Ein Teilnehmer aus meinem Grundlagenkurs (das ist der Kurs, dessen Teilnehmer ich sehr mag) schreibt in unsere What’s App Gruppe, dass er sich freut, wenn wir uns alle bald wiedersehen – physisch, gesund und makellos. Hmm, das ist ja wieder eine Aufforderung an die Rheinländerin in mir. Also schreibe ich: „Makellos? Ach Du Schande, dann muss ich ja doch noch unters Messer!“ Nur um dann zur Antwort zu bekommen: „Mas-ken-los, nicht makellos! Ohne Makel wären wir doch alle ärmer, oder?“ Ach ja, wie schön das Querlesen doch ist. Das Hirn gaukelt einem so ja manches vor. Und hey, darin ist mein Hirn echt Spitze. Man soll doch für alles dankbar sein. Also danke ich meinem Hirn für so manchen Gag, der da gar nicht steht, es mir aber vorspielt. So macht es mein Leben echt deutlich lustiger, denn das passiert mir regelmäßig. Freud würd’s freuen.

Heute ist wieder so ein eigenartiger Tag. Mein Chef stellt mir einen Skype-Termin ein. Äääääh, ok. Ja, er wolle noch mal mit mir reden… über die Krise, über meine Ideen dazu usw. Hä? Aber gut. Er fragt mich manches, ich antworte ihm. Beispielsweise dass die Ungewissheit das Schlimmste für die Menschen sei. Niemand von der Führungsmannschaft zeige Präsenz. Die Leute seien allein – in ihren Gedanken gefangen, die ganz viel Nährboden für Spekulation böten. Die Realität ist einfach nie so schlimm wie die Phantasie. Und da sagt er – ganz ruhig und aufrichtig: „Du sagst immer, das sei nix für Dich. Aber es bräuchte Führungskräfte wie Dich.“ What the f***?! Nein. Ich habe gar nicht das Bestreben, mit den vermeintlich großen Jungs im Sandkasten zu sitzen und „wenn Du mir den Bagger gibst, kriegste mein Förmchen. Wenn nicht, hau‘ ich Dir das Schäufelchen von hinten zwischen die Rippen“-Spielchen zu spielen. Und dann bedankt er sich fürs Gespräch. Er würde einige Anregungen mitnehmen und über diese mit meinem Chef-Chef sprechen, weil sie manches gar nicht so auf dem Schirm gehabt hätten. Nein, mein Hirn spielt mir gerade keine Streiche, auch wenn ich selber gerade nicht recht glauben kann, was er da sagt. Und doch, denke ich, ist es häufig genau das: Es mangelt an „normalen“ Gesprächen, an Sichtweisen anderer, damit ein Verständnis für andere geschaffen werden kann. Es ist so banal, dass man auf so was nicht mal kommt. Schon erschreckend, oder?

Mein nächstes Telefonat ist mit unserer Außenstelle in einer JVA. Und es sieht ganz danach aus, dass ich ab Ende Mai wieder dorthin darf. Juchuuu! Das ist echt ein Lichtblick, weil es etwas Sinnvolles ist. Sie sind systemrelevant, da die Inhaftierten nicht die ganze Zeit „auf Zelle“ zubringen sollen. Und eigenartigerweise fühle ich mich dort wohl.

Das nächste Gespräch dreht sich um Online-Coaching, was ich als schlechte Alternative erachte – wenn auch derzeit alternativlos. Und schwups, diskutiere ich mit einem mir fremden Kollegen aus Hannover und befürchte, er hält mich für eso. Überraschenderweise tut er das aber nicht. Er erklärt visuell-kinästhetisch veranlagt zu sein, ich hingegen bin auditiv-kinästetisch. Damit haben wir schätzungsweise den anderen Kollegen schon abgehängt. Das Ende vom Lied ist jetzt, dass mich der Typ noch mal später anrufen will. Ja, ich glaube, im Moment finden sich die Leute zusammen, die passen. Über Umwege erfahre ich, was seine Profession ist und freue mich auf ein spannendes Fachgespräch mit reichlich Philosophieanteil.

Und so reiht sich ein Gespräch ans andere, bis zum krönenden Abschluss: Einem Gesamt-Jour-Fix. Mein Chef-Chef gibt sich zuversichtlich, wirkt aber angespannt. Über Kündigungen wäre noch gar nicht gesprochen worden – nirgends, auch nicht im Vorstand. Da zuckt es schon in mir, weil ich was anderes weiß. Aber ich hülle mich in Schweigen. Ist wohl besser so. Dafür erfahren wir heute, dass wir nächste Woche statt drei doch nur zwei Tage arbeiten dürfen. Und diese Veränderungen können sich stündlich wieder ändern. Doch auch hier gilt für mich: Was juckt mich das? Ich bin in Kurzarbeit und muss parat stehen. Schließlich kriege ich dafür ja Geld.

So versöhnlich gehe ich nun in meinen Feierabend. Ich setze mich noch etwas auf den Balkon und lausche den Vögelchen, Entchen und „Fang mich doch, Du Eierloch“-Ausrufen. Jo, die Sonne scheint endlich wieder, daher sind die Rotzigen auch wieder draußen. Ach, das Leben ist schon schön… mit Höhen und Tiefen – und Eierloch-Schlachtrufen…

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