Aaah, wie herrlich ist das denn bitte schön, wenn man nix vorhat, außer einfach nur mit Freunden im kleinen Kreis zu frühstücken? Perfekt. An solche Tage könnte ich mich echt gewöhnen. Jajaja, ich sage immer, ich brauche was zu tun. Ist auch so. Nur empfinde ich meine derzeitige Arbeit echt als…mmmh…sinnfrei. Und das ist nicht unbedingt motivierend. Ich brenne darauf, meine Ausbildung im nächsten Jahr erfolgreich zu beenden und zu schauen, mich in diesem Bereich auszutoben. Die Ideen schießen dazu kreuz und quer in meinem Kopf. Mal schauen, ob etwas Sinnvolles dabei rumkommt?

Ich springe noch kurz in eine Metzgerei, da jemand beim Frühstück dabei ist, der muslimisch ist. Da muss was anderes her als die gute, olle Wurst, die wir so verdrücken. Interessant wird es allerdings, als ich Kalbsleberwurst kaufen möchte. Jo, die gibt es schon, ist aber ungeeignet. Hä? Weil? Na, weil diese zu 50 % aus Schweinefleisch besteht. Ist logisch, oder? Ist so, als würde ich ein Auto kaufen wollen und ein Zweirad erhalten. So was kapiere ich nicht. Durch den Mundschutz nuscheln die Fleischereifachverkäuferin und ich uns gegenseitig – natürlich auch wieder durch lauter Zwischen-„Hä´s?“ untermalt – den Unsinn solcher Beschreibungen zu. Mei, sie kann nix dafür, ich auch nicht, also kaufe ich was anderes bei der Dame.

Während des Frühstücks reden wir über schwerere Themen. Darüber, dass Emanzipation immer noch nicht gelebt werde. Wir sind drei Frauen und ein Mann am Tisch. Und wir drei Frauen können alle Geschichten zu Belästigungen erzählen. Schon krass. Ich verstehe das nicht. Und dieses Thema wird so selten in solchen Runden thematisiert. Wir sehen davon im Fernseher, aber was uns selbst betrifft, wird dieses Thema gerne gemieden. Und auch hier spielen wieder Scham und Schuld eine große Rolle. Aus Scham schweigen die Frauen. Die Kirche mit ihrem Patriarchat hat über die Jahrhunderte echt ganze Arbeit geleistet mit ihrer verführenden Eva und dem armen, schwachen Adam. Die Erbsünde hängt bei uns. Immer noch. Auch im Jahr 2020 noch. Und bei den Belästigungen rede ich nicht von dummen Sprüchen. Damit kommen die meisten von uns Frauen schon klar. Es geht um Tatscher, Grabscher und Berührungen an den falschen Stellen…und leider auch schon im späteren Kindes- und Jugendalter. Wenn ich mit Männern über dieses Thema spreche, wirken sie immer schockiert. Keiner glaubt, dass das alltäglich ist. Aber das ist es…leider…und immer noch.

Wir können dann aber auch wieder ganz albern sein und müssen nicht nur schwere Themen wälzen. Er erzählt davon, dass er immer schon gerne Emmentaler gegessen habe, aber dieser immer schon von den Kindern verputzt gewesen wäre, wenn er nach Hause gekommen wäre. Also habe er seinen Kindern damals kurzerhand vorgeschwärmt, dass er am liebsten die Löcher von dem Käse möge. Hä? Ja, aber Kinder kann man ja bestens verarschen. Er hat ein kleines, eckiges Stück um die Löcher geschnitten und es die Kinder probieren lassen. Mmmmh, ja, das schmeckte gut. Fortan haben sich die Kinder also um die Löcher und ein kleines bisschen drumherum gerissen – und für den Vater war endlich auch wieder Emmentaler da. Gewusst, wie, hm? So, wie sie uns immer erzählt haben, die Glocken würden vor Krafreitag nach Rom fliegen. Und – ehrlich wahr – ich habe sie eines Tages fliegen sehen. Und nein, da hatte ich nix eingeworfen, auch wenn ich grenznah zu Holland aufgewachsen bin. Kinder haben eben eine blühende Phantasie (was ich selbst mit 43 Jahren noch nicht abgelegt habe).

Wer kennt das denn nicht? Als Kind haben wir so viele Geschichten zu hören bekommen, an die wir so sehr geglaubt haben, dass sie uns echt erschienen sind. Und mit dieser Art des Hopsnehmens kann ich gut leben. Hinzu kommt dann später – so zumindest meine Erfahrung – dass man Dinge liest oder hört, die da gar nicht stehen. Passiert mir als Querleser ständig. Vermutlich, weil man gerade so mit etwas beschäftigt ist, dass man es überallhin projiziert. Wenn ich ein rotes Auto kaufen will, sehe ich überall rote Autos. Wenn ich schwanger werden will, sehe ich überall Babys. Das ist wohl ein normales, natürliches Phänomen.

Nachmittags drehen eine Freundin und ich dann noch eine kleine Runde durch den Ort, weil es gerade mal trocken ist und zusätzlich auch keine dämlichen Pollen fliegen. Sie bleibt irgendwann stehen und fokussiert ihren Blick…und fokussiert…und fokussiert. Dann schüttelt sie den Kopf, geht näher ran und schaut nochmals hin. Da erst registriere ich, was sie so fixiert hat: Es ist ein kleines, weißes Blatt an einer Tiefgarageneinfahrt. Sie zerreißt es fast vor Lachen: „Da steht was mit `Glocke´. Und ich Dämel hab´ gelesen: `Geleckt´!“ Und da frage ich mich natürlich, wovon sie gerade den Kopf voll hat…und komme einfach zu keinem Ergebnis…

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch tolle Phantasien!

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