Die Sonne ist wieder da. Gut, erstmal muss sie sich etwas interessant machen und hinter leichtem Nebel verstecken, nur um dann in ihrer vollen Pracht zu erscheinen. Ich hab den Regen genossen, aber jetzt wieder Sonne ist für mich auch völlig fein.

Wisst Ihr, was ich toll finde? Menschen, die Visionen haben. Ich weiß, Altkanzler Helmut Schmidt hat gesagt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Ich seh das anders. Wir brauchen viel mehr Menschen mit Visionen. Nicht solche, für die man Drogen einschmeißen muss. Sondern solche, zu der im Grunde alle Menschen fähig sind, wenn sie es zulassen. Und ich wünschte, ich hätte sie nicht nur, sondern würde danach leben.

Es gibt Menschen, die wissen schon sehr früh, was sie wollen. Manchmal hört man das bei Schauspielern ja, die erzählen, dass sie immer ins Fernsehen wollten. Oder Ärzte, die schon als Kind gewusst haben, dass sie einmal Arzt werden würden. Ich war nicht so.

Als Kind habe ich meine Freiheit sehr geschätzt. Meine Sis hat beim Telefonat vorhin das kleine Mädchen draußen schreien hören. Kein alarmiertes Schreien, sondern einfach ein Freiheitsschreien. Trocken kam durch den Hörer: „Halleluja, die Kleine schreit aber laut. Und auf der Frequenz! Komisch, dass ich da an Dich denken muss, hä?“ Ja, ich habe das als Kind auch geliebt. Heute traue ich mich das gar nicht mehr. Schade eigentlich.

Was ich allerdings mit Visionen meine, ist nicht so was, wie: Ich werde Arzt/Pilot/Journalist/Tänzer etc. Es sind vielmehr (zumindest für mich) Projekte, die etwas bewegen und verändern. Da hatte ich schon Ideen. Ich wollte beispielsweise eine Art Alten-Wohnheim aufbauen, das zusätzlich über eine Kindertagesstätte verfügt. Vorwiegend würde ich Frauen einstellen, die ihre Kinder mitbringen dürften – vor der Schule, nach der Schule, in den Ferien. Alte und Junge würden gemeinsam den Alltag erleben, gemeinsam kochen, lesen, spielen usw. Es gäbe feste Bewohner und Senioren, die nicht allein sein dürften, deren Kinder aber tagsüber arbeiten müssten. Quasi eine Senioren-Tagesstätte. Ich weiß, so was gibt es heute. Die Idee hatte ich, bevor es das schon gab. Und ich hätte es auch anders, miteinander aktiver gestaltet. Aber dazu braucht es Geld. Lotto habe ich hin und wieder gespielt – aber nur bei fettem Jackpot.

Heute ist das nicht mehr meine Vision. Heute träume ich lieber von Afrika. Ich würde gern ein Waisenhaus eröffnen. Ja es gibt schon einige, aber noch zu wenig. Ich würde gerne Bildung und Gesundheit fördern und vor allem Liebe und Geborgenheit schenken. Klingt pathetisch, ich weiß. Aber die Vorstellung finde ich toll….

Allein… der Mut fehlt. Ich liebe Sicherheit. Aber – wenn wir eins gerade doch lernen: Es gibt keine Sicherheit. Es ist ein Trugschluss, was ich als Sicherheit empfinde. Das soll nicht fatalistisch klingen! Aber Sicherheit ist doch wirklich sehr relativ. Wir können planen und tun und machen… am Ende kommt es doch häufig anders. Warum soll ich dann nicht einfach etwas wagen? Manche halten mich heute schon für mutig, weil ich für einen Job 650 km weit weggezogen bin. Oder weil ich drei Monate in Peru war, ohne die Sprache zu sprechen. Aber das ist für mich nicht mutig. Es ist immer noch ein Sicherheitsnetz gespannt.

Vielleicht verändert sich durch Corona etwas… vielleicht auch durchs Älterwerden, ich weiß es nicht. Aber ich träume weiter, hab meine Phantasie – und vielleicht auch irgendwann den Mumm, es anzupacken. Was hab‘ ich denn zu verlieren? Wie heißt es so schön: „Man bereut nicht, was man getan hat, sondern was man nicht getan hat.“ (Marc Aurel)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s