Warm ist mir. Richtig warm. Liegt wohl am Bügeldampf. Der Auftrag lautet, erstmal zwei Kanten umzubügeln. Dann wird wieder genäht, dann werden zwei Falten reingebügelt. Danach kommen noch Gummibänder dran. Da ich nicht nähen und auch sonst nur kluge Ratschläge (also doofe Sprüche) absondern kann, bleibt mir nur die Aufgabe des Bügelns. Ist aber ok – zumal es ja für einen guten Zweck (Altenpflege und ambulante Pflege) ist. In den nächsten Tagen will meine Schwester mir das Nähen beibringen. Heute sind dann beide Nähmaschinen verreckt. Ob das ein Omen sein soll? Ob die Maschinen Angst vor meiner Behandlung haben? Möglich wäre es.

Heute stand der Vormittag im Zeichen des Telefonierens. Ich frage mich ja, was diese Zeit für richtig alte Menschen bedeuten muss? Mein ehemaliger, alter Kollege (80 Jahre alt) nimmt das gelassen. Ausgangsbeschränkung? Pfff, er kennt es noch, als Kind immer in den Bunker laufen zu müssen. Nach einem Rauskommen aus dem Bunker waren sehr viele Häuser um den Bunker in Düsseldorf zerbombt. Daraufhin hat seine Omma (ja, immer noch absichtlich mit zwei „m“) sich an den Kopf gefasst und alle Haare auf einmal verloren. Krass, oder?

Oder die Kuba-Krise. Zu der Zeit war er bei der Bundeswehr. Da waren sie für 14 Tage einkaserniert. Niemand durfte rein oder raus. Da seien auch einige durchgedreht. Er nicht. „Wir hatten doch den zweiten Weltkrieg mit den Aufenthalten im Bunker überlebt. Was machten da 14 Tage in der Kaserne? Nix.“ Entsprechend sagt er sich, dass diese Ausgangsbeschränkung nicht weiter wild sei. Er habe genug zu tun. Langeweile käme bei ihm nie auf. Nur schade, dass wir kein Pöttchen Kaffee zusammen trinken könnten. Stimmt. Echt schade.

Es ist schon interessant, wie man die jetzige Krise betrachten kann. Ihm ist eine Leichtigkeit zueigen, die ich nur bewundern kann. Das kann Erziehung eben auch. Sein Großvater habe ihm immer erklärt, wie viel Glück er hätte: Die ganze Straße würde ihm gehören. Und das habe er auch geglaubt. Dabei hatte er gar nichts – materiell gesehen.

Und so sieht er sich eben heute auch als Gewinner. Für ihn ist das Glas immer mehr als halbvoll. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen und ein Liedchen pfeifend – so geht er durchs Leben. Ihm tut nix weh, er beschwert sich über nichts, sein Leben ist schön.

Schon bewundernswert, oder? So möchte ich mich auch fühlen… wobei: Heute geht es mir auch schon besser. Ja, es tut noch so manche Stelle weh, aber ich bin bei meinen Lieben. Da gehöre ich ja wohl zu den Glückspilzen. Allerdings zu den müden Glückspilzen, die jetzt schlafen gehen müssen. Und das, ohne heute auch nur eine Sekunde ferngesehen zu haben. Keine Zahlen oder aneinandergereihten Hiobsbotschaften. Oooh, das fühlt sich zauberhaft an.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch Leichtigkeit und gut gelaunte, lustige Menschen um Euch herum. Die tun tausend Mal besser als die doofen Miesepeter.

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