Ich fahre um Arzt und muss mal wieder am Food-Truck zum Fiebermessen anhalten. Heute gibt es aber kein Bändchen. Ich fühle mich wie bei Heidi Klum: „Ich habe heute leider kein Foto für Dich.“ Stattdessen bekomme ich einen grünen Klebepunkt. Bei so richtig warmem Wetter garantiert eine perfekte Lösung. So was schwitzt sich ja nicht in Nullkommanix weg. Nö. Das hält. Bin mal gespannt, mit welchen starken Lösungsmitteln ich das jemals wieder entfernen kann. Aber gut, ich bin ja auch nur kurz hier. So lange dürfte es schon halten. Nach 30 Minuten Wartezeit kommt der nette Arzt von gestern, sagt mir, dass alle Werte in Ordnung seien (was meine demente, süße Omi damals mehrfach pro Tag von sich gab), er den Wisch für mich hätte und mir alles Gute wünsche. Das ging ja verhältnismäßig fix.

Auf dem anschließenden Weg Richtung Landratsamt halte ich dann an einer Ampel hinter einem fetten Pick-Up. Seine Rückseite ziert ein Aufkleber mit der Aufschrift: „Mein anderes Spielzeug hat Titten“. Echt jetzt? Ich mag ja so fette Autos, auch wenn sie totale Umweltverpester sind. Aber der Spruch? Da wünsche ich mir nur fünf Minuten mit dem Herrn allein – und ich habe zwei Klinkersteine in meinen Händen. Nein, Gewalt ist immer noch keine Lösung. Aber so dermaßen sexistische Sprüche mit völlig asozialer Haltung auch nicht.

Vor dem Landratsamt ist wieder alles zugeparkt, aber es ist ja wieder schönes Wetter. Dieses Mal ist da kein Securitydienst. Rein komme ich trotzdem erstmal nicht. Über eine Gegensprechanlage werde ich gefragt, ob ich einen Termin habe und was mein Anliegen sei? Ob die wohl Spaß verstehen, wenn ich mal antworte: „Die Zerstörung der Welt“? Ich probiere es lieber nicht aus. Sicher ist sicher. Der Herr am Empfang lässt mich mal ausnahmsweise rein, weil die entsprechende Dame telefoniere. Ich höre den Summer und trete ein. Er versucht es erneut, entschuldigt sich, aber sie telefoniere noch immer. Aber ich hätte wirklich, also ganz bestimmt einen Termin? Ja, habe ich. Indianer-Ehrenwort! Die sind doch echt plem plem, denn ich darf auch ohne Termin dort hin. Aber was soll ich hier Aufklärungsarbeit betreiben?

Blumen gibt es leider keine für mich, obwohl ich mir ja welche gewünscht hatte. Keine Blumen, keine Bändchen… irgendwas läuft gerade echt schief. Die Amtsfrau telefoniert immer noch, als ich anklopfe. Dort sitzen drei Kollegen auf recht engem Raum zusammen – ohne Maske. Ich versteh das alles nicht so richtig, aber warte gerne draußen. Dummerweise kann ich von draußen hören, wie die Dame auflegt und sie danach erstmal privat plaudern. Es geht um Alpakas. Nein, das ist leider kein Scherz. Eine Dame findet die ja soooooo süß und überlegt, sich welche zuzulegen. Viel süßer als Lamas. Und die Frisuren erst! Der männliche Kollege im Raum ist zuständig für Waffenrecht. Irgendwie passend gerade, schießt (man beachte den Wortwitz) es mir durch den Kopf. Aber dann geht doch noch die Tür auf. Als die Dame meiner gewahr wird, dreht sie sich hektisch um und zieht doch noch eine Maske über. Die anderen beiden nicht. Ich schütze sie ja. Sie selbst können ja nix haben. Is klar, oder?

Mein Vorgang wird hervorgekramt, die nötigen Kopien gemacht und die Akte komplettiert. Ach, ich sei doch die Dame, die man nicht reingelassen hätte? Jo, aber heute war ja keine vom Securitydienst an der Tür, berichte ich brav. Klar, heute sei ja auch das Ausländeramt geschlossen. Wie bitte? Ja, die seien nur an den Tagen da, wenn das Ausländeramt geöffnet sei. Ääääh, so viel zum Thema Rassismus. Schon krass. Und das Beste: Die Sicherheitsfrau hat selbst einen Migrationshintergrund und Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache (nicht meine Formulierung, sondern die der Dame vom Amt). Sie hätte versucht, ihr die Regeln zu erklären, aber sie sei außerstande gewesen, diese zu verstehen. Sie hätte ihr regelrecht leid getan, weil sie wohl immer wieder beteuert haben muss: „Ich nix falsch gemacht.“ Wenn das mal nicht skurril ist! Ich winke ab, es sei doch alles gut. Ich wäre doch jetzt hier. Und ich habe auch keine Beschwerde eingereicht. Trotzdem. Ich hätte das Recht gehabt, vorgelassen zu werden. Aber der Sicherheitsdame könne man dies nicht begreiflich machen. Ich frage mich, ob die hier eigentlich selber zuhören, wenn sie so was sagen? Das alles ist einfach nur absurd! Aber ich will es gar nicht verändern. Ich will nur raus und diese Lächerlichkeit hinter mir lassen. Sie schiebt aber noch hinterher, dass die Sicherheitsfrau sehr höflich und freundlich gewesen sei. Kein Wunder, oder? Ich breche innerlich ab.

Auf den Fluren Richtung Ausgang kommen mir mehrere Mitarbeiter des Hauses entgegen – allesamt ohne Maske. Die Maskenpflicht erstreckt sich nur auf alle Verseuchten außerhalb der Verwaltung. Gott, ich hoffe, ich stecke mich hier nicht an! Nein, nicht mit Covid19, sondern mit Dummheit. Und ja, ich kenne tolle Beamte, die ganz anders sind. Nur leider ist das hier gerade auch Realität.

Bei der Massage merke ich dann mal gleich, wie verspannt ich doch bin. Zwischendurch könnte ich laut aua schreien, aber im Nachgang wird es sich dann ja besser anfühlen. Zuhause gönne ich mir noch einen Eiskaffee, bevor ich dann Gott ’nen lieben, guten Mann sein lasse.

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