Man glaubt es kaum, aber ich habe tatsächlich eine Reaktion auf meine gestrige What´s App erhalten! Es sei ein Versehen gewesen. Ganz ehrlich. Ah ja. Das klingt ja erstmal ganz nett. Aber dann schreibt die Dame von der Sozialbetreuung weiter (ohne den Gebrauch jeglicher Satzzeichen, was das Lesen so erleichtert…is klar, oder?), dass sie ja selbst auch schon seit Wochen nicht arbeite. Hä? Das heißt also, dass ausschließlich die Pflegekräfte für die alten Leute da sind? Und das bedeutet, sie werden da nur noch gewaschen und gefüttert, oder? Ist das nicht schlimm? Das tut mir unwahrscheinlich leid für all die armen, alten Menschen. Menschlich empfinde ich das als Totalversagen.

Die Leiterin der Sozialbetreuung schiebt dann noch eine Nachricht hinterher, dass sie besser meine Nummer lösche, damit sie mir nicht noch mal versehentlich einen Link zu Verschwörungstherorien (meine Wortwahl, nicht ihre) sende. Hä? Sie kriegt ihre Kontakte nicht auf die Kette? Die Nummer hatte sie ausschließlich für berufliche Infos. Jedenfalls hat sie mich gelöscht, denn ich sehe kein Bild mehr. Komisch, wie schnell sie dabei sein kann, wo sie doch keine Info vorher – ganz aus Versehen und ehrlich und so – geben konnte. Aaaaah, ich kann nur noch den Kopf schütteln über so viel Dummheit. Ich glaube, ich nenne sie fortan echt nur noch „Müsli-Muschi“. Dann kann ich wenigstens schmunzeln und muss nicht immer sofort meinen Blutdruck in die Höhe schießen lassen.

Ansonsten sitze ich wieder auf dem Balkon und schreibe. Nee, nicht nur hier, sondern auch so. Ich versuche es – zum x-ten Mal – doch noch einmal mit dem Verfassen eines Romans. Ideen habe ich genügend im Kopf. Aber die Ablenkung ist zu schön. Ein Telefonat hier, eine App da…Musik auf den Ohren, die mich zum Träumen verführen. Hach, darin bin ich echt gut.

Entsprechend registriere ich sofort, als meine süße Nachbarin von unten (ja, genau die, die leider die Enten mit Toastbrot füttert) mich anappt. Sie fragt nach, ob ich morgen nicht Zeit und Lust hätte, ihr das Nähen der Masken zu zeigen. Sie hätte so viel Stoff Zuhause. Gut, wäre sie nun Holländerin, würde ich das mit dem Stoff vermutlich anders interpretieren, aber sie redet tatsächlich nur von Baumwollstoffen zum Nähen. Ich kläre sie sofort auf, dass ich keine Näherin bin und ausschließlich gerade Nähte hinbekäme. Aber ich könne ihr gerne zeigen, wie wir die Masken genäht hätten. Irgendwie freut mich diese Aussicht. Sie würde das sehr gerne gemeinsam mit mir versuchen, wir würden das schon schaffen. Und dann schreibt sie noch mal hinterher, dass ich gerne Rucola haben könne, wenn ich so etwas möge? Sie habe einiges davon im Garten. Und da lasse ich mich dann dazu hinreißen, ihr zu schreiben, dass sie echt süß sei und ich ihr Angebot gerne annehme. Morgen um 14 Uhr besuche ich sie dann.

Kurz darauf klingelt es an der Tür. Und da steht sie mit einem Gläschen Rucola im Wasser stehend vor mir. Sie freue sich sehr auf morgen. Das klingt doch vielversprechend, oder? Ich mag diese überneugierigen Nachbarschaften nicht, aber so eine ist sie nicht. Sie ist eine liebe, ältere Dame. Also wird das nett. Und ich habe etwas zu tun.

Und bevor ich mich jetzt noch mehr ablenke, indem ich hier schreibe, mache ich mal weiter mit dem Roman, der vermutlich nie erscheinen wird….und falls doch, dann unter anderem Namen. Ja, ganz im Ernst. Sicher ist sicher. Ich will einfach partout nicht eingewiesen werden.

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