Während meine Kollegin sich freut und freut und freut, mache ich…ääääh, ein langes Gesicht. Das wird nicht meine präferierte Art zu arbeiten. Ja, es ist fein, den eigenen und durchaus besseren Kaffee zu schlürfen, aber die Menschen gehen mir ab.

Jetzt kann man auch hier zu recht sagen: „Aber die Kollegen gehen einem dann auch nicht auf den Sack.“ Stimmt. Ist ein gutes Argument. Aber worüber soll ich jetzt bitte schön noch lachen? Mir gehen die Inspirationen aus. Täglich sehe ich Beispiele für Verhalten, wie ich es NICHT an den Tag legen wollen würde. Die entziehen sich mir jetzt komplett! Doch gut, ja, es ist durchaus nervenschonender.

Apropos nervenschonend: Ich saß heute Morgen schon früh an meinem Laptop. Ja, in allen Ratgebern liest/hört/sieht man, es sei wichtig, einen geregelten Ablauf im Home Office beizubehalten. Also starte ich meinen Laptop um 6:55 Uhr – geduscht und mit bereits fertigem Kaffee. Nutzt aber trotzdem nichts. Warum nicht? Weil ich keinen Zugriff auf den Server bekomme. Die interne Hotline war gestern nachmittag durchgängig besetzt von anderen Kollegen. Ich konnte also niemanden erreichen. Das Spiel ist in den frühen Morgenstunden leider aber auch wieder ein ähnliches. Aber dann…geht der Vorhang auf, das zarte Licht eines innerlich wärmenden Sonnenstrahls blendet mich fast: Es beantwortet einer meinen Anruf! Jo, da könnten sie nur ein Ticket öffnen. Gegen Mittag solle ich doch noch mal anrufen, ob es bis dahin jemand bearbeiten könnte. Falls ja, müsste ich dann zur Firma und meinen Laptop dort anschließen, damit die notwendigen Updates eingespielt werden könnten. Danach sollte es dann klappen. Auf meine Nachfrage, ob das sein Ernst sei, sagt der nette ITler, dass es ihm echt leid täte. Sie hätten quasi den Arsch voll Arbeit. Ich bedanke mich und frage mich gerade einmal mehr, wie gut die Digitalisierung in Deutschland so voranschreitet. Es gibt Schnecken, die uns locker schlagen würden. Was sage ich da? Alle Schnecken würden uns schlagen.

Irgendwann klappt es dann aber doch. Ich mache mich auf den Weg zur Arbeit und verbinde meinen Laptop mit dem Server. Natürlich sehe ich so gar nicht, was im Hintergrund passiert. Nach 20 Minuten rufe ich die Hotline an und frage nach, wie ich denn jetzt feststellen könnte, ob alles laufe. Der Typ am anderen Ende ist so ein Vorzeige-Honk. Um ihm direkt klar zu machen, wie wenig technikaffin ich sei, oute ich mich als: „Ich bin nur eine Frau, also weiß so gar nicht, was ich machen soll.“ Und dann fängt er auch schon an: „Sooooo, Sie wollen also alle begabten Kolleginnen mit Ihrem Urteil ebenfalls abstrafen?“ Oh Gott, ich habe einen Frauenversteher erwischt. „Äääääh, nein, ich korrigiere: Ich bin völlig dumm, habe keine Ahnung, bin total allein…und würde gerne arbeiten.“ Er faselt noch irgendwelches Zeug, redet dann tatsächlich mit mir wie mit einem Kindergartenkind (ok, vielleicht selbstverschuldet) und sagt nachher (wie der liebe Onkel Doktor): „Und? Hat doch gar nicht weh getan, oder?“ Ich lasse mich hinreißen: „Wenn Sie wüssten, wie sehr! Trotzdem: Danke.“ Und was soll ich sagen? Es läuft! Dazu das Beste: Die Straßen waren nahezu leer. Ein Träumchen. Ich weiß, das wird sich auch schnell wieder ändern, aber einfach mal so ohne Stop-and-Go zur Arbeit und zurück zu fahren, hat durchaus was.

Jetzt kann ich also arbeiten. Dazu zwitschert draußen ein Vögelchen, ich setze mir noch einen Pott Kaffee auf und haue in die Tasten. Nein, das hier macht nicht wirklich Freude…aber das tut es innerhalb der Firma ja auch nicht immer. Also: Brav weiter die Öhrchen steif halten und schauen, was da noch so auf mich/uns alle zukommen.

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