Heute sieht man die ersten kleinen weißen Schleier am Himmel. Angeblich soll es ab morgen regnen. Ich glaube erst daran, wenn ich den Regen fallen seh. Echt krass, wie wenig Regen hier mittlerweile fällt. Da haben wir es im Süden nicht so trocken. Dafür fehlt mir in Bayern die Nähe zu Holland. Tja, es ist wohl wie immer: Alles kann man nicht haben. Mal schauen, wann oder vielleicht eher, ob ich je irgendwo „ankomme“? Ich dachte immer, das gehört definitiv dazu. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher. Vieles wird einem ja vorgelebt, so dass man die Vorstellungen einfach übernimmt und nicht mehr darüber nachdenkt, ob es wirklich auch die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind. Aber als rheinische Frohnatur lebe ich meist getreu dem Kölschen Grundgesetz. Daher passt das schon.

Meine Tage hier sind momentan noch das genaue Gegenteil vom letzten Besuch. Es gibt immer noch kein Lego, keine Nähaktionen, gar nix. Sehr komisch, weil ich auf volle Auslastung gesetzt hatte. Gut, mir wurde gestern schon angeboten, im Garten einer Freundin Unkraut zu jäten. Aber mal ehrlich: Alles hat seine Grenzen. Ich weiß genau, warum ich keinen Garten habe. Unkraut jäten ist dafür das beste Argument… ok, und Spinnen und anderes Krabbelgetier natürlich.

Und so wird heute bei meinem absoluten Hasswetter gechillt. Ernsthaft: Drückendes, heißes Wetter ist so gar nicht mein Ding. Meist werde ich wie ein Alien angeschaut, wenn ich sage, dass der Sommer für mich die blödeste Jahreszeit ist. Mir gefällt der Herbst am besten, dann der Frühling. Der Winter ist für mich auch voll ok, aber dann kommt lange nichts. Ich verstehe diese Brathähnchen nicht, die sich bei großer Hitze pratsch in die Sonne legen. Da halte ich es nicht mal fünf Minuten aus. Ich bin ja auch kein Hähnchen.

Im Schatten hingegen kann ich gut öngern. Ja, ist wieder so ein plattdeutsches Wort, das wohl dem Dösen im Deutschen am ähnlichsten kommt. Das klappt ganz gut heute. Öngern und ein bisschen lesen – während ich dauernd kleine Viecher von mir wegflitschen muss. Mal ist das ja echt ok (mit dem Chillen! Ja, ok, das mit dem Flitschen auch), aber auf Dauer? Und so beschließen wir für morgen, zu zweit frühstücken zu gehen. Das geht nur auf der Außenterrasse, aber vormittags soll es ja noch ganz nett werden. Morgen wären mein großer Neffe und ich nämlich in Urlaub geflogen. Da ist so ein Frühstück ja wohl das mindeste, oder?

Währenddessen schreibt der Kleine Mathe. Exponentielles Wachstum. Kennt sich ja jeder mit aus, oder? (Also zumindest meine Waage.) Oooh Gott, da würde ich lieber zu einer Wurzelbehandlung gehen, als noch einmal in meinem Leben eine Matheklausur zu schreiben. Ich schätze, so geht es dem ein oder anderen auch mit den unterschiedlichsten Fächern. Deutsch könnte ich glatt noch mal schreiben. Oder noch mal eine Philosophiestunde erleben – allerdings mit dem heutigen Wissen. Genetik in Bio würde ich mir auch gerne noch mal reinpfeifen, aber niemals Mathe. Vermutlich wäre ich in einer Matheklausur nur noch in der Lage, oben rechts meinen Namen und das Datum einzutragen. Ob das schon reicht, um eine fünf zu erzielen, bezweifel ich stark. Ich hab es in meiner Schulkarriere auch tatsächlich geschafft, zwei Mal eine sechs in einer Matheklausur zu schreiben. Trotzdem hatte ich nie eine fünf auf dem Zeugnis. Tja, ich war eben clever genug beim Pfuschen.

Und wenn ich jetzt so zurückblicke: Wozu hab ich das gebraucht? Wieso lernt man in der Schule so viele wichtige Dinge fürs Leben eben so gar nicht? Und wieso gibt es einen NC auf bestimmte Studienfächer, bei denen persönliche Reife und Sozialkompetenz aus meiner Sicht ausschlaggebender sind, wie beispielsweise Sonderpädagogik? Ich kapiere es nicht – heute genauso wenig wie damals. Was Schulbildung betrifft, ist Deutschland ähnlich rückschrittlich unterwegs, wie in der Digitalisierung.

Und so chill‘ und philosophier‘ ich gedanklich weiter vor mich hin, önger‘ ein bisschen, aber merke, dass ich das besser dosieren muss. Auf Dauer kann ich das nämlich nicht gut ertragen. Daher steht auch schon fest, dass wir morgen nach dem Frühstück die Pergola ausräumen und alles schrubben. Alles eben mit Maß – außer beim Kuchen. Da gelten andere Gesetze. Da fällt mir ein: Backen könnte ich auch mal wieder… wirkt auf mich ja immer therapeutisch. Und bestimmt schmeckt so ein Kuchen nach einer Matheklausur richtig gut, oder? Guter Plan… und jetzt wird noch was geöngert.

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