Ich bin angekommen – ganz und in einem Stück. Und das auch noch, ohne zu Beamen. Ganz so entspannt wie erwartet war es zwar nicht auf den Autobahnen, aber es hat doch irgendwie gepasst. Es ist auch ein Trugschluss, dass alles nun entschleunigter ist. Die Deppen fahren nämlich nach wie vor wie die Deppen.

Man, man, man, ich frage mich, wieso bestimmte Menschen (vornehmlich Männer – ein Hoch auf meine Vorurteile!) meinen, sie müssen ganz unbedingt ganz zackig fahren, auch wenn es sich auf der linken Spur staut. Ob die echt glauben, dass sich alles vor lauter Ehrfurcht auflöst, wenn sie angedonnert kommen? Oder wollen sie einfach der Bremse signalisieren, dass sie sie genau so lieben wie das Gaspedal und deswegen beide gerne fest drücken? Bei zweien hab ich heute von der mittleren Spur aus entspannt beim roten-Lämpchen-Test zuschauen dürfen. Wer weiß? Vielleicht war es auch nur ein Flirtversuch – rot ist schließlich die Farbe der Liebe? Aber da halte ich es mit der Getränkeverkäuferin von vorhin, die zu ihrem männlichen Kollegen ganz trocken meinte: „Wenn das ein Flirtversuch war, hast du noch jede Menge Arbeit vor Dir!“ Autsch, aber der war gut – auch ohne dass ich den gescheiterten Flirtversuch miterlebt habe.

Apropos Einkauf. Klar, ich war 3 1/2 Wochen weg, da musste ich schon was einkaufen. Auf den Straßen ist so viel los, dass ich absolut gar nichts von Ausgangsbeschränkungen wahrgenommen hab. Echt krass. Da war es in NRW doch anders? Aber ich war ja auch nur in einem sehr kleinen Radius unterwegs. Ist auch wurscht, denn ich hatte vorhin eine Offenbarung: Es gab Hefe!!! Hallo?! Die hab ich zwei Monate nicht mehr gesehen. Dabei war es schon nach 16 Uhr. Und Toilettenpapier! Im Lidl! Ich glaub, es hackt. Die sind ja wohl vogelwild.

Vermutlich war es das. Obwohl… Ich hab für 1,12 € Super getankt. Das könnte auch eine Ursache gewesen sein? Ich gehe zur Kasse, schiebe meinen Wagen vorne ans Band und zack, hau ich den braunen Plastikkorb der Absperrung um. Äääh, da, wo ich sonst immer einkaufe, stehen die Teile fest auf dem Boden und sind nicht hochkant aufgestellt. Ich entschuldige mich sofort, doch der junge Kassierer winkt lässig ab. Das sei heute schon auch wacklig hingestellt. Ich schiebe hinterher: „Sollte kein tätlicher Angriff sein.“ An den Augen erkenne ich, dass er grinst – sonst trägt er nämlich einen Mundschutz: „Das will ich ja wohl mal hoffen!“ Derweil zücke ich mein Portemonnaie, ziehe meine EC-Karte mit Schwung raus, die im hohen Bogen Richtung Verkäufer fliegt. Ich kann nur noch staunen. Der Gute nimmt’s mit Humor und kommentiert: „Und jetzt wollen sie mich auch noch mit Ihrer Karte abwerfen?!“ Ich muss lachen, er auch. Nach meiner Entschuldigung frage ich nur: „Kennen Sie solche Tage? Da fliegt einem sogar die Karte aus dem Portemonnaie!“ Er nickt: „Haben wir alle mal.“ Naja, „mal“ ist gut. Aber zumindest können wir beide drüber lachen.

Jetzt mache ich es mir in meinem Zuhause gemütlich. Es ist ruhig… eigenartig nach den letzten Wochen. Meine Familie fehlt mir jetzt schon. Mit wem soll ich denn jetzt lachen und schlechte Schlager singen? Hier hört mich keiner, wenn ich „Du kannst mir die Nudel putzen“ träller (dieses Lied gibt es tatsächlich!). Das schlechteste Lied – ok, zusammen mit denen vom Wendler. Das bringt mir von meiner Schwester immer ein gewisses Maß an Empörung entgegen. Und jetzt? Nüscht. Hat Vorteile, klar… aber eben auch Nachteile.

Ich hoffe, Ihr schlagt Euch weiterhin tapfer und gehört nicht zu den Spackos auf den Autobahnen. Aber falls doch: War es eine Liebeserklärung?

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