Yippiiiiiieh! Es regnet. Ja, diese Gegend hier hat es echt bitter nötig. Im Gegenzug hat meine Cousine in Amiland Land unter. Die ersten Tropenstürme haben sich auf den Weg gemacht und Fort Meyers ein bisschen unter Wasser gesetzt. Als hätten sie in Amerika gerade nicht schon genug Sorgen. Doch davon lassen sich Stürme herzlich wenig beeindrucken.

Meine Cousine in der Nähe von Freiburg postet heute Morgen den Spruch: „Cousinen und Cousins sind die ersten Freunde, und sie sind die einzigen, die wirklich wissen, wie verrückt Deine Familie ist.“ Wie passend, das ausgerechnet heute Morgen noch zu lesen…

Holland ist, wie es sein soll: Einfach nur gechillt und schön! Und dann so viele tolle Stände auf dem Markt. Das deutlich kühlere Wetter mit den dunklen Wolken ist nahezu perfekt fürs Einkaufen. Wir ströpen durch die Gassen und steuern den ersten Laden an. Von überallher kann ich niederländischen Klängen lauschen, was ich so liebe. Sprachen sind einfach was Tolles!

Auf einmal erschreckt mich jemand, und ich zucke zusammen. Hallo?! Wenn ich in meinem Shopping-Tunnel-Modus bin, kenn ich nix mehr und sehe auch nix mehr! Entsprechend erwischt es mich eiskalt – zumal ich ein „Erwischt!“ entgegengeschleudert bekomme. Ha, es ist eine meiner zahlreichen Cousine – und eine von denen, die ich richtig gern mag. Leider hat sie ihre süße Tochter nicht dabei. Völlig krank: Statt irgendwo einen Kaffee zu schlürfen, stehen wir uns eineinhalb Stunden die Beine beim Quatschen in den Bauch. Wir sind eben Frauen, wir haben uns viel zu erzählen. Herrlich zu hören, wie schön sie immer im Dialekt spricht. „Mir“ und „mich“ werden regelmäßig falsch benutzt – in der Regel zum klaren Vorteil fürs „Mich“. Und sie hat so köstlich das Herz auf der Zunge. Sie spricht von ihrer kleinsten Nichte und versucht zu erklären, wie sie ist, bis sie kurzerhand sagt: „Ach, weißte, datt is so eine wie Du un ich.“ Wir sind die jeweils Jüngsten in unseren Kleinfamilien und dafür bekannt, dass wir sagen, was wir denken und durchaus nicht mit Direktheit geizen. Da weiß eben jeder, woran er ist. Es ist echt schön, so ausgiebig zu quasseln, nur im Nachgang dämlich, dabei nicht muckelig irgendwo zu sitzen und ein Heißgetränk zu schlürfen.

Wie gesagt, bin ich ja auch direkt. Aber der Unterschied zu meiner Cousine: Mich trifft die Meinung anderer schon auch… wobei auch das deutlich weniger geworden ist. Es ist die Familie, die bei uns mit 13 Geschwistern (mein Vater ist der Älteste davon) ja regelrecht mafiös zu nennen ist. Da gab es immer eine Hackordnung. Wir erzählen uns ein paar Dönekes und meine kleine Cousine schüttelt zwischendurch nur den Kopf mit den Worten, wie froh sie sei, nicht in unserem Dorf groß geworden zu sein. Ja, das hätte ich durchaus auch begrüßt. Bei uns wohnten (und wohnen) gleich mehrere Familien nah beieinander. Und das bedeutete, immer unter Beobachtung zu sein. Es gab also durchweg gleich einige vermeintliche Erziehungsberechtigte. Für einen Freigeist wie mich, war das ein schlimmer Zustand. Je weniger ich auffiel, desto besser – so die Vorstellung meiner Eltern.

Ich falle aber nunmal auf. Nicht etwa durch Klamotten oder gefärbte Haare. Ich war einfach als Kind schon schlagfertig, bin – wie schon mal erwähnt – mit Vorliebe durch Pfützen gefahren und konnte auf zwei Fingern pfeifen. Ich hatte etliche „Warum’s“ auf den Lippen, die einem Mädchen aber nicht zugestanden wurden. Meine Mom hat sich immer schön weggeduckt, aus Sorge, unangenehm aufzufallen. Im Ducken bin ich hingegen bis heute nicht gut. Früher fand ich das manches Mal schlimm. Da gab es immer die beliebten Cousinen, doch das waren immer die Braven, Stillen. Heute finde ich es ok, nicht so zu sein. Ich bin nicht mehr erpressbar, was ich lange Zeit war. Und doch tut das ein oder andere noch weh, ärgert mich manche erfundene Geschichte zu meiner Person oder diverse Erpressungsversuche einer Tante. Und als Böckchen funktioniert mein Gedächtnis natürlich obendrein noch sehr gut, weshalb ich eben auch nicht vergesse…

Den Chai Latte trinken wir dann anschließend nur zu zweit (meine Sis und ich), wofür ich per QR-Code einchecken und mehrere Fragen beantworten muss – dabei sitzen wir nur auf der Außenterrasse! Aber es ist zu lecker, um einfach weiterzugehen. Mit einem Kibbeling runden wir den Tag ab. Und ja, ich preise immer Kuchen an, aber für die Menschen, die nicht an der Grenze zu Holland wohnen: Kibbeling sind kleine, frittierte Fischhappen. Mmmmh. Das ist auf einer Stufe mit Eis-, Reis-Kirsch-, Käsekuchen und Prinzregenten anzusiedeln. Ja, so lecker ist Kibbeling!

Glücklich, wenn auch etwas nachdenklich, geht mein Tag zuende. Ich hoffe, Ihr habt auch viele schöne Erinnerungen an Eure Kindheit. An dem Spruch auf einer Postkarte ist was dran: „Das Gute an Familie: Du bist nie allein. Das Schlechte an Familie: Du bist nie allein.“ Ich habe einige tolle Cousins und Cousinen, was schön ist. Und meine kleine Familie mit meiner Sis, meinem Schwager, den Neffen und der Freundin sind mir wahnsinnig wertvoll. Was jucken mich da die schrulligen Alten, die verbittert und unbelehrbar sind? Immer weniger. Ich bin auf dem Weg, auch wenn er noch was dauert… und freue mich auf den Besuch einer weiteren, verrückten Cousine am Samstag. Jo, so macht „Heimurlaub“ Spaß.

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