Nach dem Hüpfen ist mittendrin im Muskelkater. Na, wer hätte das gedacht? Ich gebe zu: Ich schon. Und trotzdem war ich so todesmutig. Mein Stolz kennt keine Grenzen. Im Grunde ist es auch kein schlimmer Muskelkater. Ich hatte schon krassere – eigentlich immer, wenn ich so deppert bin, mit meiner Familie auf „Pipitouren“ durch die Berge zu latschen. Danach bin ich immer tot, weil die geplanten Touren immer (und ja, hier kann ich ehrlich sagen „immer“) größer ausfallen, als sie ursprünglich geplant waren. Diese so entstandenen Muskelkater haben auch mal zu dem geflügelten Wort: „Codename: Hüftschaden“ geführt. Ja, das mag sich hier lustig anhören. In dem Moment war es schmerzhaft…und weit entfernt von lustig. Aber auch das habe ich überlebt.

Heute soll ich im Laufe des Tages erfahren, ob ich Freitag arbeiten soll/darf oder eben nicht. Vormittags habe ich ohnehin meine private Freitags-Fortbildung, aber was am Nachmittag ist, steht in den Sternen. Entsprechend harre ich wieder mal der Dinge, die da kommen werden, und starte mit einer Teambesprechung. Ein Kollege geht uns ab. Wieso? Weil er ein Problem mit dem Auge hat. Ääääh, wir skypen – ohne Video (ja, auch Heinz). Aber gut, ich muss ja nicht alles verstehen. Wieso sollte ich mit dem Anspruch heute beginnen wollen? Eben. Ich lache mich wieder durch dieses Meeting, was flugs vorübergeht. Aber nach dem Meeting ist vor dem Meeting. Hach, es ist echt wie im Fußball. Ok, wir haben keine Geisterspiele…wobei…wartet mal…wenn ich die abwesende Hirnkapazität zählen darf, ist das durchaus doch vergleichbar. Sei es drum.

Es startet mein Webinar. Den externen Trainer kenne ich schon und weiß, heute ist gaaaaaaaaanz viel Geduld und Verständnis meinerseits gefragt. Ich kann das. Hey, ich kann sogar Trampolin hüpfen, ohne mich oder meine Einrichtung zu verletzen. Dann dürfte das nicht die größte Herausforderung meines Lebens werden. Im Hintergrund höre ich es rauschen. Ehrlich wahr, passiert mir bei diesem Trainer immer. Es gibt sogar ein Buch zu dieser Methode, von dem eine Kollegin behauptet hat, es würde ihren Intellekt beleidigen. Und leider hat sie Recht. Immerhin soll es sich aber als Kaminanheizer eignen. Das ist doch auch schon was.

Meine Kollegen trudeln ein. Hier ist ein Teil der Führungsmannschaft vertreten. Meine Aufgabe als Coach ist es, anwesend zu sein. Sollte es Fragen geben, dürfen sie fragen. Ansonsten bin ich stummer Gast. Ich sage ja: Es ähnelt doch den Geisterspielen. In einer kurzen Pause spüle ich etwas in der Küche ab, während es eigenartig rauscht. Hm…ich drehe erneut den Hahn auf. Wieder komisches Rauschen – anders als sonst. Dann schaue ich nach: Ha, das dämliche Rohr hat sich gelöst. Ganz großes Kino. Es kann erst vorhin passiert sein, weil noch nicht viel Wasser rausgelaufen ist. Zunächst möchte ich aber alles wieder anschließen, bevor ich alles ausräume und trocknen werde. Dabei fällt mir auf, dass der Dichtungsring etwas verdreckt ist. Sinnvollerweise sollte ich diesen mit Wasser säubern. Was macht die kluge Frau dann? Richtig, sie dreht nicht diesen Wasserhahn dafür auf. Was mache ich? Drehe natürlich exakt an diesem Hahn. Ich hab´s ja eilig. Surprise, surprise: Das Wasser läuft unten wieder raus.

Kennt Ihr das? Dass Ihr Euch über Eure eigene Doofheit köstlich beömmeln könnt? Ich kenne das ziemlich gut. Nicht jeden Tag, das mag sein. Aber spätestens jeden zweiten Tag finde ich mich ungewollt echt sehr komisch. Ist doch auch was Schönes. Ich glaube, wenn man sich selbst allzu ernst nimmt, wird das Leben ganz schön blöd. Entsprechend tu´ ich das auch nicht und habe Spaß. Leider biete ich aber auch immer ganz schön was an.

Natürlich reinige ich den Dichtungsring nun im Badezimmer und schraube danach wieder alles zusammen. Und dann krame ich den Schrank aus – im Schweinsgalopp. Diejenigen, die mich nicht kennen: Ich horte. Immer. Nicht Corona bedingt. (Und schwups, wird China wieder mitlesen. Die waren die letzten Tage immer wieder aktiv hier. Nur wegen dieses C-Wörtchens…grandios!) Das habe ich immer schon getan. Mir sitzt die Zeit im Nacken, also muss ich zackig machen. Ausräumen – abtrocknen – neu sortieren. Was soll ich sagen? Wenigstens mache ich zumindest eine Sache am Vormittag, die Sinn ergibt.

Passend zum Webinar, schaue ich nach draußen auf den Balkon. Nix. „Koa oide Sau“ lässt sich blicken – und somit auch kein Vogel. Klar, heute hüpfe ich ja hier auch nicht. Und es regnet, weshalb die meisten Vögelchen wohl Unterschlupf suchen und nicht rumfliegen. Ich sage nur: Karma, kleine Nachtigall, Karma!

Da ich wirklich nonstop stiller Teilnehmer bin, schiele ich irgendwann rüber. Ich habe mir mal Sportsachen gekauft (ich sage doch: Ich horte!!!!), die ich jetzt anwenden kann. Und so arbeite ich mit den Minihanteln, dem Beinpressring (keine Ahnung, wie der in echt heißt) und freue mich, wenigstens die Zeit totzuschlagen, ohne jemanden zu schlagen…und ohne einzupennen. Es hilft! Ich bleibe wach! Damit hätte ich nicht gerechnet. Morgen muss ich ja rein in die Firma. Da läuft das eh anders. Aber für heute ist das echt eine gute, effiziente Maßnahme.

Wisst Ihr, was echt komisch ist? Wenn man (ich) nur zwei Tage arbeitet und peinlichst auf die Zeit achten muss, ist man so was von ineffektiv. Ich bin müde, bin bei allem nur oberflächlich dabei und nicht produktiv. Die Kollegen, die mir zugeschaltet sind, sind komplett alle Tage anwesend. Aber vielen in der Firma geht es wie mir. Damit habe ich in der Tat nicht gerechnet. Zumindest steigern wir uns ab übernächster Woche auf drei Tage pro Woche (vorhin kam die Info, dass ich Freitag nicht arbeite) und dann zeitnah auf vier Tage. Aber auf absehbare Zeit wird es freitags gar keine Arbeit geben. Damit kann ich wiederum gut leben, da ich freitags ohnehin meine Fortbildung habe. Aber es ist schräg. Ich würde lieber durchweg voll arbeiten oder gar nicht, denn das hier ist einfach nur komisch und wenig produktiv. Mit der Meinung bin ich zum Glück nicht allein. Dieses komische Gefühl habe ich von allen Seiten bestätigt bekommen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Doch das hieße im Umkehrschluss, es wird jetzt zur Gewohnheit, weniger zu arbeiten und später – beim Vollbetrieb – verdammt mühselig, wieder voll da zu sein. Ich bin gespannt. Aber für heute habe ich erstmal fertig. Auch nicht schlecht für jemanden, der immer Überstunden macht und nie „nein“ zur Arbeit sagt. Ob ich davon etwas in die „normale“ Zeit danach rüberretten kann? Bleibt abzuwarten…

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