Heute hatte ich soooo viel vor. Ist auch schön, oder? Blöd nur, wenn es Abend wird und man sagen muss: „Morgen habe ich soooo viel vor“, weil man heute den Hintern einfach nicht hochbekommen hat. Alles halb so wild? Finde ich auch.

Sonnenstrahlen wecken mich. Na gut, und Halsschmerzen. Nein, kein Corona (und wieder werde ich überprüfen, ob diese Seite von China aus aufgerufen wird). Es ist schnöde Allergie. Und so langsam reicht es. Die schlimmsten Niesattacken sind vorüber und nur noch Nachzügler unterwegs. Aber dafür nervt der Hals seit zwei Tagen. Auch das geht vorüber, ich weiß.

Nach zwei Tagen harter Arbeit im Home Office (haha), frühstücke ich zunächst in Ruhe und überlege, was ich machen kann? Bei dem Wetter drängt sich Eisessen nahezu auf. Aber leider kann meine Eisess-Freundin heute nicht. Da morgen wieder Schule ist, mache ich einfach heute meinen Einkauf. Und im Grunde mag ich es ja, Menschen zu sehen, da ich seit Tagen wieder niemanden getroffen habe (seit Donnerstag!). Nur sind derzeit so viele aggro drauf. Gestern habe ich dann noch die Mär´gehört, in Bayern würden sie Menschen mit 250 € dafür belohnen, wenn sie jemand anderen anscheißen. Ganz ehrlich: Wer erfindet so einen Mist eigentlich immer? Ich war ja auch schon schwanger mit Zwillingen, hatte was mit einem Priester, habe meinen Job verloren und bin zum „Rumhuren“ zu meiner Sis gezogen. Ich sage ja: Wenn ich alles noch nachholen darf, was ich angeblich schon angestellt habe, dann wird es noch ein aufregendes Leben. Ich frage mich nur immer, wie so etwas entsteht?

Zehn leere Flaschen bringe ich heute vor dem Einkauf zum Leergutautomaten und sehe schon die Schlange. Es ist ein schnöder Donnerstagmorgen – extra nicht 8 Uhr, damit ich nicht von den Angebotsleuten übern Haufen gefahren werde. Nein, es ist ca. 11 Uhr. Aber man könnte meinen, dass gerade alle beim Einkauf sind. Was ich in diesen Zeiten wirklich am meisten liebe, sind die Ehemänner, die von ihren Frauen derzeit aufgescheucht werden, um gemeimsam zum Einkauf zu fahren. Ich kapiere es nicht! Wir sollen weniger Menschen da draußen sein, um besser Abstand halten zu können. Da der Ömmes aber ohnehin zu debil ist, sich in Supermärkten zurechtzufinden, steht er nur im Weg, fasst alles an und wirkt massiv verunsichert. Ähnlich auch das Exemplar am Leergutautomaten. Es gibt drei Stellen, aber nur zwei sind real zu besetzen, denn ganz links steht ebendieser eine Mann, der gleich von zwei Frauen angefeuert wird, den Leergutautomaten zu füttern. Warum die sogar zu dritt unterwegs sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin mir sicher, er muss eine Wette verloren haben, denn der ganze Einkaufswagen ist voller Leergut. Nicht nur voll, sondern randvoll! Das wird dauern. Und schon dreht sich die Dame in der Schlange vor mir um und kotzt sich bei mir aus: „Wie kann man nur so lange mit diesem Leergut warten? Was sind das für Menschen, die das so lange sammeln?“ Ich zucke mit den Schultern. Es ist mir nicht egal, es ist mir scheißegal. „Mal ernsthaft: Finden Sie das noch normal?“ Ich zucke wieder mit den Schultern und sage: „Na, jeder, wie er mag.“ „Gucken Sie doch mal, Sie haben doch auch nur ein paar Flaschen, ich auch. Muss das denn sein, dass das so viel ist?“ Wenn sie gleich vom Verfall der Menschheit anfängt, wird es schwer, noch durch die Maske zu atmen, weil ich dann vermutlich spucken muss. Aber da hat der Leergutgott ein Erbarmen. Die Dame kann zum mittleren Automaten vorziehen und hört mit dem Gemecker auf.

Ich sehe sie dann leider noch mal im Laden, wo sie eine Frau wegen was anderem belehrt. Zügig schiebe ich meinen Wagen weiter und höre noch, wie sie ergänzt: „Ich will Ihnen ja gar nichts. Ich will nur behilflich sein!“ Da denke ich wieder an den Spruch: „`Lass Dir aus dem Wasser helfen´, sagte der freundliche Affe und setzte den Fisch behutsam auf den Baum.“ Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“. Ich rege mich auch über manches da draußen auf. Und bei den Toilettenpapier-Hamsterkäufen habe ich ja auch zum öffentlichen Angriff geblasen. Aber ansonsten halte ich mich zurück. Klar, verstehe ich manche Menschen nicht. Diese vorhin erwähnten Ehepaar-Einkäufe, damit der Mann nicht allein Zuhause rumdümpelt. Nachher zockt er noch Playstation! Und da die Kinder schon groß sind, erziehen sie eben jetzt ihre Ehemänner. Aber kack´ ich sie deshalb an? Belehre ich sie? Nö. Ich amüsiere mich. Nur ist das wohl etwas, das vielen Menschen gerade abgeht. Ich sehe zwei Männer, die sich gegenseitig ankötten. Warum nur? So viel Aggressionspotenzial. Puh…

Passend dazu erhalte ich ein Musikvideo, dass wir aufstehen und uns wehren sollen. Unsere Freiheit werde so beschnitten…und fraglich sei, ob wir unsere Rechte jemals wieder zurückerlangen. Ehrlich? Auch jetzt noch? Es gibt schon einige Lockerungen. Andere Länder feiern uns für unseren souveränen Umgang. Und hierzulande gibt es immer noch Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben?

Ähnlich auch die Einstellung zur Arbeit. Ja, ich finde es auch nicht toll, in Kurzarbeit zu sein. Aber immerhin bekomme ich Geld. Im Gegenzug kann mein Arbeitsgeber sich aussuchen, wann ich zur Arbeit zu erscheinen habe. Und wenn er – wie gestern – kurzfristig was umplanen muss, dann ist das sein gutes Recht. Aber einige deuten das direkt als böse, hinterlistige Machenschaft. Sie hätten schon so was Schönes geplant. Hä? Es ist ja kein richtiger Urlaub, der uns nach wie vor auch noch zusteht und nicht gekürzt wird. Ich mag auch hier manches nicht, was Vorstand und Führung an Verhalten zeigen, wie wenig sichtbar sie sind und den Menschen erklären, was passiert. Aber ich habe keine Kündigung auf dem Tisch. Gestern haben Führungskräfte eines anderen Centers konferiert. Einer hatte Nachrichten vom Betriebsrat, die den anderen nicht gepasst haben. Was haben sie gemacht? Richtig, sich ans Mittelalter erinnert und den Spruch „der Überbringer schlechter Nachrichten wird geköpft“ wörtlich nehmen wollen. Dem ist dann mal eben das Messer in der Hose aufgegangen. Aber er war erschüttert, wie aggressiv und vollkommen asozial seine Kollegen reagiert haben. Immerhin hat sich einer entschuldigt. Der Rest ist schockiert verstummt.

Wo bleiben denn die sozialen Umgangsformen? Unten spielen wieder die Kinder (dieses Mal vier. Ob ich die 250 Öcken einstreiche und sie anzeige – haha!). Die kriegen das nach der Zeit der Isolation auch wieder locker hin.  Klar, wird da auch schon mal geschimpft oder – wie vorhin – heulend nach der Mama gerufen, aber sie spielen miteinander, nicht gegeneinander. Und nein, ich will nicht predigen. Aber ich bin sehr erstaunt, wie manche Menschen sich gebärden. Ihr nicht?

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