Vorweihnachtszeit… herrlich. Dazu ist es knackig kalt, obwohl wir dann vermutlich Weihnachten bei 13 Grad schwitzen, aber juut. Wir nehmen das Wetter, wie es kommt.

Dieses Jahr ist es wie immer: Weihnachten kommt urplötzlich… und dazu auch noch das Ende des Jahres. Ich werd nicht mehr! Irgendwer veräppelt uns doch dieses Jahr kräftig, dass beide Feste auf einmal so nah beieinander liegen. Ehrlich: Kennt Ihr das? Jedes Jahr bricht in der Arbeit die Hektik aus, als würde sich die Millenniumsangst wiederholen – es könnten ja alle Rechner abrauchen, sämtliche wichtigen Dinge verloren gehen und – wenn wir uns ganz tief in die Augen schauen – ja, auch einfach die Welt untergehen. Allein in dieser Woche sind drei meiner Termine kurzfristig geplatzt, weil etwas Weltbewegendes, ganz und gar Hyperwichtiges reingekommen ist. Aber wir regeln das noch dieses Jahr, oder? Vielleicht am 23.? Ääääh….Nö. Am 23.12. geht mir die Arbeit dann einfach auch mal hyperwichtig am Pöppes vorbei.

Aber zurück zum Schönen der Vorweihnachtszeit: Weihnachtsmärkte. Da gibt es ja alles – von kitschig bis alternativ über klassisch. Wir gehen mit ein paar Kollegen zum Tollwood. Es ist zwar kein Geheimtipp mehr, aber immer noch allemal besser als das Etwas in der Innenstadt.

Da es fies kalt ist, steuern wir ein Essenszelt an. Meine Kollegin ruft noch, dass sie auch einen weiteren Stuhl gefunden haben, so dass ich zur Gruppe stoße, während ein Typ am Nachbartisch: „Hey Claudia, schön, dass Du da bist!“ trällert. Hä? Kenn ich nicht. Aber dann fällt’s mir ein, dass meine Kollegin meinen Namen gerufen hat. Tom – so heißt er – gibt uns dann später einen aus, auch wenn er entsetzt ist, dass wir Rhabarberschorle trinken statt Bier. Mei, er sollte sich unserer Wahl besser anschließen, da er schon ömm ist, aber das wird ihm spätestens morgen dämmern.

Wir sind hungrig und suchen uns was zu essen. Meine Kollegin und ich stellen uns nichts ahnend beim Mexikaner an. Fajita oder Burrito? Und dann begeht meine Kollegin einen folgenschweren Fehler: „Ich nehme einfach den mit Hackfleisch.“ Oh oh oh… wie konnte sie nur?! Die Bedienung kackt sie an, dass es im ganzen Zelt kein Fleisch gäbe. Wir sind also von lauter Gutmenschen umgeben und outen uns gerade als asoziales Pack. So langsam verstehe ich, dass ich nun quasi zur Raucher-Fraktion gehöre. Als Fleischesser ist man nun auch böse, Abschaum und Teufelsbrut. Meine Kollegin murmelt schuldbewusst: „Ich nehme das Kleinere.“  Sie kriegt es rübergereicht und begeht den nächsten Fauxpas: „Kann ich einen Teller dazu haben?“ Wieder trifft sie der Greta-Blick (übrigens mein Highlight dieses Jahres – der Greta-Thunberg-ich-blende-Dich-Blick). „Da gibt es keinen Teller zu! Sonst müssen Sie Pfand zahlen!“ Dazu ist meine Kollegin gewillt. Ich stelle mir gerade so ein armes Porzellantier vor, das eigens dafür geschlachtet werden musste. Oh je… die Welt wird vermutlich doch untergehen. Vielleicht sollte ich am 23. vorsichtshalber doch arbeiten?

Der eigentliche Grund unseres Tollwood-Besuchs ist allerdings keine Schorle, kein Glühwein oder das Essen mit perfekt freundlicher Bedienung. Nein. Wir haben unserem Kollegen schon seit Wochen versprochen, dass wir ihm ein Piercing schenken. Um genau zu sein: ein Prinz-Albert-Piercing. Er darf jedoch auch ausweichen, indem nur der Sack gepierct wird. Wenn das kein generöses (nicht zu verwechseln mit Gonorrhö) Angebot unsererseits ist! Aber hallo! Und wir setzen noch einen drauf: Seine Frau darf natürlich ihre Wünsche diesbezüglich auch noch äußern. Wir sind also alle gespannt, wofür er sich entscheiden wird.

Das Beste an dem Stand ist, dass die Piercings an kleinen Plastiken möglichst naturgetreu angebracht sind. Faszinierend, wo man da überall Ringe und dergleichen reinhauen kann. Das größte Teil (nicht die plastische Nachbildung gemeint, sondern der Ring mit Stab) schaut so aus, als bräuchte Mann Übung, wenn er damit einen Ständer hinbekommen will.

Ich finde mich wahnsinnig großzügig, dass ich ihm das teuerste Piercing schenken will. Mein Kollege lehnt ab. Die nette Bedienung ist wesentlich kundenorientierter als die Bedienung am fleischlosen Mexikanerstand. Sie bietet an, dass das Piercing-Stechen sofort vorgenommen werden könnte. Er streikt immer noch. Na gut, dann vielleicht ein Tattoo? Ich schlage vor, sein bestes Stück mit dem Vornamen seiner Frau zu veredeln. Breit grinsend lehnt er ab: „Sind ja nur fünf Buchstaben… das verliert sich.“ Spontan sage ich, wir könnten es ja auf Schriftgröße 24 hochziehen. Das entlockt meinem Chef dann ein: „Nur 24? Da passt dann ja sogar bei mir noch die komplette Anschrift drauf.“ Müde lächelnd gähne ich und biete an, auch dafür zu zahlen.

Was soll ich sagen? Beide Herren kneifen. Alles Langweiler. Ich frage die nette Beraterin am Stand, wie viele sich denn hier tatsächlich ein Piercing stechen lassen? Es sind pro Saison doch immerhin ganze….ääääh…. eine Person. Na denn… befinden sich meine Kollegen ja doch in guter Gesellschaft.

Was jetzt Intim-Piercings mit Weihnachten bzw. Weihnachtsmärkten zu tun haben? Woher soll ich das wissen? Ich betreibe den Stand ja nicht. Aber lustig ist es schon… zum Gucken und Phantasieren zumindest.

In diesem Sinne: Haltet die Augen offen, dann entdeckt Ihr die verrücktesten Dinge. Viel Spaß dabei und ein kräftiges Ho-ho-ho!

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