Oh man, heute habe ich wieder Webinar beim Erzählonkel. Er ist echt so ein Opi, der mal Professor war. Ich appe nebenher, weil ich sonst nicht wach bleiben kann. Echt erschreckend. Die gute Nachricht: Nach diesem Webinar habe ich den Guten nicht mehr in der Grundlagen-Ausbildung. Immerhin etwas. Und da wir immer noch bei der Entwicklungspsychologie sind, gibt es natürlich auch pikante Themen. Und plötzlich bin ich hellwach. Hat er gerade echt? Also wirklich? Jepp, er hat Pimmel gesagt. Hallo? Ich schmeiße mich hier weg. Wer sagt das als schätzungsweise Mitt-70er in einer Vorlesung? Später weiß er auch nicht, wie er Hape Kerkeling bezeichnen soll in seiner Berufsausübung. „Also dieses Buch ´Der Junge muss an die frische Luft´…von diesem…ääääh….Spaßmacher.“ Wir sind kollektiv erstaunt, dass er nicht „Hofnarr“ oder „Gaukler“ sagt. Das scheint eher seiner Zeit zu entsprechen. Ich habe wirklich große Mühe, ernst zu bleiben und danke – wem auch immer da oben – dass es eine Mute-Funktion gibt. Es wäre schon schlimm, wenn er mich ein Pferd wiehern hören würde.

Und dazu? Ist es schwül. Das wird nicht mein Tag, schätze ich. Aber es kann ja auch nicht immer Kirmes sein. Obwohl es gerade in unserem App-Chat um Barbie geht. Gut, da komme ich schon ins Schwelgen. Sie wollen natürlich gerne, dass ich die Geschichte von Ken dem Erzählbär berichte. Denn mein Ken wurde ja immer sofort rausgeworfen. Es blieben nur die Barbies übrig, die dann friedlich miteinander gespielt haben. Ich benötige aber gar keine Erklärung hierfür. Ich weiß, dass ich schon früh clever war: Mit Männern kommt nur der Ärger. Und muss ich dann wirklich im Plenum damit angeben? Nein, ich genieße die Tatsache der frühen Einsicht einfach. 🙂

Es gibt nur zwei Männer in unserer Gruppe. Sie erfüllen nicht die Klischees, die ich im Vorfeld so von Kerlen hatte, die Heilpraktiker für Psychotherapie werden wollen. Beide sind nicht Müsli (und essen es auch nicht) und trinken ebenfalls keinen Mate-Tee. Aber ein bisschen speziell sind sie trotzdem. Ich finde komplizierte Frauen schon manchmal echt eine Herausforderung, aber komplizierte Männer? Sind fast so schlimm wie Kerle, die länger im Bad brauchen als ich. Oh man. Und einer fällt in die Kategorie „kompliziert“. Dabei gibt er sich sehr geheimnisvoll, gibt nichts von sich preis und versucht, durch besonders intellektuelle Einwürfe oder eigenartige Interpretationsansätze die anderen zu provozieren – und scheitert kläglich. Dabei schätze ich ja gerade an den meisten Kerlen, dass sie so nüchtern sind und gar nichts interpretieren. Das tun wir Mädels eher. Also sollten sie das Feld auch den Meisterinnen überlassen. Wie gut, dass mein Ken dafür schon in meinen Kindertagen Verständnis hatte.

Den meisten ist der Kerl mit der Zeit zu anstrengend – „nett, aber etwas nervig“ ist der häufigste Kommentar zu ihm. Ich bin, wie gewohnt, ja geradeheraus und sage ihm, dass ich es niedlich finde, wenn er mich provozieren wolle, was aber leider nicht funktioniere. Keine Ahnung, aber so Standard-Sprüche, wie: „Du klammerst bestimmt in einer Beziehung zu sehr“, perlen einfach an mir ab. Ich habe Macken…viele…aber die gehört einfach nicht dazu. Und daher kann er leider auch hier nicht ansetzen. Dabei möchte er so gerne schon jetzt therapeutisch aktiv werden. So ein Ärger aber auch. Wir könnten über meine Heinz-Aversion und was wohl dahinter steckt reden, aber da er den nicht kennt, wird es schwer, mich da zu provozieren. Vermutlich nervt ihn das schwüle Wetter aber auch einfach, wie die meisten Leute heute.

Und so gehe ich in die Stadt, damit ich mich a) bewege und b) meinen Kopf etwas frei bekommen kann, nachdem ich den Vormittag krampfhaft versucht habe, nicht einzuschlafen. Und Alkohol am Vormittag ist nun mal auch ein Tabu für mich (warum eigentlich?). Auf meinem Weg Richtung Stadt kommt mir ein Mann entgegen mit einem schwarzen T-Shirt. So weit, so unspektakulär. Aber darauf prangt ein Spruch: „Gamer – weil die Menschen Scheiße sind“. Ok, ich glaube, ich wünsche mir gerade doch meinen Kollegen aus der Fortbildung her. Soll er mich provozieren. Er muss sich eben etwas Mühe geben, aber er wird bestimmt etwas finden, wenn er nur noch ein bisschen probiert. Aber Menschen mit solchen Shirts sind echt der Untergang.

Also gehe ich weiter und hole schnell ein Paar ein, weil es so waaaaaaaaaahnsinnig langsam geht. Ich betreibe kein Powerwalking, aber den beiden hier könnte man unterm Gehen nicht nur die Schuhe besohlen. Ich glaube, ich könnte meinen Abschluss fertig haben, bevor die da angekommen sind, wo sie hinwollen – wenn sie sich denn überhaupt noch an ihr Ziel erinnern werden. Leider nehmen sie die komplette Fußwegbreite ein, weshalb ich hinter ihnen her kriechen muss. Also bin ich zum Zuhören verdammt. Er zu ihr: „Ich schwitze immer so sehr!“ Ihre patente Antwort darauf: „Mach’s wie der Dalai Lama. Der nimmt immer ein Handtuch mit auf die Bühne.“ Hä? Alter, das kann sich nicht mal einer ausdenken, so bekloppt ist das! Und dann piddelt er an ihr rum, legt seine Hand auf ihre Schulter und ich denke nur: Manche Gespräche würde ich lieber nicht hören, oder? Und seine schweißnassen Hände würde ich auch nicht auf mir haben wollen. Dann berichtet er von seinem Kollegen, der aus einem Ashram zurückgekehrt sei und mit dem Arbeitspensum nicht mehr hinterherkomme, weil alles um ihn herum in dieser Welt seine Energie rauben würde. Ich frage mich noch boshaft, ob sein Kollege ihn klammheimlich auch seiner Energie beraubt hat, da er so spritzig ist wie eingeschlafene Füße, als ich auch schon die Gelegenheit beim Schopfe packe und sie an einer breiteren Stelle überhole. Ich lasse das Energie-Gespräch hinter mir und laufe weiter.

An so einem Tag ist die Maske irgendwie noch unerträglicher. Ich schwitze darunter, und anderen geht es nicht besser. Ich gehe in einen Edeka, weil ich gehört habe, sie hätten dort bedruckte Masken. Nicht, dass ich eine bräuchte (ich habe genügend), aber eine mit dem Spruch: „Scheiß´ da nix, dann feiht da nix“ hätte ich mir dann für fünf Euro doch gegönnt. Hätte ich lustig gefunden. Und so laufe ich los, weil eine Verkäuferin draußen sagt, sie hätten Masken an der Kasse. Leider haben sie nur einfache Masken ohne Sprüche. Ich kaufe Vanilleschoten ein (die lagen da so rum…da dachte ich, ich gebe ihnen ein Zuhause in meinem nächsten Kaffeelikör) und will zahlen, als der Kassierer fragt: „Haben Sie einen Korb?“ Scheiße! Nein! Seit Wochen geht das doch schon so. Seit Wochen und Monaten, um genau zu sein!!! Ich habe es völlig vergessen. Er bemerkt mein Entschuldigungsgestammel und winkt ab: „Passt. Einfach nächstes Mal dran denken, ok?“ Und ich schiebe hinterher: „Klar, aber passt nicht. Das ist doch schon ewig klar, dass man einen Wagen nimmt oder eben einen Korb! Ich bin echt lala heute! Tut mir wirklich leid.“ Er beschwichtigt mich. Vermutlich befürchtet er, ich heule sonst gleich los. So schlimm ist es dann auch wieder nicht, aber ich verstehe mich trotzdem selbst nicht.

Ich trete den Heimweg an. Wenn ich so drauf bin, dass ich die grundlegenden Regeln der letzten Zeit vergesse, weiß ich nicht, was ich sonst noch so anstellen werde. Ich weiß nur, dass ich froh bin, wenn es morgen endlich regnet und die Luft wieder klarer wird. Ihr auch? Also…locker weiteratmen – dann klappt die Zeit bis zum Regen auch. In diesem Sinne: Schöne Luft!

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