Christi Himmelfahrt… den meisten wohl als Vatertag bekannt. Als „Herrentag“ hatte ich ihn nicht auf dem Schirm. Am Muttertag feiern wir Nicht-Mütter uns ja auch nicht. Und warum am Vatertag immer das Bier dazugehören muss, kapiere ich auch nicht. Ja, wir Frauen trinken im Gegenzug einen Prossecco – wobei ich persönlich dieses Zeug ja eklig finde. Aber mit Bollerwagen, der mit Sektflaschen bestückt ist, ziehen die Mütter doch auch nicht durch die Gegend. Ich versteh das alles nicht so ganz, aber muss ich ja auch nicht.

Spontan fahre ich heute mal wieder ins Hinterland. Gestern Abend haben wir uns kurzerhand zum Frühstück verabredet. Die Semmeln bringe ich mit, weil ich ja eh mit dem Auto unterwegs bin. Ich biege also brav auf den Parkplatz der Bäckerei ab und kann es nicht fassen: Da steht eine elend lange Schlange draußen. Puh. Leider stehen sie auch auf dem Fahrweg – einer mittendrin. Und er geht keinen Millimeter auf Seite, sondern schaut mich blöd an. Es zuckt in mir. Ich würde gerne aussteigen und ihn zwei Schritte nach vorne prügeln. Ja doch, Gewalt ist nicht. Ich lebe es nicht aus, aber kennt Ihr dieses Gefühl nicht? Gut, es kommt auch etwas PMS hinzu. Also verzeih ich mir das mal großzügig.

Irgendwie schaffe ich es dann doch noch, einen Parkplatz anzusteuern. Es dürfen nur zwei Kunden zur selben Zeit in die Bäckerei, wo zwei Bäckereifachverkäuferinnen bedienen. Es funktioniert recht gesittet. Dumm ist dann allerdings das Pärchen, das gemeinsam Kuchen kaufen geht. Ich verstehe ja schon dieses Gemeinschaftseinkaufen im Supermarkt seit Corona-Zeiten nicht. Aber zu zweit zum Bäcker? Somit darf kein weiterer den Verkaufsraum betreten. Und der Ömmes braucht… und braucht… und braucht elendig lange, um zu begutachten. Von außen kann man dabei zusehen, wie er in Seelenruhe die Auslage abläuft – mehrfach. Kennt Ihr solche Menschen? Die so gar keine Antennen für ihre Mitmenschen haben? In die Kategorie fällt dieser Mann. Und ja, auch ihn würde ich gerne hauen. Oder anschreien. Denn richtig festegestellt, zu diesen Zeiten bin ich echt gereizter und meine Zündschnur recht kurz. Als die beiden dann endlich mit vier Stückchen Kuchen nach fünf Minuten rauskommen, gehen die nächsten Leute rein. Der Mann vor mir kann leider nicht bis zwei zählen. Daher schlappt er als Dritter hinterher. Ich bin froh, als ich zackig wieder raus bin und fahren kann.

Wir sind nur zu zweit, ratschen, lästern und genießen es, auf der überdachten Terrasse zu frühstücken. Meine Freundin bietet mir erneut an, zwischenzeitlich bei ihr einziehen zu können, sollte es mit dem Job doch nicht weitergehen. So wirklich lustig sieht es nämlich echt nicht in meiner Firma aus. Dabei will ich nächstes Frühjahr unbedingt noch meine Prüfung hier machen. Insofern bin ich sehr erleichtert, dass es schon Lösungen gibt, bevor ein Problem überhaupt entstanden ist.

Wir drehen eine große Runde in der Sonne und kommen an einem Biergarten vorbei. Puh! Da sind etliche Männer, und keiner von ihnen trägt eine Maske. Ich hoffe nur, dass hier keine Polizei vorbeikommt. Mit diesem angeschickerten Haufen würde ich ungern diskutieren wollen. Neben Tracht entdecke ich etliche Biker in schwarzer Kutte. Da stehen auch schon zig Bikes in Reih und Glied. Ein Anblick für die Götter. Schade, dass ich zu schissig bin, einen Motorradführerschein zu machen.

Und dann beobachte ich sie – das kleine Wunderwerk: Die Hummel. Mein Gott, steh ich auf diese Viecher! Sie sind nachweislich zu schwer, als dass sie fliegen könnten. Aber irgendwie sagt ihnen das niemand, weshalb sie es trotzdem tun. (Ob ich dann wohl auch Mathe kann? Oder Sport mögen könnte?) Wenn dann nur noch ihr pelziger Hintern aus der Blüte ragt, bin ich vollends hin und weg. Und wie herrlich satt ihr tiefer Brummton ist, wenn sie wieder abhebt. Hummeln sind einfach die Besten. Bienen sind nützlich und effizient. Wespen sind präzise und zackig. Aber Hummeln? Die sind gemütlich und einfach süß. Ich könnte mich glatt hier hinlegen und ein bisschen in der Sonne vor mich hindösen, während ich dem Brummen lausche. Leider verstecken sich aber auch überall hier diese fiesen Zecken. Die hingegen kann ich leiden wie eingeschlafene Käsefüße.

Und so laufen wir einfach weiter, bestaunen die Blütenpracht rundherum und lassen den lieben Gott mal wieder ’nen guten Mann sein. Er hat vermutlich auch Herrentag. Ob da auch Corona herrscht? Man weeß et nüscht. Auch wenn manche Grenzen öffnen, bleibt die hoffentlich noch lange geschlossen.

In diesem Sinne: Schönes langes Wochenende mit netten Menschen, keinen Warteschlangen und guter Laune.

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