Die Nacht war zu warm… viel zu warm. Aber ich bin glücklich, dass es heute wieder normales Frühstück gibt. Als ich das letzte Mal hier war, gab es Lunchpakete mit Gummiadlern. Wenn diese Semmeln überhaupt je aufgebacken worden sind, dann war es im letzten Jahrhundert. In Frischhaltefolie am Abend zuvor in die Kühlung gelegt, macht es einfach keinen Sinn. Entsprechend wollte ich schon das Frühstück abbestellen. Jetzt geht es aber fast wieder normal. Einfach genial, wie sich das anfühlt. Es gibt kein Buffet, sondern es wird alles an den Tisch gebracht, was ich jedoch genieße. Einziger Nachteil: Es wird mehr weggeschmissen und in Plastik verpackt.

Frisch gestärkt, gehe ich in die Schulung. Dieser übers Rentenalter hinausgehende Trainer ist der eine Teil, der meine Freude ausmacht. Das Team, das mich dort wieder erwartet, macht den anderen Teil aus. Ich fühle mich wieder total wohl. Und Matthias, der Trainer, beweist mir, dass Schulung eben auch anders sein kann. Ja, ich habe schon von ihm berichtet. Zuletzt habe ich allerdings wieder Trainer erlebt, die mich zweifeln ließen, ob ich richtig unterwegs bin. Doch Matthias ist da dann wieder inspirierend. So macht Schulung Spaß – so anstrengend die Theorie auch sein mag. Hier will man mitmachen. So hat direkt nach meiner Schulung am Montag auch jemand seine Führungskraft aufgesucht und deutlich gefordert: „Bei dem Thema muss ich mitmachen!“ Das ist es, was mich wohl antreibt. Und hier erlebe ich das gleiche.

Später kommt der Abteilungsleiter dazu und bedankt sich erneut, für die tollen Ergebnisse. Was macht Matthias? Er verweist auf uns und macht klar, dass die Arbeit bei uns lag. Mit so engagierten Leuten sei die Arbeit keine Arbeit. Ich kenne genügend dieser Lippenbekenner, die so was sagen, aber nicht meinen. Hier weiß und spüre ich, dass diese Haltung echt ist. Genau so soll es sein.

Im Anschluss plaudere ich noch mit dem Abteilungsleiter. Er ist ein Menschenfreund, was auf seiner Hierarchieebene mehr als selten ist. Ihn treibt es schon länger um, dass ich die Firma wieder verlassen könnte. Alles sei hier zu träge für jemanden wie mich. Stimmt schon… nur in welchem Konzern ist das anders? Und für ein StartUp fehlen mir das junge Alter und der Mumm. Ich erkläre ihm noch, wo und mit wem ich am liebsten in der Firma arbeiten wollen würde: Mit der sozial-psychologischen Beratung. Dort sitzt eine tolle Frau, wie ich finde. Sie ist allerdings weicher als ich. Das wiederum verneint mein Gegenüber. Er mag sie sehr, behauptet aber, sie sei doch viel kontrollierter als ich. Und überhaupt: Ich sei ganz klar femininer. Da bin ich baff. (Zur Aufklärung: Es geht hier nicht um Hintern und Möpse.) Ich sei authentischer, meint er vielmehr. Und dabei eben feminin… An sich finde ich das ja gut, nur kann ich seiner Logik nicht so ganz folgen. Er grinst und ergänzt noch: „Sie ist eben kontrolliert, was ich Dir manchmal wünschen würde.“ Ich sage trocken: „Du meinst karrieretechnisch diplomatischer. Kann ich auch – will ich aber nicht.“ Er lacht: „Und das bewundere ich dann wieder so: Du machst das dann mit aller Konsequenz und bist Dir der Folgen total bewusst.“ Jo. Wenn er das mit feminin meint, bin ich megafeminin. Aber das allein meint er nicht. Im Grunde ist es auch wurscht. Solange ich authentisch wirke, passt es für mich.

So bereichernd der Tag auch war: Ich bin dennoch müde, keine Frage. Es sind fast 30 Grad. Aber ich will nicht wieder sofort ins Hotel. Die eine liebe Kollegin von hier ist frisch am Kiefer operiert. Eigentlich wollte ich sie besuchen, aber sie hat am Morgen abgesagt. Es ist zwar alles gut gegangen, aber sie hat Schmerzen und kann nicht reden. Doch: Welche Alternative gibt es für heute Abend?

Meine niederbayrischen Kollegen verstehe ich bisweilen leider nicht immer so genau. Es sind eben echte „Waidler“ dabei, also Eingeborene aus dem bayerischen Wald. Köstlich! Nur leider auch wenig verständlich. Entsprechend glaube ich bei der Erwähnung von „Walhalla“ zunächst auch an ein Missverständnis. Viele kennen es vermutlich, aber ich oute mich als Unwissende. Und so fahre ich gerade mal eine gute halbe Stunde, um eine weitere, spinnerte bauliche Idee von König Ludwig zu bestaunen. Ja, die Nazis haben auch dieses Werk für ihren braunen Dreck missbraucht, was aber diesem fetten Monument keinen Abbruch tut.

Es braucht so Menschen, wie Ludwig einer war, die eben spinnen. Sonst wäre unsere Welt viel weniger vielfältig und bunt. Die Halle ist drinnen auch ziemlich dekadent ausgestattet mit all den „hohen Köpfen“ der Zeit. Was nur wieder einmal auffällt: Die dargestellten Frauen sind mit vielleicht gerade mal einem Prozent deutlich unterrepräsentiert. Dabei gab es sie ja zuhauf! Nur sind es immer die Männer gewesen, deren Namen man auf die Erfolge gepappt hat. Ist es heute so viel anders? Und nein, ich bin immer noch keine Feministin. Nur jemand, der Gerechtigkeit mag. Und die herrscht noch lange nicht.

Trotzdem ist dieses Walhalla beeindruckend. Und der Blick von hier oben? Einfach traumhaft. Daher genieße ich die Sonnenstrahlen hier noch etwas, bevor ich zurück ins Hotel fahre. Ich hoffe, Euch geht es ähnlich gut wie mir gerade – feminin oder eben nicht.

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