Heute muss ich früh raus. Es gibt eine Lunchbox, was ich verstehen kann. Frühstücken im Frühstücksraum wird noch etwas dauern. Ich bin ja auch nicht zum Urlaub hier, sondern zum Arbeiten. Was ich allerdings nicht verstehe: Es gibt die Boxen ab 6 Uhr. Ich bin um 6:15 Uhr unten, um mir meine Box und den noch viel wichtigeren Kaffee zu holen. Die Box muss jedoch direkt aus einer Kühlung gesprungen sein, da die in Frischhaltefolie entwickelten Brötchen (auf Wunsch nur mit Marmelade) eiskalt sind – und schon mal ganz weit entfernt von knusprig – wenn die denn je einen Ofen von innen gesehen haben. Dann brauche ich echt am besten gar keine Brötchen. Solche Gummiadler finde ich echt bäh. Aber immerhin sind Übernachtungen wieder drin. Dafür bin ich sehr dankbar.

Der Trainer der heutigen Schulung ist so, wie ich mir einen Trainer wünsche und versuche, selbst einer zu sein. Er ist bodenständig, erklärt praxisnah und findet Humor unverzichtbar in einer Schulung. Und das wirklich Beste: Er gibt einem nicht ein einziges Mal das Gefühl, zu dumm zu sein oder dass er es besser weiß. Im Gegenteil: Es ist eher so, als würde er einen einladen, gemeinsam mit ihm neue Abenteuer zu entdecken. Und dabei ist er wertschätzend, dass sich ein Wohlgefühl einstellt. So geht der Tag nur leider viel zu schnell vorüber.

Morgen geht es weiter – nur eben nicht für mich. Durch die Kurzarbeit ist ja klar geregelt, an welchen Tagen ich genau arbeiten darf. Sowie allerdings Reisezeit hinzukommt, sind die Stunden nicht einzuhalten. Ich habe allein gestern und heute der Firma ca. vier Stunden geschenkt. Das ist mal ok, aber auf Dauer kann das keine Lösung sein. Ich werde sehen, wie sich das weiterentwickelt. Meine Herausforderung hierbei bin ich selbst, weil ich mal eben hier und mal eben da noch was extra mache. Nicht gut. Aber jetzt habe ich erstmal Urlaub und freue mich auf meine Familie.

Und bei all dem kommt dann eine sehr liebe Kollegin zu mir und berichtet von ihrem Zahnarztbesuch. Aufgrund von Karies besteht der Arzt auf Röntgenaufnahmen. Auf diesen ist im Knochen eine wolkenartige Geschwulst zu sehen – Gottseidank verkapselt. Ein Spezialist solle sich das anschauen. Der bestätigt, dass ein zeitnaher Eingriff nötig sei. Ende Juni ist dieser Eingriff nun geplant. Was sie dann erst recht nervös macht: Sie komme umgehend auf die Warteliste. Sowie ein Termin vorher frei werde, komme sie noch früher dran.

Bumm. Die Saat der Angst ist gesät. Wir schauen uns an… In Corona-Zeiten sind Umarmungen nicht erlaubt. Und mittlerweile ist das Denunziantentum sehr groß geworden. Doch trotzdem, wie können wir das genau jetzt unterlassen? Und so gehen wir raus und steuern die Damentoiletten an. Kaum fällt die Tür ins Schloss, nehmen wir uns einfach nur wortlos fest in den Arm. Manchmal hilft kein Wort, keine Phrase, sondern nur eine lange Umarmung.

Ich baue darauf, dass alles gut geht. Es ist, wie gesagt, verkapselt – was auch immer es ist. Nur rücken solche Nachrichten alles wieder an eine andere Position. Was sind Gummibrötchen, Kurzarbeit, komische Kollegen oder ähnliches, wenn man Angst vor Krebs haben muss? Und Gewissheit gibt es frühestens in einem Monat. Zum Abschied sind mir alle möglichen Denunzianten egal. Ich umarme sie noch einmal ganz fest. Ich wünschte, ich könnte mehr machen. Ja, sie ist nicht allein und hat einen guten Partner. Doch der ist vermutlich auch überfordert. Gesundheit ist und bleibt einfach das Wichtigste…

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