Heute gibt es keine Ausrede mehr, heute muss ich ran. Puh, ob das wohl sehr schmerzhaft wird? Ich ziehe die Zeit noch etwas in die Länge. Aber: Was sein muss, muss sein. Packen wir den Stier mal bei den Hörnern… oder vielmehr den Schweinehund bei den Lefzen.

Gestern kam noch der nette Hinweis, dass ein schnöder Hula Hoop Reifen es genauso täte und die Beckenbodenmuskulatur stärken würde. Ääääh, als wäre diese Muskulatur mein einziges Problem!!! Und mal davon abgesehen: Dafür hätte ich noch weniger den Platz. Das Trampolin füllt exakt die Lücke zwischen Tisch und Schrank. Ich kann also nach vorn gesprungen nur auf dem Tisch landen und nach hinten gesprungen nur zurückgefedert werden. Tolle Aussichten!

Ich suche mir bei YouTube ein Anfängervideo mit einem netten, männlichen Trainer. Gottseidank kann nur ich ihn sehen und nicht er mich. Abgesehen davon, dass ich schnell keuche und verschwitzt bin, trage ich keinen BH. 😉 Sogesehen ist es fast wieder schade, weil er vermutlich vor lauter Lachanfällen nicht mehr weiter einheizen könnte. (Memo an mich: Die Schwerkraft ist eine dumme Nuss! Nächstes Memo an mich: NIEMALS ohne BH hüpfen!!! Bis Körbchengröße B ist das vielleicht noch neckisch-erotisch. Darüber hinaus ist es nur noch dämlich-lachhaft.)

Zwischendurch schießt mir keuchend ins Hirn: Der Trainer kriegt ja gar nicht mit, wenn ich einfach aufhöre! Ha! Das hier ist ja ohnehin nur aufgezeichnet. Wen juckt es denn, ob ich das durchziehe?! Eben! Dann bin ich mir jedoch auch schnell wieder sicher, dass das mein Schweinehund ist, der mir das zuflüstert. Aus jetzt, Brutus!

Ich hüpfe und strample weiter. Nach 23 Minuten ist es vorbei. Die Beine fühlen sich ein bisschen an wie Pudding. Nee, nicht wie üblich, sondern wackelig. Meine Kollegin ruft mich an, während ich noch keuche. Wir wollen später noch zum Schloss Nymphenburg. Als ich ihr stolz von meiner Trampolinorgie berichte, ist sie ganz angetan, bevor sie dann allerdings sagt: „Ok, dann klingel nur kurz durch, wenn Du nachher da bist. Die Treppe hoch zu mir schaffst Du jetzt ja bestimmt nicht mehr.“ Ich setze an zum Protest, aber meine Beine sind lauter, weshalb ich nur ein „is gut“ hinterherschiebe. Immerhin wohnt sie im dritten Stock!

Da ich jetzt mehr Zuhause bin, kriege ich erstmal mit, was hier abgeht, während ich sonst arbeiten bin. Vorhin hatte ich nämlich schon wieder Besuch auf dem Balkon. Da kommt so ein kleiner Piepmatz angeflogen und setzt sich auf mein Balkongeländer. Erst der Eichelhäher, gestern eine kleine Meise und heute? „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ – schießt mir spontan in den Kopf. Jo. Der kleine Scheißer ist eine Nachtigall. Und die piept mich an, wobei sie immer kurz dazu in die Hocke geht. Will die mich etwa verscheißern? Die muss wohl eben mein Training beobachtet haben und will mich jetzt hops nehmen. Pfffff! Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen, Du kleines, überhebliches Stück! Nachdem sie sich genug lustig gemacht hat, fliegt die Nachtigall von dannen. Ich wette, die sieht auch nicht immer bei allem elegant aus!

Auf dem Weg zu meiner Kollegin habe ich mal wieder einen Spast hinter mir. Zunächst habe ich allerdings eine Trantüte vor mir. Puh, der fährt zwei Autos vor mir… er fährt 60 km/h in der 100er Zone…60 in der 70er Zone… Und dann 60 in der 50er Zone. Reschpekt! Diese Konstanz muss man erstmal hinbekommen. Die Ampel steht auf rot. Entsprechend komme ich auch zum Stehen. Der BMW-Fahrer hinter mir kommt zügig ran und bremst im letzten Moment. Ich liebe diese Nahauffahrer ja sehr. Im Rückspiegel erkenne ich dann, wie er in dem Auto liegt und einen auf megacool mit Sonnenbrille macht. Armer Kerl. So ein toller Wagen bei so kleinen Eiern. Da habe ich schon Mitleid. Auch seine Rechts-Links-Kombi bringt ihm eigenartigerweise nichts auf den vollen Straßen. Armes Klein-Eier-Würstchen.

Doch das ist ja auch so ein Phänomen. Ich kenne niemanden, der sich selbst als schlechten Autofahrer bezeichnen würde. Komisch, oder? Ich meine, ich kenne etliche, die es definitiv sind! Aber das geht schätzungsweise allen so. Wer weiß, wer so alles über mich meckert? That’s me so what from sausage!

Und in meiner Sturheit kenne ich jetzt mal nix und stampfe die Treppe in den 3. Stock hoch. Der Hermesmann, der nach mir hochgeht, schnaubt derweil. Ha, der hat garantiert keine Trampolinrunde hinter sich. Ja ja ja, ich weiß, die haben es echt nicht leicht. Ich will ja auch gar nicht mit ihm tauschen. Ich sammle lediglich Beispiele für die mich verarschende Nachtigall, falls sie denn morgen wiederkommen sollte. So!

Schloss Nymphenburg ist wieder einmal traumhaft schön. Und es sind sooooo viele Menschen unterwegs. Genau das macht so viel Spaß. Wir spazieren fast zwei Stunden lang, während wir Spaziergänger, Gänse und Schwäne beobachten, vor Verzückung quietschen, wenn wir kuschelnde Pärchen entdecken und kichern, wenn wir Joggerhintern vergleichen. Da gibt es riesige Unterschiede. Ich hatte mir leider schon gestern Blasen unter den Füßen gelaufen, die jetzt noch mehr jodeln, aber ich bin heute rundum zufrieden. Gute Laune habe ich ja meistens, aber heute bin ich voll zufrieden mit mir selbst. Und das fühlt sich saugut an. Die Nachtigall kann also ruhig kommen.

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