Oh mein Gott, das liebe Amt. Und bevor es jetzt einen Shitstorm hagelt: Ich kenne liebe, tolle Menschen, die in einer Verwaltung tätig sind, fleißig arbeiten und keinem Klischee entsprechen. Trotzdem treffe ich leider auf das Klischee. Es ist zum Mäuse Melken.

Anfang der Woche hatte ich mich per Mail erkundigt, ob ich einen Termin bräuchte, wenn ich mich zu meiner Prüfung fürs nächste Jahr im Frühjahr anmelden wolle. Freitag hätte ich frei und würde die Unterlagen gerne vorbeibringen. Immerhin erhalte ich drei Tage später die Info, dass an diesem Mittwoch schon die Frist anlaufe. Aufgrund von Corona konnten in diesem Frühjahr keine Prüfungen vorgenommen werden. Alle Prüflinge seien auf den Herbst geschoben worden. Entsprechend würde da nun auch geschoben. Es heißt also: Schnell sein! Die zuständige Sachbearbeiterin sei am Donnerstag da. Dann könne ich die Sachen gerne bringen. Es reiche aber, die Unterlagen per Post zu schicken. Das Institut hingegen hat uns empfohlen, die Unterlagen persönlich abzugeben. Die Sachbearbeiterin schreibt ausnahmslos in der Wir-Form, was mich schon befremdet. Nun bin ich ja nicht vor Ort, weshalb ich frage, ob sie mich einfach auf der Anmeldeliste vormerken könne? Am Freitag würde ich dann die Unterlagen vorbeibringen. Darauf habe ich bislang keine Antwort erhalten. Ist aber auch nicht wichtig, denn es läuft ja nur die Zeit. Telefonisch kann keine Kollegin dazu Auskunft geben. Ich frage mich, was passiert, wenn die Dame ausfällt – wodurch auch immer: Krankheit, Langeweile, Schwangerschaft, Jobwechsel… Bricht dann der Bereich total zusammen? Vermutlich schon.

Heute packe ich also meinen Kram zusammen und fahre zum Landratsamt. Parkplätze gibt es nicht, aber man kann ja im völlig zugeparkten Wohngebiet den Wagen abstellen. Haha! Irgenwann, ein paar Straßen weiter, werde ich fündig. Wer jetzt aber denkt, man könne da so ins Amt reingehen, täuscht sich gewaltig. Als ich die erste Tür öffne, kommt mir schon eine Frau entgegen und bellt: „Haben Sie einen Termin?“ „Guten Morgen. Nein, ich habe keinen Termin und möchte meine Unterlagen abgeben.“ „Da! Briefkasten!“ Kein Scherz. Genauso wird es mir gesagt. Ganze Sätze scheinen out zu sein. Ich setze erneut an: „Ich habe mit der Sachbearbeiterin gemailt, dass ich das am Empfang abgeben darf.“ „NEIN! Nur Briefkasten!“ Ich komme mir echt wie ein Schwerverbrecher vor. „Wo kann ich denn ein Führungszeugnis beantragen?“ „Weiß ich nicht. Gehen Sie!“ Sprachlos drehe ich mich um. Mein Problem: Ich brauche etwas von denen – nicht umgekehrt. Im Netz stand noch, dass man jetzt auch wieder ohne triftigen Grund zum Amt könne, also auf der eigenen Homepage. Ein Termin sei zwar besser, aber es gehe auch so. Nur müsse man in jedem Fall Mundschutz tragen. Das mache ich sogar.

Ich google und rufe das Bürgerbüro an, das einem nach einigem Klingeln eröffnet, alle Mitarbeiter seien beschäftigt, und man solle es später noch einmal versuchen. Das mache ich auch – ganze fünf Mal. Immer werde ich aus der Leitung gekegelt. Warum heißt es Bürgerbüro, wenn es niemanden interessiert, wenn ein Bürger sich meldet? Ist, als würde man sich Reisebüro schimpfen, wenn man keine einzige Reise anbietet. Ich maile – wenn meine Erfahrung mir auch zuraunt, wie erfolglos ich zuletzt damit war.

Beim Einkaufen um 10 Uhr wundert es mich wieder einmal, wieviele Menschen unterwegs sind. In den Läden steht die Luft. Aber ich erledige alles zügig und fahre heim. Und dann passiert das Wunder: Ich erhalte eine Antwort! Wenn ich 10 – 15 Minuten Wartezeit mitbrächte, könne ich jederzeit vorbeikommen. Wenn ich lieber einen festen Termin hätte, dann ginge das nächste Woche auch. Hallo?! Ich laufe direkt los und bin 15 Minuten später da. Und was? Ja, ich werde wieder angebellt. Dieses Mal von einem jungen Mann: „Haben Sie einen Termin?!“ „Nein. Eine Ihrer Kolleginnen meinte, ich könne auch so vorbeikommen. Ich brauche nämlich ein Führungszeugnis.“ „WAS??? Desinfizieren Sie sich erstmal hier die Hände und kommen Sie mit.“ Ehrlich jetzt: Wieso muss ich mich wie ein Verbrecher behandeln lassen? Der junge Mann geht vor und sagt: „Die Frau hat wohl mit jemandem hier telefoniert? Sie will ein Führungszeugnis. Wer war das?“ Erstaunte Blicke. Ich räuspere mich: „Ääääh, ich habe gemailt. Die Anrufversuche wurden immer abgebrochen.“ Er wendet sich erneut an die Kolleginnen: „Von mir aus eben gemailt. War das eine von Euch beiden?“ Kopfschütteln. Meine Halsschlagader beginnt zu pochen. Ich krame mein Handy raus und nenne den Namen. Ein Augenrollen erfolgt auf die Namensnennung. Die rechte der Damen seufzt: „Naja, ich hätt‘ Zeit. Dann schaun wir mal.“ Der Vorraum ist leer. Sie hat Zeit… die andere übrigens auch. Und da kann dann keiner ans Telefon? Aber man braucht schon unbedingt das Geschiss mit dem Rumfragen, wer den Frevel begangen hat, zu behaupten, ein Bürger dürfe einfach vorbeischauen? Ich kann nicht mehr. Und doch spüre ich eine Dankbarkeit, dass die Dame vor mir den Antrag aufnimmt, der mich 13 Euro kostet. Warum eigentlich? Warum bin ich dankbar? Ich zahle für eine Leistung, die ich hier bekomme. Wir sind hier immer noch im Bürgerbüro. Es braucht also tatsächlich Bürger, die etwas benötigen, damit dieses Büro existieren darf.

Ich kann mir vorstellen, dass manch ein Bürger auch nicht gerade freundlich ist. Ich kann auch verstehen, dass manch einer Angst davor hat, sich anzustecken. Ich kann nicht verstehen, wieso man in diesem Ton fragen muss. Und ich frage mich, ob diese Leute eigentlich im Supermarkt einkaufen gehen? Oder nehmen sie Rücksicht auf die wahrlich gebeutelten Verkäufer und bleiben Zuhause? Machtmissbrauch entsteht im Kleinen. Und noch mal: Ich kenne echt engagierte, mustergültige Staatsbedienstete. Und leider kennen die selbst auch einige Kollegen, die eben nicht verstehen, dass sie Staatsdiener sind, sondern ihre Position meinen, ausnutzen zu müssen. Es ist einfach nur traurig, wie sich manche aufführen. Ich würde sie zu gern nicht behelligen, aber unsere Bürokratie weiß das leider zu verhindern. Ein Teufelskreis…

Erst ein Telefonat mit einer lieben Freundin nach einem ausgiebigen Nickerchen, bringt mich launetechnisch wieder nach vorne. Sehen wir es mal positiv: Ich weiß jetzt, wo der Briefkasten des einen Amts ist, habe mein Führungszeugnis beantragt, ohne jemanden zu hauen und habe einen weiteren Termin für die Beglaubigung meines Hochschulzeugnisses. Also ist alles gut. Und morgen kommt meine Familie. Es läuft… ab morgen noch etwas besser.

3 Kommentare

  1. Uiuiuiuiuiuiui…da wär mir der Hut hochgegangen. Respekt, dass Du ruhig geblieben bist. Ich denke, ich hätte einen Aufstand gemacht mit der Lieblingsdrohung: ich möchte sofort ihren Vorgesetzten sprechen, hihi….
    Erhol Dich gut!
    LG Nicole

    Liken

    1. Ich habe es unterdrückt, denn es hilft mir ja nicht weiter. Ich WILL unbedingt im nächsten Frühjahr die Prüfung machen. Entsprechend muss ich dann innerlich bis 2.000 zählen. 🙂
      Nicht leicht, keineswegs meine Stärke, aber so ist das Erwachsenenleben manchmal, hm?

      Gefällt 1 Person

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