You hold that in head not out. Ich weiß, wenn einer kann, dann ich. 😂 Aber mal im Ernst: Was für ein Tag! Ich bin so was von durch, dass ich jetzt schon wieder drüber bin. Wie soll ich da schlafen können?

Doch von vorn: Ich schlafe wieder nur solala, was ich ja sonntags schon gewohnt bin. Der Tag ist rappelvoll, weshalb ich gestern Abend schon einige Punkte in meinen Kalender getippt habe, um diese nicht zu vergessen. Bin eben auch nicht mehr die Jüngste. Der Zahn der Zeit, gell? Zuerst ist ja heute die Team-Info, die ich auf einer Pobacke runterrocken werde, da ich sie bereits am Donnerstag erstmalig durchgeführt habe. Echt wahr: Wenn ich so was zum ersten Mal praktisch präsentiere, ist zumindest ein kleines Maß an Anspannung da. Beim zweiten Mal erinner‘ ich mich dann schon an das Lied: „Das erste Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr.“ Wobei ich sagen muss, dass ich das zweite Mal schon überspringe und direkt gedanklich weitermache mit: „und heut‘ weiß ich, daran stirbt man nicht mehr.“ (Stefan Waggershausen) Ich weiß nicht, woher diese Einstellung kommt, aber ist es einmal durchgeführt, „is der Kaas g’essn“.

Dabei ist jede Schulung anders – so auch heute. Die Teilnehmer in der Runde sind viel aktiver, stellen etliche Fragen und zeigen sich durchaus in Teilen kritisch. Und genau so macht es am meisten Spaß, weil dann die Herausforderung da ist. Der zweite Teil, der sog. Team-Launch (mei, san mia Cosmoplit, gä?), ist wiederum Neuland. Doch jetzt kennen sie mich schon und trauen sich auch, so richtig einen rauszuhauen. Bei der Führungskraft denke ich da kurz, dass es mit manch einer meiner Kolleginnen nicht so abliefe, aber gut. Ich bin ja hartgesotten. Sprüche, wie: „Der? Ah, der moant, er hätt‘ a solche Titt’n und müsst‘ eana all’n die Milch zum Sauf’n ge’am, oba des konna net.“ Ääääh, ja, genau. Ich spiele wieder geistig meine Lieblings- Intervention durch: „Tote Katze im Fluss“ – einfach vorbeiziehen lassen.

Einer aus der letzten Woche ist sehr still, beteiligt sich kaum. In der Pause frage ich nach, ob sein Wochenende so hart gewesen sei? Und es stellt sich heraus, dass seine 29-jährige Schwester in Kroatien Brustkrebs hat. Er ist alleine hier, alle Angehörigen sind in Kroatien. So nah liegen Spaß und hartes Leben oft beieinander. Puh. Wie schlimm muss das sein, sich mit irgendwelchen neuen Methoden zu beschäftigen, wenn Du weißt, Deiner Schwester geht es schlecht? Die OP ist längst überstanden, aber die Chemo aufgrund von Corona über längere Zeit ausgesetzt. Es sieht nicht gut aus. Armer Kerl. Mehr als mein offenes Ohr kann ich ihm nicht anbieten. Er wird sich melden, wenn ihm danach ist. Und trotzdem muss ich jetzt weitermachen – es hilft alles nichts.

Wir arbeiten über Mittag durch, ich hetze zurück, korrigiere den Praktikumsbericht unseres Studis und stemple mal wieder auf die Sekunde genau aus, bevor ich dann noch eine Stunde Orgakram telefonisch regle, was so unnötig wie eine dritte Schulter ist. Meine liebe Kollegin fragt nach, ob ich noch vorbeikommen möchte, was ich allerdings dankend, aber müde ablehne. Ich will nur noch auf die Couch.

Doch mein Kalender meldet mir meine Verabredung mit einem Mitschüler der Fortbildung. Waaaaaas? Die hatte ich voll vergessen – dabei erst vor drei Tagen vereinbart! Ich erwähnte ja eingangs das hohe Alter. Also mache ich mich ratzifatzi frisch (ein Hoch auf Puder, Deo und Parfum) und düse auch schon los. Dabei ist es wieder eklig schwül. Kann denn jetzt mal einer den Schalter für den Herbst umlegen? Ich mag jetzt bereits nicht mehr, was das Wetter so bietet.

Thomas erscheint dann auch unpünktlich, was nicht weiter schlimm ist, weil ich mich so zwischendurch um meinen Flüssigkeitshaushalt kümmern kann, der heute sehr gelitten hat. Die große Rhabarberschorle ist fast schon weg, als er eintrudelt. Und dann höre ich mir des Widders liebstes Thema an: Sex. Und sein Jammern über die Abwesenheit eben dieses – obwohl er durchaus liiert ist. Es ist kontraproduktiv, ihm die Müsli-Dozentin vom letzten Freitag ans Herz zu legen. Er ist in einem Stadium angelangt, wo Humor nicht mehr hilft. Putzig finde ich dann seine Erklärung: „Und so frustriert, verhalte ich mich dann schon wie ein Arsch. Ja, und sie sich wie eine Ärschin. Und während wir uns dann so anarschen, frage ich mich, warum ich da bleibe?“ Ich schaue ihn mit hochgezogener linker Augenbraue an (rechts kann ich das nicht): „Uuuuuuund?“ Er seufzt: „Du müsstest mal das Haus und den Garten sehen! Da würdest Du dann auch nicht mehr freiwillig in eine Mietwohnung gehen.“ Doch, aber was soll ich ihm das jetzt erklären? Nach so einem Tag? Ich putze mein Schoko-Soufflé weg und denke mir nur, wie schön es da als Single ist. Ich muss keine Ärschin sein, sondern einfach ich selbst – ohne Garten, aber dafür mit Rückgrat und  Schoko-Soufflé.

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