheitswesen und die allgemeine Sicherheit gefallen mir in Deutschland besser… auch wenn mir Nationalstolz völlig abgeht – im Gegensatz zu den Amis.

Deutschland genießt – wie ich immer wieder feststellen darf – meist einen hervorragenden Ruf in der Welt – so auch in den Staaten. Und ich treffe einige, die schon einmal Deutschland besucht oder gar dort gelebt haben. Und alle schwärmen davon, was mich stets überrascht. Am witzigsten war die Frau, die uns durch das Houmas House geführt hat. Sie kam aus der Nähe von Paris, hat längere Zeit in Freiburg gelebt und hat nun einen Ami geheiratet, mit dem sie seit 2 Jahren in Louisiana lebt. Und was vermisst sie? „German Brötchen, German Schnitzel und Maultaschen“. Hää???? Was ist mit Frankreich? Baguette oder Croissant? Nein, nichts kann mit den Brötchen, Schnitzeln oder Maultaschen mithalten.

Heute denke ich, einfach nur die Busfahrt über zu schreiben, aber die Rechnung mache ich ohne Chuck (Charles) Belts aus Ohio. Er steigt eine Haltestelle nach mir ein und redet mit mir. Er ist ein süßer alter Mann… das sind sie hier ja fast alle. Und am Ende bedankt er sich für das tolle Gespräch und will unbedingt mal Deutschland besuchen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie freundlich und höflich die Menschen hier sind. Klar gibt es auch Proleten. 5 College Jungen fahren mit und tragen nur Shorts. Das brauche ich echt nicht. Aber sie sind halt jung.

Ich laufe also los zum Pier und komme nicht weit. Ein Mann angelt hier und ich will sehen, was er so fängt. Es sind nur zwei kleine Fische, die er wieder zurückwirft, aber schon reden wir. Er war 15 Jahre in Deutschland und schwärmt nur davon. Viele Freunde leben dort, die er unbedingt wieder besuchen muss. Wir quatschen und quatschen, er erzählt, wie er seinerzeit in Monte Carlo an einem Pool Turmspringen betrieben hat. Es waren mehrere Militärs dort. Bis plötzlich zwei Mädels ankommen, die ihre Tops ausziehen. Mittlerweile gab es 500 Zuschauer, die dem Turmspringen zusahen, aber Toms Konzentration war mit einem Mal weg. Mädels oben ohne! Er landete mit dem Rücken auf dem Wasser – schmerzhaft, aber hey, da waren zwei „topless girls next to me!!!“ Das verbinden die Amis mit Europa und eben sehr stark auch mit Deutschland. Schon lustig. Als wären wir alle Nudisten!

Irgenwann wird Tom sehnsüchtig. Er will wieder nach Deutschland. Aber seine Frau ist das komplette Gegenteil von ihm. Noch ist sein Sohn erst 9 Jahre alt, aber wenn er größer ist, wird er gehen. Das macht mich schon traurig. Ich sage ihm, er müsse sein Leben leben und genießen, denn es gäb nur dieses eine. Er nickt und bedankt sich für all die schönen Erinnerungen, die ich geweckt hätte. Wenn er nur allein hier wäre, würde er mich sooo gern zum Lunch einladen. Uups! Nein, das ist kein Flirten oder sonst was. Es ist einfach nett. Trotzdem… seine Frau mag es nicht, fremde Menschen kennenzulernen. Ich kann das so gar nicht verstehen und finde es schlimm, wenn man sich an Menschen bindet, die gar nicht zu einem passen. Leider passiert das ja viel zu häufig und man verschwendet so viele Jahre.

Ich sehe ein Kind, und dann höre ich es mit einem Pelikan im Wasser sprechen: „Hey Mr. Pelican, did you meet any alligators?“ Kinder sind einfach der Hammer. Sie sind so unkompliziert und kommen sich nicht blöd dabei vor, einen Pelikan anzuquatschen. Erwachsene würde man als plemplem bezeichnen.

In einem Laden spricht mich eine Frau an, die mit ihren Mädels Klamotten shoppt. Sie ist für meinen Geschmack etwas drüber, aber ok. Wir plaudern, bis ich irgendwann sage, dass ich ja Touristin sei. Ach ja, sie auch – allerdings aus den Staaten. Ich nicht. Aaaah, wie interessant. Woher denn? Deutschland. Und dann senkt sie die Stimme zu einem vertraulichen Ton: Ob es was mit mir machen würde, dass alle Leute bei Deutschland immer gleich an Hitler denken müssten? Äääääh…. Nein. Ob es ihr was ausmachen würde, dass man bei Amerika immer gleich an die vielen abgeschlachteten Indianer denken müsste? Ääääh… Nein. Aber das wäre eine coole Reaktion meinerseits. Finde ich auch… und sie finde ich einfach etwas dumm und bin froh, bislang nettere Amis kennengelernt zu haben.

Ich gehe ein bisschen spazieren, nehme das kostenlose offene Büschen und denke an Keith. Als wir an der Bücherei halten, steht er genau dort. Ich winke ihm, und er begrüßt mich strahlend. Oh man, er hat echt noch weniger Zähne als die Busfahrerin. Und trotzdem ist es toll, ihn wiederzusehen. Er ist müde und fährt nur ein kurzes Stück mit. Die Frau hinter uns wird mit einbezogen in unsere Unterhaltung, was völlig normal scheint. Dazu weht heute ein wunderbarer Wind, und ich bin einfach zufrieden mit meinem Leben. Auch mal schön, oder? Ich mag es so. Keine Ahnung, woher ich das Gen habe, einfach mit anderen ins Gespräch zu kommen? Nicht von meiner Familie, so viel steht fest. Egal. Ich nehme das Geschenk einfach gern an.

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