Meine Nachbarin ist der Hammer! Wir haben am Ende zwar keine Maske fertig, aber dafür habe ich jede Menge Informationen erhalten.

Als ich die Wohnung betrete, ist die Nähmaschine schon aufgebaut. Nur der doofe Unterfaden will nicht nach oben kommen. Ha! Ich Unwissende schaffe es dann tatsächlich, den Faden nach oben zu holen, aber nähen will die Maschine trotzdem nicht. Ich werde den Gedanken nicht los, dass das Nähen auch eher zweitrangig ist. Die Ommi will einfach quatschen.

Sie berichtet von ihrem Freund. Irgendwie süß, dass sie ihren 80-jährigen Macker noch so nennt. Sie hätten mal zusammengewohnt, aber das habe nicht funktioniert. Er sei immer auch mit anderen zugange. Vor einem halben Jahr erst habe er so dumm rumlaviert, ob er es freitags noch zu ihr schaffe oder erst samstags. Daraufhin habe sie am Wochenende sein Smartphone gecheckt und herausgefunden, dass er auf eine Annonce geantwortet hätte. Seine Frage an die andere Dame: „Am Freitag von der Couch ins Bett?!“ Doch da habe sie nicht gekonnt. Mit 80!!!! Ich muss mich arg zusammenreißen, nicht schallend zu lachen. Der Alte hat also mindestens zwei Hühner am Start! So langsam dämmert’s mir, was an dem Spruch „je oller, je doller“ gemeint ist.

Derweil schwärmt mir die Ommi vor, wie gern sie immer schnelle Autos gefahren sei. Einer ihrer Chefs habe einen AMG besessen (dafür musste ich ja erst mal 42 Jahre alt werden, um die Marke im letzten Jahr kennenzulernen). Mit dem sei sie wahnsinnig gern gefahren. Der Chef musste regelmäßig auf Dienstreise und hatte meine damals deutlich jüngere Nachbarin gebeten, den Wagen hin und wieder zu starten. Das kam ihr wie eine Schande vor, also sei sie damit etwas rumgefahren. Sie zuckt dabei mit den Schultern: „Des wär‘ doch schaad g’wes’n, meinen’s net?“ Äääh, ich nicke grinsend. Sie habe das ihrem Chef dann auch gesteckt, der daraufhin den Zweitschlüssel im Büro deponiert habe, damit sie immer mal eine Runde drehen könne, wenn ihr danach wäre. Und jo, da habe sie ihr Bleifüßchen natürlich auch ordentlich ausleben können.

Ich erfahre, wer im Haus böse ist, wer dumm ist, wer neugierig. Und dann wieder, wie nervig ihr Freund sei, aber sie sähen sich ja nur an den Wochenenden. Puh, ich hatte fest darauf gehofft, dass Kerle irgenwann mal „normal“ würden. Nur wenn sie mit 80 noch so sind, zerbröselt meine Hoffnung gerade doch.

Irgendwie ist es aber doch schön zu sehen, wie es auch im höheren  Alter noch richtig rundgehen kann. Ob ich dieses Alter (im konkreten Fall ja 76) allerdings überhaupt erleben werde? Ich weiß es nicht. Warum? Na, heute hatte ich doch wieder ein Skype-Meeting mit meinen Kollegen. „Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt immer noch ein Heinz daher.“ Leider kann ich hier nicht das Emoji einfügen, das die Hand vor die Stirn klatscht, also stellt es Euch bitte vor. Nach unserem Meeting schafft es besagter Heinz nicht, sich irgendwie abzumelden. Ich habe es die komplette halbe Stunde durchgehalten, ihm nicht zu stecken, dass er zwar die Kamera-Funktion aktiviert hat, aber leider (für mich eher zum Glück) den Schieber für die Abdeckung nicht zur Seite geschoben hat. Da er nun aber nicht mehr weiter weiß und außer meinem Chef (leider auch völlig ahnungslos) und mir keiner mehr da ist, erkläre ich ihm diese Funktion erst einmal. Und in der Tat: Er feiert es! Ich bin völlig fassungslos. Es ist ihm kein bisschen peinlich!!! Nichts. Der freut sich wie ein Schnitzel auf seine Panade, weil er diesen Schieber noch nie gesehen hat! Den Laptop (oder auch das) hat er schon so zwei bis drei Jahre. Ich kann nicht mehr…

Jetzt mal ehrlich: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, nicht an einer geplatzten Ader, einem Herzinfarkt oder ähnlichem zu sterben, wenn man von so viel grenzenloser Dämlichkeit umgeben ist? Es dauert in der Tat noch fünf Minuten, bis er sich mit meiner Anweisung abmelden kann. Ich pack das nicht mehr. Zu Anfang der Besprechung ist es noch lustig. Ja, sogar so lustig, dass ich meiner Kollegin eine Sprachnachricht über What’s App schicken möchte und doch nur lachen kann – was sie zum Glück auch erheitert. Aber nach 30 Minuten ebbt die hysterische Lachhaltung dann doch ab und macht unendlicher Resignation ab. Es ist wie beim Meer: Es geht hoch und wieder runter. Passt ja zu meiner Seite, hm? Da wäre mir ein 80-jähriger, zweigleisig fahrender Liebhaber fast schon lieber… aber auch nur fast.

4 Kommentare

    1. Ääääh, was jetzt genau? Meine gefährdeten Adern? Der immer noch rattige 80- jährige Freund meiner Nachbarin? Oder doch Heinz? Wenn Du Letzteren meinst, schenke ich ihn Dir gern. 😉 Ich kann sehr großzügig sein.

      Liken

      1. Nein, abgelegte ….., mag ich nicht. Ich meinte die alte Dame und deren Freund, daas begeistert mich bis ins Letzte. Deinen Heinz? Das ist wohl Deine Aufgabe, für ihn einpassendes Lager zu finden. Liebe Grüße und nimm Dich selbst ernst. Die Gärtnerin mit dem gruenen Daumen

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s