„Wenn man in Bayern lebt, muss man in den vorherigen Leben einiges richtig gemacht haben.“ Hallo??? Das ist einer der Sätze von meiner Dozentin heute. Sie will eigentlich nur sagen, dass es uns hier einfach sehr gut geht und lehrt uns nicht wirklich den Glauben an Reinkarnation. Aber trotzdem kann ich das nicht auf mir sitzen lassen. Ich schreibe in den öffentlichen Chat: „Und was ist bitte mit den Rheinländern???“ Da muss sie dann doch lachen und relativiert, dass es natürlich auch ein wahnsinniges Geschenk sei, Rheinländer sein zu dürfen. Na bitte, geht doch! Da ich rheinisches Blut habe und im schönen Bayern leben darf, muss ich wohl der Glückskeks par excellence sein.

Heute ist eine Mitschülerin hier. Kennt Ihr das, wenn man genau weiß, wie der andere tickt? So in etwa ist das. Sie ist Steinbock, Aszendent Zwilling. Nein, man kann nicht alles an Sternzeichen festmachen, aber in manchen Teilen schon. Gestern war ich beispielsweise bei einer Waage. Sie hat die Wohnung der anderen Kollegin übernommen, die auch eingeladen ist – und die ist ebenfalls Waage. Als meine direkte Kollegin das erste Mal die Wohnung der anderen besichtigt hatte, war sie, wie vom Donner gerührt. Warum? Es war in vielen Teilen sehr identisch zu ihrer Einrichtung. Nun schaut sich die Vormieterin die Bude nach Neubezug wieder an. Sie hat nur die Küche dagelassen und staunt, wie sehr sich die Buden ähneln. Dabei haben die blonden Ladies nicht IKEA-Möbel, bei denen man ja sagen könnte: Ok, ein Billy Board macht noch keine Überraschung. Puh, und echt alles ist farblich perfekt aufeinander abgestimmt. Das ist ja genau meins (nicht). Ich registriere das auch durchaus – wenn man mich darauf hinweist und mit der Nase darauf drückt. Ich schüttle zwischendurch den Kopf bei all den Aaaaaaahs und Oooooooohs und dem Gequietsche, was wie wohin passt und kommentiere nur, dass sie Tussen seien – was beide nur zu gern lachend bestätigen. Ehrlich? Das geht mir so völlig ab.

Bei mir ist es chaotischer, nicht alles farblich abgestimmt, weit entfernt von perfekt, aber gemütlich. Dazu haben die beiden Hühner ihre Kerle so erzogen, dass sie die Armaturen nach jedem Händewaschen sofort trocken reiben. Ääääh? Ja, wegen der Wasserflecken. Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, ich bin da wohl der Alien, weil ich das nicht so mache. War ich auf Toilette, wasche ich meine Hände – und nicht mein Waschbecken. Aber gut, jeder hat ja so seine Zwänge, wie ich letztens erst berichtet habe.

Wir Böcke sind da pragmatischer. Sauber mag ich es auch – aber nicht steril. Ich sterbe nicht an Wasserflecken (und wenn doch, hat mich Corona wohl nicht erwischen können). Aber auch in unseren Werten sind wir Böcke uns so erschreckend ähnlich… in der kanadischen Härte uns selbst gegenüber, in dem dogmatischen Gerechtigkeitsempfinden und der unbedingten Zähigkeit. Mei, ich lebe damit jetzt 43 Jahre und kenne es ja so. Und je älter ich werde, desto mehr kann ich vieles davon schätzen. Insofern bin ich mit mir versöhnt, was ich angenehm finde.

Vor allem aber nehmen wir zwei uns hier nicht so ernst, lachen uns scheckig und passen somit hervorragend in das heutige Thema der positiven Psychologie (Teil 2). Und irgendwie macht es das gerade noch etwas leichter, weil ich nichts erklären muss, sondern weiß, sie sieht es genauso. Das ist so, wie bequeme Hausschuhe zu tragen: Es bringt keine neuen Erkenntnisse, aber hat einen hohen Wohlfühlcharakter. Und so ist es dann auch nahezu lächerlich, als die Dozentin uns Dankbarkeitsübungen erklären möchte, die wir – wie selbstverständlich – schon lange so praktizieren. Wir sollen ad hoc drei positive Dinge von heute Morgen aufschreiben. Wem das zu schwer fällt, darf noch den gestrigen Tag dazunehmen. Wir haben unsere liebe Mühe, uns am heutigen Morgen auf lediglich drei zu beschränken. Das ist echt krass.

Derweil schreibt mir eine andere Mitschülerin, wie sehr sie das alles nerve. Sie sei durch ihre Spiritualität da viel weiter. Ich nenne sie immer liebevoll meine kleine Elfe, weil sie so spirituell ist, was ich als pragmatischer Steinbock nur in homöopathischen Dosen nachempfinden kann. Ja, doch, ich glaube an Sternzeichen, wodurch man mich auch in diese Eso-Schiene drücken kann. Aber in den meisten Belangen bin ich schon männlich-pragmatisch. Die Elfe fühlt sich jedenfalls getriggert und ich denke mir dabei so, dass es manch einen bei mir echt auch triggern könnte, wenn ich immer so halbvolle Gläser sehe. Da sehe ich in letzter Zeit immer deutlicher, wie weit diese zwei Lager auseinanderdriften. Ob das wohl so üblich ist in Krisen?

Von den Inhalten bekommen wir gar nicht alles mit, weil wir Parallel-Gespräche führen, weiterhin viel lachen und die Zweisamkeit genießen. Sie ist nach all dem Home Office ihres Mannes mal froh, rauskommen. Ich bin froh, mal jemanden in meiner Bude zu haben. Allein, ich bin sooooo müde. Dabei kommt später noch eine Freundin, mit der ich zum Essen verabredet bin.

Ein halbes Stündchen lege ich mich doch tatsächlich noch hin, bevor es weitergeht. Das griechische Essen ist superlecker, macht mich aber tendenziell noch müder, so dass ich bin selig, zufrieden und positiv ins Bett krabbeln kann.

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