Ich sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Mei, wie oft habe ich mir das schon selbst gesagt? Und dann halte ich mich trotzdem nie daran. Ich bin eben unbelehrbar, wie es scheint. Jajaja, ich weiß, dass der ein oder andere gerade heftig nickt. Hoffentlich zieht Ihr Euch dabei keine Verspannung zu!

Warum ich von Dämpfern spreche? Es hat mehrere Gründe. Zunächst einmal fängt der Tag noch ganz ok an. Ich springe zwar nicht aus dem Bett, brauche aber auch nicht so lang wie die letzten Tage dafür. Kaffee passt, Chai Latte passt, soweit alles fein. Und dann ist die erste Besprechung des Tages. Die beginnt um 8:30 Uhr. Da wir nun drei Wochen Betriebsschließung starten, gibt es im Rückblick zu dieser Woche im Home Office und den kommenden Wochen (wo ja gar nix stattfindet!!!) eigentlich nicht viel zu sagen. Aber eben nur „eigentlich“. Ihr kennt Heinz nicht. Und meinen Chef eben auch nicht. Ok, und ich habe dann noch ein paar Kracher in diesem Team drin. Mein Chef kommt mit der Technik nicht zurande. Gut, jetzt muss man fairnesshalber schon sagen, dass er dazu auch nur die ganze Woche Zeit hatte, sich damit vertraut zu machen. Na schön, auch im Vorfeld haben wir schon mit der Technik gearbeitet, aber noch nicht sooo intensiv. Vielleicht hängt er gedanklich auch noch in Österreich auf der Skihütte fest? Man weiß es nicht.

Es geht an die Berichte der einzelnen Berater. Noch mal: Es gibt im Grunde echt nichts zu berichten. Und dann fängt Heinz an. Irgendwann stelle ich mir dann doch wieder vor, wie ich eine Lobotomie an ihm vornehme. Oder ich häng´ ihn über ein Wasserbecken, in dem hungrige Haie schwimmen und ritze seine Fußsohlen an? Ich erspare Euch den Rest, es wird nämlich nicht appettitlicher. Echt jetzt? Muss ich mir den Schmarrn anhören? Oh, jeder überschlägt sich gerade mit seinem Loblied auf sich selbst und was er nicht alles getan hat in der Woche. Ohne sie würde vermutlich die Welt wirklich komplett zugrundegehen… Nur eine Kollegin und ich halten uns sehr knapp.

Zwischendurch schiele ich auf die Uhr, weil eigentlich mein privates Fortbildungs-Webinar um 9 Uhr anfängt. Uneigentlich auch, aber die Seminarleiterin verkackt technisch noch mehr als mein Chef. Aber zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Sie macht das hier gerade echt zum allerersten Mal. Mein Chef nicht. Die Zeit der beruflichen Besprechung läuft und läuft. Der sabbernde Inhalt tendiert gen minus unendlich. Und dann fangen die Dööspaddel auch noch an, sich über YouTube-Videos auszutauschen. Erhellend dann auch der Beitrag einer Kollgin, man solle die U-Boot-Regel einhalten, damit man über die Betriebsschließungszeit kommt. ALTER?!?!?! Ja, man solle sich einen Plan machen und für jeden Tag eine Sache aufschreiben, die man erledigen will/muss. Mir reicht´s. Ich entsperre mein Mikro und sage zackig: „Gibt es noch etwas Wichtiges zu besprechen? Denn diese Themen interessieren mich so gar nicht.“ Bums, betretenes Schweigen. Mein Chef: „Ääääh, also gut, ok. Dann kommen wir zum Jour Fixe.“ What the f***?!?!?!? Das will er nicht wirklich durchziehen, oder? Doch, er will. Ich glaube, ich brauche die Lobotomie selbst.

Was jetzt dort beim Jour Fixe besprochen wird? El Jefe geht Punkt für Punkt durch und teilt mit, wann wir dieses Thema dann besprechen – also nach der Betriebsschließung und der voraussichtlich anschließenden Kurzarbeitsphase. Und dafür müssen wir wirklich jeden Punkt durchgehen? Ja, augenscheinlich müssen wir das. Wäre es nicht so eine riesige Zeit- und Energieverschwendung, müsste ich hysterisch lachen. Die ganze Kacke dauert in der Tat etwas mehr als eine Stunde. Der Output hätte eventuell fünf Minuten gerechtfertigt. Nicht mehr.

Ich wähle mich kurz ins Webinar ein, was für mich eine Wohltat ist, nur um mich dann um 10:00 Uhr zum Gesamt-Jour-Fixe wieder einzuwählen. Wir gehen die Punkte durch, die im Intranet in einem Artikel veröffentlicht sind, den wir alle schon gelesen haben. Ob mein Tisch so einen Biss in seine Kante von mir übersteht? Ob man hört, wenn ich hier was kaputt mache? Gestern habe ich bei so einer Nonsense-Besprechung tatsächlich drei Pfirsichlikörchen geschlürft (Dank an meine Sis). Ich schiele auf die Uhr. Nein, Likör geht jetzt echt noch nicht. Aber ich habe ja noch Rum? Oder Wodka? Oder Pisco aus Peru? Oder Sheridan´s? Irgendwas? Irgendwo auf der Welt ist schließlich schon 18 Uhr. Nein, Alkohol ist keine Lösung.

Die Unsäglichkeit dauert 45 Minuten – 30 waren veranschlagt. Und selbst die sind ein Affront gewesen. Die einzig wichtige Nachricht kommt zum Schluss und ist ein Klopper: Keiner kann was sagen, aber Vermutungen seitens eines Vorstands sind, dass es bis Oktober mit der Kurzarbeit laufen kann. Bis wann??? Ja, Oktober. 60 % des Gehalts. Puh… Und dann kommt so eine dämliche Frage der blöden Prutzeliese, die ja ab 1.4. Gottseidank den Bereich wechselt: „Und was müssen die Leitenden in den drei Wochen Kurzarbeit eintragen? Auch Gleitzeit und alten Urlaub? Oder was?“ Äääääh, sie ist keine leitende Person. Keiner außer unserem Chef-Chef ist in einer leitenden Position. Hm, ob ich die Frage stellen soll, wie Wind entsteht? Die Antwort würde mehr Menschen tangieren. Und da gehen die sinnfreien Diskussionen auch schon los. Ich denke wieder über Alkohol nach. Oder, Alex UND Heinz über dem Haifischbecken aufzuhängen. Ratten, die schießen mir gerade auch noch durch den Kopf…in Kombi mit einem Rohr und Feuer… Äääääh, stop!

Aber dann ist auch das irgendwann vorüber. Ob ich einen Schwerbehindertenantrag stellen kann, weil ich abartige Folgeschäden von diesem Hirnschmalz davontrage? Dabei ist hier wirklich der wirtschaftliche Faktor gerade die entscheidende Aussage gewesen. Und diese Aussage muss ich erstmal verdauen. Bei den Mieten hier, wird das ein Spaziergang – haha. Es wird schon alles werden. Und die langfristigere Trennung von meinen Kollegen hat ja auch einen heilenden Aspekt. Den gilt es wohl, gerade ausgiebig zu genießen – auch wenn er mich 40 % meines Gehalts kostet.

In diesem Sinne: Passt auf Euch auf, und meidet Energievampire. Und nein, ich würde niemanden ernsthaft foltern (obwohl…nein!). Und nein, ich trinke jetzt auch nichts. War mein erster Likör seit dem 4.1. Alles also gut.

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