Ich bin im Eimer. Ernsthaft. Die Füße tun weh… und ne doofe Blase hab ich auch schon entdeckt. Tut datt Not? Nee… ganz sicher nicht.

Aber zurück auf Anfang. Wir – meine Sis und ich – wollten mal wieder was allein unternehmen. Ein paar Tage Urlaub, aber wohin? Ich hätte gut Griechenland oder Spanien machen können… auch Irland oder so was. Nö. Der Walchensee soll schön sein. Isser auch, keine Frage. Die Farbe ist fast schon lächerlich. Ich kann mich nicht satt sehen daran.

Jetzt ist so ein See für mich ja schon Highlight genug. Aber es gibt ja auch Berge. Die sehen toll aus, aber… Ich bin kein Wanderer. Es soll aber eine Seilbahn geben. Ok, dann ausnahmsweise also hinauf. Die nette Frau vom Angel- und Souvenirladen gegenüber, die uns einen Rucksack verkauft (wenn Weiber beim Packen ratschen, vergessen sie halt mal was), sagt noch, es sei besser, hinaufzulaufen und dann eben runterzufahren. Klar, Mäuselein, Du mich auch. Rauf laufen. Ich glaube, es hackt!!! Wir fahren rauf, aber runter gehen wir dann. Zum Gipfel dauert es von der Station aus eine halbe Stunde. Sie sieht meinen Blick. Ok, dann eben 45 Minuten für nicht so Geübte. Süß. „Also eine Stunde für mich.“ Immerhin findet sie mich lustig.

Der Blick ins Tal ist echt der Hammer. Reicht mir schon völlig aus. Jetzt ein Käffchen, dann wäre ich bereits glücklich. Aber nix da. Der doofe Gipfel will bezwungen werden.

Ich quäle mich und denke, eine Stunde Qual ist ja nicht soooo lang. Dann kommt die Phase, in der ich alles und jeden hasse. Ich könnte alle vom Berg ganz einfach runterschubsen. Die nächste Phase ist die des Selbstmitleids und inneren Jammerns. Dann könnte ich mich hinsetzen und den Berg anheulen. Meine Schwester ruft noch: „Da ist schon das Kreuz!“ Und ich denke nur: „Nagel mich ruhig dran. Schlimmer kann’s nicht mehr werden.“ Aber ich hab es tatsächlich schon erreicht. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich eine harte Sau sein muss, denn es hat tatsächlich nur 30 Minuten gedauert. Krass. Ja, durchlebt mal alle Phasen in so kurzer Zeit!!! Das ist nicht lustig.

Oben reden wir mit Schwaben – auch über Dialekte. Ich mag ja alle, was ich auch kundtue. Sogar sächsisch, auch wenn es nicht sexy klingt. Als wir von der Schutzhütte absteigen, höre ich dann genau diesen Dialekt und hab meine liebe Müh, nicht einzunässen. Nee, watt herrlisch.

Auf der Alm gibt es dann leckeren Käsekuchen – OHNE Rosinen. Ich liebe den Kellner. Statt Rosinen im Kuchen, gibt es dafür aber Fränkisch aufs Öhrchen. Neben uns sitzen zwei Kulmbacher. Woher ich das weiß? Ich hab sie angesprochen, woher aus Franken sie denn kämen. Wir haben dann über die Bierwoche philosophiert. 8 Maß hat der eine mal geschafft. Da wäre es ihm schon schwergefallen, nach Hause zu finden. Bei der Hälfte dieser Biermenge hätte ich nichts mehr finden müssen, sondern mich einfach auf die Sanitäter verlassen, die mich davon hätten tragen müssen. Aber mei, so sans halt, die Franggn.

Gestärkt und frohen Mutes, weil ich den Gipfel rauf und runter ohne zu sterben geschafft hab, geht es dann ins Tal. Allmächt! Ich möchte von den Kulmbachern von vorhin getragen werden. Es ist anstrengend… viel krasser als die halbe Stunde Aufstieg und wieder zurück. Es dauert 1 3/4 h Stunde ins Tal. Es ist abartig. Anders kann ich es nicht in Worte fassen. Krasser Scheiß. Und als ich schon denk, dass ich auf den Arm will, kommt mir eine Frau entgegen, die joggt. Die JOGGT!!!! Meine Schwester läuft vor und zieht schon vorsorglich die Schultern hoch, weil sie weiß, was kommt. „Das ist doch jetzt nicht Dein Ernst?! Joggst Du????“ Strahlendes Lächeln und: „Ja. Danke!“ Letzteres, weil ich ihr aus dem Weg gegangen bin, damit sie durchlaufen kann. Hallo?! Wer hat der denn ins Hirn geschissen? Die joggt! Ich fasse es nicht. Ich vermute eine Lobotomie… oder ganz krasse Medikamente. Es kommen uns Leute mit hochrotem Kopf entgegen, die schnaufen. Und die Alte joggt!

Später kommt so ein Halbstarker an uns vorbeigelaufen, der auch nen Pfeil im Kopf haben muss, aber bergan zu joggen, finde ich immer noch bekloppter. Irgendwann überholt die Jogging-Trutsche von vorhin mich dann beim Abstieg, weil sie wohl abbrechen musste. Ihre Knie sind etwas blutig von  einem kleinen Sturz. Das böse, kleine Scheißerchen in mir begehrt auf und will rufen: „Siehste jetzt ein, wie Scheiße das war?!“ Aber ich ringe es nieder. Sie ist ja schon gefallen. Des langt.

Weiter unten biege ich um die Ecke und erwarte den Anblick meiner Schwester. Ca. eine Sekunde lang denke ich noch, wieso die oben blank gezogen hat, aber dann registriere ich, dass das ein Mann ist. Ein anderer sitzt noch bekleidet daneben. Ich erkläre den beiden meinen Schock, die meine Sis gern blankziehen sehen wollen, aber die trabt ja schon voraus. Schade, schade, finden die Jungs. 6

Da sieht man mal, welche Illusionen und Phantasiebilder entstehen, wenn man solche Grenzerfahrungen macht wie Bergsteigen. Tse, so was ist echt gefährlich. Ich glaube, das lasse ich zukünftig wieder bleiben.

In diesem Sinne: Bleibt im Tal oder maximal auf Sessellifthöhe. Da ist es auch schön, und nur hin und wieder zieht einer blank. 20190617_140250

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