Es ist mal wieder Samstag. Herrlich. Und dazu dann draußen dieses Wetter mit viel Wind. Ich liiiiebe diese Jahreszeit. Ich weiß, die meisten fangen jetzt schon mal an, ihre Winterdepression zu pflegen, aber bei mir geht es gerade erst im positiven Sinne los.

Dabei war diese Woche schon eine kleine Achterbahnfahrt. Im Grunde ist alles gut. Aber kennt Ihr das? Dieses Gefühl, wenn Du plötzlich etwas angeboten bekommst, ohne danach gefragt zu haben? Ohne es auf dem Schirm gehabt zu haben? Und dann steht man da wie ein Kind im Süßwarenladen und weiß vor lauter Bonbons nicht, was zu tun ist. Genauso ist es mir ergangen. Statt mich zu freuen, habe ich Magenschmerzen bekommen. Warum? Na, wenn ich mich für das Eine entscheide, entscheide ich mich damit automatisch gegen das Andere. Ist das nicht immer so? Wir wollen alles, aber bitte ohne Risiken und Nebenwirkungen…ohne Konsequenzen. Einfach so. Aber einfach so ist das Leben nicht.

Jetzt könnte man locker entgegen: Luxusprobleme. Ja. So nennt man das wohl. Trotzdem ging es mir damit nicht juchu. Ich musste erst meine Gedanken wälzen. Die Sorge, andere zu enttäuschen, wird dann auf einmal übergroß und mutiert zum Hemmschuh. Gottseidank gibt es dann penetrante Menschen, die nicht zulassen, dass ich zu lange nachdenke. Daher ist der Stein nun ins Rollen gebracht. Puh. Und auf einmal fühle ich mich wieder frei und denke: „Et kütt ja wie et kütt.“ Es ist eigentlich ganz einfach: Ich muss nur Vertrauen haben, dass alles gut wird.

Und wenn ich in diesem Vertrauen bin, ist alles wieder im Fluss. Dann fallen mir all die schönen Dinge da draußen auf. Zum Beispiel die Sprayer an der Brücke um die Ecke. Auf meinem Rückweg vom Altenheim habe ich den Trupp von ca. acht Leuten entdeckt. Mein erster Gedanke: „Wie kann man nur so geduldig sein, so eine ganze Wand in Ruhe zu besprayen?“ Mein zweiter Gedanke: „Gut, ich könnte auch Farbe an diese Wände schmieren, aber niemals sähe das schön aus.“ Begeistert bleibe ich stehen und quatsche den ersten Sprayer an. Der spricht leider kein Deutsch, strahlt aber so ein 1000 Watt Strahlen. Er bietet mir Englisch, Französisch oder Spanisch an.

Und so kommen wir ins Plaudern. Er wurde adoptiert und ist somit in Frankreich aufgewachsen. Ursprünglich kommt er – wieso wundert mich das nicht – aus Kolumbien. HALLO??? Egal, wo – Kolumbianer haben einfach ein wahnsinnig herzliches Wesen, ein strahlendes Lächeln und irgendwas Besonderes. Und plötzlich kommen wir auf Peru zu sprechen. Er fragt sofort, ob ich Ollantaytambo besucht hätte. Bums, mitten ins Herz. Ich gestehe ihm, wie ich da hätte weinen müssen, so ergriffen wie ich von dem Anblick gewesen sei. Er nickt bestätigend und strahlt. Es ist so einfach, mit ihm zu reden. Es gibt einfach Menschen, bei denen passt es auf Anhieb. Herrlich.

Heute Abend gibt es ein kleines Festival – keine 300 Meter von meiner Wohnung entfernt. Ich solle doch vorbeikommen. Es wird Musik gemacht, es gibt Essen und Trinken, und alle seien willkommen. Der ganze Trupp reist quasi dauernd durch die Welt, hält da, wo sie was machen wollen und tauchen somit immer sofort ins Leben ein. In Südamerika hat er auch in armen, gefährlichen Gegenden gearbeitet. Interessanterweise sind diese Menschen, die so gefürchtet sind, glücklich, dass Menschen – wie Raphael – Farbe in ihr Leben bringen. Nirgendwo hatten sie bislang Probleme, sondern wurden überall willkommen geheißen. Sie vertrauen darauf, dass Farbe und Kunst alle Menschen verbindet.

Und da ist es wieder: Vertrauen. Es tut gut, solchen Menschen zu begegnen. Ich hätte gerne immer mehr davon. Vermutlich muss ich aber nur die Augen offen halten und offen sein. Dann klappt der Rest ganz von allein. Heute Abend will ich rübergehen und diese Menschen noch etwas genießen, bevor sie dann wieder weiterziehen – voller Vertrauen und Farbe im Gepäck.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s