Das mit der Sonne war wohl heute auch ein Auf und Ab. Mal war sie da, dann wieder weg. Irgendwie konnte sich das Wetter wohl nicht entscheiden. Das kann ich gut nachvollziehen. Mir fällt das derzeit auch nicht so leicht.

Entscheidungen sind ja so eine Sache. An sich ist es ja nicht so wahnsinnig schwer, sich für etwas zu entscheiden… wäre da nur nicht gleichzeitig auch fast immer eine Entscheidung gegen etwas oder jemand anderes inbegriffen. Eine Freundin hat mal gesagt, sie würde gerne in Parallelwelten leben. Das klingt wirklich spannend, oder? Wenn man quasi, wie in einem Computerspiel, mehrere Leben gleichzeitig haben könnte. Was würdet Ihr dann tun? Und ich frage mich, ob ich da nicht durcheinandergeraten würde? In einem Leben könnte ich Spionin sein, in einem anderen doch meinen Kindheitstraum der Archäologin realisieren, während ich in einem dritten Leben eine eigene Familie hätte. Es ginge auch, dass man in jedem Leben einen anderen Partner hätte. Puh! Wenn das kein Durcheinander gäbe! Wenn dann einer ein besonders guter Liebhaber wäre, würde so manche vielleicht auch wieder nur in einem Leben verweilen?

Aber Spaß oder Phantasie beiseite: Warum fallen uns manche Entscheidungen so schwer? Als Kind war das doch anders. Da konnte ich mich immer schnell entscheiden. Heute zögere ich auch nicht ewig, aber ich wäge mehr ab. Dieser unbedingte Glaube an die eigene Unfehlbarkeit ist irgendwie abhandengekommen.

Wenn ich dann zurückschaue, weiß ich nicht, wieso sie weg ist. Es gibt keine Endscheidung, die ich so richtig bereue. Es gibt Momente, da frage ich mich natürlich, was geworden wäre, wenn… wenn ich als Krankenschwester angenommen worden wäre? Wenn ich weiter weggezogen wäre – direkt nach der Schule? Wenn der erste Kuss einer anderen Frau meines damaligen Freundes mich direkt hätte Konsequenzen ziehen lassen? Wenn ich meine Mutter nicht gepflegt hätte? Von diesen Wenn’s gibt es sehr, sehr viele. Aber alle sind müßig, denn ich wäre nicht ich, wäre ich anders abgebogen. Also: Warum mache ich mir heute mehr Kopf als früher? Ich genieße den Luxus, nur für mich selbst verantwortlich zu sein. Das dürfte doch nicht so schwerfallen.

Letztens fiel es mir schwer, einen Satz zu beenden. Viele andere in einem Fragebogen gingen mir leicht von der Hand. Nur dieser eine nicht: „Wenn mir mein Ansehen nicht so wichtig wäre, würde ich…“ – ja, was eigentlich? Ich wohne 650 km von meiner Familie entfernt. Die ist durchaus ein Hemmschuh. So würde ich beispielsweise nie an Karneval vor meiner Schwester knutschen, was keiner verstehen kann. Aber hier? Auch hier achte ich auf Contenance. Doch das gehört irgendwie dazu… oder doch nicht? Ich achte immer noch darauf, was sich vermeintlich gehört und was nicht. Dabei wünschte ich manchmal, einfach wilder zu sein… und mutiger. Wir werden sehen, ob mir das nicht gelingt… Wie sagte Astrid Lindgren so schön: „Sei frech und wild und wundervoll!“

3 Kommentare

  1. Liebe Claudi, ein sehr schöner, nachdenklicher Beitrag. Diese Fragestellung an sich selbst, Rückschau kombiniert mit dem Wunsch, dass man doch noch etwas ändern könne, oder der Frage „ist dieses Leben schon alles? Kommt da nix mehr?“ erinnert mich an meine Anfang 40.
    Ganz ehrlich: ich war in der Midlife-Crisis (was ich natürlich erst hinterher gemerkt habe). Wenn also die 76 für Deinen Jahrgang steht, dann könntest Du auch drin stecken.
    Ich für meinen Teil habe zu dieser Zeit meinen Motorrad Führerschein gemacht und bin völlig gaskrank durch die Gegend gefetzt. Bis ich 3 Unfälle hatte und irgendwann wieder zu schätzen wusste, wie wundervoll mein Leben ist. Anders als Du, entscheide ich sehr leicht und zu diesem Zeitpunkt waren mir die Konsequenzen, die Gefühle anderer, vollkommen egal. Ich schäme mich ein bisschen wg. dieser Periode (ca. 1 Jahr), aber wie Du schon sagst: auch diese Entscheidungen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
    Manchmal muss man einfach loslassen. Reinspringen. No matter what…
    Ich bin sicher, Du bekommst das hin.
    LG und eine entspannte oder wahlweise spannende Woche,
    Nicole (alt und vermeintlich weise, hihi)

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    1. Liebe Nicole,
      danke für Deinen Kommentar. Ich bin ja immer froh, wenn sich mal jemand traut. 😉
      Allerdings bin ich in keiner Midlife Crisis. Und Motorrad fahre ich am liebsten als Mitfahrerin hinten drauf – nicht selbst, weil ich eindeutig Unfälle vermeiden will. Wer schon mit Autos Probleme beim Einparken hat, sollte schnelle Zweiräder lieber anderen überlassen.

      Gerade ist eher die Überlegung, ob ich ab nächstem Jahr in Richtung Selbstständigkeit gehen soll – teilweise zumindest. Und da hab ich schon Muffe vor. 😉 Aber meine Hörner werden es schon richten.

      Also: Keine Sorge, es ist alles gut… Ich bin nur hin und wieder nachdenklich. Brauch ich einfach hier, da mir ja der Mann für solchen Austausch fehlt. 😂
      Genieß den Feierabend – und meide bitte zukünftig Unfälle,
      Claudi

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      1. Haha…danke für den Tipp. Werde es versuchen 😉
        Ahh….verstehe….also da bin ich ehrlich hochachtungsvoll! Selbstständig habe ich oft drüber nachgedacht und mich nie getraut….
        Da ziehe ich a ) meinen Hut und drücke b) fest die Daumen!
        LG Nicole
        PS: die Gedanken niederzuschreiben finde ich das schöne am bloggen. Hat mir das eine oder andere Mal geholfen. Sowohl beim Schreiben, als auch beim Lesen bei anderen…Deine lese ich gern.

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