Wer jetzt bei der Überschrift an was Schmutziges denkt, den muss ich enttäuschen. Ich rede hier ganz profan von Lego. Ich hab meine ersten Konstruktionen – natürlich nach Vorlage – zusammengebaut. Mannomann, da bin ich schon stolz auf mich. Eigentlich wollte ich das nie machen. Aber jetzt müssen wir einfach schauen, ob alles zusammenpasst. Und da ich ja ein stures Stück bin, habe ich nicht aufhören können – mit Bauen und mit Fluchen, natürlich. Habe einige Stunden damit zugebracht. Tja, wenn der Ehrgeiz mal gepackt ist, gibt es bei mir kein Halten mehr. Selbst wenn ich dafür zeitweilig zwei Stündchen allein im Keller sitzen und vor mich hinprötteln muss. Genau wie damals bei dem Spiel „Bolo“ auf dem Atari oder später bei Moorhuhn. Jeder hat so seine Sünden. Meine sind überschaubar…äääh… nö, da kommt zum Glück gerade kein Blitz runter.

Zuerst war es was Kleineres, was ich gebaut habe. Aber jetzt arbeite ich an einer Feuerwehrstation. Ich bin echt infiziert. Ist irgendwie lustig, auch wenn es ins Kreuz geht, so lange zu sitzen und Steine ineinanderzustöpseln.

Dabei ist heute Karfreitag – mein Hasstag von früher. Meine Antibewegung gegen diese Altlast mit

– Klappern morgens um 6 Uhr, mittags wieder, dann zur Andacht und noch mal abends um 18 Uhr…alles mit dem Fahrrad,

– Arbeiten im Garten (damit der doofe Osterhase nicht stolpert),

– Kinder-Kreuzweg (immer noch ungeschlagen: mein ältester Cousin in seiner Pubertätsphase, als er nach einer Darstellung gefragt wird und trocken antwortet: „Da ist Jesus am Kreuz gefreckt.“ – wobei die Gemeinde-Referentin krampfartig zusammenzuckt. Inklusion ist eben nicht für jeden was.),

– Andacht am Nachmittag mit schrecklichem Gesang, weil Pastor Müller singt, wie ein Schwein klettert (angeblich heute noch… seine Nichte hat diesen Vergleich übrigens gezogen, nicht ich… allerdings passt er leider. ),

– Kirchenchorprobe (schrecklich, weil im Stehen und in einer von Weihrauch zugenebelten Kirche von der vorangegangenen Andacht),

– Beichten (wer hat das eigentlich erfunden? Ich habe entweder zu laut oder zu leise geredet. Manche Dinge ändern sich nie – daher bin ich aus dem Verein ausgetreten),

– Eier färben (nur doof, weil ich a) keine kalten, hartgekochten Eier mag und b) dies immer stattfinden musste, wenn die tollen Filme im Fernsehen liefen),

– und das alles OHNE Musik, lachen, Witze erzählen, pfeifen und mit spärlichem Essen.

Er sitzt also tief, dieser elende Stachel der Kindheit. Deswegen die Gegenbewegung mit viel Alkohol, massenweise Essen und lustigen Spielen. Darauf hätte ich dieses Jahr eh verzichtet, da ich ja in den USA gewesen wäre. Nur ist aus „hätte, wäre, könnte“ nichts geworden, weil Corona ums Eck kam. Alternativ wieder die Gegenbewegung zu reanimieren, ging auch nicht, weil die Kontaktbeschränkung ja durchaus ihre Daseinsberechtigung hat.

Also machen wir was? Wieder Lego. Als das dann aber doch mal reicht und die alte Frau echt zu müde ist, wird doch noch gespielt – im Kreis der Familie. Es wird geflucht, wie zu den besten Zeiten, aber außer Knabbereien und zwei Radlern, bleiben wir vernünftig. Wir sind eben auch in die Jahre gekommen. Jetzt sind die jungen Wilden mal dran. Oh je, jetzt bin ich also auch so eine geworden. Alles, was mal knackig war, knackt heute dann buchstäblich. Ich muss ins Bett, um morgen wieder volle Konzentration für Lego zu haben. Ein Träumchen, dieser Ausblick…

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