Heute ist unser Thema Traumatherapie. Nu juut, da habe ich ja schon eine Ausbildung drin. Aber es ist definitiv ein Herzensthema von mir. Und so trete ich recht beschwingt dem Webinar bei. Und dann erscheint da ein Wesen, das… äh… mich an Müsli erinnert. Ja, klar, das ist oberflächlich wie Sau, aber ich kann ja schlecht gegen meine Assoziationen, oder? Nach und nach kommen alle anderen auch hinzu, so dass wir starten können.

Ääääh… nö. Müsli hat das dringende Bedürfnis, sich ausgiebig und weitschweifend vorzustellen. Oh man. Ich brauche keine Verkaufsshow. Sie erzählt die komplette Ochsentour. Mein Kollege von ganz früher hat zur Vorstellungsrunde immer gesagt: „Erzählen Sie mal, woher Sie kommen und ein bisschen, wer Sie sind. Wenn Sie vom ersten übern zweiten Weltkrieg erzählen und plötzlich vor dem dritten ankommen, war es wohl etwas zu ausführlich.“ Kurz bin ich geneigt, diese Weisheit mit ihr zu teilen.

Kennt Ihr solche Menschen nicht auch? Sie erzählen, wie man es von der Sparkassen-Werbung aus den 80ern kennt: „Mein Haus, mein Auto, meine Pferde, meine Poolmädels, mein Gärtner und bla“. Ich kenne beruflich viele solcher Gockel (und ja, auch Hühner), die meinen, ihre Komplexe wohl so kaschieren zu müssen. Ich höre dann ja meist nur noch einen Fiepton. Müsli erzählt dann aber nicht nur die harten Fakten, wie Studium, Praxis und welche Kurse sie noch unterrichtet. Nein, sie berichtet von ihrer Erleuchtung. Sie sei nämlich gaaaaaaanz spirituell, da sie in einem Ashram in Indien war. Ah ja. Genau meine Kragenweite. Keine Ahnung, was da bei mir immer einen Schalter raushaut, aber das passiert nunmal.

Nach einem halbstündigen Monolog fragt sie uns dann, was wir denn für Erfahrungen mit Traumata hätten, welche Erwartungen bei uns geweckt würden und dergleichen. Meine süße Elfe ist natürlich in ihrem Element und sagt, wie spirituell sie ja auch sei und dass sie sich erhoffe, nützliche, spirituelle Hinweise zu erhalten. Eine andere Teilnehmerin blubbert dann auch von der Spiritualität, also muss das jetzt raus. Ich aktiviere mein Mikro und sage: „Tut mir leid, der Spielverderber sein zu müssen, aber ich hab es nicht so mit Spiritualität. Ich mag die Wissenschaft schon auch sehr gern.“ Schweigen… Und dann: „Ja, das ist ja auch ok.“ Da bin ich aber erleichtert.

So, nicht missverstehen: Ich glaube auch an einiges. Und jeder hat ein gewisses Maß an Spiritualität – außer Trump natürlich. Für mich geht es mehr um Empathie und Einfühlungsvermögen, während ich den meisten schamanischen Kram als Scharlatanerie abtue. Und diese Darstellung von Selbstfindungstrips, die viele dann Erleuchtung schimpfen, lassen mich nur ans Hirn packen. Ja, jeder, wie er mag. Aber hier geht es um eine fachliche, wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Da brauche ich keine Räucherstäbchen und Mumu-Beschau.

Da Angelika – so heißt die Dozentin – schon fast schwebt (nicht meine Behauptung… das sagt das andere Steinböckchen im Kurs), drifte ich wieder mal ab und chatte. Thomas – der Widder – spuckt Gift und Galle, da er diese Ollen so satt habe, die sich am meisten hier selbst therapieren. Sein Gefluche lässt mich schmunzeln. Der einzige andere Mann führt mal wieder Grundsatzdiskussionen. Schon schade, dass Ashram-Angie dieses tolle Thema den meisten von uns nicht näherbringen kann. Ein paar von den Esoschnecken finden es aber dann doch gut.

Und da zeigt sich mal wieder, wie gut es ist, dass wir so unterschiedlich ticken. Für jeden gibt es in diesem Erdenzirkus die für ihn passende Attraktion. Und da alle Menschen unterschiedlich sind, wird es auf Klientenseite ja auch solche Kandidaten geben, wie Ashram-Angie da vor mir. Da bin ich froh, dass die dann Angie heim- bzw. aufsuchen können. Ich täte mich mit meinem Hintern auch verdammt schwer mit dem Schweben.

Gottseidank gibt es dann nachmittags den Lichtblick, eine liebe Kollegin am See zu treffen. Munter backe ich Baguettes, bereite Schafskäsecreme sowie Datteln in Speckmantel zu, kreiere noch Tomate-Mozzarella-Sticks, bevor ich endlich losdüse. Die Vorbereitung hat ja immer was Therapeutisches für mich, das mich ganz schnell wieder runterpflückt.

Und so sitzen wir dann chillig am See, futtern alles, was unsere Körbe so hergeben und beobachten den bunten Strauß an Menschen, der hier rumschwirrt. Da gibt es den Kindergeburtstag für ein Dreijähriges, cooles Abhängen von einer Schulklasse (oh man, so war ich auch!), Pärchen und jede Menge Kinder. Hach, „Gottes“ Tierreich ist eben vielfältig… was es auch so spannend macht. Und ja, da ist auch Platz für Ashrams – solange ich nicht dorthin muss. Vermutlich würde ich aber auch schnell rauskomplementiert, sollte ich da mit meinen anti-spirituellen Schwingungen aufschlagen. Aber: In welcher Religion wäre das anders? Daher bleibe ich wohl konfessionslos. Bleibt nur abzuwarten, in welcher Hölle ich mal landen werde? Nur bitte in keiner veganen Müslihölle… und auch nicht zu den Spinnen – ach nee, die kommen ja in den Himmel, weil sie nützlich sind. Huiiiiii… als Vorgeschmack fliege ich jetzt mal raus ins Gewitter – stilecht auf meinem Besen.  Gewitter reinigt ja die Luft – innen, wie außen, hoffe ich.

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