Puh, ist noch einer heute Morgen so müde wie ich? Das Bett ist noch so bequem, als der doofe Wecker klingelt. So macht das einfach keinen Spaß. Aber klar, es ist ja auch erst Montag. Ich fahre also zeitig (und wenig motiviert) zur Arbeit. Irgendwie eigenartig, dass so niemand im Büro ist – keiner meiner direkten drei Kollegen und auch kein Studi. Ich bin echt gespannt, wann wieder so was wie Normalität eintreten wird? Und: Müssen wir uns dann zunächst wieder an regelmäßigen Menschenkontakt gewöhnen? Wer weiß, wer weiß…

Nachdem ich insgesamt nur fünf Mal versuche, meinen Chef telefonisch zu erreichen, klappt es dann doch noch. Und hier ist wohl ein Wunder geschehen. Er ist seit Corona das allererste Mal in der Firma. Hammer. Ich brech‘ ab. Dass er den Weg überhaupt gefunden hat, wundert mich ja schon. Wir sprechen ein paar Dinge ab. So zum Beispiel, dass er nicht mehr für die Ausbildungsabteilung zur Verfügung stehe. Das könne ich jetzt gerne ganz allein machen. Hä? Das war immer sein Baby. Ich hab zwar allerhand konzipiert und durchgeführt, aber alles musste ich ihm zeigen… und er musste immer dabei sein. Seine Erklärung für den Sinneswandel? Er sei schließlich Führungskraft! Er müsse auch mal was delegieren. Ich kommentiere es nicht. Es bringt ja nichts. Würde er es nur mal richtig machen.

Und dann ruft plötzlich die Tante vom Amt an. Joooooo, meine Anmeldung sei eingegangen. Ich sei auch die Erste auf der Liste. Es könne trotzdem sein, dass ich nicht im März nächsten Jahres geprüft werde. Im Moment werde eben geschoben, aber keine Kapa raufgefahren. Frühestens im Januar erfahre ich, wie entschieden wird. Auch toll, oder? Die Prüfungsvorbereitung beginnt allerdings immer schon ein halbes Jahr vor der Prüfung. Hoch lebe der Vorgang. Aber die Dame ist sehr nett. Ich muss gar kein Geld für beglaubigte Zeugnisse hinblättern. Ich solle einfach mit den Zeugnisse vorbeikommen. Dann sehe sie ja die Originale. Ich darf nun Mittwochmorgen zu ihr kommen. „Wenn ich denn eingelassen werde.“ Da ist sie verdutzt. Ich kläre sie über den Ablauf letzte Woche Freitag auf. Das sei so überhaupt nicht zulässig gewesen! Wenn ich am Mittwoch erneut Probleme bekäme, solle ich sie direkt anrufen. Sie käme dann sofort zu mir, denn es sei wieder ganz normaler Bürgerverkehr zulässig. Ich überlege kurz, mit welchem Bürger ich wohl Verkehr haben wollen würde? Aber Spaß beiseite: Ich bin schon etwas erstaunt, wie freundlich und hilfsbereit die Dame vom Amt sich so zeigt.

Einziges Dokument, das mir dann noch fehlt, ist das ärztliche Attest. Da ich aber keinen festen Hausarzt habe (wozu auch?), weiß ich noch nicht, wie ich den Schrieb nun bekommen kann. Auch da hilft die Dame mir weiter: Der Frauenarzt könne so was auch ausfüllen. Ich frage mich, wie der das beurteilen kann? Und überhaupt: Der attestiert mir höchstens, dass ich einen an der Murmel habe. Wir haben da so unsere Historie nach einem Eingriff im letzten Jahr. Trotz Narkose und Bauchspiegelung, habe ich an den zwei Tagen danach an einer Fortbildung teilgenommen. Das hat ihm zwar imponiert, aber normal findet er mich nicht. Ich habe dennoch den Versuch gestartet und warte nun auf seine Antwort. Hoffentlich überwiegt sein Humor. Denn lustig findet er mich definitiv.

Bleibt nur noch ein Problem. Ich hatte da große Hoffnung in meinen großen Neffen gesteckt. Meine Balkontür geht nämlich nicht mehr auf. Richtig ätzend. Nur leider konnte der Große nichts ausrichten. Es handelt sich allerdings auch um „Poppekroam“ bei diesem Schließsystem. Da habe ich schon oft gedacht, dass ich irgenwann die ganze Tür in der Hand habe. Nun bleibt mir nur noch das, was ich unbedingt vermeiden wollte: Ich muss meinen kleinen, verwöhnten Schnulli-Vermieter informieren. Schweren Herzens schreibe ich ihm. Natürlich denkt er, er könne das selbst beheben, was er gerne versuchen darf. Und da er frei hat, kommt er spontan morgen Mittag zu mir. Wie sagte meine Sis so herrlich ironisch: „Da kriegt er erstmal ’ne schöne Tasse Kaffee bei Dir.“ Sicherlich nicht. Ich hoffe, es wird ein kurzes Gastspiel. Wobei…vielleicht überrascht er mich ja genauso, wie die Tante vom Amt? Hoffen darf man ja, oder? Eben.

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