Es ist so tolles Wetter hier, dass man eigentlich gar keine trüben Gedanken aufkommen lassen kann… aber eben nur eigentlich. Die Nachrichten stürzen über uns herein und verkünden nichts Gutes. Ich dosiere meinen Wissensdrang bewusst. Klar, ich könnte minütlich Nachrichten und Beiträge konsumieren. Oder eben nicht. Ich mag gerade „oder eben nicht“.

Da ich heute offiziell frei habe, gehe ich spazieren. Mein Ziel ist wieder mal der Hofgarten in Dachau. Auf dem Weg dorthin kommt mir ein gelangweilt wirkender Vater mit seinem sehr kleinen Sprössling entgegen. Gut, dass der Vater genervt zu sein scheint, verstehe ich ja fast noch. Der Kleine ist noch sehr klein, vielleicht zwei bis drei Jahre alt? Da können sie schon noch nervig sein. Das hält aber auch nur noch bis schätzungsweise 30 an. Dann ist das Schlimmste überstanden.

Was ich persönlich – man möge mich dafür steinigen wollen – schrecklich finde, sind diese fahrenden Autos für Kinder. Ja, solche, wo die Rotzigen drin sitzen, selbst Gas geben und lenken. In so was sitzt der Kleine da. Mein Verständnis liegt ja bei -80 %. Ob der Kleine überhaupt laufen kann, wage ich zu bezweifeln. Sein Vater wirkt nach wie vor genervt… Ich aber langsam auch. Ich liebe Hindernislauf auf dem Bürgersteig, weil der Stöpsel nicht weiß, wohin er lenkt. Vor allem stehe ich auf diesen Hindernisparcour dann besonders, wenn der Vater auf gleicher Höhe mit mir ankommt und fett hustet. Nicht, wie Spahn es etwa vormacht. Nein, er hustet einfach völlig OHNE etwas vor den Mund zu nehmen. Toll. Das finde ich richtig herzig.

Nein, ich haue/ steche/ spucke nicht, sondern gehe weiter. Da kommt mir eine vierköpfige Familie entgegen. Ja, es ist ungemein wichtig, dass alle nebeneinander gehen. Wieso bin ich blöde Kuh auch in die andere Richtung unterwegs? Ich hab echt Verständnis, dass es mit Kindern gerade schwer ist. Aber es gibt auch noch andere Menschen auf dieser Welt. Klingt komisch, ist aber so.

In der Sonne ist es schön. Die Leute hier oben halten Abstand. Alles wirkt etwas ruhiger als sonst, aber es herrscht eine positive Athmosphäre. Doch irgendwann muss ich zurück. Und was mache ich Depp dann? Ich schaue aufs Arbeits-Handy. Dabei hab ich doch heute frei!

Die Mail der Assistentin rührt mein Herz ganz besonders.  Dabei handelt es sich um einen standardisierten Ablauf zur Meldung der Home Office Zeiten. Ja. Sehr wichtig. Es sollen nicht nur die Zeiten erfasst werden, zu denen man startet und endet sowie die Pausenzeiten. Nein, auch die Netto-Stunden sollen benannt werden – zusätzlich zum Wichtigsten: den Haupttätigkeiten. Nein, nein, nein, das soll kein Controlling sein! Zumal einer unserer Führungswerte „we create trust“ lautet. Und ja, wir waren auch vorher schon total agil und haben den Sinn von Home Office erkannt. Aber bitte maximal zwei Mal pro Monat. Und dann auch nur, wenn man im Nachhinein dem Chef dezidiert zeigt, was man als Ergebnis vorzuweisen hat. Vorher muss man natürlich ausführlich rechtfertigen, warum man das besser Zuhause machen kann.

Ich habe schlichtweg nie Home Office gemacht, weil ich Menschen um mich herum mag. Jetzt müssen wir alle, ob wir das möchten oder nicht… und müssen uns rechtfertigen. Ob ich als Haupttätigkeit einfach angebe: „sinnlose Überlegungen, welche Haupttätigkeiten ich nennen könnte“? Wer weiß, welche hirnverbrannten Ideen noch so generiert werden können. Ja, ich bin genervt. Dabei ist erst Tag 2. Zum Glück habe ich ausreichend Alkohol im Haus, sollte es ganz arg schlimm werden.

In diesem Sinne: Prost!

 

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